Posts by renée

    Hallo Wal,


    Es sind 2 online PDF-Dateien, zwar durchaus noch anspruchsvoll geschrieben, aber halt im heutigen Sprachstil. Teilweise aber auch mit Beispielen, was die Begriffe anhand heutigen Bedingungen bedeuten. Dadurch konnte ich das auch sozusagen "sehen", wie das alles zusammenhängt. Ich werde es mir aber nochmal in einzelnen Abschnitten vornehmen.


    Zumindest habe ich verstanden, wie bekloppt es ist, Marx als überholt anzusehen, mir erscheint er immer "aktueller" zu werden. Oder seinem Werk Dinge anzudichten, die dort gar nicht drin stehen. Ich bin jedenfalls begeistert, wie sachlich und nüchtern er in seinem wissenschaftlichen Werk wohl geblieben ist. In dem wenigen, was ich gelesen habe, war es jedenfalls so.


    In deinem Beitrag über Streik hast du geschrieben, du warst Werkzeugmacher, so so ;)

    Mein Vater hatte Bau- und Möbelschreiner gelernt und wurde dann abgeworben, um im Stahlwerk zu arbeiten. Das waren Zeiten! Nach der "Arbeit" noch bei Dacharbeiten schwarz gearbeitet, da hat damals wohl kein Hahn danach gekräht, die waren froh, dass die Leute ihre Häuser fertig bekamen. Naja, bis zum Jahr '57 war es auch noch französisch - die "Franken-Zeit". Allerdings hat dieser "Anschluss" wirtschaftlich nicht sehr viel gebracht, es war und blieb immer abgehängt.


    renée

    Danke für die Antwort.


    Ich bin vor einigen Wochen auf der Seite pol-oek auf die Spurensuche Eine Studienreise in "Das Kapital" von Karl Marx Teil 1 + 2 von Franz-Josef Land gestoßen. Immer noch über 800 Seiten, aber so geschrieben, dass ich es ganz gut verstanden habe. Mir erschien es ziemlich brauchbar, hoffe nur, dass er sich nah an Marx orientiert hat ohne irgend einen Schmu hinein zu interpretieren. Hast du was davon gehört?


    Ich habe halt das Problem, dass ich sozusagen visuell lerne, d. h. wenn ich zuhöre oder lese, dann muss ich das im Kopf in Bilder umsetzen können, sonst bleibt da einfach nichts hängen. Ich habe auch nicht bei allen MEW Büchern solche Probleme gehabt (4 oder 5 habe ich vor ca. 40 Jahren gelesen), das Manifest und Dialektische Materialismus waren regelrechte "Schmöker", aber beim Kapital tut sich nichts außer dass nach ein paar Seiten der Frust wächst.


    Ja, und dann muss ich jetzt das, was ich Pi mal Daumen verstanden habe, in möglichst fetziger Form an einen Teenager weitergeben, ohne Unfug zu erzählen oder Langeweile hervorzurufen.

    Brrrrr!


    Leider ist meine Tochter keine solche Leseratte wie ich war, ich hatte mir ja schon im zarten Alter von 8 Jahren die griechischen Sagen angetan. Naja, ich hätte auch das Telefonbuch gelesen, wir hatten halt keins. Hyperlexie nennt man das heute.


    renée

    Hallo Wal,


    Geschichte war leider nicht so mein Ding (Schulunterricht war ein bisschen unterirdisch ...), dieses wäre aber eh nicht zur Sprache gekommen.


    Wie weit war denn schon die kapitalistische Produktionsweise in Russland und China zur Zeit derer Revolutionen entwickelt? Gibt es da irgendwas Sinnvolles dazu im www? Ich möchte mich da nicht unbedingt auf wikipedia verlassen.

    Das hat sich in den letzten Jahren noch weiter verschärft, seit hier um die Ecke die EZB steht werden im Viertel regelrechte Mondpreise bei Neuvermietung verlangt. Im Rest der Stadt sieht es nicht viel besser aus, waren Kaltmiete um 8 €/qm vorher noch häufiger im Angebot, sind heute 10 € schon "Schnäppchen". Für Wohnungssuchende ist es aber unerheblich, ob die langjährigen Mieter 8 € und weniger bezahlen, wenn die freie Wohnung 12 € und mehr kostet.

    Vorläufig fallen mir da für den Bereich Lebensmittel und Energie spontan die Begriffe:


    hochkomplex, digitalisiert, Just in Time, weitgehend zentralisiert gesteuert


    ein, da gibt es bestimmt noch mehr. Zentralismus erscheint mir der Hauptpunkt, um einen Staatsapparat entbehrlich zu machen müsste weitgehend dezentralisiert werden.


    renée

    Mein Post bei Feynsinn (Darf ich mich eigentlich selber ohne Quellenangabe zitieren ;) )


    Wenn man sich BlackRock anschaut, dann übernehmen zumindest Computer den Kapitalismus und werden von den "oberen Zehntausend" mäßig bezahlten Lohnarbeitern bedient. Eigentlich könnte man die "oberen Zehntausend" der Kapitalisten aus dem System rausnehmen, das System läuft via Algorithmus weiter. Vom automatischen Subjekt zum digitalisierten? So gesehen schafft DER Kapitalismus sich doch ab, also der, welcher sich an irgendwelchen Personengruppen (Superreiche) festmacht. Das geht über die schon lange existierende Delegierung an eine Managerkaste hinaus. Fehlt noch, dass die Regierung durch einen Algorithmus ersetzt wird, den könnte man dann TINA nennen.


    Ich habe gerade deine Ausführungen genauer gelesen, da sagst du quasi dasselbe, wenn auch präziser und nicht so flapsig. Oder sehe ich das falsch? Diese Kapitalisten, die sich völlig aus dem "Alltagsgeschäft" als Entscheider etc. herausgezogen haben, könnten quasi von Aliens entführt werden, das System merkt davon überhaupt nichts.


    renée

    Interessante Seite, aber man muss ein bisschen die Nadel im Nadelhaufen finden. Meinungen machen ja noch keine Taten, sind aber eine Grundlage davon. Platt ausgedrückt, wenn ich sehe, was die Menschen von der Regierung erwarten, diese aber, unabhängig welche Partei oder was versprochen wurde, etwas genau Gegensätzliches beschließt, dann werden diese Menschen irgendwann sagen: "Die machen sowieso was sie wollen". Daraus folgt entweder Resignation oder der Versuch von Selbsthilfe. Wenn der Einzelne sich nun als "einsames armes Würstchen, das eh' nichts ändern kann" sieht, dann kann daraus nur Resignation erwachsen, abgesehen von ein paar Einzelkämpfern.


