Posts by Wal Buchenberg

    Hallo Berthold,


    Ich glaube nicht, dass man rassistischen Vorstellungen mit Logik beikommt.

    Welche positiven Erfahrungen hat denn Hilmarson mit seiner Logik-Methode gemacht?


    Außerdem:

    Wer einen anderen als „Rassist“ klassifiziert, der macht selber das, was er dem "Rassisten" vorwirft: nämlich andere Menschen in (ab)wertende Klassifikationen einzusortieren.


    Und wer einen anderen als "Rassist" klassifiziert, der beendet damit die Kommunikation mit ihm – mit oder ohne Logik-, denn er spricht dann über diesen Menschen und nicht mit ihm.


    Zum Thema Rassismus im Marx-Forum:


    Abstiegsangst in Deutschland


    Nimmt Rassismus zu?


    An unsere Ausländerfeinde in Deutschland


    Zur Politischen Ökonomie der Immigration



    Übrigens:

    Die Moderationskriterien des Marx-Forums („Interesse an sachlicher Klärung und Respekt vor den Menschen“) sollen/wollen Werturteile über andere Personen möglichst verhindern oder unterbinden – und „Rassist“ ist ein Werturteil über eine Person.

    Wenn ich also den Eindruck habe, jemand kann nicht ohne Aburteilung von Personen zur Sache diskutieren, dann sperre ich ihn. Er kann dann hier (nach Löschung seiner Cookies) noch mitlesen, aber nur noch als Gast (moderiert) kommentieren.

    Letzter Fall: basal


    Gruß Wal

    Hallo renée,

    wie willst du denn 5 Millionen Luxusvillen, Jahrhundertweine, Yachten und Ferraris auf 70 Millionen lohnabhängige Bevölkerung "gleichmäßig verteilen"??

    Den Reichen ihre goldenen Spielsachen wegzunehmen, produziert nur Bitterkeit und Hass, löst aber keineswegs die Existenzprobleme der anderen.

    Verena Bahlsen sagt: „Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen...“ Ein Viertel von Bahlsen sind rund 75 Millionen Euro.

    In normalen Statistiken zur Vermögensverteilung in Deutschland tauchen diese 75 Millionen Euro von Frau Bahlsen nie auf, denn es handelt sich um Produktivvermögen.

    In gängigen Statistiken über die Vermögensverteilung wird nur das privat konsumierbare Vermögen gezählt. Nach dieser Zählung gehört Verena Bahlsen zu den reichsten 10 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einem durchschnittlichen (Konsum)Vermögen von 661.240 Euro.



    Am mageren linken Ende dieser Aufstellung befinden wir uns: Die ärmsten 10 Prozent der deutschen Bevölkerung (8,2 Millionen Menschen) besitzen (nach Abzug ihrer Schulden) Güter und Bargeld im Wert von 60 Euro, die zweiten 10 % (ebenfalls 8,2 Millionen Menschen) besitzen Güter und Bargeld im Wert von 3.490 Euro, die dritten 10 % (wieder 8,2 Millionen Menschen) einen Wert von 11.580 Euro. Der Median, der die arme Hälfte von der reicheren Hälfte in Deutschland trennt, liegt bei 55.000 Euro. Diese Werte von 55.000 Euro beinhalten das Auto, die Kleidung, die Möbel, das Gesparte minus alle Schulden.

    Zeitleiste zur Deutschen Revolution

    Teil 1: von August 1914 – Februar 1918

    Datum

    Ereignis

    28. Juli 1914

    Mit der bedingungslosen deutschen Unterstützung im Rücken erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg.

    30. Juli 1914

    Serbiens Bündnispartner Russland bereitet seine Armee auf Krieg vor (Generalmobilmachung)

    1. August 1914

    Kriegserklärung von Deutschland an Russland

    3. August 1914

    Kriegserklärung von Deutschland an Frankreich

    4. August 1914

    Alle 92 sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten stimmen für neue Kriegskredite. Intern hatten sich 14 Abgeordnete dagegen ausgesprochen.

    Wilhelm II, deutscher Kaiser, verkündet einen „Burgfrieden“. Streiks und politische Versammlungen werden verboten.

    4. - 23. August 1914

    Deutsche Truppen marschieren durch das neutrale Belgien gegen Frankreich. Es folgen Kriegserklärungen von Großbritannien, Frankreich, Russland und Japan gegen Deutschland und Österreich.

    2. Dezember 1918

    Karl Liebknecht stimmt als einziger Reichstagsabgeordneter gegen die Bewilligung der zweiten Kriegskredite.

    20. März 1915

    Liebknecht und Rühle stimmen als einzige Reichstagsabgeordnete gegen die Bewilligung des Wirtschaftsetats der kaiserlichen Regierung. Vor der Abstimmung hatten 30 Sozialdemokraten den Saal verlassen. Die Kriegsgegner können sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Hier beginnt die Spaltung der Regimegegner in Linksradikale (Spartakusgruppe) und Unabhängige Sozialdemokraten (USPD).

    23. Mai 1915

    Italien erklärt Österreich den Krieg. Im August 1916 folgte die Kriegserklärung an Deutschland. Die Kriegsgegner verbreiten das Flugblatt „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ und sammeln Unterschriften unter den Gewerkschaftsmitgliedern unter einer Resolution gegen den Krieg. Die Leipziger Volkszeitung veröffentlicht den Aufruf linker Sozialdemokraten „Das Gebot der Stunde“.

    September 1915

    In Zimmerwald (Schweiz) treffen sich linke Sozialisten der kriegführenden Staaten und verabschieden das Antikriegs-Manifest „Proletarier Europas!“- nur England war nicht vertreten.

    11. Januar 1915

    Die freie Wahl des Arbeitsplatzes wird abgeschafft. Lohnabhängige werden Eigentum ihres Unternehmens. Im Einzelfall entschied eine „Arbeitsgemeinschaft“ von Unternehmer und Gewerkschaftsvertretung. Wegen allgemeinen Preiserhöhungen kam es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen mit der Forderung nach Lohnerhöhungen.

    18. März 1915

    Der Spartakusbund führt einige hundert Frauen zu einer Antikriegsdemonstration vor den Reichstag.

    1. Januar 1916

    Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Klara Zetkin lösen sich von der USPD und gründen den „Spartakusbund“, um auf eine Beseitigung des Kapitalismus in Deutschland hinzuarbeiten. Für die anderen Oppositionellen galt: „Alle waren der Auffassung, dass die kapitalistische Regierung Deutschlands den Krieg überstehen würde. Die Kriegslage Deutschlands nach eineinhalb Jahren war so, dass auch in den Kreisen der Opposition mit einem Sieg, oder doch mit einem Vergleichsfrieden gerechnet wurde.“ Richard Müller, Geschichte der Novemberrevolution, 71.

    März 1916

    2000 Vertrauensleute der Berliner Metallbetriebe verabschieden auf der Generalversammlung eine Resolution gegen die Kriegspolitik der Regierung.

    24. März 1916

    Weil 20 SPD-Abgeordnete im Reichstag den Notetat ablehnen, werden sie nach tumultartigen Szenen aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen. Die SPD-Zeitungen dürfen keine Artikel von den „Spaltern“ publizieren.

    1. Mai 1916

    Einige tausend Demonstranten folgen dem Aufruf des Spartakusbundes zu einer Antikriegsdemonstration. Der Reichstagsabgeordnete Liebknecht wird während der Demo verhaftet. Die Berliner Metallarbeiter, bei denen Liebknecht Unterstützung genießt, beraten, wie sie auf seine Verhaftung reagieren sollen. 30 Berliner Arbeiterverreter treffen sich heimlich mit dem Spartakusbund und verabreden einen politischen Streik zur Prozesseröffnung gegen Karl Liebknecht.

    28. Juni 1916

    Prozesseröffnung gegen Karl Liebknecht wegen „Hochverrats“. An diesem Tag streiken in Berlin 55.000 Metallarbeiter aus Solidarität mit Liebknecht. Sie verlassen die Betriebe. Am Folgetag schließen sich weitere Betriebe an. Die Militärbehörden verboten alle Meldungen über diesen ersten politischen Streik in Deutschland. Die Betriebsleitungen suchen nach den „Rädelsführern“. Richard Müller wird für drei Monate zum Militär eingezogen. Liebknecht wird zu 2,5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zu Liebknechts zweitem Prozess wollten und konnten die Arbeiter keine Aktionen mehr durchführen.

    Sommer 1916

    Die linken Sozialdemokraten und der Spartakusbund suchen Kontakt zu den Streikführern in Berlin. Auf dem geheimen Treffen zoffen sich Ledebour (USPD) und R. Luxemburg (Spartakus). Darum entsteht keine Zusammenarbeit zwischen diesen Parteivertretern und den „Revolutionären Obleuten“, wie sich die Streikführer nennen.

    Juni 1916

    Rosa Luxemburg wird in „Schutzhaft“ genommen und kommt erst während der Novemberrevolution in Freiheit. Während der Haft schreibt sie die „Junius-Broschüre“ als grundsätzliche Kritik an der Sozialdemokratie.

