Posts by Lukas

    https://www.openpetition.de/pe…en/unterschreiben/adresse


    Nach dem Aus für die Infinera-Beschäftigten am Standort Berlin, deren Firma nach gerade einmal vier Monaten (kennt man ja inzwischen) dichtmacht, startete die IG Metall im Internet der Logik des Weges des geringsten Widerstandes gemäß eine Onlinepetition, um die Arbeitsplätze zu retten. Aus Sicht der Unternehmen macht das natürlich Sinn, Firmen aufkaufen, in Regionen mit (noch) niedrigeren Löhnen verlagern und gleichzeitig an die dortigen kommunalen und nationalen Gesetzgebungen mit vermutlich noch höherer Arbeitsintensität und Arbeitszeit anzupassen, um noch billiger produzieren zu lassen und noch mehr Kohle aus den Beschäftigten herauszupressen.


    Natürlich sollte man aus Interesse und Solidarität auch diese Möglichkeit ergreifen zur Unterstützung. Aus Sicht der Gewerkschaft fällt es mir jedoch immer schwerer eine gewisse Logik oder Taktik ihrer Führungen zu erkennen. Im Kaiserreich und der Weimarer Republik sind die Gewerkschaften oft auf die Fresse gefallen, aus Unverständnis ihrer bürokratischen Leitungen, aus Wissenslücken und natürlich auch aus mangelnder Klassensolidarität, wenn "Gewerkschafter" hauptberuflich eben Gewerkschafter sind, in dem Sinne Bürokraten. Die Arbeitgeber haben dann oft mit Massenaussperrungen reagiert (selbst schon bei geringfügigen Lohnkämpfen wie in der Berliner Elektroindustrie 1905/ 1906), das für die Gewerkschaften zur Folge hatte, Unterstützungszahlungen zu leisten. Statt die Beiträge zu erhöhen, um die die Kämpfe zu verbreitern und den Druck zu erhöhen hat man dann zunehmendst auf Verhandlungen gesetzt. Abgesehen von der ohnehin schon großen Zentralisierung von Kapital und Arbeitsprozessen haben die Unternehmer sich immer mehr in Arbeitgeberverbänden organisiert, während heute dagegen immer mehr austreten - ein Zeichen das die Arbeitgeber mit den Gewerkschaften und Arbeitern auch allein fertig werden. Und auch wie die Gewerkschaften haben sie Taktiken angewandt wie der Gründung von unternehmerfinanzierten gelben Werkvereinen, um die Organisierung von Arbeitern zu reduzieren oder gar zu verhindern. Im oben genannten Fall der Kämpfe in der Berliner Elektroindustrie hatten diese bei Siemens bis 1914 immerhin stolze 82% umfasst.


    Die Gewerkschaften änderten auch ihre Taktiken. Die Statuten wurden geändert, man wollte keine unvorbereiteten Kämpfe mehr führen, bei denen am Ende nichts oder fast nichts rauskommt, die die Gewerkschaften an ihre (materielle) Existenz brachten. Kampfmittel sollten "sehr" abgewogen eingesetzt werden, Streik nur nach reichlicher Überlegung und in Ausnahmesituationen. Aus häufigen langen Streiks mit wenig Beteiligung wurden wenig (heute eher seltene) und kurze Streiks mit hoher Beteiligung. Das kann an den Unternehmensleitungen nicht vorbeigegangen sein. Nach den Warnstreiks folgt dann erstmal kurze Zeit eine Intensivierung der Arbeit oder Überstunden, um den Ausfall wieder rauszuholen und am Ende wurde überhaupt nichts erreicht. Dass die Gewerkschaftsführungen Angst haben müssen dass ihnen die Kontrolle entgleitet sieht man nicht zuletzt an den steigenden Laufzeiten von Tarifverträgen, die Streiks ausschließen. Nur je mehr Betriebe abwandern desto mehr verändert sich auch die materielle Situation der Gewerkschaften. Lässt sich nun eine Taktik dieser ableiten oder wird nur noch eingesammelt, um für den Ernstfall gerüstet zu sein?