    Sobald man aber Gleichgesinnte findet, kann man gemeinsam nach Wegen suchen. Und da, im ganz Kleinen, tut sich ja auch was. Ob das Tauschbörsen sind, kleine Dörfer, die aus Not ihren ÖPNV selber organisieren oder einen Pool Werkzeuge von der Bohrmaschine bis zum Rasenmäher gemeinsam anschaffen und selbst verwalten. Die erfahren voneinander und tauschen sich aus, lernen voneinander. Sofern das auch noch zu einem Ver-Lernen des propagierten Konkurrenzdenkens und -verhaltens führt, ist dies doch zu begrüßen.


    renée

    Quote

    "Keine Ahnung, wie hoch die Militärausgaben der Schweiz sind. Aber bei den alten und jungen Kolonialmächten, zu letzteren zählen ja die USA, ist Krieg immer noch mit "Beute machen und seinen Willen durchsetzen" verbunden, also eher positiv besetzt."


    Nun ja, im Factbook der CIA steht "0.68% of GDP (2017)"


    https://www.cia.gov/library/pu…rld-factbook/geos/sz.html


    Meine Frage bezog sich jedoch auf Meinungsumfragen. Sofern es solche gibt, dann jedoch bestimmt in deren Landessprache. Ich weiß jetzt nicht einzuschätzen, wie allgemein relevant das ist, aber mich würde es schon ein bisschen interessieren, wie die Leute um Deutschland herum so "drauf sind". Aber wenn ich es nicht weiß ist das auch nicht soooo schlimm.

    Ich interpretiere das ganz grob so, dass Polizei und Justiz mit "Schutz der Bevölkerung", Militär mit "Schutz der Nation" (aber auch Krieg) in Verbindung gebracht wird.


    Bei Mehrfachnennung <10 % Zustimmung zu Militärausgaben ist ziemlich gering. 2 verlorene Weltkriege haben wohl Auswirkungen auf die Psyche der Deutschen, neben anderen Faktoren natürlich.


    Die Ergebnisse anderer Länder wäre noch interessant, Frankreich, GB, USA als "Sieger", aber auch weitere, vor allem Anrainerstaaten und die "neutrale" Schweiz.


    Wurde die USA eigentlich seit ihrer Unabhängigkeit jemals auf ihrem Staatsgebiet von außen militärisch angegriffen? Das Gefühl in der Bevölkerung, von außen bedroht zu sein, steht in diametralem Verhältnis zur militärischen Übermacht der USA.


    Nochmal zur Grafik, Schule und Bildung ist den Deutschen am wichtigsten. Bei Feynsinn hatte ich in meinem Post http://feynsinn.org/?p=11354#comment-88549 verlinkt: "Etat für Bildung und Forschung soll 2020 um 533 Millionen gekürzt werden ". Sollte es so kommen, wird das - überspitzt gesagt - nicht in Riesenlettern vorne auf der BILD bekannt gegeben. Und so ist es doch mit allem, Informationen, welche die Lebenssituation der Bevölkerung betreffen, werden entweder gar nicht veröffentlicht oder so, dass man nur mit ausreichend Grund- und Hintergrundwissen erkennen kann, welche Auswirkungen es auf ihr Leben hat.


    Auf individueller Ebene ist es aber so, dass ich nur schwer sinnvolle Entscheidungen treffen kann, wenn ich über meine Lage und die sie bestimmenden Faktoren wenig oder nichts weiß. Mir kam vor einiger Zeit der Gedanke, dass viele Menschen durch die (oft auch widersprüchliche) Informationsflut mittlerweile in der Situation eines Urmenschen sind, der die Zusammenhänge gefährlicher Naturereignisse nicht wissen konnte, bis diese dann durch irgendwelche "höheren Mächte" erklärt wurden. Das hochkomplexe Konglomerat aus globalisiertem Kapitalismus und zersplitterter Gesellschaft (als Bedingung für und Resultat von kapitalistischer Produktion) ist ja auch für den Einzelnen kaum zu durchschauen und wirkt daher bedrohlich. Ohne wenigstens einen groben Einblick "wie der Hase läuft" kann man dann Einzelereignisse nicht mehr einordnen und um so leichter von allen möglichen Gruppen und Organisationen instrumentalisiert werden. Siehe AfD: Die Migranten sind an der Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot schuld. Mit ihrem Nationalismus findet dann aber auch der Militarismus Bedeutung (Schutz der Nation).


    renée

    "Aber, schrieb Marx schon 1945, ‚mit der Gründlichkeit der geschichtlichen Aktion wird also der Umfang der Masse zunehmen, deren Aktion sie ist.‘ (MEW 2, 86; w.b.)"


    Das war bestimmt 1845.


    renée


    Edit Wal: Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

    "Legal, illegal, sch...egal" hieß mal eine Parole.


    Ich bin im Verlauf meines Arbeitslebens nicht selten auf Vorgänge gestoßen, da habe ich sehr gestaunt, dass sie offensichtlich legal waren. Es ist halt auch zu sehen, dass nicht alles, was der "gesunde Menschenverstand" so sieht, per Gesetz als illegal eingestuft wird. Was insbesondere die ganz "Großen" an Verrenkungen veranstalten, um ihre Steuerlast zu verringern, erscheint geradezu grotesk. Ich bin vor ca. 30 Jahren über ein Buch gestolpert, "Boom ohne Arbeitsplätze", da wurden diese Finessen genau erklärt (z.B. Siemens mit Tochterbank in Steueroase - der teure Kredit wirkt hier steuermindernd). das hat mir jegliche evtl. noch vorhandenen Illusionen regelrecht zerfetzt.


    Wer aber entscheidet, was als illegal gilt und was nicht? Kreative Steuervermeidung wirkt sich ja genauso aus wie Steuerhinterziehung. Wie bei Cannabis entscheidet das jemand, Cannabis ist ja nicht "von Natur aus" illegal.