    Januar 1917

    Das Jahr 1916 hatte eine schlechte Ernte gebracht – statt 47 Mio t nur 23 Mio t. In vielen Städten wurden die Kartoffelrationen von 10 auf 3 Pfund herabgesetzt. Die Kohlrübe wurde zum ungeliebten Hauptnahrungsmittel. Die Lebensmittelknappheit wurde noch durch Schleichhandel und Schwarzmarkt verstärkt. Es kam zu ersten Plünderungen von Bäckereien und Schlachtereien.

    März 1917

    In Petersburg wird der Zar gestürzt. Das führte zu erregten politischen Diskussionen in den Betrieben. „Die Frage, ob es genüge, den Kampf nur für die Beendigung des Krieges zu führen, oder ob es möglich sei, auch in Deutschland den Sturz der Monarchie zu erkämpfen, wurde nunmehr erörtert.“ (Richard Müller, 109).

    15. April 1917

    Auf der jährlichen Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter bereiteten die Revolutionären Obleute eine Abstimmung über einen politischen Streik gegen den Krieg vor. Zwei Tage zuvor wurde ihr Führer, Richard Müller, von Militärbehörden verhaftet. Auf der Versammlung konnte die Gewerkschaftsführung die Forderungen auf die Lebensmittelversorgung reduzieren und politische Forderungen fernhalten. Aber die sofortige Freilassung von Richard Müller wurde gefordert.


    An dem nachfolgenden Streik beteiligten sich über 200.000 Streikende aus 300 Betrieben in Berlin, Halle, Braunschweig und Magdeburg. Es wurden Demonstrationszüge in die Innenstadt organisiert. Die Polizei hielt sich zurück. Rund 50.000 Streikende wollten den Streik nicht nach zwei Tagen beenden und streikten einige Tage länger. Dann setzte eine Verfolgungswelle ein, mit der „Streikführer“ zum Militärdienst beordert wurden.

    Ostern 1917

    Die Kriegsgegner in der SPD gründen in Gotha die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands“. Die USPD ist vor allem auf die schnelle Beendigung des Krieges orientiert, der Spartakusbund nicht nur auf den Sturz der Monarchie, sondern auch auf eine soziale Revolution. Die oppositionellen Kräfte bekämpfen sich untereinander mit persönlicher Gehässigkeit. Die oppositionellen Strömungen in der Gesellschaft sammeln sich hinter der USPD, nicht um den Spartakusbund.

    Sommer 1917

    Die militaristische Disziplin wurde zuerst nicht an der Front, sondern auf den Kriegsschiffen in Frage gestellt, die schon drei Jahre mit Gefechtsbereitschaft in den Häfen Norddeutschlands vor Anker lagen. Das enge Zusammenleben von Matrosen und Offizieren förderte die Meinungsbildung unter den Matrosen und schürte auch die Konflikte mit den Herrenallüren der Offizieren. Für den Kontakt untereinander sorgten vor allem die „Menagekommissionen“ – von den Mannschaften gewählte Vertreter zur Aufsicht der Verpflegung.

    Etliche Matrosen traten der USPD bei und suchten den Kontakt zur den Reichstagsabgeordneten der USPD.

    31. Juli 1917

    400 Matrosen des Kriegsschiffes „König Albert“ unterzeichnen eine Resolution für sofortigen Friedensschluss.

    6. Juni 1917

    Hungerstreik auf der „Prinzregent Luitpold“ gegen Dörrgemüse zu Mittag.

    19. Juli 1917

    2. Hungerstreik auf der „Prinzregent Luitpold“.

    20. Juli 1917

    140 Mann verlassen unter Protest das Schiff „Pillau“, weil ihnen der Urlaub verweigert worden war.

    2. August

    400 Mann verlassen die „Prinzregent Luitpold“ ihr Schiff und demonstrieren an Land. Wegen dieser „Meuterei“ in der Flotte wurden von Kriegsgerichten im Schnellverfahren 10 Todesurteile gefällt und insgesamt 360 Jahre Haft verhängt.

    August 1917

    In Braunschweig kommt es noch einmal zu einem Proteststreik gegen die katastrophale Versorgungslage. Dabei wurden auch politische Forderungen erhoben: Aufhebung des Belagerungszustandes, Versammlungsrecht, Freilassung aller politisch Inhaftierten, Frieden ohne Annexionen. Nach vier Tagen brach der Streik zusammen.

    5. September 1917

    Die aufmüpfigen Matrosen Reichpietsch und Köbes werden als „Meuterer“ erschossen.

    Januar 1918

    Als Vertreter der Berliner Metallarbeiter trifft sich Richard Müller mit USPD-Reichstagsabgeordneten, um die Regierung durch einen allgemeinen Streik zu stürzen. Die USPD ist nur bereit, für einen sofortigen Friedensschluss einzutreten.

    Sonntag, 27. Januar 1918

    Richard Müller beruft eine geheime Versammlung der Dreher aus vielen Berliner Betrieben ein. Es kommen rund 1.500 Arbeiter und beschließen für den nächsten Tag den Streik.

    Montag, 28. Januar 1918

    400.000 Berliner Arbeiter treten in Streik. Gut 400 Streikdelegierte treffen sich am Nachmittag im Gewerkschaftshaus. Sie verabschieden eine Friedensresolution. Es werden 11 Arbeitervertreter in die Streikleitung gewählt und mit je drei Vertreter der USPD (Haase, Ledebour, Dittmann) und der SPD (Ebert, Scheidemann, Braun) ergänzt. Polizeikräfte erscheinen und lösen die Versammlung auf.

    29. Januar 1918

    Das Oberkommando des Heeres verbietet alle Versammlungen und Streiks. Die Polizei macht Jagd auf Demonstranten. 500.000 Arbeiter in ganz Deutschland sind im Streik. Die Regierung lehnt es ab, eine Delegation der Streikenden zu empfangen.

    30. Januar 1918

    Es gibt Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Der „Vorwärts“ wird verboten, weil er über den Streik berichtet hatte.

    31. Januar 1918

    Das Oberkommando des Heeres verhängt in Berlin den „verschärften Belagerungszustand“ und setzt Kriegsgerichte ein. „Das war der kritische Punkt, wo eine Massenbewegung zum Bürgerkrieg umzuschlagen droht.“ (R. Müller, 118) Der Reichskanzler lehnte erneut ab, mit der Streikleitung zu verhandeln.

    1. Februar 1918

    Das Oberkommando droht damit, über die Metallbetriebe das Kriegsrecht zu verhängen, wenn die Arbeit nicht am Montag, 4. Februar wieder aufgenommen wird. In anderen Städten (Köln, Mannheim, Hamburg, Danzig, Braunschweig, Leipzig, Nürnberg, München) hatten die Streikenden die Arbeit wieder aufgenommen. Der Spartakusbund hatte keinen Vertreter in der Streikleitung und forderte eine Eskalation der Proteste. Die Arbeitervertreter beschließen den Abbruch des Streiks ohne Verhandlungen, um der SPD und der Gewerkschaftsführung keine Gelegenheit zu geben, sich als „unabkömmliche Verhandlungsführer und Retter“ zu präsentieren. Die drei SPD-Vertreter hatten vorzeitig die Streikführung verlassen. Dittmann (USPD) war verhaftet worden, die anderen beiden USPD-Abgeordneten hatten den Streik bis zuletzt unterstützt. Die Streikenden und Demonstranten beklagten sechs Tote und eine Anzahl zum Teil schwer Verletzter. Anschließende Kriegsgerichtsverfahren verhängten lange Gefängnisstrafen. Die meisten revolutionären Obleute wurden zum Militärdienst eingezogen.

    Dieser Streik und die Proteste der Matrosen wurden zur Generalprobe der Revolution in Deutschland – mit unveränderter Problemlage und mit denselben Akteuren auf beiden Seiten.




    Siehe auch:

    Lehren aus der deutschen Revolution

    Wohnen sei ein Menschenrecht, wird landauf, landab von linker Seite gepredigt.

    Wenn Wohnen ein Menschenrecht ist, warum müssen wir dann dafür zahlen? Ein Menschenrecht kommt uns doch zu, weil wir Menschen sind, nicht weil wir Geld in der Tasche haben?!

    Die Berufung auf „unveräußerliche Menschenrechte“ verliert ihren Sinn, wenn gleichzeitig erwartet wird, dass wir dafür bezahlen sollen. Wie sieht es denn mit anderen „Menschenrechten“ aus? Müssen wir für „freie Meinungsäußerung“ bezahlen? Müssen wir für „Gleichberechtigung“ bezahlen? Müssen wir für „Menschenwürde“ bezahlen?

    Solche Menschenrechte sind nichts wert, wenn es uns am Nötigsten fehlt. Aber ein „Menschenrecht“, das uns noch Geld kostet, ist ein Witz.

