Posts by Raoul

    das muss ich mir mal bei Gelegenheit in ruhe ansehen. hab das manuskript kurz überflogen.nur ganz kurz noch, die ausführungen, auf die du verweist, widersprechen meinen argumenten nicht, im gegenteil:


    zu den monopolen schreibt er:
    <<„Die weltweiten Operationen der TNKs (transnationale Konzerne) umfassen einen geschätzten Anteil von zwei Dritteln am Welthandel. Ungefähr die Hälfte entfällt auf den konzerninternen Handel zwischen Mutter- und Tochterfirmen. Dabei tragen zum Umsatz der 200 größten TNKs allein fünf Wirtschaftsbereiche mit mehr als der Hälfte bei: Handel, Automobile, Bankwesen, Einzelhandel und Elektronik. Bei Autos kommt auf die fünf größten Firmen fast 60 Prozent des weltweiten Umsatzes. Ebenfalls fünf Firmen teilen sich über die Hälfte des Weltumsatzes bei der Elektronik. Unter den 100 umsatzstärksten Staaten (Haushalte) und Firmengruppen befinden sich derzeit 51 TNKs und 49 Staaten.Die Konzerne General Electric, BP oder DaimlerChrysler erzielen jeweils einen größeren Erlös als die Nationaleinkommen aller Länder zwischen der Sahara und Südafrika zusammen. Insgesamt sind Anzahl, Größe, Operationsvolumen und komplexe Vernetzung von Finanzierung, Fertigung, Zulieferung und Vertrieb international tätiger Konzerne ein eindeutiges Charakteristikum der heutigen Globalisierung (UNCTAD 1997; Anderson/ Cavanagh 2000; Altvater/ Mahnkopf 2004; Deutsche Welthungerhilfe 2006)
    ...
    Das Ausmaß der internationalen Arbeitsteilung, vor allem in Gestalt der Arbeitsteilung innerhalb der Konzerne, rechtfertigt es aus meiner Sicht, von einer neuen Qualität zu sprechen und die Marxsche Darstellung vom Gesamtarbeit, Gesamtkapital und der Verteilung des Mehrwertes auf die Einzelkapitale zu hinterfragen. Gesamtarbeit, über die eine Gesellschaft verfügt, Gesamtmehrarbeit und Gesamtmehrwert müssen neu buchstabiert werden. Dieser konzerninterne Handel entzieht große Teile des Handels der Konkurrenz selbständiger Kapitale. Das bedeutet nicht, dass die Konkurrenz zwischen diesen Ablegern der Konzerne aufhört, aber sie unterliegt sozusagen der Kontrolle des Mutterkonzerns, der unmittelbar Einfluss nehmen kann auf Preisgestaltung und somit auf die Verteilung des Profits zwischen den einzelnen Gesellschaften
    ...
    Meine These lautet also: Je stärker die internationale Arbeitsteilung, je größer der Anteil importierter Waren an den Vorleistungen, desto fragwürdiger werden die Ergebnisse des BIP über die „Wertschöpfung“ im Inland. Jedenfalls dann, wenn man von der Arbeitswerttheorie ausgeht>>


    das bedeutet: 1. er stützt die these von der kapitalkonzentration 2. er gibt an, dass es nicht zur zentralisation kommt 3. er spricht von der teilweisen aufhebung der konkurrenz (das belegt er, indem er zeigt, wie die produktionskette der großkonzerne verlagert und die vorarbeit weitgehend an die vielen zulieferer und tochterfirmen delegiert wird)


    was das finanzkapital angeht geht es auch in der von mir gedachten richtung, verfehlt aber noch dessen spezifität (mE eben den unterschied zwischen kredit und geldkapitalware, so die verdopplung des kapitals nicht sehen kann ) sowie die machtdynamik unterschätzt wird ;)
    Zitate:
    "Erst wenn der Markwert der Unternehmen, ausgedrückt im Aktienkurs, sich von dieser Orientierung an den tatsächlichen Profiten, - auf künftige Gewinne spekulierend - entfernt,
    ist die Aktie nicht mehr durch Wert- und Mehrwertproduktion gedeckt. Eine solche Entwicklung setzte zweifellos in der 1990er Jahren ein..."


    "Soweit das Finanzkapital gerade oder nur auf künftige Wert- und Mehrwertproduktion spekuliert, betreibt es „Blasenbildung“ ...."


    "Sofern das Geld über den Finanzmarkt angelegt wird, treibt also der Finanzmarkt die Kapitalakkumulation, ..."


    "Die wirklichen qualitativen Verän-derungen, die wachsende Bedeutung des Kreditgeldes, beruhen auf der „Emanzipation“ des Geldes von der Geldware und der Möglichkeit der Verbriefung von Krediten."

    "Im Personal des Top-Managements verschmelzen Leitungsfunktion im Unternehmen und Kapitalbesitz wieder, wenn auch nicht unbedingt bezogen das jeweilige Unternehmen. Top-Manager bedienen sich aus dem vom Unternehmen erzielten Pro-fit und legen den nicht zuletzt in Aktien an.... Selbstverständlich kaufen sie davon „Wertpapiere“ und akkumulieren so einen Teil ihres Einkommens"


    [Quelle für alles kursive ist dein link, dessen inhalte du ja weitgehend teilst wie du sagst)

    wal, du wirst doch zugestehen, dass die kapitalistischen produktionsweise unterschiedlichen historischen formen sowie nationalen, politischen, geographischen und anderen
    ausprägungen unterliegt. es gibt eigentlich nicht den kapitalismus. oder was sind die kriterien dafür, über alle zeiten, formen und kontinente hinweg? ich würde sagen der widerspruch zwischen arbeit und kapital und der akkumulationszwang. ebentuell noch das privateigentum, doch ist auch staatskapitalismus vorstellbar, denn eigentumsverhältnisse sind nicht gleich produktionsverhältnisse. alles andere erscheint mir variant. kapitalismus heute kann mit der inwertsetzung von sklavenarbeit in der peripherien ebenso gut leben wir mit dem drücken der reproduktions- und damit lohnkosten, indem er arbeiter ausbeutet, die zugleich subsistenz betreiben. kapitalistischen wirtschaften kann ebenso mit einer faschistischen einparteienherrschaft d'accord gehen wie mit autoritärem staat oder liberalem markt. also geht es darum die historisch-konkrete form des gegenwärtigen gesellschaftsformation zu bestimmen, um sie verstehen zu können. dazu gehören die produktionsverhältnisse ebenso wie die politische regulation. und da sind einzelne tendenzen, wie überakumulation, die zum imperialismus und zum aufblähung der finanzmärkte führen, ein notwendiger teil des ganzen.


    nochmal zu den monoplen.
    natürlich handelt es sich um oligopole. diese tendenz der konzentration ist nicht zu leugnen. chemie, elektrik, energie, automobil, einzelhandel, rüstung, IT, pharna, medien, alle segmente sind durch oligopolisierung von wenigen großen konzernen gekennzeichnet. eindeutig konzentriert sich dort kapital. es handelt sich aber präzise genommen um eine konzentration ohne zentrallisation. denn zugleich gibt es prozesse des outsourcings, der flexiblen produktion und der innovation kleiner und mittlerer unternehmen, die quasi für das große kapital forschen.
    außerdem ist nicht mehr der gesamte produktionsprozess vertikal integriert, die technische integration nimmt ab. das direkte kommando weicht uU den mechanismen des marktes (oder des netzes), die wiederum von den großkonzernen beeinflusst werden. wir erleben also einen formwandel der kapitalkonzentration. sie ist eine direkte antwort von staat und kapital auf den rückgang der industriellen profite in den 1970er jahren.


    nochmal zum finanzkapital
    diese antwort auf die verwertungskrise der 70er jahre umfasst den neoimperiialismus, die fragmentierung der produktionsketten und die finanzialisierung.
    finanzialisierung beinhaltet:
    1. die zunahme des kapitalanteils der in finanzielle aktivitäten involviert ist.
    general electric und general motors erhielten vor der krise einen höheren teil ihrer profite aus spekulation und konsumentenkredit als aus dem erlös ihrer produkte. beide gehören zum industriekapital. verschmelzung? das erklärt wohl auch deine statistik der höheren profite der industrieunternehmen ggü der finanzindustrie.
    2. wichtiger ist aber noch die umwandlung von eigentum und unternehmenszweck
    anstelle des kriteriums des industriellen profits ist eben nun die erweiterung/wachstum des werts der börsenkapitalisierung getreten. zwar geht es freilich weiterhin um maximale kapitalverwertung, aber diese muss nicht mehr (allein) durch steigerung der produktivität angestrebt werden (auf der ebene des einzelnen unternehmens)
    das geschieht durch übernahmen und zusammenschlüsse wie auch durch investoren (fonds), die das eigentum der unternehmen aufkaufen, weil das eigenkapital für investition allein nicht mehr ausrteicht.
    die größten anteilseigner sind deshalb die finanzkonzerne geworden, die sehr an kurzfristigen hohen renditen orientiert sind - eben 15-25% statt 5 bis 10% prozent für industrieunternehmen. die kurzfristig angelegt finanzpolitik eines unternehmens gewinnt so die oberhand über die langfrostige produktionsplanung. die strukturänderung der unternehmen selbst bedingt also die finanzialisierung - und umgekehrt.


    deshalb kann selbst bei strikt produktivistischem charakter keine absolute trennung zwischen finanz und realkapital mehr vorgenommen werden!!


