Posts by Siempre*Antifa

    bislang hatten wir den eindruck, dass wir auf verschiedenen ebenen diskutieren.
    während ihr mit der korrekten definition der begriffe beschäftigt schient, sahen wir uns schon einen schritt weiter,
    nämlich diese auch zu anwendung zu bringen, sprich den verhältnissen auch praktisch etwas entgegenzusetzen.


    der letzte kommentar von wal nun hat eine andere (konkretere) richtung, und dieser können wir uns anschließen. so macht die diskussion in der tat auch mehr sinn.


    wir kämpfen ja nicht für stadtteilzenten, sondern meinen, dass der kampf von dort ausgehend auf die strassen und die viertel getragen werden muss. und, davon unabhängig, natürlich auch in die betriebe.
    "abstrakte" revolutionäre langzeitforderungen sind das eine und relativ einfach zu formulieren (abschaffung von...), unmittelbare, dialektisch am bestehenden ansetzende und dieses negierende, da hast du recht, zumeist sehr schwierig.
    genau deshalb wollten wir mit unserem text einen input geben, dessen umsetzung auch personell weniger starke gruppen direkt anfangen können,
    um überhaupt eine basis vor ort zu schaffen. denn natürlich fliesst in unsere analyse auch die konkrete verfasstheit der linken in der BRD ein.
    der stadtteilansatz kann natürlich nur ein ansatz linker politik sein und deckt notwendigerweise nicht alle anderen zugleich auch ab.
    zudem können wir das natürlich nicht alleine stemmen und verstehen den beitrag daher als diskussionsangebot, um die voraussetzungen zu verbessern.
    zum weiteren vorgehen müsste die linke die organisationsfrage lösen, koordinierter handeln und sich inhaltlich auf die kernfragen klassenkampf und auch imperialismus/krieg zurückbesinnen.



    Solidarische Grüße



    Siempre*Antifa

    liebe genossinnen,


    es ist ein wenig schade, dass die diskussion so verläuft, dass immer argumente herangezogen werden, die wir vermeintlich verwenden würden bzw die uns unterstellt werden, die aber nirgendwo in unseren texten und beiträgen zu finden sind.

    "profitieren" war in betreffenden kontext vielleicht nicht der am besten passende Ausdruck. Was wir meinten, haben wir im vorigen kommentar ausgeführt (da haben wir "privilegiert" verwendet). dabei handelt es sich um eine vergleichende aussage, die rein deskriptiv ist (und die als tatsache auch schwerlich geleugnet werden kann). das ändert keinen jota an der tatsache der ausbeutung, an psychischer verelendung, an sinkendem lebensstandard (ob nun absolut oder relativ), an der zurücknahme von rechten usw. die kriterien kennen wir und haben sie auch nicht in frage gestellt, sondern nur gesagt, dass es ungleiche lebenslagen und damit auch unterschiedliche ausgangsbedingungen der klassenkämpfe gibt. wer unsere texte liest (selbstverständnis, text zum 3. oktober usw) wird dies auch sofort feststellen können.


    auch im stadtteiltext stand ja zur klassenanalyse:
    "zentral aber bleibt der Widerspruch zwischen einer Masse, die ihre Arbeitskraft verkaufen muss und einer Minorität, die über abgepressten Mehrwert und Produkt der Arbeit verfügen kann, also durch Ausbeutung Profit macht und mit der Verfügung über fremde Arbeitskraft und Lebenszeit sachlich vermittelte Herrschaft ausübt."


    alles andere sind interpretationen der kommentatoren hier, die nicht unsere meinung widerspiegeln.
    vieles in den letzten kommentare finden wir auch unstrittig, als kritik geht es an dem, was wir geschrieben haben, aber völlig vorbei, weshalb wir auch schlecht darauf eingehen können.

    Zunächst möchten wir uns für die Replik auf unseren Textesbedanken. Zwar werden Texte eingebracht, diese bleiben aber meistunbeantwortet und oft folgenlos. Da dies hier nicht so ist, möchtenwir auf die Kritk antworten.