    Kein Witz ist, dass Wohnungen eine Ware sind. Wie jede andere Ware werden Wohnungen für Profit hergestellt und für Profit verkauft oder vermietet. Damit der Eigentümer Profit macht, muss für die Wohnung Geld bezahlt werden. Wie Essen, Kleidung, Transport usw. gehört Wohnen zum dringendsten Lebensunterhalt. Die Kosten für den Lebensunterhalt müssen wir uns verdienen, indem wir uns als Lohnarbeiter verdingen. Würde unser Lohn (oder unser staatlicher Lohnersatz) zum Leben reichen, dann könnten wir auch die Mieten bezahlen, die von uns verlangt werden, das ist aber nicht der Fall.

    Steigende Mietpreise sind nur ein Teil der steigenden Lebenshaltungskosten. Diese steigenden Kosten müssen und können wir uns vor allem durch steigende Lohneinkünfte erträglich machen. Das müssen wir (zusammen mit den Gewerkschaften) schon selber tun.

    Da hilft es wenig, den Staat gegen steigende Mietpreise zu Hilfe zu rufen.


    Siehe auch:

    H.-D. von Frieling: Städtische Wohnungsnot und Profitlogik


    Wohnungsnot: Bürgerliche Köpfe werden wach


    Kapitalistischer Wohnungsmarkt


    Wohnungen für Obdachlose


    Doku: Sebastian Gerhardt: Daten zum Berliner Wohnungsmarkt

    Es gibt in der Marxologie so viele Bücher und Artikel über den Marxschen Wertbegriff, dass sie einen großen Bibliothekssaal füllen.

    Die meisten dieser Texte beschäftigen sich nur oder hauptsächlich mit dem einleitenden Kapitel „Die Wertform oder der Tauschwert“ im Kapital Band I. Marx nennt solche Autoren „Unglückliche“, die nicht sehen, „dass, wenn in meinem Buch gar kein Kapitel über den ‚Wert‘ stünde, die Analyse der realen Verhältnisse, die ich gebe, den Beweis und den Nachweis des wirklichen Wertverhältnisses enthalten würde.“ (Marx an Kugelmann, 1868, MEW 32, 552.)

    Kaum einer dieser Flut von Wertkritik-Texten befasst sich jedoch mit der Analyse der realen kapitalistischen Verhältnissen. Statt dessen wird vorwärts und rückwärts Exegese betrieben. Solcher Bibelwissenschaft hielt Marx entgegen: „Die Wissenschaft besteht eben darin, zu entwickeln, wie das Wertgesetz sich durchsetzt.“ (Marx an Kugelmann, 1868, MEW 32, 553.)


    Ein anderer Saal marxistischer Bibelwissenschaft wird über den Zusammenhang von Preis und Wert gefüllt – das berüchtigte „Transformationsproblem“ .

    Bei Marx gibt es kein Transformationsproblem. Ein Transformationsproblem hat nur der, der nach einem direkten und einfachen Zusammenhang zwischen dem Preis einer Einzelware und „ihrem Wert“ sucht. All diesen Transformationssuchern sagte Marx: Sie hätten „... nicht die geringste Ahnung davon, dass die wirklichen, täglichen Austauschverhältnisse (d.h. Preise, w.b.) und die Wertgrößen nicht unmittelbar identisch sein können. ... Das Vernünftige und Naturnotwendige (i.e. der Wert, w.b.) setzt sich nur als blindwirkender Durchschnitt durch.“ (Marx an Kugelmann, 1868, MEW 32, 553.)

    Anders gesagt: Ein Transformationsproblem hat nur der, der meint, es gäbe eine Eins-zu-Eins-Entsprechung zwischen Warenwerten und Marktpreisen.


    Ich denke, das Transformationsproblem hat drei Arten von Liebhaber:

    Erstens sind da die „reinen Wissenschaftler“, die behaupten: Was ich nicht berechnen kann, das existiert nicht!

    Sie erwarten, dass zwischen der Preisoberfläche und der Werttiefe der Waren mechanische Verbindungen bestehen müssen, gleichsam Zahnräder und Hebel, so dass eine Veränderung der einen Ebene eine berechenbare Veränderung der anderen Ebene verursacht.

    Nun ging Marx zwar von der Preisebene aus, um die Wertebene aufzudecken, aber er ging nie von bestimmten Preisen aus, um zu bestimmten Wertgrößen zu kommen. Die Verhältnisse von Preis und Wert sind nicht mechanisch bestimmt. Wer diese „Undeutlichkeit“ Marx zum Vorwurf macht, der muss auch die Quantenphysik dem Einstein zum Vorwurf machen.

    Zweitens sind da die kapitalistischen Nutzanwender.

    Sie suchen nach einer kapitalistischen Nutzanwendung der Marxschen Werttheorie und finden keine. Die Marxsche Kapitalkritik ist nicht betriebswirtschaftlich zum Beispiel für die „korrekte“ Preisfindung anwendbar. Was für diese Nutzanwender keinen betriebswirtschaftlichen Nutzen hat, hat in ihren Augen überhaupt keinen Nutzen.

    Drittens sind da die sozialistischen Nutzanwender a la Paul Cockshott und DDR.

    Diese Leute suchen nach einer sozialistischen Nutzanwendung der Marxschen Werttheorie und müssen eben dafür einen mechanischen Zusammenhang zwischen Werten und Preisen unterstellen, damit sie sich bei ihrer willkürlichen Preisbestimmung für Produkte zentralwirtschaftlich gesteuerter Produktion auf die Theorie von Karl Marx berufen können, und damit ihren bürokratischen Willkürentscheidungen ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen können.


    Zwischen diesen drei Sorten von Transformationsdenkern entsteht dann eine Diskussion auf zwei Ebenen:

    Erstens eine verstohlene Diskussion zwischen den kapitalistischen und den sozialistischen Nutzanwendern, die voneinander abschreiben ("von einander lernen") wollen .

    Zweitens eine uferlose Diskussion zwischen den „reinen Wissenschaftlern“ und den sozialistischen Nutzanwendern von Karl Marx. Bei dieser Diskussion zwischen müssen notwendig die sozialistischen Nutzanwender immer den Kürzeren ziehen, was sie aber nicht anficht, weil sie ja auf der „richtigen Seite der Geschichte“ stehen, und weil Marx nicht irren kann. :D


    Die Bibelwissenschaft der Marxologie könnte man als pure Zeitverschwendung abtun. „Aber die Sache hat hier noch einen anderen Hintergrund. Mit der Einsicht in den Zusammenhang stürzt, vor dem praktischen Zusammensturz, aller theoretischer Glauben in die permanente Notwendigkeit der bestehenden Zustände. Es ist also hier absolutes Interesse der herrschenden Klassen, die gedankenlose Konfusion zu verewigen.“ (Marx an Kugelmann, 1868, MEW 32, 553f.)

    Und gedankenlose Konfusion ist das, was marxistische Bibelforscher anrichten.


    Wal Buchenberg, 9. Mai 2019


    Siehe auch:

    Problematische Aussage bei Marx (Wertbestimmung)


    Transformationsproblem


    Werte und Preise im Sozialismus

    Die linke Skala zeigt den Prozentanteil der Leute, die nach eigenen Angaben täglich beten.

    Die Basislinie zeigt das BSP pro Kopf in Kaufkraftparitäten.



    Die Verteilung legt nahe:

    Viel gebetet wird in Ländern, in denen die Landwirtschaft und daher Naturverhältnisse dominieren, viel gebetet wird in Ländern, in denen die Leute geringen Einfluss auf die Machtverhältnisse haben, die sie beherrschen.

    Die USA sind der betende Schwan: Trotz Wahlzirkus und trotz eines BSP bei 55.000 Dollar sagen mehr als die Hälfte der US-Bürger, sie würden täglich beten.

    In Deutschland sagen nur rund 10% der Befragten, sie würden täglich beten.

    Die Umfrage umfasste 105 Länder der Welt zwischen 2008 und 2017.

    Ich hatte in meinen Jahren als Werkzeugmacher an drei Streiks teilgenommen und einen davon mitorganisiert, womit ich mir eine Abmahnung "verdiente". In diesen Streiks ging es nicht um viel, um eine Lohnerhöhung oder um ein paar Millionen Neu-Investitionen. Erfolg oder Misserfolg dieser Streiks hatten wir daran gemessen, wie viele Kollegen daran teilnahmen, und was noch wichtiger war, ob die „wichtigen“ Kollegen, die Maschinenführer, sich beteiligten oder nicht.


    Im neuen Film (2018) von Stéphane Brizé „En Guerre“ (dt. Titel: Streik) geht es um mehr. Ein Zulieferer der Autoindustrie mit 1100 Lohnarbeitern soll geschlossen werden, obwohl der Betrieb noch Gewinn abwirft. Die Leute kämpfen um ihren Arbeitsplatz in einer Region, wo sie kaum andere Arbeit finden können. Die Arbeiter besetzen den Betrieb, der Besetzungsstreik zieht sich über zwei Monate hin. Die Handkamera ist immer nahe an den Gesichtern und Personen, von denen nur Vincent Lindon Berufsschauspieler ist. Die Spannung und Dynamik bezieht der Film aus den Dialogen, die weitgehend keinem Drehbuch folgen, sondern sich aus der Situation herausentwickeln. Es wird viel gesprochen, und das ist gut so, denn in und mit den Dialogen, werden die Standpunkte deutlich, die gegeneinander Krieg führen: Die Vertreter der Streikenden sprechen häufig mit der Geschäftsführung, sie sprechen mit Journalisten von Presse und Fernsehen, sie treffen sich mit einem Staatssekretär in Paris, sie fordern während eines Sit-ins im französischen Unternehmerverband dessen Chef zum Gespräch, sie dringen in ein Zweitwerk des Unternehmens ein, 600 km entfernt, um die dortigen Kollegen zum Solidaritätsstreik aufzurufen und sie verlangen immer wieder, dass der deutsche Konzernchef mit ihnen direkt verhandelt.