    Marx Vergesellschaftungsthese des aktienkapitals (samt trennung in eigentüber und funktionär) ist heute dahingehend zu modifizieren, dass der einfluss kleiner sparer ggü den großen finanzunternehmen irrelevant wird. diese investieren auch in das technische management und verzerren es zugunsten der finanzlogik. es findet als eine rekonzentration von eigentum statt (in den finanzunternehmen) und die finanzstrategen dieser eigetümrt übernehmen über den shaholder value zunehmend die kontrolle, da ihren erwartungen die technische leitung der produktion untergeordnet wird (und die bezahlung solcher manager findet wiederum oft durch weitere aktienoptionen statt)

    der zins ja, aber nicht der modus der finanzialisierung.


    nochmal mit anderen worten:
    Während beim Kredit das verliehene Geld für den Kreditgeber mittels eines Rechtsanspruchs auf Verzinsung und Tilgung eine zukünftige Geldvermehrung operationalisiert, wird beim fiktiven Kapital ein antizipierter Gewinn als ein Wertpapier festgeschrieben, das für den Käufer den Rechtsanspruch auf zukünftige Zahlungen enthält und zudem von ihm gehandelt werden kann. Während es im Kredit um die Potenz des Geldes geht, das beim Kreditnehmer als möglicher Profit fungiert, für den er einen Zins zahlen muss, geht es beim fiktiven Kapital um zukünftige Einkommen, die einem Wertpapier entspringen, welches der Investor für eine Geldsumme kauft, zu der sich die erwarteten Erträge, die das Wertpapier abwerfen soll, wie eine Verzinsung verhalten. Kreditnehmer wiederum treten hier nicht mehr als Schuldner auf, die an Geldmangel leiden, sondern als Emittenten von Wertpapieren - Anleihen oder Aktien -, die wiederum ein sich vermehrendes Vermögen darstellen, i.e. Teilhabe an der Kapitalmacht des Emittenten gewähren. Während ein Schuldner mit dem Kredit die Pflicht auf sich nimmt, Zinsen zu zahlen und Sicherheiten zu hinterlegen, gibt der Emittent eines Wertpapiers die Zusicherung, dass die Realisierung seiner Zahlungsversprechen in Zukunft funktioniert. Anstatt durch Kreditvergabe finanzielle Optionen für die Unternehmen bereitzustellen, verschaffen die Banken gegen Gebühren den von ihnen betreuten Unternehmen, die als Emittenten von Wertpapieren fungieren, Zugriff auf Geldmittel, damit sie ihre zukünftigen Projekte und Optionen erweitern können. Die Kreditwürdigkeit mutiert hier zu einer abgesicherten Bedingung, die mit dem Wertpapier gehandelt wird. Kreditgeber agieren am Kapitalmarkt nicht mehr als Gläubiger, sondern als Investoren, die Wertpapiere kaufen, um daran zu verdienen. Das gekaufte Wertpapier fungiert für den Käufer als ein Investment, das heißt als eine Summe Geldkapital, die im Wertpapier vergegenständlicht ist und verkauft werden kann. Wo der Gläubiger eines Kredits auf pünktliche Zins- und Tilgungszahlungen besteht, da ist beim Wertpapier die Auszahlung von Renditen (und die Rückzahlung der investierten Summe) Teil eines Investments, das anhand bestimmter Kriterien (Zinssätze,Vergleich mit anderen Wertpapieren) auf seine Robustheit als spekulative Kapitalanlage überprüft wird.

    noch ein weiterer punkt: wie seht ihr die klassenzugehörigkeit von besitzen
    a) von grund und boden, der an produktive kapitalisten verpachtet wird
    b) von grund und boden, der anderweitig verpachtet wird
    b) von eigentumswohnungen, die an lohnabhängige vermietet werden


    eigentlich steht letzteres ja quer zur klassenfrage, denn die miete als teil des einkommens (zuweilen auch mietzins genannt) ist zwar uU "sekundäre ausbeutung", aber vermieter stellen ja keine klasse (wenn diese aus der stellung in der produktion bestimmt ist), während grundbesitzer (a) einen teil des profits einstreichen dürften, aber nicht zwangsläufig teil der kapitalistenklasse sein müssen (b)?

    Ich denke mann muss die leninsche definition diskutieren und kreativ anwenden. Natürlich entstand sie vor eine anderen zeitgeschichtlichen hintergrund. Aber so einfach, wörtlich nehmen und damit beiseite schieben, ist es doch nicht. Denn es geht bei lenin eben nicht um unveränderliche „merkmale“, sondern die damaligen besonderheiten.


    1. frage der aufteilung
    Wie ich in dem anderen diskussionsstrang geschrieben hatte:
    „die natürlichen reichtümer sind begrenzt (...). umso blutiger wird der Inner-imperialistische konkurrenzkampf um die letzten ressourcen, einflussphären, rohstoffe, absatzmärkte usw. … künftig auch wieder innerimperialistische Großkriege“


    es geht also heute und immer wieder um die aufteilung der welt, gerade in der jetzigen phase.


    2. den aspekt des kapitalexports würde ich zumindest im falle der usa hinterfragen, die geldkapital aus aller welt seit der niedrigzinspolitik von 1979 angezogen haben. Wir dürfen das eben nicht statisch sehen, sondern müssen die entwicklung erklären.


    3. verschmelzung / Monopol
    verschmelzung würde ich nicht wörtlich verstehen.


    Zur frage des monopols würde ich dir widersprechen, weil ich denke, dass dein monopolbegriff auf einem mißverständnis beruht (monopol als ausschaltung der konkurrenz wie in der VWL)
    der marxistischen monopoltheorie hingegen haben sich viele marxistische theoretiker im 20. jahrhundert gewidmet, lenin, baran, sweezy, varga, mandel, stamokap usw um nur einige zu nennen). Marx selbst hat immer vonkonzentrations und zentralisationstendenzen gesprochen. (vgl. http://www.marx-forum.de/marx-…ikon_k/konzentration.html)
    Ein monopol ist nicht gleichzusetzen mit einem einzelnen unternehmen, sondern kann als verband, trust, kartell, kooperation usw verstanden werden. Vielmehr noch geht es heute um beteiligungen und verflechtungen der unternehmen untereinander. Gleichzeitig verstärkt die monoplisierungstendenz die konkurrenz.


    „Typisch für den heutigen Kapi-talismus ist nicht mehr der kleine Betrieb, der einen geringen Bruchteil des Aus-stoßes gleichartiger Produkte für einen anonymen Markt herstellt, sondern das Großunternehmen, das an der Erzeugung einer ganzen Industrie oder sogar meh-rerer Industrien einen bedeutenden Anteil hat und in der Lage ist, seine Preise, den Umfang seiner Produktion sowie Art und Höhe seiner Investitionen zu bestimmen. Das typische Wirtschaftsunternehmen von heute besitzt also alle Eigenschaften, die einst nur den Monopolen zugesprochen wurden. Darum ist es verkehrt, das Monopol unbeachtet zu lassen, wenn wir an die Ausarbeitung unse-res Wirtschaftsmodells gehen, und die Konkurrenz dabei weiterhin als den Nor-malfall zu behandeln. Wenn wir uns über den Kapitalismus auf der Stufe desMonopols Aufschluß verschaffen wollen, können wir nicht vom Monopol absehen oder es als einen bloßen Modifikationsfaktor einschieben; vielmehr haben wir es gerade zum Zentrum unserer analytischen Bemühung zu machen.
    (Paul A. Baran/Paul M. Sweezy, Monopolkapital. Ein Essay über die amerikanische Wirtschafts und Gesellschaftsordnung, 1967: 15-16)


    Beispiele:


    einige hundert große multis beherrschen den welthandel. es gibt in deutschland vier große konzerne im lebensmitteleinzelhandel. Die sind so mächtig, dass sie qua marktmacht den produzenten die preise diktieren können. Egal, welchen bereich wir uns anschauen, medien, energie, telekommunikation, pharma, brauereien, IT, banken usw (microsoft de facto im bereich des betriebssystems). in jedem bereich haben wir 3- 10 marktbeherrschende konzerne.