    Ach ja, der "kleine Krauter" oder die 20-Mitarbeiter-Klitsche wird es nicht zu einer Bank auf den Caimans als Tochterunternehmen bringen.


    Ich hatte mal 4 Jahre bei Siemens gearbeitet (deren Betriebsrente greift leider erst nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit), da habe ich von älteren Mitarbeitern Sätze gehört wie "Das ist eine Bank mit einem kleinen Elektrolädchen" oder "Eher geht die Deutschland pleite als Siemens". Erst später wurde mir klar, dass diese Behauptungen nicht völlig aus der Luft gegriffen waren.


    renée

    Hallo Wal,


    es passt zwar nicht zum obigen Thema, aber ich habe eine Frage. Wo ist eigentlich zu verorten, dass Preise für "Grundbedürfnisse" anscheinend stärker steigen als in der Inflationsrate ausgewiesen. Ich habe mir dazu zwar keine Zahlen notiert, aber bei Lebensmitteln scheint mir das unterste Preissegment prozentual stärker zu steigen als die eher "luxuriösen" (Bei Milchprodukten z.B. in wenigen Jahren um die 50 %). Nicht zu vergessen die Mieten.


    Passt das zu "Verelendung"? Nur als Beispiel, wenn die Inflationsrate 2 % beträgt, für Lohnabhängige, Rentner und Arbeitslose "netterweise" ihr Einkommen um 2,5 % erhöht würde, die Preise für das Lebensnotwendigste aber um mehr als diese 2,5 % steigen?


    Mir erscheint der gern benutzte Begriff "inflationsbereinigt" oft als unzureichend, da in dem zur Berechnung herangezogene Warenkorb Konsumgüter gewertet werden, die für viele Lohnabhängigen und speziell für's "Prekariat" außerhalb ihrer Lebenshaltung liegen.


    Ist meine Frage irgendwie relevant?


    renée

    Ich sehe mich als Teil "dieser Leute", möchte aber nicht bei Empören stehenbleiben. Als jemand, der selber vom Kapitalismus ziemlich gebeutelt wird, möchte ich meine bisherigen Erkenntnisse, Ideen oder auch nur Ahnungen anderen mitteilen. Teilen. Nach Leuten suchen, die ähnlich denken, oder denen meine Ideen evtl. weiter helfen. Immer in der Erwartung, von den anderen etwas zu lernen.


    Königswege sind was für Könige.


    renée

    Hm, soll ich dann meine Gedanken und Ideen für mich behalten? Mich nur noch über's Wetter oder irgendeinen "Hype" unterhalten? Du schreibst,


    "Leute sind aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen den Kapitalismus."


    Bisher sind mir fast ausschließlich Menschen begegnet, welche wegen irgend einer Sache "empört" waren, ohne den Zusammenhang zu erkennen, dass die letztendliche Ursache das kapitalistische System ist. Ist es legitim, diesen Zusammenhang zu erklären, oder soll ich abwarten, bis sie durch irgendwas (Erleuchtung?) selbst darauf kommen.


    Wozu soll ich das dann in einer kleinen Gruppe wie hier diskutieren, als Gehirnakrobatik zur eigenen Erbauung?


    Was ist daran falsch, wenn ich mich an dem Prozess beteiligen möchte, indem ich Menschen Denkanstöße gebe?


    Ich komme mir gerade vor, als bewege ich mich hier in einem Minenfeld.


    renée

    Nachtrag: Ich suche nach anschaulichen Begründungen, warum sämtliche Reform-/Reparatur-/Verbesserungsvorschläge, die innerhalb des Systems verbleiben, nur graduelle Verbesserungen der Lebensbedingungen bleiben, dass grundlegende Veränderungen jenseits des Systems liegen.


    In bisherigen Gesprächen muss ich halt jedesmal betonen, dass ich bisher keine Daten dazu gefunden habe, für's erste haben aber meine Beispiele, dass der ganze Finanzsektor, der "Verwaltungswasserkopf" oder die Überproduktion wegfallen würden, ein paar Gesprächspartner zum Nachdenken gebracht.


    renée

    Hallo Wal,


    "Wenn ich dich recht verstehe, willst du eine konkrete Krankheitsdiagnose für jedes einzelne Glied des kapitalistischen Gesamtkörpers."


    Nee, ganz so dolle jetzt auch nicht. Ich suche nach Anknüpfungspunkten, es anderen (von unseren Ideen noch unbelasteten) Menschen "schmackhaft" zu machen, sich für die Idee eines anderen "Systems" zu interessieren. Die einen interessieren sich eher für den ökologischen Aspekt, andere für den emanzipatorischen und anderen stinkt die Aussicht auf als sinnlos empfundene Schufterei "für'n Appel un' Ei". Ich möchte da die Leute gerne da abholen, wo sie stehen.


    Dieser spezielle Punkt mit der "vergeudeten" Lebens(Arbeits)zeit interessiert mich allerdings auch persönlich.


    renée

    Danke.


    Ein bisschen, Finanzen, Versicherungen und staatliche Kerntätigkeiten sind ja wohl vor allem zum Systemerhalt nötig.


    Auf der von dir erwähnten Statistikseite gibt es unter "Wirtschaftsstruktur" den Punkt "Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen" nach Branchen, leider die Tabelle nur als Zip-Datei und mein WinZip ist abgelaufen. das gab es früher ja auch kostenlos ...