    Diese Eskalation des Streiks führt schließlich dazu, dass die Solidarität innerhalb der Kollegen auseinanderbricht. Auch unter den Kollegen gibt es viel zu diskutieren.

    Besonders gut gefallen hatte mir dabei, dass in all diesen hitzigen Diskussionen die Leute immer wieder beruhigt wurden, die unbeherrscht wurden und Gegenüber und Gegner persönlich angriffen und beleidigten. Dieses ständige Bemühen um Sachlichkeit und Besonnenheit unterscheidet den Film vom billigen Agit-Prop-Kino der 1970er Jahre.

    Während die Streikenden in ihren Aktionen immer heftiger werden, wird deutlich, dass sich an den Argumenten der Kapitalseite und der Regierungsvertreter kein Bisschen verändert. Die Empörung darüber führt dann dazu, dass der deutsche Konzernchef fluchtartig den Verhandlungsort verlassen will und dabei ein paar blutige Schrammen abbekommt.

    Hier in Deutschland wäre eine solche Klimax undenkbar, für französische Verhältnisse ist auch hier die Darstellung noch realistisch und nachvollziehbar.

    Dass sich der hervorragende Streikführer am Ende theatralisch umbringt, ist eine filmische Antiklimax, die sowohl die Glaubwürdigkeit dieser Figur wie auch den dokumentarischen Charakter des Films untergräbt. Insgesamt: Der Film ist unbedingt sehenswert. Hier in Hannover lief er gestern im Programmkino vor nur einem Dutzend Zuschauer.


    Wal Buchenberg, 1. Mai 2019

    Hallo renée,

    Das Buch von Franz-Josef Land kenne ich nicht, ich lese Marx nur im Original. Aber gut ist schon, dass er nicht nur den 1. Band des „Kapitals“ behandelt. Der reicht nämlich nicht aus, um den Kapitalismus zu verstehen. Wenn dir das Buch was sagt, dann ist es auch richtig für dich.


    Wal

    Wer herrscht bei Amazon?


    Dass der US-Konzern alle Lagerarbeiter, die den Versand vorbereiten und organisieren auf die Sekunde und den Meter mit QPS überwachen, das ist schon lange bekannt. Nun hat das US-Magazin „The Verge“ enthüllt, dass Computersysteme nicht nur die Arbeitsleistung jedes Lagerarbeiters überwacht und auswertet. Der Algorithmus verfasst auch gleich einen Produktivitätsbericht über jeden Einzelnen und verschickt die Kündigung, wenn ein Lohnarbeiter die vorgeschriebenen Leistungsnormen nicht erreicht. Amazon erklärte dazu, dass der Algorithmus das nicht alleine entscheidet, denn der Vorgesetzte des Mitarbeiters könne gegen eine automatische Kündigung noch sein Veto einlegen.


    Hier erreicht der anonyme Kapitalismus seine äußerstes Maß an Gesichtslosigkeit und Anonymität.

    Im 19. Jahrhundert herrschten die Kapitalisten in ihren Unternehmen wie ägyptische Pharaonen. Im 20. Jahrhundert delegierten sie immer mehr Leitungsfunktionen an angestellte Manager, und diese Manager stützten sich zunehmend auf externe, lohnabhängige Berater. Jetzt ist ein Stadium erreicht, wo die Kapitalisten einen Algorithmus in Auftrag geben, der in ihrem Namen und ihrem Interesse die maßgeblichen Entscheidungen trifft.

    Quelle

    Hallo Wal,


    Geschichte war leider nicht so mein Ding (Schulunterricht war ein bisschen unterirdisch ...), dieses wäre aber eh nicht zur Sprache gekommen.

    Hallo renée

    bei Geschichte ist Nichtwissen weniger schlimm als verkehrtes Wissen. Ich habe Geschichte studiert, aber in dieser "Wissenschaft" fast nur nichtssagendes, unnützes Wissen gefunden.

    Wie weit war denn schon die kapitalistische Produktionsweise in Russland und China zur Zeit derer Revolutionen entwickelt? Gibt es da irgendwas Sinnvolles dazu im www? Ich möchte mich da nicht unbedingt auf wikipedia verlassen.

    In China 1911 gab es Kapitalismus nur als ausländische Einsprengsel im Land. Die chinesische Revolution war eine Revolution, die den Boden bereiten sollte für die inländische Ausbreitung des Kapitalismus ("Modernität", "Ansehen" (=Macht) in der Welt, "Wohlstand für Chinesen"). Die heutige KP ist der würdige Testamentsvollstrecker dieser Wünsche von 1911.


    In Russland gab es 1917 schon einheimische Kapitalisten, aber auch hier waren die modernen Großbetriebe (Rüstung, Eisenbahn etc) in ausländischer Hand. Das spielte eine gewisse Rolle in der damaligen antikapitalistischen Propaganda. "Bourgeois" (burzhuaznyy) war ein Schimpfwort, in dem Ausländerfeindlichkeit mitschwang.

    Zur (Wirtschafts)Geschichte kann ich dir immer noch das empfehlen: Was Marx am Sowjetsystem kritisiert hätte.


    Gruß Wal


    P.S. Zu deiner Frage im Feynsinn-Forum:

    "Hat jemand schon die noch unveröffentlichten Papierberge (von Marx) in einen stimmigen Zusammenhang gebracht? ."

    Der erste und wichtigste Nachlassverwalter von Marx, F. Engels, hat genau das gemacht: alle noch unveröffentlichten Manuskripte durchgesehen, in einen stimmigen Zusammenhang gebracht und veröffentlicht, was ihm davon wichtig schien..

    Von Marx (und Engels) gibt es mehr Gedrucktes, als ein einzelner Mensch verdauen kann, und das reicht dir noch nicht?! ;)

    Es mag ja sein, dass der eine oder andere noch unveröffentlichte Gedanke im heutigen Umfeld neue intellektuelle Funken schlägt. Aber das Mammutwerk MEGA hat doch gegenüber der alten MEW keinen Flohsprung neuer Erkenntnisse gebracht (meine Meinung!).

    Ich denke, wer im Werk von Marx einen inneren Zusammenhang sieht, dessen Teile alle aufeinander bezogen sich und sich gegenseitig ergänzen und erklären, der vermisst nicht das fehlende, aber erhellende Zitat.

    Die einen vermissen (im "Kapital"!) eine Staatstheorie, obwohl Marx eine ausführliche Abhandlung nach der Pariser Kommune über Staat und Staatsorganisation verfasst hatte. Andere vermissen eine ausgearbeitete Krisentheorie, obwohl für Marx nicht die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus, sondern die Ausbeutung der Lohnarbeit im Fokus stand.

    Wieder andere vermissen eine Parteitheorie und konkrete Anleitungen für die revolutionäre Arbeit, obwohl Marx während der Revolution 1848 eine Tageszeitungleitete, die zu jeder Kartoffelfrage Stellung bezog, und obwohl er erst im Kommunistischen Bund und dann in der Internationalen Arbeiterassoziation über Jahre hinweg praktische revolutionäre (Leitungs)Arbeit machte.

    Hunderttausend Leute haben an Marx was zu mäkeln. Lass sie mäkeln! Wir werden jedenfalls diese Mäkelei nicht los durch die Entdeckung von bisher unveröffentlichen "Zitaten".



    Radikale Linke glaubten, das 20. Jahrhundert sei das Jahrhundert der sozialistischen Revolutionen. Das stellte sich als Irrtum heraus. Tatsächlich setzte sich im 20. Jahrhundert weltweit die bürgerlich-kapitalistische Herrschaft durch.
    Auch die Erfolge der Russischen Revolution bestanden letztlich nur darin, dass sie den russischen Zar Alexander gestürzt und den deutschen Zar über Europa (Hitler) niedergerungen hatte.



    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts regierten noch knapp 160 Monarchen in der Welt, heute sind es noch 44. Einige Monarchien sind unbedeutend (Tonga, Lesotho, Liechtenstein, Monaco etc.), einige Monarchien sind mehr oder minder zu Kostümträgern geschrumpft (Großbritannien, Dänemark, Niederlande, Japan, Spanien, Thailand), aber vor allem im Nahen Osten agieren noch Herrscher wie in vorkapitalistischen Zeiten.