    Mir ist im Nachhinein aufgefallen zu erwähnen, das der Text eine Ergänzung zu dem Artikel war:

    https://www.neues-deutschland.…TnggaEdmK8mKAG9-6cxRDsOpE


    Im Nachhinein war mir auch nicht ganz wohl zumute mit der Einleitung, da eine Forderung nach der Ablösung einer Kanzlerin/ Kanzlers o. Staatsoberhaupt nur bedeutet dieses auszutauschen, quasi einen neuen Ausbeuter zu wählen. Wie du schon selbst sagst: "Solange (...) in den Startlöchern stehen"... . Dass HartzIV weg muss - keine Frage. Ich mein, Forderungen kann man viele stellen - aber wie setzen wir diese um? In Frankreich gibt es ein ähnliches Problem mit der Gelbwestenbewegung. Der Mangel an Bewusstsein, unabhängig von den Hintergründen hindert die Gelbwesten daran, dringende notwendige Schritte zu tun. Die wären z. B. Flugblattaktionen, die wären die Herstellung einer Verbindung zwischen den Schulen/ Universitäten und den Betrieben. Es gab Besetzungen von Kreisverkehren mit dem Hintergrund die Zufahrtswege zu den Industrievierteln zu versperren und so einen Ersatz für Streiks zu schaffen. Dass dies nicht lange gutgehen konnte zeigt wie schnell sie geräumt werden konnten. Also wenn HartzIV weg muss, eine völlig richtige Forderung, wie kann oder soll diese umgesetzt werden? Angenommen Schüler/ Studenten/ Demonstranten ziehen vor die Betriebe und machen Flyeraktionen. Es gibt die Idee schon. Mein Eindruck ist, es gibt sehr wenig, aber wenn dann positives Feedback. Vielfach ist die Resonanz aber sehr dürftig. Es ist nun auch nicht mehr so wie noch in den 70ern, wo man einfach mal in die Betriebe gehen konnte, um Betriebsgruppen aufzubauen (nicht zuletzt auch wegen der Zerstörung Basis der Aktivisten in den Betrieben, zum Vorteil des Ortsgruppenaufbaus). Facebook eignet sich für politische Arbeit, für konkrete Arbeit sehr wenig. Sei es wegen zunehmenden repressiven Logoalgorithmen, über Blockaden und Sperren, noch weil man außerhalb der eigenen Interessengruppe eine nennenswerte Anzahl ansprechen kann. Aber du hast Recht, die Zugriffe, wenn es um das Lohnarbeiterelend geht (über Facebook lässt sich das sehr schwer überprüfen) ist sehr niedrig im Verhältnis zu allgemeiner Kapitalismuskritik. Linke und Kommunisten leben in einer Blase. Intellektuelle identifizieren sich oft mit ihren eigenen Vorstellungen und erwarten dass ihr Gegenüber sich darin spiegelt. Veränderungen und Bewusstsein müssen reifen und wo ist dafür der bessere Ort, als in den Betrieben? Die Identifikation mit den sozialen Kämpfen geschieht mit "seiner" Arbeit und da die meisten Aktivisten Schüler/ Studenten/ Akademiker sind (zumindest in D - kann mich aber auch irren) reflektieren sie am Lohnarbeiterelend vorbei. Wer intellektuell ist, der will sein Wissen auch anwenden. Diskussionen und das Reflektieren über die theoretischen Vorraussetzungen sind auch ein Übel, das am Problem vorbeigeht, denn eine praktische Vorraussetzung in den Betrieben zu schaffen ist ungleich schwerer und erfordert große physische psychische Belastbarkeit, neben der Anwendung der revolutionären Theorie auf die Praxis.

    Ich möchte mal ein Thema zur Diskussion stellen. Vielleicht lässt sich darüber diskutieren. Es ist ein Text, den ich auf Facebook gepostet hatte.


    "Merkel muss weg? - könnte jeder Arbeiter unterschreiben. Aber die Liste wer alles weg kann und muss ist lang. Etwas das den Kapitalismus erst (über-) lebensfähig macht. Die (Nicht-) Austauschbarkeit der Eliten. Dazu gehört auch ein Herr Hoffmann. Keine Frage. Das Instrument Gewerkschaft richtet sich im Charakter gegen den Widerspruch von Kapital und Arbeit und darf daher als solches nicht infrage gestellt werden. Wie, mit welchen Mitteln innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften gekämpft wird, ist aber auch bestimmt von den Forderungen die wir stellen.