    Mal sehen, wo ich vielleicht noch fündig werden könnte. Da gibt es superviele Informationen supergut versteckt - Nadeln im Nadelhaufen.


    renée

    Wal hat das Thema hier als Reaktion auf einen Blogeintrag aufgemacht. Ich habe dort Gedankengänge von mir ziemlich unsortiert und grob skizziert dargelegt. Im Wesentlichen geht es mir dabei darum, anderen Menschen, deren Denken noch nicht die Schranken dieses Systems verlassen hat, über andere Möglickeiten zu informieren. Da für die meisten gedankenmäßig vor allem das „Schreckgespenst“ DDR als Alternative vorschwebt, suche ich nach Möglichkeiten, ihnen interessantere Perspektiven vorzustellen. Der emanzipatorische Aspekt steht für viele dabei noch nicht einmal annähernd im Fokus. Mit der DDR im Kopf sagen sie: „Wieso soll ich mindestens genau so lange schuften wie jetzt und krieg dann noch weniger.“


    Ich würde diesen Menschen gerne erklären können, und zwar in möglichst einfachen Worten, wiviel von ihrer Lebenszeit davon absorbiert wird, Reichtum zu generieren und das System zu erhalten. Das möchte ich aber gerne nicht nur behaupten, sondern habe nach etwas „Butter bei die Fische“ gesucht. Aufgehängt war das ganze an den derzeitigen Schülerdemos, die jungen Leute haben Fragen, wo es denn rausgehen könne aus dem Wahnsinn. Der Aspekt Arbeitszeit ist da auch nicht ganz unerheblich, da ihnen die Aussicht, sich abzurackern und auch dadurch an der Umweltzerstörung mitzuarbeiten, überhaupt nicht gefällt.


    Ich möchte mich um sinnvolle Antworten (auch für mich) bemühen. Es ging mir an dieser Stelle nicht um das gesamte Konglomerat Kapitalismus/Ökologie/Ausbeutung und was alles sonst noch dazu gehört. Ganz speziell hier hatte sich für mich die Frage aufgetan, ob jemand weiß, wo man an belastbare Daten kommt, auf welche Tätigkeiten sich die Gesamtarbeitszeit (erstmal) hier in Deutschland aufteilt und ob es möglich wäre, zumindest annäherungsweise herauszubekommen, wieviel davon ausschließlich oder vorwiegend nur dem Systemerhalt dient. Ich habe zum wiederholten mal gelesen, dass 2 Stunden Arbeit ausreichen würden, aber nichts, was diese Behauptung belegt. Ich selber halte diesen Punkt jedoch für nicht ganz unerheblich, wieviel Reproduktionszeit einem vorenthalten wird, „nur“ um das System zu verwalten.


    Was spätere Generationen eventuell tun wollen, ist mir hierbei ziemlich egal, sollten sie selbstbestimmt beschließen, sich wieder „auf die Bäume“ zurückzuziehen oder 16 Stunden am Tag arbeiten zu wollen, dann ist das deren Sache.


    renée


    Hallo Wal,


    ich stöbere grade in alten Diskussionen ;)


    Ich habe ja schon in vielen Bereichen und mindestens zwei Berufen gearbeitet. Meine Erfahrung: in der Produktion und den technischen Abteilungen geht es ziemlich lösungsorientiert und kooperationsbereit zu. In den kaufmännischen Bereichen der Industriebetriebe ist dann schon sehr viel mehr Konkurrenzdenken und Profilierungsstreben zu erkennen, im Vertrieb herrscht Hauen und Stechen. In Banken besteht ein guter Teil der Arbeit aus Intrigenspielen, zum Glück war ich da nicht lang.


    Produktionsarbeiter, Techniker und Ingenieure wissen halt, sie können einer Maschine noch so viel versprechen, wenn das Ding falsch konzipiert/gebaut wurde, dann funktioniert es nicht.


    renée

    Danke für die schnelle Antwort.


    Meine Gedanken gehen aber darüber hinaus. Mir geht es nicht nur darum, dass durch die Produktivitätssteigerungen die (mehr oder weniger) notwendigen Waren weniger Arbeitszeit benötigen. Es geht auch um die Arbeiten, die nur deswegen anfallen, dass das System „floriert“, die in einem entwickelten kommun(al)istischen System größtenteils oder vollständig entfallen würden. Als Stichpunkte fallen mir erst einmal der Finanzsektor, der „Verwaltungswasserkopf“ (welcher meiner Empfindung nach derzeit u.a. durch immer neue Verordnungen immer schneller wächst), die Werbebranche oder auch die dem Kapitalismus geschuldete Verwaltungsarbeit in Betrieben bis hin zur Exekutive der Staatsmacht. Ob sich auch noch solche Auswüchse wie z. B. geplante Obsolenz oder „Unfugproduktion“ im Sinne einsparbarer Arbeitszeit quantifizieren lassen?


    Ernsthafte Frage, gibt es noch andere, die sich in der Richtung Gedanken machen. Mein „Hauptantrieb“ hierzu war, dass es nicht ausreicht, das Negative dieses Systems aufzuzeigen und dabei evtl. auch noch im Bereich Moral und Empörung zu verharren. Als Vorbild sehe ich hier „Das Kapital“ als nüchterne und (soweit ich weiß) wertungsfreie Analyse, wie der Kapitalismus funktioniert. Darum ist das Werk ja auch heute noch aktuell.


    Das andere wäre, der „Utopie“ zumindest vorläufig in der Vorstellung Leben einzuhauchen und anhand von belastbaren Daten die potenziellen Vorteile aufzuzeigen. Vielen geistert doch noch immer das Gespenst der Sowjetunion im Kopf herum oder aber die Beispiele von „Selbstausbeutung“ in manchen Alternativbetrieben. Bis vor einigen Jahren ging es mir genauso. Warum soll man ein anderes System wollen, wenn man da mindestens genau soviel schuften muss für ein bisschen mehr Gerechtigkeit und Emanzipation. Dann bin ich über das „Zeitgeist-Movement“ gestolpert, die unter einer Menge Mist aber auch einige (Denkanstoß-)Perlen zu bieten hatten. Für mich war ein Augenöffner die Sache mit dem Geld. Seitdem sind alle Ideen von Alternativgeld, Arbeitszeitkonten und Zettelwirtschaft obsolet geworden.


    Etliche Diskussionen drehen sich ja auch darum, was das ganz richtig Richtige wäre, natürlich dann für alle. Finde ich müßig, abgesehen von einigen Grundstandards sollen die Leute doch selbst entscheiden. Wenn sie in Kleinklickersdorf meinen, es geht nicht ohne Arbeitszeitüberwachung – sollen sie es halt machen. Aber nicht den anderen vorschreiben, die müssten das dann auch.