    Zur Rolle der USPD in der deutschen Revolution:


    Während des Krieges wandten sich sowohl pazifistische Kräfte wie auch Strömungen, die an den sozialistischen Traditionen der Arbeiterbewegung festhielten, von der SPD-Führung und ihrem rein „parlamentarischen Weg“ ab. Wachgerufen durch die Russische Revolution organisierte sich auch eine Gruppe von rund 300 in Berliner Metallbetrieben aktiven Gewerkschaftsführern, die „Revolutionären Obleute“, mit der Perspektive einer sozialen Revolution und organisierten ab Januar 1918 politische Streiks . Auch die Vertrauensleute der Matrosen in den Seehäfen schlossen sich der USPD an oder orientierten sich an ihr.

    Im November 1918 betrachtete die USPD die Arbeiter- und Soldatenräte als die einzig legitimen Träger der politischen Gewalt. Damit standen sie auf revolutionärem Boden. Aber sie akzeptierten gleichzeitig, dass die große Mehrheit der Arbeiter weiter Vertrauen in die Mehrheits-SPD setzten und waren deshalb immer bestrebt, mit der SPD-Führung zu kooperieren.

    Während die radikalen Linken in der USPD (einschließlich Spartakus und Revolutionäre Obleute) für eine dauerhafte Übertragung der Staatsmacht auf Räte eintraten, sahen die Führer der USPD die Räte als einen nur zeitweiligen revolutionären Übergang zu einer „sozialistischen“, aber parlamentarischen Republik, in der die Arbeitervertreter eine dominante Rolle spielen sollten.

    Weil den USPD-Führern klar war, dass mit der Wahl einer Nationalversammlung, die Zeit der Räte und damit die Zeit der Revolution vorbei sein würde, wollten sie diese Wahlen möglichst weit in die Ferne schieben, um vorher den Staatsapparat weitgehend von reaktionären Kräften zu befreien. Die SPD-Führung beherrschte die Partei- und Gewerkschaftsapparate und setzte im Bunde mit den reaktionären Kräften alles daran, die USPD-Leute auszumanövrieren, und die Wahlen zur Nationalversammlung möglichst schnell abhalten zu lassen, um damit die Revolution (friedlich) zu beenden.

    Für die revolutionäre Übergangszeit forderte z.B. der Linkssozialdemokrat Hilferding eine vollständige „Demokratisierung der Verwaltung“ und „sozialistische Übergangsmaßnahmen“: „Wo ... Verwaltung Macht bedeutet, da gehört sie in unsere Hand.“ (Hilferding am 23. November 1918 in ‚Die Freiheit‘). Sein Parteifreund Heinrich Ströbel hatte schon am 12. November in den Städten und Gemeinden sofortige Wahlen für alle kommunale Körperschaften gefordert.

    Daraus wurde nichts, weil die USPD nur über geringe organisierte Kräfte verfügte und die SPD und ihre Anhängerschaft alle revolutionären Maßnahmen offen oder heimlich boykottierten. Die Anhänger der USPD wandten sich zunehmend nach links.

    Unter dem doppelten Druck – einem Ultimatum der Mehrheits-SPD auf der einen Seite und der wachsenden Unzufriedenheit mit der untätigen „revolutionären Regierung“ andererseits - stimmten die USPD-Vertreter in der Regierung der frühen Terminierung der Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar noch vor dem Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte zu.

    Indem der nationale Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte (16. bis 21. Dezember 1918 in Berlin) dieses Datum bestätigte, beendete dieses oberste Rätegremium seinen eigenen Machtanspruch und beendete die Erfolgsaussichten der Revolution in Deutschland.

    Die folgenden revolutionären Aktionen bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung („Januarunruhen“) , waren aus Unbesonnenheit oder gar aus Verzweiflung geboren und hatten kaum Erfolgsaussichten. Aus Angst vor den Revolutionären tagte die Nationalversammlung dann nicht in Berlin, sondern in Weimar ("Weimarer Republik").


    Die Wahlen zur Nationalversammlung brachten folgendes Ergebnis:

    Nationalversammlung-19-Januar-1919.jpg


    Wal Buchenberg, 27. April 2019

    Vor einiger Zeit sah ich ein Youtube-Fragment, in dem Slavoj Zizek auf einen entscheidenden Faktor hinwies , der zum Erfolg der Oktoberrevolution fuehrte: Trotzky organisierte damals die Besetzung essenzieller Infrastruktur in Petrograd (Wasserwerke, Telegraphen, etc.) durch revolutionaere Soldaten und (Fach-) Arbeiter.

    Deutet irgendetwas darauf hin, dass man sich damals in Deutschland dessen bewusst war?

    Hallo vaccaro,

    Ja, es gab solches Bewusstsein in der USPD. Vielleicht komme ich in einem weiteren Beitrag darauf zurück.

    Das Problem aber damals war, dass der Einfluss der Mehrheits-SPD in der Arbeiterbewegung noch ungebrochen war, obwohl die SPD mit den reaktionären Kräften paktierte.

    Die USPD zog daraus die Schlussfolgerung, dass man ohne die SPD-Leute nichts reißen könne, und arbeiteten deshalb mit der Mehrheits-SPD zusammen. In dieser Kooperation wurde die USPD jedoch ausgebootet und ausgetrickst und erreichte kaum etwas.

    Die Spartakisten zogen den gegenteiligen Schluss und lehnten jede Zusammenarbeit zunächst mit der Mehrheits-SPD ab, im Dezember lehnten sie dann auch noch jede (offene) Zusammenarbeit mit der USPD ab. Dadurch isolierten sie sich komplett von der Arbeiterbewegung und konnten nicht einmal die revolutionären Metaller-Obleute, die in Berlin die eigentlichen Träger der Revolution waren, für ihre Politik gewinnen.

    Die Revolutionäre hätten dringend mehr Zeit benötigt.

    In Russland gab es Arbeiterräte in Petersburg mindestens seit Februar 1917. Im Juli hatten die Bolschewiki eine geplante Machtübernahme abgebrochen. Erst im Oktober 1917 fanden Lenin und Trotzki eine Mehrheit unter den Räten für ihre Politik. Und diese Politik trat offiziell ganz "zahm" und populär mit der Parole auf "Land, Brot und Frieden!". Das war auch wirklich mehrheitsfähig.


    Die Revolutionäre in Deutschland hätten im November 1918 eine Taktik benötigt, die nicht die SPD frontal angreift, sondern gegen die offene und versteckte Reaktion gerichtet ist, die sich in den Revolutionstagen und -wochen hinter der SPD versteckten.


    Und ja: Wenn die Revolutionäre nicht die Grundversorgung (Strom, Wasser, Lebensmittel etc.) in den Kommunen sicherstellen können, dann ist ihre Macht auf Sand gebaut.

    Zur Rolle der Spartakusgruppe in der deutschen Revolution:


    Die Spartakusgruppe war zunächst innerhalb der USPD (linke Sozialdemokraten) organisiert, trat dort erst aus, als die USP-Führer in die Regierung der Mehrheitssozialdemokraten eintraten.

    Die Politik der Spartakusgruppe war direkt gegen die SPD-Regierung gerichtet, nicht gegen die Reaktionäre in Armee und Beamtenschaft, die sich hinter der Mehrheits-SPD versteckten. Das isolierte die Spartakisten von der Masse der Lohnabhängigen, die zwar mit der Monarchie, aber noch nicht mit der Sozialdemokratie abgeschlossen hatten.

    Außerdem hatte die Spartakusgruppe keine Organisation, keine Führungsstruktur. Ihre Führer machten Aufrufe an die Arbeiterklasse, konnten aber nichts Eigenes außer Straßendemonstrationen in Bewegung setzen. Rosa Luxemburg hatte ein detailliertes Programm entwickelt, was geschehen solle, aber alles sollte quasi „von selbst“ geschehen.

    („Programm des Spartakusbundes“ vom 14. Dezember 1918")

    Ihre praktischen Vorschläge bezogen sich jedoch nur auf Propaganda: Herausgabe einer Tageszeitung, einer Wochenschrift, einer Jugendzeitung, einer Frauenzeitung, einer Soldatenzeitung. Aber die Spartakisten hatten allergrößte Mühe Druckereien nur für ihre Flugblätter zu finden.

    Rosa Luxemburg und die Spartakisten unterstützten wie die Revolutionären Obleute und die USPD die Macht der Arbeiter- und Soldatenräte. Aber die Spartakisten hatten kaum Vertreter unter den Räten, und die vorhandenen Räte arbeiteten wenig effektiv und zeigten zunehmend weniger Initiative. Anlässlich des deutschlandweiten Rätekongress am 16. Dezember in Berlin kritisierte Rosa Luxemburg die bestehenden Arbeiter- und Soldatenräte: „... wäre Stand und Bedeutung (dieser in Berlin versammelten Räte, w.b.) Gradmesser für Stand und Bedeutung der Revolution, so wäre es um die Revolution schlimm bestellt.“ (R. Luxemburg, Ges. Werke 4, 452)

    R. Luxemburg wollte jedoch nicht sehen, dass es – sechs Wochen nach Beginn der Revolution in Deutschland – um diese Revolution tatsächlich „schlimm bestellt“ war. Die Losung der Spartakisten „Alle Macht den Räten“ hatte sich als zahn- und wirkungslos erwiesen, weil sich die Räte an vielen Stellen als zahn- und wirkungslos erwiesen hatten. Luxemburg flüchtete sich in überzeitliche Geschichtsphilosophie „Aber die Schwäche der Räte ist nicht die Schwäche der Revolution. SIE ist mit allen Mittelchen nicht zu fassen und zu vernichten.“

    „DIE Revolution“ wurde von Luxemburg nicht als Selbsttätigkeit konkreter Menschen und Menschenklassen, sondern als übermenschliche und überzeitliche Macht gesehen, die auch wirkt, wenn die konkreten Menschen nicht handeln (wollen) oder verkehrt handeln, weil sie sich Illusionen machen.