    Hier stellt sich Hoffmann ganz dem Verständnis der Gewerkschaftsbürokratie hinter die Große Koalition und damit hinter arbeitnehmerfeindlichen Maßnahmen, hinter einer repressiven Flüchtlingspolitik, hinter Sanktionen als Mittel Menschen in Billiglöhne zu zwingen und beführtwortet selbst noch nicht-existenzsichernde Löhne und spricht sich gegen eine Steigerung des Mindestlohns aus.


    Heute sprechen Gewerkschaftsfunktionäre die Sprache der Manager, die geerbte Traditionen aus der Weimarer Zeit weitertragen, unter dem Faschismus selbst zwar brutal unterdrückt wurden, doch die aufgebauten Widerstandsgruppen lediglich nutzten um auch nach dem Krieg eine aktive Rolle zu spielen - will sagen Karriere zu machen. Das hat ganz gut geklappt, auch wenn es manchmal schwierig war und ihnen der große Einfluss von Kommunisten zu schaffen machte, um die Kontrolle zu behalten, die sehr wohl verstanden hatten wer ihnen diesen Krieg beschert hatte.


    Aber sind diese Gewerkschaftsfunktionäre wirklich das Problem? Hier und da die Idee mithilfe der (herrschenden) Gewerkschaftspolitik "klassenkämpferische Gewerkschaften" zu schaffen - sehe ich kritisch. Die Idee gegen die Gewerkschaftsbürokratie zu kämpfen. In diesem gottverdammten Land reißen sich die Betriebsräte, Aktivisten und Gewerkschafter ihren Ar... auf für nichts und wieder nichts, weil die Entscheidungen vom grünen Licht in den Spitzen abhängig ist (mal abgesehen von der Abhängigkeit der Verwaltungsbezirke), die jegliche gewerkschaftsunabhängige Organisation zunichte macht, weil es völlig sinnlose Gesetze wie dem Beamtenstreikverbot erlaubt haben bis heute zu überleben oder Gesetze die den Widerstand gegen Streikbrecher ökonomisch und strafrechtlich sanktionieren, die Boykotte und Besetzungen verbieten, Tarifverträge den kampftaktischen Rahmen vorgeben (Reduzierung auf Lohnforderungen oder Friedenspflicht) usw.. Dazu kommt nicht zuletzt hinzu dass der Staat ebenso wie der Kapitalismus im Verlaufe der Zeit seine Anpassungsfähigkeit bestens unter Beweis gestellt hat und mit Begriffen herumexperimentiert hatte, um jegliche soziale Kämpfe mit dem Hinweis auf die Verhältnismäßigkeit von vornerrein unterbinden. Schließlich konnte man sich mit einer verfassungsrechtlichen Sicherheit auf ein Koalitionsrecht (Gründung von Gewerkschaften) mehr anfreunden, als einem Streikrecht, schließlich prägten Streiks den Alltag der Arbeiter in der Weimarer Republik und dem Kaiserreich. Daher denke ich, fangen wir an Forderungen zu stellen, die wirklich etwas bringen, Forderungen, die die Ausgangsbedingungen für Kämpfe um mehr und bezahlbaren Wohnraum, gegen rassistische Repressione und Arbeitshetze in den Betrieben, gegen Niedriglohn und Armutsrente, für ökologische und ökonomische Selbstbestimmung. Fordern wir auf den Straßen und in den Betrieben: Weg mit dem Betriebsverfassungsgesetz!"

    Ich hab eine Frage, die mir schon länger auf der Zunge brennt. Man liest immer wieder von der Theorie vom Negativzins. Die Beführworter des Negativzins haben auch ihre Anhänger wie die Kirche die Gläubigen. Nur verstehe ich nicht ganz was hinter dieser Logik steckt, wie eine solche Theorie entstehen konnte und was sie überhaupt aussagt. Vielleicht könnt ihr weiterhelfen.


    Zinsen sind Teil eines verliehenen Kapitals, nicht einfach Geldbetrag, es ist Kapital, weil es dem Verleiher einen Mehrwert (Zins) bringt. Der Entleiher zahlt diesen Zins nur und insofern, weil es selbst als Kapital fungiert, durch seinen Gebrauchswert dem Verleiher einen Mehrwert schafft und der Zins des Verleihers einen Abzug vom Mehrwert des Entleihers darstellt.