    Wal: „Geldkapital kann niemals mit dem Industriekapital "verschmelzen", einfach einfach deshalb nicht, weil Geld und Geldkapital die Zirkulationssphäre behaust und das Industriekapital die Produktionssphäre."


    Das ist natürlich schon deshalb nicht richtig, denn jedes große Industrieunternehmen hat heutzutage quasi eine Hausbank (VW Bank, BMW Bank usw). Was hingegen zurückzuweisen ist, ist die einfache verschmelzung solcher „monopole“ mit dem staat. Eher ist bei transnatioanlen unternemen von einer tendenziellen verselbständigung auszugehen


    „Der Ausbau des beteiligungssystems durch industrie- und bankmonopole – eines der hauptinstrumente finanzkapitalistischer herrschaft – bedeutet die durchsetzung eines prinzips, mit einem relativ geringen eigenkapital über einen wesentlich größeren anteil des gesellschaftlichen kapitals zu bestimmen“ imsf: staat und finanzkapital ffm 1981 (!): 281


    Marx hatte davon schon so viel sehen können:“ Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise inner-halb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er repro-duziert eine neue Finanzaristokratie (...)" MEW 25: 454


    Sowie, was zu selbst von Marx zitierst: „In der Praxis des Lebens findet man nicht nur Konkurrenz, Monopol und ihren Widerstreit, sondern auch ihre Synthese, die nicht eine Formel, sondern eine Bewegung ist. Das Monopol erzeugt die Konkurrenz, die Konkurrenz erzeugt das Monopol. Die Monopolisten machen sich Konkurrenz, die Konkurrenten werden Monopolisten Hier kann also weder von einem einfachen gegensatz noch von einer zeitlichen abfolge ausgegangen werden.


    „So kontrollieren nach dieser Studie heute 147 Konzerne (75% dieser transnationalen Konzerne sind Finanzinstitutionen) 40% des weltweiten monetären
    Umsatzes über »ein kompliziertes Netz an Eigentümerverhältnissen«, wobei sie die Mehrheit der Anteile voneinander halten. … Diese netzwerkartigen Gewebe
    aus Mutterkonzernen, Tochtergesellschaften, Aktienbeteiligungen und Beteiligungen an Beteiligungen zeigen ungefähr das an, was Bichler/Nitzan als dominante Kapital-Macht
    bezeichnen, bei der es eben nicht nur auf die Größe und Profitabilität der Unternehmen, sondern auch auf die Relationen und die Verlinkung zwischen den Unternehmen
    ankommt, dem Grad ihrer Vernetzung. (A. Szepanski: Non Marxismus, 2016)


    Die Frage der Konkurrenz, die Baran/Sweezy 1967 so nicht sehen konnten, und die der neoliberalismus universalisiert hat, ist auf einer anderen Ebene zu suchen. jedes team und jede Abteilung gegeneinander (auch innerhalb eines Monopols), Staaten, Städte, Arbeitskräfte usw. alles und jedes wird in konkurrenz zueinander gesetzt, was heutzutage gerade durch die rentabilitätserwartungen und kapitalisierungsfaktoren der finanzmärkte seinen ökonomischen ausdruck findet


    und weil du grafiken so liebst, drei passende aus dem konzernatlas vom 11.1.2017)

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    und dem letzten satz von jialing würde ich zustimmen, sonst gäbe es ja keine entwertung und krise. trotzdem beharre ich darauf, dass die funktionsweise der modernen finance prinzipiell eine andere ist als die von zins und einfachem handel.(und auch ihre macht im klassenkampf, dass sie staaten und unternehmen zu bestimmten maßnahmen und politiken "zwingen" können). Natürlich kann es sein, dass das zukunftsversprechen nicht eingehalten wird (und im wesentlichen wird es dass auch nicht mehr). bei der krise 2008ff erlebten wir allerdings die rückkehr des staatsinterventionismus. somit geht der kreislauf der wertantizipation auf höherer stufenleiter weiter. der nächste noch größere krisenverlauf kommt sicher. nur werden dann die staatshaushalte nicht mehr ausreichen und die sparer enteignet werden (bislang wurden einlagen bei banken bis zu einer bestimmten höhe als sicher erklärt).

    ja bei ergänzenden dienstleistungem im produktionsprozess ist es zweifelsfrei so. da stimmen wir alle überein, und fuchs hat ja ein einleuchtendes aktuelles beispiel dazu (werbung, platzierung bei turnschuhen, internetdienstleistungen). aber was ist mit eigenständigen dienstleistungen, die nicht stofflich sondern flüchtig sind, aber wo dennoch kapital vorgeschossen wird (zb haarschnitt beim friseur, der nicht nach hause kommt, sondern im unternehmen arbeitet). marx hat die frage je nach stelle im werk nicht entschieden. wal ist anderer meinung als mandel (s.o.).

    die analysten der us dienste sind doch nicht dumm, natürlich sehen sie, dass es bergab geht, dass der einstige hegemon ökonomisch pleite, moralisch bankrott, politisch angeschlagen aber militärisch (noch) führend ist.
    und, bei aller sozialen und produktivistischen dynamik und innovationskraft, die natürlichen reichtümer sind begrenzt (unaufhebbarer widerspruch zw produktivkräften und produktionsbedingungen oder kapital <> natur). umso blutiger wird der Inner-imperialistische konkurrenzkampf um die letzten ressourcen, einflussphären, rohstoffe, absatzmärkte usw


    Der kapitalismus aber wird nicht einfach zusammenbrechen oder sich friedlich verabschieden, vorher drohen massivste Verheerungen, faschismus und künftig auch wieder innerimperialistische Großkriege. Der Kapitalismus hinterlässt in den Peripherien schon jetzt zunehmend „gescheiterte Staaten“, Chaos und Verwüstung. Das System ist derart destruktiv, dass ein zerstörtes territorium besser erscheint als eines, welches dem gegener zufällt oder auch nur ansatzweise eine Alternative darstellen könnte.

    zB lenin:
    1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine dermaßen hohe Entwicklung erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben spielen.
    2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf Basis des Finanzkapitals.
    3. Der Kapitalexport gewinnt im Unterschied zum Warenexport besonders an Bedeutung.
    4. und 5. Es bilden sich internationale Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich aufteilen und die territoriale Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten ist beendet.


    W. I. Lenin, Berlin 1962, S. 94f., vgl zur anwendung auf russland: http://lowerclassmag.com/2015/12/putins-bizeps/


    oder deppe/solty/salomon:
    lmperialismus ist „(...) als dreistelliges Verhältnis von (offener oder latenter, manifester oder struktureller) Gewaltpolitik, Kapitalakkumulation und historischer Räumlichkeit (...) beschreibbar"
    (Deppe/Salomon/Solty 2011, S. 23).