    Sinnvoller erscheint mir, soweit möglich mit Daten unterlegt, die „Utopie“ aus dem Diffusen herauszuholen. Ein bisschen könnte man da ja von den Werbetreibenden abgucken (abgesehen von den Märchen natürlich), mehr das „Zielgruppengerechte“. Jemand aus der Friedensbewegung interessiert sich für andere Aspekte als z.B. ein Umweltschützer, ein Schüler für andere als ein Arbeiter. Die Frage, wie der Weg in ein anderes System aussehen wird/soll/kann bewegt sich jedoch ziemlich im luftleeren Raum, solange sich nur ein paar Leute darum die Köpfe zerbrechen. Propagandaaktionen, wie ich sie noch von den K-Gruppen her kenne, lehne ich aber ab. Interesse wecken sehe ich als angebracht, vor allem da ich weiß, dass viele, vor allem junge Menschen, das bisherige nicht mehr wollen und manche sogar schon verzweifeln. Die immer tolleren Versprechen treffen auf das diffuse Erkennen einer immer bedrohlicher erscheinenden – sowohl individuellen als auch globalen – Zukunft und hinterlässt oft seelische Scherbenhaufen. Die wollen keine bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Konzepte – wie das dann irgendwann „gelebt“ wird, werden die entscheiden, die dann leben – und auch nicht mit den MEW erschlagen werden.


    So, jetzt sind wieder mal die Ideen-Gäule mit mir durchgegangen, aber hier ist es so ruhig, da stört das hoffentlich nicht. Schön, dass es kein Monolog ist, Dialog ist schon ganz gut, eine Diskussion in einer kleinen Gruppe wäre super.


    renée

    PS:

    Hallo Wat, falls du noch hier reinschneist. Sorry dass ich nichts mehr von mir hören ließ, aber mir ging es ziemlich besch..., Tochter mit Depression und weiterer Mist.

    Ob die Ereignisse und Entwicklungen in der Ukraine oder anderen Ländern der "Ex-SU" unsere Interessen berühren oder nicht, wird sich evtl. noch herausstellen. Und was heißt "einmischen"? Darf ich dazu wenigstens noch eine Meinung haben, welche sich von der anderer Menschen unterscheidet?


    Bzgl. Sanktionen, da fielen mir auf Anhieb reichlich Gründe ein, warum man diese eher gen Westen richten müßte, aber dieser Knüller geht ja nicht, gell. Das hat nichts mit gut/böse, sondern mit diversen Rechtsbrüchen zu tun, welche auch nicht erst seit gestern aus dieser Richtung an der Tagesordnung sind. Ganz streng genommen müßte sich die BRD selber sanktionieren. So what?


    Meine Frage:


    ""Die russische Mobilmachung und faktische Besetzung der Krim" - was genau passiert dort jetzt? Da ich zu den hiesigen Medien keinerlei Vertrauen habe, möchte ich gerne wissen, wo es hierzu einigemaßen vertrauenswürdige Quellen gibt."


    wurde geflissentlich übergangen.


    Statt auf mein Resumée im Obigen Beitrag:


    "Vielleicht wäre es am sinnvollsten, das ganze unter dem Aspekt "Welche Auswirkungen hat es darauf, den Übergang in eine emanzipierte Gesellschaft zu ermöglichen?" zu betrachten. Bisher ist da meinerseits nur so ein mulmiges Gefühl, dass die Vorgänge in dieser Region (und nicht nur dort) derzeit diesem Ziel ziemlich entgegen stehen."


    einzugehen, bekomme ich quasi den Satz "Wer immer sich - direkt oder indirekt - auf die Seite einer dieser beiden Imperialmächte stellt, macht sich zur Kriegspartei." um die Ohren gehauen. Weil es mir auf den Keks geht, dies zu einer Angelegenheit eines Herrn Putin zu machen sowie seine permanente Darstellung als das personifizierte(!) Böse durch die Majorität der Medien. Diese mystifizierenden Begrifflichkeiten sind m.E. jenseits aller vernünftiger politischer Analyse wie nur geht.


    Vor allem scheint mein Eingangssatz für die Antwortenden irrelevant gewesen zu sein, für mich war er wesentlich, daher wiederhole ich ihn nochmal:


    "Der "Fall" Ukraine ist eine ziemlich vielschichtige Angelegenheit, in der mE die diversesten "Interessengruppen" ihr jeweiliges Süppchen kochen."


    Sofern mich nicht alles täuscht, wird das "Süppchen" Ukraine gerade ausverkauft. (Und da das ja so weit weg ist, darf es mich auch nicht interessieren, wie sich dies möglicherweise auf die Lohnabhängigen dort auswirkt?) Nein, das ist kein Streit zwischen Nachbarstaaten, die Ukraine ist nur der Austragungsort für den alten kalten Krieg sowie die neueste Beute für den westlichen Kapitalismus. Und selbst für den gilt, dass er "vielschichtig" in seinen Interessen ist, auch da gibt es Allianzen und Gegnerschaften.


    Nochmal: "Welche Auswirkungen hat es darauf, den Übergang in eine emanzipierte Gesellschaft zu ermöglichen?"


    cu
    renée

    Hallo Technik,


    die letzten Tage fehlt bei einzelnen Threads die Antwortfunktion, eben wollte ich bei "Maidan und die Linke" etwas schreiben, was jetzt nicht möglich ist. Ich finde das sehr ärgerlich, da es sich um eine Erwiederung auf meinen Kommentar handelt, auf den ich antworten möchte. Anscheinend kann nur ich dort nicht (mehr?) schreiben ... ?(


    Kann das mal jemand prüfen, was da evtl. "hakt". Oder darf ich mich da nicht mehr dazu äußern, weil ich Unsinn verbreite???


    cu
    renée

    Hallo Wal,


    "Bevor wir als Linke und Bürger der EU in der ukrainischen Protestbewegung nicht Ziele und Forderungen finden, die wir uns zu eigen machen können, Ziele, die auch unsere Emanzipation voranbringen, solange sollten wir bloße Beobachter bleiben, solange geht es in diesem Konflikt nicht um unsere eigenen Interessen,"


    Dazu möchte ich ein ganz klares "Jein" von mir beisteuern ;) .