    Wir finden keineswegs, dass es Blödsinn ist, anzunehmen, dass dieAugebeuteten hierzulande im globalen Massstab privilegiert sind. Siesind es politisch, als Staatsbürgerinnen der westlichen Länder,sind es ökonomisch und materiell, sind es sozial undarbeitsrechtlich, in ihrer Bewegungsfreiheit, ihrem Konsumniverauusw. Das kann nicht ernthaft in Frage gestellt werden, möchte mandie massiven Unterschiede wetlweit, die auch Ausgangspunkt der Kämpfesind, nicht nivellieren und vor allem die doppelte Ungleichheit desimperialistischen Gesamtsystems nicht beschönigen.


    Buchenberg kommentiert: Diese „Hierarchieder Lebenslagen“ existiert nicht nur im globalen Maßstab, sondernbestimmt auch Leben und Arbeiten von allen Lohnarbeitern hier inEuropa. Genau diesem Punkt versuchen wir in unseremPapier Rechung zu tragen. Buchenberg konstatiert zwar diemannigfaltigen Differenzierungen und führt diese auch noch weiteraus (Die große Bandbreite derlohnabhängigen Lebenslagen ist allerdings ein zentraler Faktor, derden Anpassungs- und Unterwerfungsdruck auf uns alle vergrößert:), scheit sich dann aber vor den Konsequenzen. Das ist uE vor allemdeshalb der Fall, weil seine Kommentae aus
    a) einer abstrakt-theoretischen und
    b) aus einer orthodoxen, ahistorischen Warte aus abgibt sowie
    c) einen falschen Antiimperialismusbegriff zugrunde legt (dazuspäter weiteres).


    Buchenberg:Das ist ein inhaltsleerer Satz ohne nähere Erläuterung.
    Vielfältigfragmentiert, hierarchisiert und gespalten“ war dieLohnarbeiterklasse im England von 1860 weit mehr als wir es heutesind. Damals gab es noch Kolonien mit Sklaven. Die Lohnarbeitermachten damals einen geringeren Anteil der Gesellschaft und hatteneine geringere Bildung.


    Damit wiederspricht sich Buchenberg selbst. Weiter oben leugneter, dass die westliche Arbeiterklasse im Vergleich zur südlichenprofitfiert, erwähnt dann aber die Sklavenhaltung. Dies ist uE einKategoerienfehler, denn:

    • die Sklavenhaltung gibt es auch heute noch, aber eben in anderen Erdteilen, was wir mit doppelter Ungleichheit beschreiben.
    • Meinen wir die Differenzierung innerhalb der kapitalistischen Zentren. Denn hier kann ein und diesselbe Tätigkeit in verschiedenen Rechtsformen organisiert sein (zB als Scheinselbständigkeit, Leiharbeit oder Tarifvertrag). Entlohnung, und Arbeitsbedingugen variieren ebenfalls beträchtlich.1 Auch räumlich-geographisch lässt sich schwerlich von einem abgrenzbaren Subjekt ausgehen.2 Die Klasse ist weder in wenigen Fabriken noch in wenigen Strassenzügen konzentriert, sondern diffundiert. Eine Orthodoxie in der Klassenanalyse hilft nicht weiter, weil die eben keine Analyse ist, sondern so tut, als wären die Verhältnisse von heute unverändert die von 1900.


    Was istder „Kampfum die Klasse als Ganzes“ ? Weitere Argumente stehen,selbst bei Annahme eines einheitlichen Subjekts, dessen praktischerAdressierung entgegen:
    a) die Linke ist klein und zersplittert. Schon aus kapazitivenGründen können nicht alle ArbeiterInnen zugleich und gleichintensiv angesprochen werden.
    b) ist die Klasse gespalten, sio dass wir uns auf die am wenigstenprivilegierten Teile zuerst konzentrieren.
    c) sind dies Fragen der Taktik, die ohnehin jede Gruppe oderInitiative vor Ort selbst aufgrund der konkreten Analyse lösen muss.


    Unser Text ist kein reiner Theorietext, sondern entspringt einerPraxis, mit der er in Relation steht.
    Buchenberg kommentiert aus einer rein theoretischen, einerauslegenden Perpektive. Abstrakt kann man die Klasse als Ganzesadressieren, aber wie soll das praktisch und konkret denn vor Ortaussehen? Was schlägst Du denn vor, um ALLE und alle auf einmal zugewinnen? Wenn wir deinen Kommentar ernst nehmen, dann istrevolutionär nicht eine etappenweise Strategie zur Organiserung derKlasse, sondern ein hypothetisches Addressieren ALLER, inWirklichkeit aber nur der Intellektuellen, ohne jede taktische undoperative Differenzierung und ohne jede gesellschaftliche Relevanz