    Die Beführworter der Negativzinstheorie stellen die Logik einfach auf den Kopf und sagen, die Löhne steigen ganz automatisch, sobald der Zins negativ wird. Im Laufe der Entwicklung werden immer mehr soziale Probleme auf das Nichtvorhandensein des negativen Zinses zurückgeführt. Wie kann aber der Zins negativ werden, wenn wegen dieser Logik erst gar kein Kapital wegen reduzierten Gewinns angewendet wird?:/

    Inzwischen häufen sich die Analysen zu der Bewegung der gelben Westen, die inzwischen bereits viele Nachahmer gefunden haben. In manchen Ländern wird der Verkauf eingeschränkt oder gar verboten, so wie derzeit in Ägypten. Aufgrund der Nähe zu französischen Aktivisten kann ich einen Dreiteiler empfehlen, bei dem im ersten Teil die Bewegung charakterisiert, im zweiten Teil auf das Verhältnis sowie dem Verhalten der Gewerkschaften eingegangen wird und im dritten Teil die Forderungen erläutert werden. Vielleicht lässt sich auch das ein oder andere daraus diskutieren. Gruß Lukas.


    http://www.sozialismus.net/flu…entdeckte-politische-form

    Danke für deine Antwort. Die Resolution des DGB geht denke ich in die gleiche oder zumindest sehr ähnliche Richtung wie die Politik der Linkspartei. Ein Teil der Basis dieser Partei entstammt immer noch einer sozialen Schicht, Gegnern der Agenda2010 und HartzIV sowie sozial Abgehängten, Arbeitslose, Mini-Jobber usw. Daher will man auch nicht diese Wählerbasis verlieren und setzt unter anderem auf soziale Rethorik. Die Linkspartei und das angesprochene Problem möchte ganz einfach dass die SPD oder die Regierung wieder zur Besinnung kommt und soziale Politik macht (wie du schon sagst, damit macht man sich unglaubwürdig). In der Resolution werden jedoch außerdem auch mehr Investitionen in den Sicherheitsapparat gefordert. Wozu, wenn nicht um sich abzusichern und natürlich auch aus den Illusionen der Gewerkschaftsführer heraus.


    In der gesamten Geschichte der Bundesrepublik gab es im Gegensatz zur Weimarer Republik und selbst dem Kaiserreich so gut wie keine Arbeitskämpfe. Der Staat ist hier immer sehr anpassungsfähig gewesen und hat so die Gewerkschaften versucht in die Gesetzesstruktur einzubinden, vom Staat abhängig zu machen und gleichzeitig die volle Verantwortlichkeit für das Handeln der Gewerkschaften erst auf deren Führer und später auf die Organisation übertragen. Im Laufe der Zeit hat sich dann auch das Denken dieser Gewerkschaftsführer verändert. Das Ziel wurde immer mehr nicht der Kampf gegen den Staat, sondern innerhalb der Staatsphäre um (un-)wesentliche Verbesserungen. Da spielen dann auch Funktionärsinteressen eine Rolle, so z. B, beim Kampf der IG Metall zur Einführung der 35h-Woche 2003 (der zweite Vorsitzende J. Peters wollte den Vorsitz für den ausscheidenden Klaus Zwickel). Ich gehe mit dir mit dass die Bekämpfung der radikalen Linken nicht das Ziel, sondern nur ein Zweck ist, aber womit könnte man begründen dass sie (der Zusammenhang ist leider nicht eindeutig) einen starken Staat fordern bzw. einen Staat, der die "zivilgesellschaftlichen Kräfte" vor Rassismus und Rechtsextremismus schützt?

    Die Tage erschien eine DGB-Resolution zu den Ereignissen in Chemnitz:


    "#Wirsindmehr: Gewerkschaften gegen rassistische Hetze - für Solidarität!

    Zu den Ereignissen in Chemnitz hat der Geschäftsführende DGB-Bundesvorstand am Dienstag in Berlin folgende Resolution verabschiedet:

    Aus der Erfahrung mit dem Faschismus gibt es für uns Gewerkschaften keinen Zweifel, dass wir jede Form von Rechtsextremismus, Rassismus, Nationalismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit mit Nachdruck bekämpfen. Wir setzen uns ein für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit. Es ist gut und richtig, dass viele Menschen in den letzten Monaten und Tagen gegen rechte Hetze und hassgetriebene Aufmärsche Haltung gezeigt haben.

    Das reicht aber nicht: Der Rechtsstaat muss dieser Hetze und denen, die sie verbreiten, entschieden entgegentreten. Hier sind Politik, Sicherheits- und Ordnungskräfte gefordert. Wohlgemeinten Worten müssen konsequente Taten folgen. Stärkt die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die sich für Demokratie und Solidarität und den Schutz der Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt engagieren!