    Als Gewaltpolitik, die ein internes Regime extern absichern soll, können nur Staaten, die auch in der Lage sind, das nötige Gewaltpotential aufzubieten, imperialistische Akteure sein.
    lmperialismus hat stets eine historisch-geographische Dimension:


    wichtig ist dabei:
    ,Imperialismus' ist ein Begriff, der die kapitalistische Logik der Kapitalakkumulation voraussetzt:
    Das interne Regime, das es nach außen abzusichern gilt, ist in erster Linie ein ökonomisches Regime. (…) Dabei ist es ebenfalls eine nur historisch-konkret und empirisch zu
    beantwortende Frage, ob es die Krisenanfälligkeit der Kapitalakkumulation - insbesondere durch Überakkumulation und einen daraus resultierenden Druck entweder zum Kapıtalexport oder zur Kapıtalvernichtung - ist, dıe die kapitalistischen Metropolenstaaten zu imperialistischer Politik, treibt


    Bereits im Kommunistischen Manifest verweisen Marx und Engels auf die ausgreifende räumliche Expansionstendenz der kapitalistischen Ökonomie


    Leit-Frage: Welche konkrete und besondere Form nehmen Geographie und ,Geopolitik' unter den Geltungsbedingungen kapitalistischer Profitökonomie ein?

    also ich glaub das mißverständnis ist folgendes ;) :
    das geld zum erwerb eines wertpapiers muss selbstverständlich schon vorhanden sein (es sei denn der käufer ist eine bank, dann wird eben geld geschöpft)
    aber der profit daraus satmmt eben - anders als beim zins oder handelsprofit nicht aus dem mehrwert.
    den handelsprofit hat wal hier erklärt, der zins ist der teil des mehrwertes, der als preis des geliehenen geldes angesehen werden kann, mit dem zB produktion vorfinanziert wurde, und aus deren profit wird er bedient.
    die rendite hingegen stammt nicht aus der mehrwertmasse sondern ist eben wertantizipation, ist versprechen auf zukünftigen gewinn nach der erwartung und risikoberechnung der finanzagenturen.
    kapitalisierung ist umgekehrter, in die zukunft verlegter zins.

    ja, aber marx hat sich eben an drei stellen seines werks (MEW 23, 24 und 26.1.) unterschiedlich und durchaus widersprüchlich dazu geäußert (wie oben dargelegt). das zum einem. zum anderen müssen wir ja auch heutige phänomene verstehen und erklären können, von denen marx nichts wissen konnte.


    das ist auch ein beitrag von christian fuchs, in london lehrender marxist und medienforscher, interessant:
    Der kanadische marxistische Medienökonom Dallas Smythe (1977) sprach davon, dass im Fall von werbefinanzierten Medien das Publikum Arbeit leistet und die Aufmerksamkeit
    produziert, die an Werbetreibende als »Publikumsware « verkauft wird. Er wandte sich mit dieser Annahme unter anderem gegen Baran und Sweezys (1966) Monopolkapitalismustheorie, nach der Werbung als ein unproduktives Attribut von Monopolen gilt, das Mehrwert aus anderen Bereichen der Ökonomie absorbiert


    Google und Facebook sind keine Kommunikationsunternehmen, sondern die größten Werbeagenturen der Welt. NutzerInnen leisten hier digitale Arbeit, die Datenwaren
    produzieren. Im Kapitalkreislauf sozialer Medien produzieren die Lohnarbeitenden von Google, Facebook, Twitter etc. eine Plattform (P1), die keine Ware ist. Der Zugang zu den Plattformen ist gratis. Die Ware hingegen ist ein zweites Produkt P2, eine Datenware, die durch die digitale Arbeit der NutzerInnen hergestellt wird (vgl. Fuchs 2014a, 2014c, 2015).


    Dass ein Paar Lugz-Burke-Turnschuhe 8,99 Euro und ein Paar der Marke Nike Air Force hingegen 99,95 Euro kostet, ist nicht mit der Annahme einer arbiträren Entkopplung von Wert und Preis erklärbar, sondern damit, dass in die Produktion der Marke Nike und ihres Gebrauchswertversprechens eine große Menge an Werbearbeit investiert wird.


    Damit Waren präsentiert werden können, muss eine Warenideologie, ein symbolisches Gebrauchswertversprechen von Zirkulationsarbeitenden in PR- und Werbeabteilungen produziert werden. Durch die Nutzung von Plattformen und Datengenerierung ermöglichen die NutzerInnen die Individualisierung und Personalisierung der Onlinewerbung. Sie sind symbolische
    TransportarbeiterInnen, deren digitale Arbeit es ermöglicht, die Gebrauchswertversprechen der Waren im virtuellen Raum zu transportieren, das heißt zu platzieren.

    Großmachtpolitk allein nicht. es ist und bleibt ein politökonomischer begriff, deshalb sollten es die ökonomischen kennziffern schon hergeben. , je nachdem welche Imperialismus Definition man zugrunde legt, kann man die kriterien ja konkret untersuchen. nimmt man zB die von lenin, wäre ich sehr skeptisch, dass eines davon, der kapitalexport, im falle der usa noch stattfindet. das ist wiederum im kontext der gesamtentwicklung zu sehen, die ja nicht statisch ist. bei den neueren imperialistischen ländern kann das ganz anders aussehen, so dass die kriterien auf diese zutreffen. sie befinden sich in einem anderen stadium der entwicklung - dem des aufstieges, während die usa die phase ihres niedergangs erreicht haben mögen. politisch ist dem bereits rechnung getragen worden: g20 statt g7.

    Mit Lukács wäre Klassenbewusstsein unabhängig von den empirischen subjektiven Auffassungen der einzelnen als »zugerechnet«, d. h. als das Bewusstsein, zu dem die gesamte proletarische Klasse aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess in der Lage sein könnte, zu definieren

    naja, unter einer besatzungs- oder kolonialmacht ist die emanzipationsgrundlage gleich null. antikolonialistischer kampf ist also legitim, weil er die voraussetzung für befreiung schafft.
    dass heisst noch nicht, dass mit der antikolonialen befreiung bereits die soziale befreiung vollzogen wäre. denn eine antikoloniale bewegung ist meist ein klassenbündnis,
    und soziale befreiung hängt eben vom klassencharakter ab. nationalstaaaten sind dabei immer ein bürgerliche herrschaftsverhältnis, aber die frage bleibt, ob alle nationalstaaten im weltmaßstab gleich zu beurteilen sind, oder nicht zwischen imperialistischen mächten und peripherien zu unterscheiden wäre. imperialistische mächte wären solche zu nennen, die neben ausbeutung der arbeiterklasse (widerspruch kapital/arbeit), der ausbeutung der natur (widerspruch kapital/natur), dem patriarchat und dem rassismus noch eine weiteres unterdrückungsmoment aufweisen: das der asymetrischen ausbeutung oder des ungleichen tauschs gegenüber schwächeren ländern.

    In mehreren beiträgen zum Thema Imperialismus hier im Forum entsteht der Eintruck, der Imperialismus würde von der Bildfläche verschwinden.


    "Modern Imperialism"
    ... und tschüss Imperialismus!
    Es geht mit dem "Imperialismus" zu Ende


    die dort geposteten grafiken und statistiken, die eine neuverteilung des welthandels zeigen, sollen dies bestätigen.


    man kann sie aber auch ganz anders interpretieren:
    "Die sogenannten BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) und MIST-Länder (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) entwickelten sich zu den wichtigsten neuimperialistischen Ländern.....
    Diese neuimperialistischen Länder haben insgesamt zwischen den Jahren 2000 und 2013 ihren Anteil an der weltweiten industriellen Wertschöpfung von 20 Prozent auf mindestens 40 Prozent verdoppelt.1
    Gleichzeitig gingen die Anteile der USA um 9,4 Prozent-, die der EU um 5,8 Prozent- und die Japans sogar um 10,1 Prozentpunkte massiv zurück.2 Das drückt gewaltige Machtverschiebungen im imperialistischen
    Weltsystem aus."


    als grundlage wird die durch chronisch gewordene Überakkumulation motivierte Investitionstätigkeit der internationalen Monopole angegeben, die "nicht nur in Teil- und Halbfertigprodukte,
    sondern verlagerten zum Teil ihre ganzheitlich produzierenden Industriebetriebe oder Produktionsverbünde in diese Länder. Damit entstand auch dort ein internationales Industrieproletariat..."


    "Ein wesentliches ökonomisches Merkmal für ein imperialistisches Land ist der Drang und die Fähigkeit, ein anderes Land auszubeuten und zu dominieren. Der weltweite Bestand an Direktinvestitionen im Ausland, also der Kapitalexport, erreichte 2015 den höchsten je erreichten Wert mit 25 Billionen USDollar, 39 Prozent mehr als im Vorkrisenjahr 2007 mit 18 Billionen US-Dollar. Im Zeitraum von 2008 bis 2014 stieg der Anteil der neuimperialistischen Länder am jährlich weltweit ins Ausland exportierten Kapitalfluss von zehn Prozent im Jahr 2007 auf ein neues Rekordhoch von circa 30 Prozent."