    Auf dem Gründungsparteitag der KPD glaubte die Mehrheit der Genossen noch an einen raschen und leichten Sieg der Revolutionäre. Die SPD-Regierung könne innerhalb von 14 Tagen von ihnen aus dem Amt gejagt werden.

    Statt auf die bisherigen Erfahrungen und Fehler der Revolution in Deutschland einzugehen, hielt R. Luxemburg in ihrem Grundsatzreferat einen langatmigen Rückblick auf frühere Revolutionen und deren Einschätzung durch Marx und Engels. Ihr nur schwer nachvollziehbares Resümee: „Parteigenossen, wir stehen also heute, wie ich schon erwähnt habe, geführt durch den Gang der historischen Dialektik und bereichert um die ganze inzwischen zurückgelegte 70jährige kapitalistische Entwicklung, wieder an der Stelle, wo Marx und Engels 1848 standen, als sie zum erstenmal des Banner des internationalen Sozialismus aufrollten.“ (R. Luxemburg, Ges. Werke 4, 493.)

    Die Entwicklung der deutschen Revolution seit dem 9. November zeichnete sie – wider besseres Wissen? - in einem ganz rosigen Licht:

    „Die erste Phase vom 9. November bis zu den letzten Tagen (sic!) ist charakterisiert durch Illusionen nach allen Seiten hin. Die erste Illusion des Proletariats und der Soldaten, die die Revolution gemacht haben, war: die Illusion der Einigkeit unter dem Banner des sogenannten Sozialismus. Was kann charakteristischer sein für die innere Schwäche der Revolution des 9. November als ihre erstes Ergebnis, dass an die Spitze der Bewegung Elemente getreten sind, die zwei Stunden vor Ausbruch der Revolution ihr Amt darin erblickten, gegen sie zu hetzen. ... Sämtliche Illusionen sind zerronnen. ... Wohin kann sich der Kurs der sogenannten sozialistischen Regierung bewegen, nachdem, wie ich gezeigt habe, sämtliche Illusionen verschwunden sind? Diese Regierung verliert mit jedem Tag mehr den Rückhalt in den großen Massen des Proletariats, es sind neben dem Kleinbürgertum noch Reste, traurige Reste der Proletarier, die hinter ihr stehen, von denen es aber sehr unklar ist, wie lange sie noch hinter Ebert-Scheidemann stehen werden.“ (R. Luxemburg, Ges. Werke 4, 496-499).


    Luxemburgs Beschreibung der Illusionen, mit denen die Novemberrevolution geboren wurde, war ganz richtig gesehen. Die Behauptung, dass diese Illusionen zur Jahreswende 1918/19 schon verschwunden waren, hat sich als tragischer Irrtum erwiesen. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919 erhielt die SPD knapp 38 % der Stimmen, die USP nur 7,6 %. Die KPD war nicht zur Wahl angetreten.


    Unterstützt von dem revolutionären Pathos der R. Luxemburg glaubte die Mehrzahl der Delegierten auf dem Gründungsparteitag der KPD, sie könnten innerhalb weniger Wochen die SPD-Regierung aus dem Amt jagen. In ihrer revolutionären Euphorie lehnten sie alle besonnenen taktischen Vorschläge von Luxemburg und Liebknecht ab.

    R. Luxemburg gründete 1919 mit der KPD eine Partei, in der Besonnenheit in der Minderheit blieb, während die Mehrheit von blindem Aktionismus beherrscht war.


    Wal Buchenberg, 25. April 2019

    Wer aus Geld mehr Geld machen will, ohne den mühseligen Weg über die Produktion von Waren zu gehen, der wird gerne poetisch. So jagen Spekulanten gerne nach „Einhörnern“ – seltene Unternehmen mit wunderbaren Profitaussichten, weil sie mit viel Schwung ("blitzscaling") einen neuen Markt erobern und dort eine Marktbeherrschung erringen.

    Die ersten Einhörner der Internetwelt waren Amazon, Google und Facebook. Heute glauben gut 150 Unternehmen deren Erfolg kopieren zu können. Ein repräsentatives Dutzend dieser Möchtegern-Einhörner werden aktuell mit einem Aktienwert von insgesamt rund 350 Milliarden Dollar gehandelt und hoffen noch in diesem Jahr auf einen Marktwert von insgesamt einer Billion Dollar zu kommen.

    Eine Billion Dollar – das überträfe die gesamte Jahreswirtschaftsleistung (BIP) der Türkei oder der Niederlande im Jahr 2017.


    Gemeinsam ist allen diesen Firmen, dass alle ihren Markt im Internet suchen und dass sie kaum konstantes Kapital benötigen - ihre fixed Assets erreichen insgesamt nur 6 Milliarden Dollar. Mit vergleichsweise wenigen Lohnarbeitern und 6 Milliarden konstantem Kapital einen Wert von 1 Billion Dollar zu schaffen, das ist das märchenhafte an diesen Firmen. Das macht sie zu Einhörnern.

    Diese Einhörner sind:

    - Tencent Music (China, Musikstreaming)

    - Meituan Dianping (China, Online-Handel)

    - IQIYI (China, Unterhaltungsmedien)

    - Sea (Singapore, Onlinespiele, Online-Handel)

    - Pinduoduo (China, Online-Handel)

    - Uber (USA, Personentransport)

    - Snap (USA, social Media)

    - WeWork (USA, Büroflächen)

    - Lyft (USA, Personentransport)

    - Spotify (Schweden, Musikstreaming)

    - Dropbox (USA, Cloudspeicherplatz)

    - Pinterest (USA, social Media)


    Die Märchenhaftigkeit der kapitalistischen Gewinnerwartung wird erst deutlich, wenn man sich die „Gewinne“ der letzten vier Jahre dieser Einhörner anschaut. Da hat nur Tencent Music überhaupt ein mageres positives Ergebnis erzielt, alle anderen elf haben wachsende Verluste eingefahren.



    Was macht den Geldkapitalisten solche Hoffnung? Es gibt zuviel Kapital, das nach profitablen Anlagen sucht. In einer kapitalistischen Welt, in der die Wachstums- und Profitmöglichkeiten chronisch niedrig sind, und in der für Kredite kaum Zinsen gezahlt werden, weichen die Kapitaleigner ins Märchenhafte aus.


    „Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist aber Verwertung des Kapitals, d. h. Aneignung von Mehrarbeit, Produktion von Mehrwert, von Profit. ... Wo also das gewachsene Kapital nur ebenso viel oder selbst weniger Mehrwertmasse produziert als vor seinem Wachstum, so fände eine absolute Überproduktion von Kapital statt; d. h. das gewachsene Kapital C + deltaC produzierte nicht mehr Profit, oder gar weniger Profit, als das Kapital C vor seiner Vermehrung durch deltaC.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 261f.

    „Die Masse der kleinen zersplitterten Kapitale wird dadurch auf die Bahn der Abenteuer gedrängt: Spekulation, Kreditschwindel, Aktienschwindel, Krisen.

    Der krankhafte Überfluss des Kapitals bezieht sich immer wesentlich auf den Überfluss von Kapital, für das der Fall der Profitrate nicht durch seine Masse aufgewogen wird – und dies sind immer die neu sich bildenden frischen Kapitalableger – oder auf den Überfluss, welche diese, für sich selbst zur eigenen Aktion unfähigen Kapitale den Leitern der großen Geschäftszweige in der Form des Kredits zur Verfügung stellt.

    Dieser Überfluss des Kapitals erwächst aus denselben Umständen, die eine relative Überbevölkerung (Arbeitslosigkeit) hervorrufen, und ist daher eine diese letztere ergänzende Erscheinung, obgleich beide auf entgegengesetzten Polen stehen, unbeschäftigtes Kapital auf der einen und unbeschäftigte Arbeiterbevölkerung auf der anderen Seite.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 261.


    Und noch etwas lässt sich daraus ablesen:

    Kapital fließt dorthin, wo Profit winkt. Es ist daher ein Märchenglaube, das Kapital ließe sich mit Vernunftgründen in „gesunde“ oder „wünschenswerte“ Felder dirigieren: in Friedensproduktion statt Rüstung, in erneuerbare Energiesträger statt fossile Verbrennung, in nachhaltige Produkte statt Plastik, in Klimaschutz statt Profit etc.