    Es ist inakzeptabel, wenn Mord- und Gewaltopfer oder deren Angehörige für politische Zwecke instrumentalisiert werden. In Kandel, Weyhe, Heidenau, Freital oder Chemnitz haben sich Menschen diesem Missbrauch des Leides der Betroffenen zum Glück widersetzt.

    Die rechte Hetze und die Aufmärsche der vergangenen Tage erinnern fatal an die Pogrome der 1990er Jahre. Anders jedoch als damals sitzt heute eine Partei im Bundestag, die diese menschenfeindliche Hetzjagd für legitim hält. Eine solche Partei stellt sich nicht zuletzt damit weit jenseits des demokratischen Spektrums. Bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen rufen wir auf: Wählt demokratisch, wählt keine Rechtspopulisten!

    Wir Gewerkschaften setzen uns für starken gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Wir dürfen den Feinden der Demokratie keinen Raum lassen. Gemeinsam kämpfen wir für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Courage ist gefordert - nicht wegducken!"



    Dazu hatte ich eine Antwort auf meinem Facebookprofil veröffentlicht. Leider sind die Diskussionen insbesondere wenn es um die Gewerkschaftfrage geht sehr mager. Ich finde es allerdings gerade in diesen Zeiten äußerst wichtig sich mit der Geschichte der Gewerkschaften auseinander zu setzen, wenn man die Arbeitenden erreichen will, um dann auch vielleicht in naher oder ferner Zukunft eine Perspektive der Arbeiter aufzubauen:


    "Die Lösung der Gewerkschaften: in Zeiten von Stagnation und Krise, in Zeiten wo UnternehmerInnen immer größere Angst vor der gemeinsamen Aktion organisierter Beschäftigter bekommen, in Zeiten in denen RassistInnen geschult durch Medien und Politik immer zahlreicher in Parlamente und Institutionen drängen auf mehr Investitionen in eben diese StellvertreterInnenpolitik (deren sie einen Teil darstellt) und in mehr Sicherheit bauen. Das passt eben auch zum Profil des DGB, der auch einstige Beamten- und Angestelltenverbände zusammenfasste und die mehr mit StellvertreterInnen verbindet, als mit den ebenfalls für Lohn arbeitenden, aber "nicht privilegierten" Kollegen.

    Wenn Gewerkschaften mehr Investitionen in Sicherheit und Staatsapparat fordern, dann wollen sie sich in Wirklichkeit nur für die Zukunft absichern, sich ein Polster (an-) schaffen, um mithilfe dieser organisierten Staatsmacht auch gegen kritische und linke GewerkschafterInnen vorzugehen.

    Um es nochmal zu sagen: die Ausübung von Mandaten z. B. in Betriebsrat oder Vertrauenspersonen soll nicht dem Ziel dienen kapitalistische StellvertreterInnenpolitik zu betreiben und anstelle der ArbeiterInnen und Angestellten zu handeln, sondern diese in Aktionen, die auch über den gesetzlichen Rahmen zur Wahrung des Status quo hinausgeht, mit einzubeziehen.

    Wie der Streik bei Halberg Guss gezeigt hatte, die IGM (ist) selbst ein Teil des DGB, kann ein Streik viele Energien freisetzen, doch er entwickelt nicht automatisch das Klassenbewusstsein derselben. Dafür muss man auch was tun. 6 Schlichtungstermine, kein Ergebnis. Informationen über den Verlauf der Verhandlungen? - Fehlanzeige! Und ein Streikkomitee, das von der Gewerkschaft statt den ArbeiterInnen selbst geschaffen wurde ist bürokratisch, will "alle Zügel in der Hand behalten". Die Lehre aus diesem Streik kann nur sein, das die Bürokratie ob im Staat oder einer Gewerkschaft nichts verändert bzw. verändern kann, das ihre eigene Legitimität untergräbt, dass die Handlungsmöglichkeiten beschränkt sind. Hier hat sich der Staat im Verlaufe der Geschichte abgesichert und die Gewerkschaften für ihre Aktionen auf Basis von Gesetzen (!) haftbar gemacht. Insofern kommen wir (ArbeiterInnen) immer wieder auf denselben Satz hinaus: "Die Befreiung der Arbeiterklasse muss die Tat der Arbeiter selbst sein." - Karl Marx"

    Ich hab jetzt nicht ganz verstanden wie das Industriekapital mehr Profit realisieren bzw. umschlagen kann, wenn im Handel Beschäftigte entlassen werden, wenn es das Handelskapital ist, das ausschließlich das Warenkapital umsetzt.