    Alle wörtlichen Zitate aus der Zeitschrift "Rote Fahne" (hab den Artikel angehängt)


    man könnte also argumentieren, dass ein kapitaistisches Land ab einer bestimmten größe oder Stärke zum Imperialismus tendiert.
    somit hat sich die innerimperialistische verteilung verändert und die konkurrenz verschärft, aber der imperialismus als globales system bleibt bestehen, was aber für den rest der welt wenig ändert.
    aus einer klassenperspektive sind alle kapitalisten, und die imperialistischen staaten, die den kapitalistischen weltmarkt global aufrechterhalten und garantieren, zu bekämpfen.

    hier ist es ja so:



    die bundesregierung liefert waffen an die peschmerga , den bewaffneten arm einer bürgerlichen kurdischen partei im nordirak (seit langem treuer vasall der usa)
    damit hat sie einen fuß im krisengebiet nahost in der tür. denn: mit den waffen schickt sie auch bw ausbilder.



    gleichzeitig wissen wir aber, dass die peschmerga waffen auch an die pkk weitergibt. diese sind zwar ist dem paradigmenwechsel keine MLer mehr,
    stehen aber für demokratie, frauenbefreiung, rätesystem und ökologie, sind im haben osten also eine progressive kraft. die produktionsfrage lassen sie außer acht, weil sie der form nach eine klassische nationale befreiungsbwegung sind, auch wenn sie dem inhalt nach anti-staatlich eingestellt sind, also keinen nationalstaat (als herrschaftsverhältnis egriffen) anstreben.



    die produktionsfrage ist aber eine klassennfrage und die bleibt für kurdistan ungeköst. gut, zuerst müssen sie den krieg gewinnen, aber auch die verfassung in rojava erkennt das privateigentum - auch an an Produktionsmitteln- an.



    die dialektik der linken hierzulande liegt nun darin, einer waffenlieferung zuzustimmen und damit faktisch einem bw auslandseinsatz (und damit die antikriegslinie aufzugeben), zumal ein imperialistisches land niemals ausn humanistischem interesse handelt, zugleich aber mit der verweigerung die dringend benötigten mittel gegen eine reaktionäre kraft verweigert, die man selbst fordert, allerdings in einem konflikt, der längst ein stellvertreterkrieg der imperialistischen haupt- und regionalmächt geworden ist.

    ich habe das thema Mehrwert, was wir als unterthema der klassenfrage behandelt hatten, nochmals als eigenes gestartet. Ausgangsfrage ist, ob lohnarbeit im dienstleistungssektor produktiv ist oder nicht.
    ich möchste die frage nochmal anders stellen.
    Heute habe ich mir dazu ernest mandels einschätzung zu marx angeschaut.
    die rede von der dienstleistungsgesellschaft zwingt marxisten drüber nachzudenken, denn intuitiv vermutet man die mehrwertproduktion in der warenproduktion (eben dort, wo wertbildend produziert wird) und allenfalls noch in dem transportwesen, also dem sektor, der die waren zum verkauf, sprich zur wertrealisation bereitstellt.


    produktive arbeit ist mehrwertschöpfende arbeit. das ist richtig. aber auch tautologisch


    mandel meint, zwischen marx "theorien über den mehrwert" und kapital Band II, besteht ein Widerspruch.


    In den Theorien hat Marx folgende Ansicht:
    - nur an Warenproduktion direkt beteiligte Arbeit ist produktiv (MEW 26.1: 279, 298)
    - mit Kapital gekaufte Arbeit ist produktive Arbeit (statt mit Revenue) (MEW 26.1: 259, 271, 299f, 304)
    - in einem anderen Abschnitt vermischt er beide Formen (MEW 26.1: 424)
    Kommerzielle Vermittler im Lohndienst gehören hier für ihn dazu ((MEW 26.1: 325)


    für den warentransport hat marx an mehreren stellen eine eindeutige antwort. er ist produktiv. marx spricht vom produktionsproßess der transportindustrie, denn die ortsveränderung ist notwendig für die realisation des werts ((MEW 26.1: 133, MEW 24: 151)


    In Kapital Band II wird die Bestimmung der produktiven Arbeit als der an der materiellen Produktion und deshalb wert- undmehrwertbildender Produktion festgelegt.
    Hier sagt er, was sich gegen kapital austauscht, muss nicht notwendig produktiv sein (und nennt Handels- und Bankkapital als unproduktiv) (MEW 24: 129)


    Zitat dazu. "Wenn durch Teilung der Arbeit eine Funktion, die an und für sich unproduktiv, aber ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenverrichtung vieler in die ausschließliche Verrichtung weniger verwandelt wird, in ihr besondres Geschäft, so verwandelt sich nicht der Charakter der Funktion selbst. (MEW 24: 133)


    Daraus könnte man schließen, dass eine Arbeit, die nicht zur reproduktion beiträgt, erst recht nicht produktiv sein kann.
    Dienstleistung soll plötzlich produktiv sein, weil sie kapitalistisch und durch Lohnarbeit organisiert wird, wie wohl sie es doch der funktion nach nicht ist.
    wieso sollte also ein friseur, zirkus, nahverkehrsunternehmen produktiv sein? mandel nennt das beispiel kapitalistisch organisiertes bettlerbanden, also bettelbetrieben, die man kaum als produktiv anzusehen vermag.
    (sie bringen ihrem kapitalisten einen gewinn, aber sie vermehren den gesellschaftlichen reichtum doch nicht)


    Aber: Zirkulationskosten, die aus dem bloßen Formwechsel des Werts, aus der Zirkulation ideell betrachtet, hervorgehn, gehn nicht in den Wert der Waren ein. (damit ist der formwechsel von der stofflichen zur geldform gemeint, MEW 25: 139)


    Die Grenze liegt also dort, wo der Gebrauchswert erweitert wird oder erhalten und da, wo sie für den warenkörper indifferent ist und lediglich aus der formveränderung des tauschwerts resultiert.


    Mandel folgert nun daraus, dass vom gesamtinteresse des kapitals dienstleistungen des kleinere übel sind (gegenüber brachliegendem kapital), aber das dieses durchaus ein interesse hat,
    kapital in dienstleistungskapital umzusetzen und zugleich durch produktives kapital (also dienstleistung durch waren zu ersetzen)
    das sei so, meint er, weil dienstleistungen die durchschnittsprofitrate nicht erhöhen könne, vielmehr stellen sie einen abzug des mehrwerts dar.


    wat. schrieb: " Eine Gesellschaft ist ohne Reproduktion nicht überlebensfähig!" folglich ist eine reine Dienstleitungsgesellschaft auch nicht vorstellbar, weil sie zumindest keine Lebensmittel produziert.
    zwei weitere fragen wären, ob der bezug von lebensmitteln nicht über ungleichen Tausch, imperialistisch vermittelt, als import aus der peripherie möglich wäre,
    und ob andersherum heutzutage die mehrwertproduktion von transnationalen konzernen über die zerlegung von wertschöpfungsketten nicht auch ins ausland verlegt werden kann (und trotzdem hier in die gesamtrechnung angeht)


    Andererseits, um auf Marx zurückzukommen, hatten wir im klassenbeitrag zitiert:
    "Die kapitalistische Produktion ist nicht nur Produktion von Ware, sie ist wesentlich Produktion von Mehrwert.... Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapitals dient." (MEW 23: 532)


    Hier nennt Marx einen Schulmeister. der sich "abarbeitet zur Bereicherung des Unternehmers." also doch eine produktive Dienstleistung?!
    Ähnlich auch: "Ein schauspieler ... ist hiernach ein produktiver arbeiter, wenn er im Dienst eines kapitalisten arbeitet ..., dem er mehr arbeit zurueckgibt, als er in der form des salairs von ihm erhaelt" (MEW 26.1: 127)

    aber du stimmst zu, dass bei einem kredit geld nur verliehen wird, während beim kauf/verkauf eines wertpapiers
    eine ware gegen eine andere getauscht wird, nämlich geldkapital gegen dieses wertpapapier, welches selbst handelbar ist,
    sich beide formen also fundamental voneinander unterscheiden und deshalb auch die erklärung für beide nicht dasselbe sein kann?
    ansonsten freue ich mich auf eine kritik am erwähnten lohoff text, der sich fast ausschließlich auf marx bezieht

    das ist mir schon klar, nur versuche ich zunächst eine plausible hypothese aufzustellen, die sozusagen neuland ist, weil auch die meisten marxistischen theoretiker nicht schlüssig das funktionieren der finanzmärkte erklären können. diese theorie muss erst widerspruchsfrei sein, dann können wir nach empirischen befunden zu ihrer stützung suchen.