    Wal Buchenberg, 24. April 2019

    Wem Mieterhöhungen an der Backe vorbeigehen:

    Laut Statistischem Bundesamt besitzen 31% der Bewohner Deutschlands ein Einfamilienhaus - vom Reihenhäuschen bis zur Stadtvilla, 5% besitzen ein Zweifamilienhaus - erzielen also neben ihrem Lohneinkommen noch Mieteinnahmen, und 14% besitzen eine Eigentumswohnung. Bleiben noch 50% die unter den steigenden Mieten leiden.

    Angestoßen durch die Proteste der Gelbwesten hatte der französische Staatspräsident eine "Große Debatte" angeregt. Man sammelte 1,9 Millionen Postings in dem offiziellen Debatten-Forum, wertete über 10.000 städtische Meetings mit Politikern, gut 16.000 Bitt- und Protestresolutionen und fast 30.000 Emails und Zuschriften aus.


    Erste Auswertungen (durch staatliche Stellen) zeigen gemeinsame, aber nicht neue Problemfelder: Die Mehrzahl der Protestierenden stufen den Klimaschutz als "dringend" ein, sie beschweren sich über die hohe Steuerlast, die die Lohnabhängigen belastet, sie wenden sich gegen die Macht der Zentralgewalt und wollen mehr Entscheidungsmacht auf kommunaler Ebene und sie sind sich einig in der Kritik an der "komplizierten, inkompetenten, rücksichtslosen und verschachtelten" Bürokratie in Frankreich.


    Quelle: The Economist

    In China wurden im letzten Jahr mit 23 Millionen PKWs mehr Autos hergestellt als in irgend einem anderen Land der Welt. Auch bei den Elektrofahrzeugen ist China Spitze: 2018 wurden in China fast so viele E-Autos (Batterie, Hybrid und Plug-in) verkauft wie in allen anderen Ländern zusammen.

    Zur Zeit bewegen sich 325 Millionen Autos auf Chinas Straßen – die meiste Zeit bewegen sie sich nicht, sondern stehen. Von 20 Städten mit überfüllten und verstopften Straßen liegen 8 Städte in China.

    Was dabei oft übersehen wird: Der öffentliche (Fern)Verkehr wurde in China ebenfalls ausgebaut. Der Rückweg aus der Sackgasse Individualverkehr ist aus Zeit- und Kostengründen, aus Klimagründen und aus Gesundheitsgründen gleich unvermeidlich.

    Aber dieser Rückweg aus der PKW-Sackgasse ist besonders schwer und langwierig in den USA und in Europa.


    Unter Linken ist es üblich, von einer „deutschen Hegemonie über Europa“ zu erzählen – ein linkes Narrativ. Tatsächlich wurden bisher in der EU-Kommission und bei europäischen Regierungstreffen alle Entscheidungen im Konsens gefällt. Trotzdem bieten sich die EU-Behörden als Projektionsfläche für Kritik aus den Mitgliedsländern an, weil es innerhalb der EU die Notwendigkeit und den Zwang gibt, einheitliche Lösungen zu finden. Das gestaltet sich schwieriger, seit es im Gefolge der Krise von 2008, und erst recht seit der Flüchtlingskrise von 2015 es nicht mehr nur um die Verteilung von Subventionen geht, sondern zunehmend um die Zuteilung von Krisenfolgen. Vor allem aus bisherigen Subventionsempfängern wie Griechenland, Umgarn, Spanien und Portugal oder Italien wurde seit 2008 die Kritik an der EU genutzt, um von dem Versagen der eigenen Machteliten abzulenken. Auch in England wurde der wirtschaftliche Niedergang mit zunehmender Verschuldung der Privathaushalte und Kleinbetriebe den Brüsseler Behörden in die Schuhe geschoben. Auch in England wurde mit der Kritik an der EU von dem Versagen der britischen Machteliten abgelenkt.

    Nun stehen diese britischen Eliten vor einem selbstgeschaffenen Dilemma: Sie behaupteten, sie könnten durch den Austritt aus der EU für mehr Wohlstand sorgen. Das entlarvt sich als große Lüge. Falls die EU als Sündenbock wegfällt, müssen die Politiker untereinander neue Sündenböcke finden. Das erschwert jede Kompromisslösung. Die ehemals verschworene Gemeinschaft der politischen Klasse in Großbritannien zerfällt.


    in English:

    It is common among leftists to talk about a "German hegemony over Europe" - a left narrative. In fact, so far in the European Commission and at European government meetings, all decisions have been taken by consensus. Nevertheless, the EU authorities offer themselves as a projection screen for criticism from the member states, because within the EU there is the necessity and the compulsion to find uniform solutions. This has become more difficult since, in the aftermath of the 2008 crisis, and even more so since the 2015 refugee crisis, it is no longer just about distributing subsidies, but increasingly about allocating a shortage.

    Since 2008, criticism of the EU, in particular, has been used by former recipients of subsidies, such as Greece, Ungarn, Spain and Portugal or Italy, to distract attention from the failure of their own power elites. In England too, the economic decline was blamed on the Brussels authorities with increasing indebtedness of households and small businesses. Even in England, the criticism of the EU intended to distracted from the failure of the British power elites.

    Now these British elites are facing a self-created dilemma: they claimed that they could provide more prosperity by leaving the EU. This exposes itself as a big lie. If the EU disappears as a scapegoat, british politicians must find new scapegoats among themselves. This makes any compromise solution difficult. The once-sworn community of the British political class is falling apart.

    Spiegel:"Wenn Immobilien in attraktiven Städten so viel teurer geworden sind, liegt das Schätzungen zufolge zu 80 Prozent daran, dass die Bodenpreise gestiegen sind ..."


    Wo der Boden zum äußerst knappen Gut geworden ist – wie überall in den Großstädten, dort hilft kein vermehrter Wohnungsbau gegen immer höher steigende Mietpreise.

    Wo der Boden zum Spekulationsobjekt geworden ist, da hilft nur noch die Kommunalisierung des Bodens, so dass der Preis des Bodens nicht mehr Teil der Mietkosten ist.


    Siehe auch:


    Zur Miete in Deutschland 1992-2012']


    H.-D. von Frieling: Städtische Wohnungsnot und Profitlogik

    Zur Zeit befasse ich mich mit der Vorgeschichte der Revolution in Deutschland und welche Lehren wir aus dieser Revolution ziehen können.

    Welche Erfolge hat sie erzielt, welche Niederlagen hat sie erlitten? Was sind daher die Besonderheiten, die künftige Revolutionäre in Deutschland berücksichtigen sollten?

    Für diese Studien habe ich bisher sämtliche politischen Schriften von Rosa Luxemburg exzerpiert und als alphabetisches Stichwortverzeichnis veröffentlicht.


    Als eine der vorläufigen These gebe ich schon mal Folgendes zu bedenken:

    „Beobachter innerhalb und außerhalb Deutschlands ... haben seither (seit der Novemberrevolution 1918, w.b.) nicht aufgehört, die deutsche Arbeiterbewegung für ihre ängstliche Ordnungsliebe und ihren Mangel an revolutionärem Feuer zu verspotten. Nur wenige Historiker .... haben bemerkt, ... dass die Sorge um die Aufrechterhaltung der ‚Ordnung‘ in einer nationalen Krise, d.h. um die Kontinuität der Verwaltung, des Transportwesens, der Lebensmittelversorgung und des Gesundheitsdienstes, zu den Begleiterscheinungen komplizierter industrieller Zivilisation gehört.“ (Willy Brandt, 1957, zit. n. Eberhard Kolb, 100.).


    Hinter dieser Behauptung von Willy Brandt steht die Meinung dass die zentralisierte staatliche Verwaltung mindestens so wichtig sei wie die Lebensmittelversorgung und die Energieversorgung der Haushalte und der Betriebe: „Ein Aussetzung des Verwaltungsapparates auch nur für einige Tage muss in einem verstädterten Land zum Zusammenbruch der Lebensmittel- und Energieversorgung führen.“ Eberhard Kolb, Die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik 1918-1919; S. 99.


    Ich schließe daraus: Der Erfolg einer jeder Revolution in Deutschland hängt davon ab, ob die Revolutionäre die Lebensmittel- und Energieversorgung der Städte ohne die bisherige staatliche Verwaltung aufrechterhalten und organisieren können. Revolutionäre - wie die von 1918, die sich auf den bestehenden Staatsapparat stützen wollen, haben schon verloren.


    Gruß Wal

    Den Einwand freilich möchte ich zu entkräften suchen. ... Nach der stofflich-gegenständlichen Seite hin, also der Produktionsprozeß als konkreter Arbeitsprozeß betrachtet, muß der Arbeiter über die Produktionsmittel verfügen, indem er sie sachgerecht und souverän einsetzt und beherrscht ...

    Du willst also deinen ganz subjektiven Sprachgebrauch rechtfertigen und verteidigen und sprichst von einer "Herrschaft der Lohnarbeiter über die Produktionsmittel", obwohl der Duden (und Marx) das Gegenteil sagen - ganz zu schweigen von der Arbeitserfahrung von Millionen Lohnabhängigen (einschließlich meiner eigenen).