    Der "Fall" Ukraine ist eine ziemlich vielschichtige Angelegenheit, in der mE die diversesten "Interessengruppen" ihr jeweiliges Süppchen kochen. Vielleicht sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es schon seit etlichen Jahren Bestrebungen gibt, die Ukraine als NATO-Mitglied zu installieren. Ganz abgesehen von dem ziemlich allgemeinen Interesse gewisser "Kreise", überall in geopolitisch interessanten Gebieten Kriege anzuzetteln.


    Was mit Zielen und Forderungen der ukrainischen Protestbewegung war/ist, kam in der MSM-Berichterstattung wohl kaum vor. Inwiefern unsere eigenen Interessen von diesem Konflikt und seiner "Lösung" berührt werden, kann ich ad hoc auch nicht beurteilen, ich muss aber meinen Optimismus schon arg bemühen, um dabei gelassen zu bleiben.


    "Die russische Mobilmachung und faktische Besetzung der Krim" - was genau passiert dort jetzt? Da ich zu den hiesigen Medien keinerlei Vertrauen habe, möchte ich gerne wissen, wo es hierzu einigemaßen vertrauenswürdige Quellen gibt. Soweit ich weiß, gibt es in Sevastopol die Schwarzmeerflotte, und das schon ein paar Jahre - seit 1783 lt. Wikipedia und div. anderen Quellen. Da gibt es wohl auch einen Vertrag, und Russland zahlt dafür "Miete".


    Was das Ganze jetzt speziell mit Putin zu tun hat, weiß ich auch wieder nicht, obwohl mir seine Politik einen Ticken angenehmer erscheint als die von Jelzin. Ich habe jedenfalls länger keine Meldungen mehr gehört, dass die Menschen dort monatelang auf Lohn- und Rentenzahlungen verzichten müssen, das dürfte schon deren Interessen berühren. Wer da genau dahinter steckt, weiß ich wiederum auch nicht, dazu kenne ich nicht genug der russischen Interna. Ob und wessen Marionette der nette Herr Putin halt ist. Bei den Marionetten Herr O. und Frau M. ist mir das geläufiger.


    Ich würde mal sagen, ich stelle mich hinter gar keinen von den 3 - und auch hinter sonst keinen, dessen Handeln nicht meinen Interessen entspricht. Hier speziell nur das Handeln Russlands ins Visier zu nehmen erscheint mir trotzdem etwas einseitig, vor allem, da es unsere Medien eh schon bis zum Erbrechen exizieren. Dabei sieht das Bild je nach Hintergrundwissen schnell ziemlich anders aus, und solche Themen wie "Stay behind", PNAC, "False-Flag-Operationen" etc. gehören nun mal nicht zur Allgemeinbildung dazu.


    Die Gefahr, die ich hier sehe, wenn solche Vorkommnisse allzu blauäugig beurteilt werden, ist die, dass bei entsprechender "Propaganda" halt an der falschen Stelle gejubelt wird - und dann auch wieder "marschiert". "Bündnisfall" und so. Das ist auf keinen Fall mein Interesse, und ich vermute von keinem, der noch bei Verstand ist.


    Oder ist es egal, dass die USA angetreten sind, ein "One World Government" zu errichten? Wieviele Militärstützpunkte unterhalten die im Ausland?


    Oder allgemein, wie sollten sich "Linke" zu solchen Themen überhaupt "stellen"? Gibt es schon so etwas wie eine klare Analyse solcher "Ereignisse" und welchen Schaden oder Nutzen und für wen sie hatten/haben können? Passen solche Themen ins Marx-Forum und wenn ja, wie?


    Erst mal beobachten, klar, "machen" können wir von hier aus sowieso ca. nix, aber ich würde es "gut" beobachten von wegen böse Überraschungen. Vielleicht wäre es am sinnvollsten, das ganze unter dem Aspekt "Welche Auswirkungen hat es darauf, den Übergang in eine emanzipierte Gesellschaft zu ermöglichen?" zu betrachten. Bisher ist da meinerseits nur so ein mulmiges Gefühl, dass die Vorgänge in dieser Region (und nicht nur dort) derzeit diesem Ziel ziemlich entgegen stehen.


    cu
    renée

    Nee, erst wenn einer Marx komplett auswendig vorwärts und rückwärts herunterbeten kann, um sich an Diskussionen mit der Relevanz von "Wieviele Engel passen auf eine Nadelpitze" erfolgreich zu beteiligen, hat er die Berechtigung, im Bereich der praktischen Umsetzung aktiv zu werden. X/


    Obiger Satz kann Spuren von Ironie, Sarkasmus und ähnliches enthalten. ;)


    Wie wäre es mal mit einem Abgleich Transition Towns/Bochumer Programm, welche Überschneidungen gibt es und evtl. Möglichkeiten, voneinander zu lernen? Auch wenn man in der politischen "Linie" nicht übereinstimmt und "deren" Einstellungen dem "strammen Marxisten" zu naiv oder nicht "radikal antikapitalistisch" oder "revolutionär" genug ist. Was nicht ist, kann ja noch werden. :)


    cu
    renée


    PS: Wal, dein Beitrag war noch nicht da, als ich anfing zu schreiben, ich bin der gleichen Meinung. Manche würden auch noch über die Modalitäten einer Revolution streiten, wenn sie längst vorbei ist, bloß um "recht" zu haben.

    Hallo,


    bisher gab es die Möglichkeit, sich alle neuen Beiträge "seit Ihrem letzten Besuch" anzeigen zu lassen. Gibt es diesen Menüpunkt nicht mehr oder hat er sich nur irgendwo gut versteckt? ?(
    Oder muss ich da etwas an irgendwelchen Einstellungen ändern?


    cu
    renée

    Es ist das Spiegelbild von Heimatlosen, die seit 1989 Jahren aus den Neuen Bundesländern, vor 1963 Jahren aus der DDR, nach 1945 Jahren aus den ehemaligen "Ostgebieten" des 3. Reiches und vor 100 Jahren aus Polen oder Ostpommern zugewandert sind.


    Hallo Wal,


    das mit den "seit ... Jahren" irritiert etwas, ich glaube, das "Jahren" ist da zuviel.