    und um ein für allemal allen mißverständnisse vorzubeugen, ich gehe
    1. weder von einer trennung von real- und finanzsphäre aus (was weder historisch noch strukturell möglich ist - wohl aber müssen wir es analytisch auseinanderhalten)
    2. von einer "schuld" der finanzmärkte aus (ausbeutung findet in der produktion statt und dies ist keine morallische frage. der finanzsektor ist eher der vorübergehende retter der krienhaften produktionsweise namens kapitalismus, der zum sündenbock gemacht wird, gerade um von der ausbeutung abzulenken)



    Frage: ist es bei deinem schaubild nicht so, dass die finanzprofite die der industrie überteigen?


    und, in diesem text von 2008 hast du viele richtige fakten zusammengetra
    gen:
    http://www.marx-forum.de/gesch…elt/finanzwirtschaft.html
    Zitat 1:"Deutlicher noch als die Direktinvestitionen stiegen die Geldgeschäfte mit dem Ausland und die Finanzinvestitionen im Ausland"
    Zitat 2 "Der "gefühlte Reichtum" hat sich allerdings vervielfacht"
    die konsequenzen aber würde ich so nicht immer teilen:
    Zitat 3: "Der Großteil der aufgeblähten Kredite und "Finanzprodukte" beruht auf Illusion, auf unbeabsichtigter und beabsichtigter Täuschung"


    Eine Aantwort könnte nun sein: Eben nicht, sondern auf der logik einer kapitalinduzierten Akkumulation ohne VORHERIGE Produktion


    Diese These versuche ich nochmal zu erläutern, indem ich zwischen kredit und zirkulierenden kapitalwaren unterscheide, und ziehe dazu einen text von lohoff heran, der mir zumindest diskussionswürdig erscheint
    (Quelle: http://www.krisis.org/wp-conte…rtakkumulation-2014-1.pdf)


    Die Argumentation ist folgende:
    A
    wird geld verleihen, wird es dadurch zum geldkapital
    der profit verdoppelt sich nicht, das kapital aber schon
    weil der gebrauchswert auf beiden seiten existiert (sonst wäre es eine schenkung)
    bei Marx wird aus „derselben Geldsumme [...] Kapital für zwei Personen“. (MEW 25, S.366)


    B
    äqivalent ist dies aber nicht, denn
    1. ist die transaktion es zeitlich gestreckt
    und 2. wird aus geld mehr geld.


    C
    der gebrauchswert von kapitalmarktwaren ist einzig, aus geld mehr geld zu machen
    auch entsteht geldkpital erst mit seiner schöpfung, die hier der verkauf (!) ist, und verschwindet wieder mit der realisation,
    während gebrauchswaren in der poduktion entstehen und in der konsumtion verschwinden.


    D
    die akkumulationstheoretisch alles entscheidende Frage ist nun:
    Entsteht mit ihm ein selbstständiges Kapital, das eine eigene Bewegung vollführt und also auch gesamtkapitalistisch betrachtet zusätzliches Kapital darstellt, oder bleibt das Abbild ökonomisch passiv und hat keine Eigenbedeutung im Wirtschaftsleben?


    E
    das unterscheidet sich, je nachdem ob das geldkapital
    -> abhängig oder zirkulationsfähig ist:
    1. der kredit haftet an kreditnehmer, nimmt nur einfach am kreislauf teil
    2. das wertpapier aber, also die finanzmarktware zirkuliert selbständig
    als Folge --> existiert das ausgangskapital nun doppelt, und zwar vor allem innerhalb der kapitalistischen Ökonomie doppelt
    und man sieht ihm seine herkunft nicht an
    die zugrunde liegende entwicklung ist folgende:
    1.geld -> geldkapital -> ware 2. kapitalduplikate -> waren
    hier bricht marx darstellung im mew 25 ab
    und das heisst:
    ----> akkumulation kann wertakkumulation sein oder geldkapitalakkumulation


    F
    Fazit: "Mit der erfolgreichen Platzierung einer Ware 2ter Ordnung auf den Kapitalmärkten stellt sich künftiger Wert bereits heute als Kapital dar, und zwar gesamtgesellschaftlich betrachtet. Produktive Arbeit, die noch gar nicht geleistet ist und möglicherweise auch nie geleistet werden wird, nimmt Kapitalgestalt an.
    Kapitalbildung beruht hier also nicht auf Wertproduktion, sondern ist das Resultat von Wertantizipation"
    Also ist die zeitliche reihenfolge umgekehrt, geldkapital kann genutzt werden, weil es nicht produziert werden muss, sondern schon im tausch entsteht und dann eigenständig zirkulieren kann


    was meint ihr?
    .

    Hallo Wal,
    Es geht dabei natürlich nur um börsemnotierte Aktiegesellschaften. Während Microsoft, Apple und Intel eeine Dividende ausschütten, ist dies Amazon und Facebook nicht und bei Google Inc (noch) nicht der Fall.


    Aber eine Rationalität haben die Finanzmärkte natürlich schon. Unabhängg davon, dass dort auch Schrotthandel und betrügereien stattfinden, ist es gerade diese Rationalität, die heutzutage die gesamte kapitalistische Wirtschaft an- und vor sich hertreibt. denn über die Politik der austerität der staaten und shareholder value in den unternehmen ist das finanzielle kapital heute eines der mächtigsten mit gesamtwirtschaftlichem einfluss. aber die zukünftigkeit einer erwartung birgt natürlich immer ein risiko und insofern ein moment der spekulation. ein kredit muss nach lauzwit getilgt werden. ein wertpapier funktioniert da anders. meine hypothese wäre jetzt, dass die emission des wertpapiers eine ware , die ware geldkapital, schafft, die für den käufer den gebrauchswert hat, eine dividende abzuwerfen, für den verkäufer aber kapital schafft, mit dem er frei wirtschaften kann. die fiktivität des kapitals sagt nichts über seine realen möglichkeiten aus. eine spezfik der finanziellen ware ist die, dass sich die rentabilität immer erst in der zukunft erweist, weil es eben nicht auf der ebene der einzelnen ware operiert sondern auf deren gesamtheit basiert. es findet also eine finanzielle akkumulation statt, die zunächst keine deckung aufweist, und das versprechen liegt in der zukunft, wobei sicherlich schrott darunter ist und der zukünftig abgeschöpfte mehrwert auch nicht ausreichen wird. das bringt die notenbanken in die bredouille, diese papiere aufkaufen zu müssen und bereitet die nächste etappe der krise vor.


    bei marx finden wir im kapital, band III, eine hervorragende, über seine zeit weit hinausreichende analyse des fiktiven kapitals, aber diese entwicklung konnte er nicht vorhersehen. er ist wohl auch nicht mehr dazu gekommen, fiktives kapital als ware systematisch zu untersuchen, als ware, die für den einzelnen käufer wie gesamtgesellschaftlich zusatzkapital generiert.
    ich werde daher noch weiter suchen, auch um die von dir geschätzten fakten zum beleg zu finden..