    Hallo Nikotin,


    ich schließe mich Wal an, dass Reichtum und Armut nach Ländern, Regionen oder Kontinenten zu staffeln nicht viel erklärt, zudem in dem Eingangspost der Eindruck entstehen könnte die Arbeiterklasse wäre in allen Bereichen privilegiert. Zumindest ist das ein herrschendes Argument bzw. ein Argument der Herrschenden, dass die Arbeiter in den entwickelten Staaten schon mit einem niedrigen Lohn den Lebensstandard der hochbezahlten Arbeiter der kapitalistischen Peripherie besitzen. Es klingt vielleicht paradox, doch in den Industriestaaten, in den entwickelteren Regionen wird man stärker ausgebeutet als in der Peripherie, arbeitet also länger für sich und schafft weniger Mehrwert, während in der kapitalistischen Peripherie mehr Mehrwert geschaffen wird, weil der Tag den man für sich arbeitet verhältnismäßig länger ist. Diese sogenannte Arbeiteraristokratie gibt es auch noch, ist jedoch sehr vereinzelt und sehr klein, so z. B. bei großen Mineralölkonzernen in Nigeria, wo die sehr gut und qualifizierten Arbeiter (selbst nur ein kleiner Teil der gesamt angewendeten Arbeitskraft) auch schon 5-stellige Monatslöhne bekommen.


    Ich bin auch kein Fan die Kampflosigkeit der Arbeiter damit zu erklären, dass sie zu hohe Löhne haben. In Frankreich ist der Lohn höher dotiert wie in Deutschland, aber die Arbeiter sind kämpferischer, während der Organisationsgrad der Arbeiter in Deutschland höher wie der in Frankreich ist (etwa doppelt so hoch), aber nicht zu mehr Streiks führt (in D kamen zwischen 2006-2015 zu 7 ausgefallenen Tagen durch Streik auf 1.000 Beschäftigte, in F waren es im gleichen Zeitraum 123).


    Die Frage stellt sich mit der historischen Situation im Hinblick auf deren Entfaltungsmöglichkeiten. In Frankreich gab es keine deutsche Revolution und damit auch keine Betriebsratsbewegung (die bürgerliche Revolution war bereits abgeschlossen und die Bevölkerung bald kampfesmüde), die im Zuge der sich zuspitzenden Situation mit dem Ende des Weltkrieges entstand und mit Zuckerbrot und Peitsche endete, d. h. es gab ein paar Zugständnisse an die Bewegung, aber nur indem die Betriebsräte gleichzeitig Fesseln bekamen und u. a. auf wirtschaftliche Fragen beschränkt blieben. Das war 1920. Die Etablierung der Sozialpartnerschaft wirkten sich auf das politische Bewusstsein aus, so wie auch viele begangene Fehler innerhalb der sozialistischen Bewegung. Und um 1952 (Betriebsverfassungsgesetz) war man sich dann endgültig einig darin, die Arbeiter nach Kriegsende besser kontrollieren können zu müssen, indem z. B. über Gesetze (Arbeitsgerichte entscheiden über die Verhältnismäßigkeit von Streiks) Arbeitskämpfe "sozialverträglich" gestaltet werden müssen, es wurden die Schlichtungskammern wieder eingeführt, Betriebsräte galten ab sofort nur noch als Anhängsel des Managements, die, wenn sich dann einmal linksradikale BR´s durchsetzten, viel Druck gemacht und an "Betriebsfrieden" und Tarifverfassungsgesetz erinnert wird. Davon abgesehen wurde der gewerkschaftliche Aufbau nicht wie in Weimarer Zeit (Zeit der meisten Streiks) in den Betrieben, sondern von oben, nach Orten organisiert (der Angst vor zunehmendem Einfluss der Kommunisten war real: im Ruhrgebiet waren 38% aller Betriebsräte Kommunisten). Am Ende des Krieges hatten die Arbeiter die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Sie wussten wer für Krieg und Zerstörung verantwortlich war und die Herrschenden zogen den Schluss einer politischen Krise daraus, die das System ernsthaft gefährden könnten.