    Ansonsten finde ich diese Überlegung gut, ich bin ja auch so ein Migrant. Wahrscheinlich die meisten Lohnarbeiter.


    cu
    renée

    Bei den einzelnen Themen steht bei "Antworten" immer "0". Das irritiert mich ein wenig. Außerdem erscheint keine Anzeige, wenn sich die Diskussion über mehrere Seiten erstreckt. Kann man das noch ändern? Oder muss ich was an meinen Einstellungen anpassen? Dort habe ich aber nichts dazu gefunden.


    cu
    renée

    Hallo,ich bin bei Wikipedia auf den Artikel: "Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate" gestoßen. Dort ist es auf eine Art erklärt, dass ich es sofort verstehe (jetzt auch, warum Roboter keinen Mehrwert produzieren :thumbsup: ), ich bin mir nur nicht sicher, ob der ganze Artikel wirklich okay ist. Ansonsten gefällt es mir, dass er recht komprimiert und in allgemeinverständlicher Sprache gehalten ist. Kann da jemand was dazu sagen, ob er inhaltlich korrekt ist? Und wenn nein, was evtl. falsch dargestellt ist?
    cu
    renée

    Hallo Wal,


    was mir zum Thema Energie- und Rohstoffverbrauch ganz wichtig erscheint, dass es bei einer nicht profitorienterten Produktionsweise gegenüber der heute üblichen zu umfangreichen Einsparpotentialen kommen kann. Als Stichworte kann man nennen: keine sinnlosen Transporte wg. "Niedriglohn", keine "geplante Obstruktion", keine Herstellung von "Gadgets" ausschließlich zur Profiterzielung, keine Vernichtung von Lebensmitteln etc. zur "Preisstabilisierung, kein (oder weniger) Pendeln zum Arbeitsplatz. Liegen zu einer solchen Kalkulation eigentlich irgendwo belastbare Zahlen vor? Was natürlich auch wegfallen würde, wären die Ressourcen bezgl. menschlicher Arbeitskraft für "Unsinn".


    Leider habe ich gerade keine Zeit, das jetzt weiter auszuführen und eigene Recherchen zu machen, vielleicht weiß ja hier schon jemand mehr dazu. Ich wollte es auf jeden Fall als Gedankenanregung anmerken.


    cu
    renée

    Hallo Peter,


    ich meinte einen Konsumboykott durch die "Konsumenten", und ich glaube nicht, dass mich jemand dazu zwingen kann, Produkte zu kaufen. Es ginge auch nicht um einen Boykott bestimmter Produkte, sondern um einen befristeten Konsumboykott möglichst aller Produkte, incl. Elektrizität, Benzin etc., soweit es irgendwie möglich ist. Ich frage mich schon eine ganze Zeit lang, was dann passieren würde nach ca. 1 - 2 Wochen. Wie sich das auf die Lieferketten etc. auswirken würde. Dazu bräuchte es ein paar Vorräte und dann zu Hause bleiben - oder noch besser, dass sich die Leute im Viertel mal kennen lernen und das gemeinsam durchziehen.


    Es ist halt eher eine Phantasie, aber es gibt bestimmt Leute, die genau wissen, was bei diesem Szenario nach wenigen Tagen passiert mit den Kraftwerken, den Tankstellen, Supermärkten und sonstigen Betrieben. Natürlich ist es illusorisch, da würden kaum genug Menschen mitmachen. Vielleicht wäre ein bewaffneter Aufstand eher zu organisieren - mit allen Nebenwirkungen.


    cu
    renée

    Hallo Wal,

    Können wir da einer Seite vertrauen? Nicht wirklich.
    Die Gefahr ist groß, dass man sich auf da auf eine Seite schlägt mit dem Urteil: EU gut, Amys böse.
    Oder einen Schritt weiter: Staat gut, Kapital böse.

    Ich könnte auch zynisch argumentieren, dass es gut sei, wenn das Kapital und sein Erfüllungsgehilfe durch dieses Abkommen für alle sichtbar ihre Verkleidung ablegen und die Masken fallen lassen. Vielleicht bin ich da noch zu naiv, aber ich würde den löchrig-wackeligen "Schutz" nationalstaatlicher Gesetze bevorzugen. Mit dem Abkommen kann sich der Staat als armes Unschuldslamm darstellen, der ja überhaupt nichts mehr machen kann, wenn seine Bewohner sich gegen z.B. ihre Vergiftung zur Wehr setzen wollen. Allerdings wüssten sie dann endlich, dass der Staat nicht für sie da ist.

    Wer sich von solcher falscher Parteinahme frei halten kann, der sollte nach meiner Meinung so argumentieren:
    Wo solche Qualitätsstandards bei Lebensmittel und sonstigen Produkten zugunsten des bilateralen Handels verschenkt und gesenkt werden, da wird unsere Gesundheit für die Profitinteressen geopfert.
    Und auch hier muss man sich vor nationalistischer Parteinahme hüten: Es geht hier nicht nur um amerikanische Profitinteressen. Falls EU-Standards gesenkt werden, dann nützt das nicht nur den US-Konzernen. Im Gegenzug erhalten die EU-Konzerne andere Erleichterungen, die ihnen den Zugang auf den amerikanischen Markt erleichtern.

    So wie auch BND und NSA (und die anderen) sich gegenseitig beim Ausspionieren ihrer Bevölkerung helfen. Da für mich Staat und Nation ziemlich virtuelle Phänomene sind (ich bin in einem Grenzkaff aufgewachsen), brauchst du mich nicht vor nationalistischer Parteinahme zu warnen.

    Egal wie diese Verhandlungen ausgehen, wir sind nicht hilflos und wir sind nicht abhängig von staatlichen Standards und staatlichen Verträgen: Wo immer diese staatlichen Unterhändler Qualitätsstandards senken, dort kann und muss man einen Verbraucherboykott organisieren. Ich denke, Verbraucherboykotts sind eine wirksamere Waffe gegen miese Qualität als staatliche Standards, die sowieso fast nie kontrolliert werden.

    Ein paar Tage strenger Konsumboykott (auch Energie, Kraftstoff etc.), und das System wäre ziemlich am A.... ! Müssten nur genug Leute mitmachen. Die Menschen wissen gar nicht, wieviel Macht sie haben könnten, wenn sie gemeinsam handeln. Wenn die ganzen JIT-Lieferketten blockiert sind, läuft nämlich in kürzester Zeit nix mehr - "die" wissen das.


    cu
    renée

    Hallo Wal,


    möglicherweise bin ich ja zu blöd, und das Ganze ist tatsächlich für die emanzipatorische Linke völlig irrelevant, aber m.E. hat dieser Plan schon etwas mehr Brisanz als nur Im- und Export.