    "Der Shareholder Value der Aktienunternehmen, d. h. der Transfer von Profit
    in Rente, befördert die Tendenz zur Stärkung des finanziellen Kapitals und seiner
    neoliberalen Regulationsmechanismen und forciert zugleich das oben angesprochene
    Auseinanderdriften von Profit- und Akkumulationsraten. Während
    industrielles Kapital oder Handelskapital seine Geschäfte u. a. über die Kalkulation
    der Zins- und Profitrate evaluiert (in Abhängigkeit vom Wettbewerb an
    den Input- und den Outputmärkten), bewertet das sog. Equity-Kapital seine
    Erfolge rein nach dem Parameter Rentabilität/Kapitalisierung, und dies vor allem
    in Abhängigkeit vom Wettbewerb an den Geld- und Kapitalmärkten. Diese beiden
    Arten der Profitibilität repräsentieren verschiedene soziale Relationen,
    generell sollte aber die erwartete Rentabilität eines Unternehmens höher sein als der
    durchschnittliche Zinssatz auf Wertpapiere am Markt.
    Hilferding ist in diesem Kontext Marxens Darstellung im Bd. 3 des Kapitals gefolgt, mit der Marx die
    objektive Obergrenze der Zinszahlungen an die Generierung von Profiten durch
    das fungierende Kapital bindet (distributive Funktion des Zinses) (...)
    Wenn Marx annahm, dass alle Renditen inklusive Zins und Dividenden aus den Profiten der
    Unternehmen bezahlt würden, die rein aus Produktionsprozessen resultieren,
    sodass die erwartete Rentabilitätsrate (Kapitalisierung) nie höher als die Profitrate
    des Unternehmens liegen könnte, dann sollte man doch vermuten können, dass
    die Marktkapitalisierung eines Unternehmens weit niedriger als der Wert des tatsächlichen
    in Produktionsprozessen eingesetzten (Eigenkapital und Fremdkapital)
    Kapitals liegt, eine Annahme, die heute für die großen Aktienunternehmen
    sicherlich nicht zutrifft." (A. Szepanski - Kapitalisierung Band II: 358f)


    A Propos:
    https://de.wikipedia.org/wiki/…Ften_Unternehmen_der_Welt

    Nochmal: Bank/Geldkapital oder finanzielles Kapital (sachverhalt ist mE ungeklärt)


    zunächst zum Bankkapital:
    "Es gab Probleme mit den italienischen Banken. Die saßen auf »faulen« Krediten, also Darlehen, deren Rückzahlung kaum oder nicht mehr zu erwarten ist. Noch im Jahr 2009 war das kein Problem gewesen: Die Gesamtsumme der Kredite, deren Rückzahlung nicht mehr zu erwarten war, hatte damals in Italien rund 60 Milliarden Euro betragen – nicht wenig, aber für die Banken des Landes durchaus verkraftbar. Dann kam die Euro-Krise, und vor allem kamen die Kürzungsdiktate, die auch Italien verarmen ließen. Das trieb zahlreiche Kleinunternehmer in die Insolvenz und viele private Kreditnehmer wurden arbeitslos und/oder zahlungsunfähig. Die Folge: 2016 beliefen sich die faulen Kredite auf 360 Milliarden Euro, fast ein Fünftel aller vergebenen Darlehen überhaupt und dreimal so viel wie im EU-Durchschnitt. Das ist auf Dauer nicht mehr tragbar. Besonders stark betroffen war die Tradi­tionsbank Monte dei Paschi di Siena, die auf uneinbringlichen Krediten im Wert von rund 45 Milliarden Euro saß und dringend eine Kapitalaufstockung benötigte." (J. Kronauer)


    die bank hat also ihre lage gerade aufgrund von krediten bekommen. bis hierhin kann ich wals darstellung folgen. aber wir müssen hier vielleicht dem verständnis halber eine weiitere unterscheidung vornehmen. denn das Bankkapital unterscheidet sich vom heutigen finanziellen kapital (nicht Finanzkapital), dessen voragiges Instrument nicht der Kredit, sondern das Wertpapier ist. die Funktionsweise globaler Finanzmärkte ergänzt heute das Arrangement zwischen Unternehmen und Bank.
    Um das zu verstehen müssen wir den Zins (als teil des schon realisierten "vergangenen" Profits) von der Kapitalisierung unterscheiden (als Erwartung des künftigen, noch zu erarbeitenden Profits)
    mit shareholder value hat ein Wechsel stattgefunden, der eine hohe Rendite verlangt, die druck auf die Produktion ausübt und mittels „Finanzialisierung“ das Unternehmen zwingt, sich nach den erfordernissen der Finanzmärkte auszurichten.
    Gehandelt werden auf den Finanzmärkten aber Zahlungsversprechen. die Kapitalisierung ist die Höhe bzw der Wert dieser Erwartungen.
    als einer quasi Umkehrung des Zinses, weil dieser Wert zukünftig, nicht schon realisiert, ist. Das Zahlungsversprechen fragt somit danach wie profitabel ein Unternehmen zukünftg sein wird.

    hallo wal,


    ich denke ganz so einfach ist es nicht. natürlich kann eine bank nicht einfach geld drucken wie eine zentralbank (und auch die muss fiskalische und politische vorgaben ua zur geldwertstabilität beachten).


    sie kann kredit geben und damit geld verleihen. dieses geld muss sie aber nicht besitzen, etwa als einlage von kunden. sonst könnte sie ja immer nur genau das verleihen, was sie gerade von den sparern auch bekommen hat. so funktioniert aber heutzutage keine bank. die deutsche bank hat zB eine Eigenkapitalquote von unter 4% . deshalb würde heutzutage ja auch ein "bank run" funktionieren (und eine massive krise auslösen)



    und natürlich kann diese italienische bank nicht einfach 8 mrd euro drucken. sie kann geld schöpfen, indem sie kreditnehmer findet, die den kredit verzinsen.das geschöpfte geld aber findet sich ja nicht auf der habenseite der bank, sondern sie hat einen titel darauf erworben.


    das kreditbeispiel das du schilderst ist ja der optimalfall. und gilt auch nur für (produktiv) investierte kredite. sonst gäbe es keine platzenden blasen und keine finanzkrisen. und die finanzindustrie erfindet immer neue produkte. ein unternehmen kann den mehrwert mit einem kreditinstitut teilen. deren anteil des profits ist der zins. aber wenn ein schuldtitel hundertfach existiert, oder aber gleich in finazprodukte investiert wurde, so kommt doch der gewinn nicht aus der mehrwertproduktion

    Der Profit des handelskapitals wird hier sehr genau nachgezeichnet und belegt. „Da das Kaufmannskapital selbst keinen Mehrwert erzeugt, so ist klar, dass der Mehrwert, der in der Form des Durchschnittsprofits auf es fällt, einen Teil des von dem gesamten produktiven Kapital erzeugten Mehrwerts bildet.“ K. Marx,Kapital III, MEW 25, 293.



    Wier ist es mit dem Profit des Finanzkapitals? Zunächst wäre zu klären, was „finanzkapital“ eigentlich bedeutet, denn bei Marx taucht der Begrifff mE nicht auf. Ist Geldkapital oder Bankkapital gemeint, oder, wie bei lenin, finanzkapital aus der verschmelzung vonindustrie- und bankkapital ? Und da könnte man heute sagen, dass ein jedes kapital ab einer bestimmten größe zum finanzkapital tendiert und dieses der bestimmende sektor geworden ist. Wie verhält es sich nun aber mit den immensen gewinnen? Natürlich werden fiktive werte gehandelt, die keine realen widerspiegeln, bzw nur sehr entfernt, da jeder titel als derivat dutzendfach existieren kann.
    „Für die Vulgärökonomie, die das Kapital als selbständige Quelle des Werts, der Wertschöpfung, darstellen will, ist natürlich diese Form ein gefundenes Fres­sen ...“ K.Marx, Kapital III, MEW 25, 405f.


    traditionellere marxisten gehen davon aus, dass der aus der prodduktion abgeschöpfte und überakkumulierte mehrwert keine produktive anlagemöglichkeit mehr findet und daher in den finanzsektor strömt, der die höchsten renditen verspricht. dieser klärt aber nicht die ungeheure ausdehnung dieses sektors, der den realen um ein vielfaches übersteigt. hier scheint es mir eher so zu sein dass kredite in den finanzsektor gepumpt werden, also geld als kredit quasi aus dem nichts entsteht, (jede geschäftsbank kann ja geld schöpfen) und wie marx im dritten band bereits gezeigt hat, jeder nominalwert mehrfach in umlauf ist, als fiktives kapital, welches natürlich ganz real wirtschaftet (Kredit zur produktiven verausgabung) oder als derivat vielfach gehandelt wird (spekulation). Laut wertkritik wäre dies dann eine hypothek auf zukünftig noch in der produktion zu erzeugenden mehrwert.
    Denn es kann ja nicht sein, dass jeder profit aus der finanzsphäre ein geteilter profit des industrie mit dem geldkapital ist. Das ist schon durch die schiere ausdehnung des finanzsektors unmöglich, der um ein vielfaches größer ist. Andererseits, durch die entkopplungvon arbeit/ausbeutung und wenn wir handelprofite jetzt außen vorlassen, bei denen jemand „übervorteilt“ wird, scheinen bei steigenden kursen ja dann alle beteiligten zu gewinnen, hier bleibt die frage der verwertung und dem verhältnis der "realwirtschaft" zum "finanzsektor" (die sich funktionell, empirisch und historisch ja überhaupt nicht trennen lassen sowie deren krisenhaftigkeit, weil der finanzsektor denn produktiven ja aus der seit den 1970ern schwelenden überproduktionskrise gerettet hat, selbst aber - wie wir 2008ff gesehen haben und auf kosten der allgemeinheit, die die verluste zu sozialiseren gezwungen wurde- höchst krisenanfällig ist.