    Und, ja wir halten es für falsch, den Kioskbesitzer , der amExistenzminimum lebt, gegen uns aufzubringen, weil wir ihn nicht fürden primären Klassenfeind halten, egal ob er jetzt alleine in seinemLaden sitzt oder einen Angestellten hat. Natürlich, nach der reinenTheorie handelt es sich um einen Ausbeuter (obwohl sein Profit zudemeher ein Handelsprofit ist und weniger der Ausbeutung entstammt, dieja in der Produktion der Waren stattfindet, die er nurweiterverkauft). Ein Manager mit Millionengehalt wäre dann hingegenein lohnabhängiger Klassenbruder, den wir als Arbeiter organisierenmüssten. Wie gesagt, Starrkeit und Dogmatismus helfen in praktischenFragen selten.


    Und ja, wir halten den Klassenwiderspruch nicht für denHauptwiderspruch. Herrschaftsverhältnisse sind heute eben mehr alsnur der Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital, Rassismus, Patriarchatund neokoloniale Strukturen gehören auch dazu, sind miteinanderverwoben und verschiedenen Ausprägungen derselben Systems (Konzeptder Intersektionalität).3


    Und schon aus taktischen, von den naheliegenden inhaltlichenAspekten ganz angesehen, ist die Kriegsfrage für die Menschenexistenziell. Ohne Themen, die in der Lebensrealität konkreterfahren werden, (absatz Gemeinsame politische Themenfelder)kann es auch keine inhaltliche Basis geben.


    Und den Imperialismus als Auswuchs zu begreifen, kann nurmeilenweit in die Irre führe. Denn als Auswuchs des Kapitalismusmüsste ja jeder kapitalistische Staat auch imperialistisch sein. Wasist aber mit den Staaten der Peripherie, die eben nichtimperialistisch sind, sondern von den imperialistischen Zentrendominiert werden? Sorry, Wal, da ist Deine Sichtweise einfach zueurozentristisch.


    Zu guter Letzt, viele der vorwürfe stehen auch so nicht inunserem Text. Weder haben wir einen Gegensatz zwischen ökonomischund kulturell aufgestellt, noch eine Hierarchie von nur zwei Ebenenbehauptet. Vielmehl handelt es sich um Beispiele. Und die ÜberschriftSozialarbeit bezieht sich auf städtische Sozialarbeit, nichtauf unsere politische Arbeit (das wird schin deshalb klar,weil sie mit Repression in Zusamenhang gebracht wird)


    Absurd wird es vollends, wenn unser Konzept der SozialeZentren“ kritisiert wird. Diese sind eben keineautonomen Zentren , also Freiräume für eine subkulturelle Szene,sondern politische und soziale Räume , die innerhalb derWidersprüche bestehen und diese bearbeiten. Eben Ausgangspubnkte fürgesellschaftliche Intervention und nicht Verwaltung der Nische seinwollen. Zitat: „
    sind die autonomen Zentren und das Konzept der Gegenkultur oftauf die Bestandswahrung zurückgeworfen. Zwar können im Rahmen derum sie gruppierten Szene freiere Formen der Lebensführung erprobtwerden, gleichzeitig wendet sich dieser „Freiraum“ aber gegendieMehrheitsgesellschaft und sucht weniger die Auseinandersetzungdenn die Abgrenzung. Der Gegenkultur fehlt oft ein genuin politischesKonzept und ein Bezug auf die materiellen (Klassen-)Verhältnisse“


    Also das genaue Gegenteil. Uns geht es um kondensierte Erfahrung,sprich Praxis, also die Möglichkeit der Veränderung. Leiderscheingt es Buchenberg mehr um die richtige Marx Exegese zu gehen alsum konkrete Schritte der Organisierung. Noch dazu, obwohl seineAusführungen neueren Forschungsergebnissen wie auch eigenenErfahrungen widersprechen. Insgesamt also leider eher einepartikularistische, ökonomistische, orthodoxe und zu abgehobeneKritik.


    Siempre*Antifa Frankfurt/M


    http://siempreffm.blogsport.de





    1Vgl. http://www.grundrisse.net/grundrisse21/karl_reitter.htm
    2Vgl. http://www.linksnet.de/de/artikel/23801
    3Vgl. http://siempreffm.blogsport.de/images/ReclaimFeminism.pdf