    "Für die Heimlichtuerei gibt es einen einfachen Grund. Ein solches
    Abkommen würde die nationalen Regierungen bis hinunter zu den
    Kommunalverwaltungen verpflichten, ihre aktuelle und künftige
    Innenpolitik dem umfangreichen Regelwerk anzupassen. In diesem Abkommen
    wären auf diplomatischer Ebene ausgehandelte Gesetzesvorgaben
    festgeschrieben, die nach dem Wunsch der Unternehmen auch viele nicht
    handelsbezogene Bereiche beträfen: etwa die Sicherheit und Kennzeichnung
    von Lebensmitteln, die Grenzwerte chemischer und toxischer Belastung,
    das Gesundheitswesen und die Arzneimittelpreise, das Recht auf
    Privatsphäre im Internet, Energieversorgung und kulturelle
    "Dienstleistungen", Patente und Urheberrechte, die Nutzung von Land und
    Rohstoffen, die Rechte und die Arbeitsmöglichkeiten von Immigranten, die
    öffentliche Auftragsvergabe und vieles andere mehr.


    ...
    Dieses System einer extremen Begünstigung der Unternehmensinteressen,
    das im Fall des MAI-Abkommens noch gescheitert war, wurde seitdem
    bereits in mehreren "Freihandelsabkommen" der USA verankert. Dadurch
    flossen mehr als 400 Millionen Dollar an Steuergeldern an Unternehmen,
    die gegen Verbote giftiger Substanzen, Lizenzregeln, Gesetze über
    Wasserschutz oder Waldnutzung und andere "investitionsfeindliche"
    Regelungen geklagt hatten
    .(4) Vor diesen Tribunalen sind derzeit Klagen
    von Unternehmen mit einem Streitwert von 14 Milliarden Dollar anhängig,
    die sich etwa auf die Arzneimittelzulassung, auf die Haftung für
    Umweltschäden oder auf Klimaschutz- und Energiegesetze
    beziehen.


    Das TTIP-Tafta-Projekt würde diesem Drohinstrument der Investoren gegenüber dem Staat eine ganz neue Reichweite verschaffen.


    ...
    Rechtlich abgesichert wurde auch der Anspruch auf Entschädigung für
    "indirekte Enteignung": Ein Staat muss demnach zahlen, wenn seine neuen
    Regelungen den Wert der Investition verringern - selbst dann, wenn diese
    gleichermaßen für in- und ausländische Firmen gelten. Diese Garantie
    würde sich auch auf Neuregelungen des Erwerbs von Land,
    Rohstoffvorkommen, Energiequellen, Fabriken und anderen
    Investitionsobjekten erstrecken.


    Mittels solcher privilegierten Regelungen in den bisherigen Abkommen
    haben ausländische Investoren schon in den verschiedensten Fällen eine
    Entschädigung für ihre "indirekte Enteignung" gefordert: im Hinblick auf
    Gesundheits- und Sicherheitsstandards von Konsumgütern, Gesetze über
    Umweltschutz und Flächennutzung, Entscheidungen bei der Ausschreibung
    staatlicher Projekte, Klimaschutz- und energiepolitische Maßnahmen,
    Gesetze über Wasserschutz oder Einschränkungen des Rohstoffabbaus.


    Einige Beispiele: Die Anhebung der ägyptischen Mindestlöhne und ein
    peruanisches Gesetz zur Kontrolle toxischer Emissionen werden derzeit
    von Unternehmen der USA wie der EU unter Berufung auf ihre
    Investorenprivilegien bekämpft.(6 )Andere Firmen klagten unter Berufung
    auf das Nafta-Abkommen gegen Garantiepreise für die Einspeisung
    erneuerbarer Energie und gegen ein Fracking-Moratorium. Der Tabakgigant
    Philip Morris hat ein Schiedsverfahren gegen progressive
    Antirauchergesetze in Uruguay und Australien angestrengt, nachdem er es
    nicht geschafft hatte, diese Gesetze vor einheimischen Gerichten zu
    kippen. Ebenso hat der US-Pharmakonzern Eli Lilly unter Hinweis auf den
    Nafta-Vertrag dagegen geklagt, dass Kanada die Lizensierung von
    Arzneimitteln nach eigenen Kriterien wahrnimmt (um möglichst allen
    Leuten erschwingliche Medikamente zugänglich zu machen). Und der
    schwedische Energiekonzern Vattenfall will von Deutschland wegen der
    einschränkenden Bestimmungen für Kohlekraftwerke und der schrittweisen
    Stilllegung von Atomkraftwerken eine Entschädigung in Milliardenhöhe
    eintreiben (siehe Artikel Seite 14).


    ...


    Diverse andere Studien, mit denen Politiker und Unternehmensverbände
    hausieren gehen, beschränken sich deshalb auf das zentrale Ziel des
    transatlantischen Projekts: die Beseitigung der nicht tarifären
    Handelshemmnisse, wie sie das Zurückstutzen aller möglichen Gesetze und
    Regelungen zum Schutz des öffentlichen Interesses
    euphemistisch nennen.
    Diese Studien basieren samt und sonders auf dem unbewiesenen Mantra,
    dass die Abschaffung sozialstaatlicher Errungenschaften irgendwie
    ökonomischen Nutzen für alle bringe. Doch selbst mit derart schrägen
    Kalkulationen für das Tafta-Projekt kommen sie nur auf eine sehr
    dürftige ökonomische Bilanz. Wobei sie noch die quantifizierbaren Kosten
    unterschlagen, die für die Konsumenten wie für die Volkswirtschaft
    insgesamt anfallen, wenn alle Errungenschaften im öffentlichen
    Interesse, vom Gesundheitswesen über den Umweltschutz bis zum
    Sozialstaat im weitesten Sinne
    , wieder rückgängig gemacht werden"


    Wenn das durchkommt, gibt es z.B. keine Rückabwicklung von Privatisierung mehr, jedenfalls nicht zu einem bezahlbaren Preis.


    cu
    renée