    Danke sehr instruktiv, auch die Ausführungen zu industrie -und handelskapital. das führt gleich zur nächsten fragestellung, nämlich zu Mehrwert, Dienstleistung und dem Klassenbegriff. als klassenreduktionistisch wird heute ein begriff angenommen, der sich nur auf das industrieproletariat stützt. manche laden diesen noch essentialistisch oder mythologisch auf. Marx hatte aber wohl eher ein verhältnis im sinn. und diese besteht dann unabhängig von der konkreten tätigkeit oder entlohnung.


    Reitter dazu:
    "Wenn freilich das Proletariat strikt als der eine Pol des Verhältnisses erkannt wird, dann ist jede Merkmalsoziologie überwunden, die mit einer Liste von Parametern Existenz, Größe und soziale Dynamik des Proletariats messen möchte. Ebenso ist die individuelle Sichtweise überwunden; ob die Proletarierin X aktuell lohnarbeitet oder nicht, ist für ihre Klassenzugehörigkeit ebenso irrelevant, wie es unwesentlich ist, ob der Kapitalist Y aktuell sein Kapital in einen Betrieb investiert, für eine Zeit lang unter der Decke versteckt oder an der Börse zirkulieren läßt. Morgen mag es für beide anders sein, ihre Klassenlage hat sich dadurch nicht geändert. Anders gesagt, selbstverständlich zählen Arbeitslose, MigrantInnen in Lagern, StudentInnen (in der Mehrzahl), sogenannte Hausfrauen, PensionistInnen (in der Mehrzahl) usw. zum Proletariat." (Grundrisse 11)


    Insofern wäre dies wiederum eine Modifizierung, weil die Einkommensquelle der genannten bevölkerungsgruppen ja aus Revenuen geleistet wird, aus steuermitteln usw.
    vgl. bgl. http://theoriepraxislokal.org/kdpoe/buchen-b.php


    Des weiteren ist oft die rede von einer "dienstleistungsgesellschaft". nun sind angestellte indienstleistungsgewerben ja zweifellos lohnabhängig, die frage ist aber, ob sie auch produktiv arbeiten. Dabei taucht immer wieder die Frage auf, inwieweit Dienstleistung Mehrwert generiert. manche wertkritiker binden das kriterium der produktiven arbeit an ein stoffliches gut, also eine materielle ware. das sehe ich anders, weil zB software und andere immaterielle waren ja auch dazu. was aber ist mit dienstleistungen, deren warencharakter, sofern vorhanden, sich mit der konsumtion wiederauflöst? An einer Stelle bei Marx (MEW 26) ist vom Clown die rede; wird Kapital zu seiner Vernutzung vorgeschossen, so erzeugt der Clown Mehrwert, wird dieser als Unterhalter zum Unternehmer nach Hause bestellt, so wird jener aus Revenue bezahlt. Hier wäre das Kriterium also nicht, ob der Clown wirklich produziert, d.h. es wird keine Ware im physikalischen Sinn erzeigt, die träger des Mehrwerts wäre. Im Falle des vorgeschossenen Kapitals könnte man die erbrachte Dienstleitung, also das Programm des Clowns, nun höchstens als idelle ware betrachten.
    oder aber produktiv meint nicht das was stoffliches produziert, sondern was profit bringt. wenn ich Marx richtig verstanden habe, hat er auch eine andere auffassung von produktiver arbeit: Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapitals dient.“ (Kapital I, MEW 23, 532) .also wären dann alle dienstleistungen, die zugleich als waren zu begreifen wären, produktiv, sobald kapital vorgeschossen wird? egal worin der inhalt der tätgkeit liegt?
    ob bei der weitgehenden deindustrialisierung
    es bleibt dann aber die frage, ob teile des mehrwerts durch die materielle produktion ausserhalb der landesgrenzen erzeugt werden, also in den zulieferbetrieben und werkstätten der dritten welt, wo arbeitsintensive tätigkeit zum niedrigstlohn verrichtet wird.
    oder aber ob sich diese gegensätzlichen Tendenzen aus der erhöhung der mehrwert- also ausbeutungsrate der improduktivem sektor verbliebenen erklären?
    und gesamtgesellschaftlich gesehen ist eine gesellschaft ohne industrielleproduktion (historischer materialismus: güter des täglichen bedarfs, lebensmittel) doch nicht reproduktionsfähig, es sei denn durch massive Ausbeutung peripherer gebiete. was wiederum für eine zeitgemässe theorie des imperialismus sehr interessant ist.

    hallo wal, wat und andere,


    Ich bin auf eure diskussion gestossen und möchte hier gerne noch einmal auf die Frage der Klassenzusammensetzung zurückkommen.
    Eigentlich ein neues und eher theortsches Thema, aber es passt zu den Anmerkungen, die zum Stadtteiltext gepostet wurden
    und hat doch auch wieder damit zu tun, weil eben die klassenbestimmung Auswirkungen auf den politischen Ansatz hat



    1. Zu den Kioskbesitzern


    a) hier ist meine frage, ob dieser ohne Beschäftigte überhaupt ein Kapitalist sein kann, da er ja niemanden ausbeutet


    b) ob dieser, wenn er beschäftigte hat, ausbeutet, da seine Angestellten ja keinen Mehrwert schaffen, sondern nur einen Handelsprofit realisieren
    (indem die Waren - meist Nahrungsmittel , Getränke, Tabak usw - vom großhändler näher an die Konsumenten heran in deren wohngebiet transportiert werden und der Profit einfach auf den Einkaufspreis aufgeschlagen wird. Ohne mehrwert aber keine Ausbeutung? (vgl. Der Arbeiter produziert nicht für sich, sondern für das Kapital. Es genügt daher nicht länger, dass er überhaupt produziert. Er muss Mehrwert produzieren. Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbst-verwertung des Kapitals dient.MEW 23)


    c) es sei denn, der transport wird als produktive arbeit gesehen, die den wert des gesamtproduktes steigert. wenn der kisknesitzer den transport organisiert, könnte man ihn als Teil des produktiven Gesamtarbeiters verstehen ? (vgl. MEW 26)



    2. Zu den Managern:
    hier denke ich dass es sich um fungierende kapitalisten handelt, die über kapital verfügen können auch wenn sie formell lohnabhängig sind. diese funktion und nicht die gehaltshöhe bestimmt ihre stellung und klassenzugehörigkeit. sonst wären ja nur echte kapitalbesitzer kapitalistenn wie bei familiendynastien im 19 jahrhundert.


    m.heinrich:
    Wer im strukturellen Sinn zu welcher Klasse gehört, lässt sich nicht rein durch formelle Eigenschaften bestimmen, wie etwa die Existenz eines Lohnarbeitsverhältnisses, sondern nur durch die Stellung innerhalb des Produktionsprozesses. Genauer gesagt: sie lässt sich nur auf der Ebene des „Gesamtprozesses des Kapitals“ bestimmen, die Marx im dritten Band erreicht, wo die Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozess bereits vorausgesetzt wird auf dieser Ebene wird klar, dass es keineswegs nur Besitz oder Nicht-Besitz von Produktionsmitteln ist, der über die Klassenzugehörigkeit entscheidet. Der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft mag formell ein Lohnarbeiter sein, tatsächlich ist er „fungierender Kapitalist“, er verfügt über Kapital (auch wenn es nicht sein Eigentum ist), organisiert die Ausbeutung und seine „Bezahlung“ richtet sich nicht am Wert seiner Arbeitskraft aus sondern am Mehrwert.(vgl MEW 25)



    Dagegen sind viele formell Selbständige (die vielleicht sogar einige kleine Produktionsmittel besitzen) nach wie vor Proletarier, die de facto vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben, nur dass dies eventuell unter schlechteren Bedingungen erfolgt, als bei einem formellen Lohnarbeitsverhältnis.


    was meint ihr dazu?