    "Herrschaft" heißt eben nicht nur, dass man die Mittel bedienen kann wie ein angestellter Chauffeur , der umgangssprachlich (!) das ihm nicht gehörende Auto "beherrscht", sondern notwendig gehört zur Herrschaft, dass der Herrschende die Zwecke und Ziele setzt, die andere für ihn ausführen und erledigen müssen.

    Von dieser freien Ziel- und Zwecksetzung über und für die Produktionsmittel sind wir Lohnarbeiter durch eben die Abhängigkeit von und der Unterordnung unter das Privateigentum der Kapitalisten getrennt und ferngehalten.


    Marx zum Vergleich:
    „In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht von ihm die Bewegung des Arbeitsmittels aus, dessen Bewegung er hier zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder eines lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanismus unabhängig von ihnen, und sie werden ihm als lebendige Anhängsel einverleibt.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 445.


    „Selbst die Erleichterung der Arbeit wird zum Mittel der Tortur, indem die Maschine nicht den Arbeiter von der Arbeit befreit, sondern seine Arbeit vom Inhalt.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 446.


    „Durch seine Verwandlung in einen Automaten tritt das Arbeitsmittel während des Arbeitsprozesses selbst dem Arbeiter als Kapital gegenüber, als tote Arbeit, welche die lebendige Arbeitskraft beherrscht und aussaugt. Die Scheidung der geistigen Potenzen des Produktionsprozesses von der Handarbeit und die Verwandlung derselben in Mächte des Kapitals über die Arbeit vollendet sich, wie bereits früher angedeutet, in der auf Grundlage der Maschinerie aufgebauten großen Industrie. Das Detailgeschick des individuellen, entleerten Maschinenarbeiters verschwindet als ein winzig Nebending vor der Wissenschaft, den ungeheuren Naturkräften und der gesellschaftlichen Massenarbeit, die im Maschinensystem verkörpert sind und mit ihm die Macht des Kapitalisten bilden.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 446.


    „Der Fabrikkodex, worin das Kapital seine Autokratie über seine Arbeiter, ohne die sonst vom Bürgertum so beliebte Teilung der Gewalten und das noch beliebtere Repräsentativsystem, privatgesetzlich und eigenherrlich formuliert, ist nur die kapitalistische Karikatur der gesellschaftlichen Regelung des Arbeitsprozesses, welche nötig wird mit der Kooperation auf großer Stufenleiter und der Anwendung gemeinsamer Arbeitsmittel, namentlich der Maschinerie.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 447.


    An der Spitze der Arbeitshierarchie sieht die Unterordnung unter die Zwänge des Kapitals etwas rosiger aus, als bei der Mehrheit der Lohnarbeiter. Marx beschreibt und analysiert aber die Schicksale der Mehrheit.


    Für mich macht eine Fortsetzung der Debatte darüber ob, wo und wie wir Lohnabhängige "herrschen" keinen Sinn.


    Gruß Wal

    Einspruch!

    Ja das Eigentum kann von der Verfügungsgewalt getrennt sein. Duden: Verfügungsgewalt = die Macht, über etwas zu bestimmen, zu herrschen.

    Wenn zum Beispiel ein Dieb ein Auto oder ein Fahrrad entwendet, dann sind Eigentum und Verfügungsgewalt von einander getrennt. Der Eigentümer kann das Fahrzeug nicht nutzen, aber der Dieb kann damit machen, was er will.


    Dass Kapitalisten die privaten Eigner der Produktionsmittel sind, das gestehst du zu. Dass aber die Lohnarbeiter die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel hätten, - wie du behauptest - , dass sie damit machen könnten, was ihnen beliebt, das ist eine Vergewaltigung der Sprache und eine Verzerrung der Wirklichkeit.


    Gruß Wal


    P.S. Du kannst die kapitalistische Wirklichkeit in der Sprache beschreiben, die dir gefällt.

    Wenn da aber hier im Marx-Forum in einen sinnvollen Dialog (Multilog) treten willst, dann halte dich bitte an die normalen Bedeutungen des Deutschen, wie sie von der Dudenredaktion oder in einem anerkannten Fachwörterbuch (juristisches Wörterbuch etc.) beschrieben werden.

    Hallo Renée,

    Ich habe amerikanische Meinungsumfragen von PEW abonniert, aber seit Trump Präsident sind, bringen die kaum noch interessante Umfragen (Immer nur Republikaner-Demokraten, Demokraten-Republikaner) Am besten, du guckst dort selbst mal rein:

    https://www.pewresearch.org/follow-us/


    Und wenn du in einer Antwort hier ein Zitat einfügen willst, kannst du entweder unter dem Posting, auf das du antwortest auf die """ (Gänsefüßchen) klicken - dann hast du das gesamte ursprüngliche Posting in einer Textbox und musst da rauslöschen. Falls du nur einen Satz zitieren willst, kannst du diesen Satz im Original markieren und kopieren, dann in deiner Antwort im Menü auf die Sprechblase in der zweiten Reihe ganz links klicken. Dann öffnet sich eine Zitatbox, in die du den kopierten Satz ein einkopieren kannst.


    Gruß Wal

    Ich interpretiere das ganz grob so, dass Polizei und Justiz mit "Schutz der Bevölkerung", Militär mit "Schutz der Nation" (aber auch Krieg) in Verbindung gebracht wird.

    Ja, darauf läuft es wohl hinaus.

    Bei Mehrfachnennung <10 % Zustimmung zu Militärausgaben ist ziemlich gering. 2 verlorene Weltkriege haben wohl Auswirkungen auf die Psyche der Deutschen, neben anderen Faktoren natürlich.

    Das ist zu hoffen. Aber es ist auch zu hoffen, dass die verlorenen Kriege nachhaltige Auswirkungen auf die herrschenden Klassen in Deutschland haben.

    Die Ergebnisse anderer Länder wäre noch interessant, Frankreich, GB, USA als "Sieger", aber auch weitere, vor allem Anrainerstaaten und die "neutrale" Schweiz.

    Wurde die USA eigentlich seit ihrer Unabhängigkeit jemals auf ihrem Staatsgebiet von außen militärisch angegriffen? Das Gefühl in der Bevölkerung, von außen bedroht zu sein, steht in diametralem Verhältnis zur militärischen Übermacht der USA.

    Keine Ahnung, wie hoch die Militärausgaben der Schweiz sind. Aber bei den alten und jungen Kolonialmächten, zu letzteren zählen ja die USA, ist Krieg immer noch mit "Beute machen und seinen Willen durchsetzen" verbunden, also eher positiv besetzt.

    Nochmal zur Grafik, Schule und Bildung ist den Deutschen am wichtigsten. Bei Feynsinn hatte ich in meinem Post http://feynsinn.org/?p=11354#comment-88549 verlinkt: "Etat für Bildung und Forschung soll 2020 um 533 Millionen gekürzt werden ". Sollte es so kommen, wird das - überspitzt gesagt - nicht in Riesenlettern vorne auf der BILD bekannt gegeben. Und so ist es doch mit allem, Informationen, welche die Lebenssituation der Bevölkerung betreffen, werden entweder gar nicht veröffentlicht oder so, dass man nur mit ausreichend Grund- und Hintergrundwissen erkennen kann, welche Auswirkungen es auf ihr Leben hat.

    Ich glaube, so sehr ins Detail gehen die Kenntnisse der Leute gar nicht. Oder kannst du auf Anhieb sagen, wieviel Prozent vom gesamten Bildungsetat die 533 Millionen machen? Ich weiß das nicht.


    Ich bringe aber immer wieder mal Meinungsumfragen - weniger wegen Orientierung in Einzelfragen - als vielmehr um zu zeigen, dass die Mehrheit der Leute nicht so bekloppt sind, wie viele Linke denken.

    Meinungsumfragen im Marxforum


    Gruß Wal

    Dass ein Donald Trump fordert, die Bundesregierung solle mehr Geld für Militär rauswerfen, ist bekannt.

    Weniger bekannt ist, dass mehr als 90 Prozent der Bundesbürger zusätzliche Ausgaben für das Militär ablehnen.


    Sollen wir gespannt sein, wessen Meinung bei der Bundesregierung zählt?

    Hallo renee,

    In den Warenkorb gehen Waren ein, die wir täglich kaufen (Lebensmittel) und Waren, die wir monatlich kaufen (Kleidung) und Waren, die wir Jährlich oder in noch größeren Abständen (Waschmaschine, Haushaltsgeräte) kaufen. Die Preise für Milch etc. hat jeder von uns im Kopf, die Preise für Haushaltsgeräte kümmern uns erst, wenn wir was neu brauchen. Die Preissteigerungen für Lebensmittel werden daher von uns wahrgenommen, Preissenkungen z.b. bei Fernseher nicht. Die Inflationsrate ist aber die gewichtete Summe aus allen Konsumgütern, die in den durchschnittlichen Verbrauch eingehen.

    Das heißt aber auch, dass die tatsächliche Inflation für Arme IMMER höher ist, als es die offizielle Rate ausweist, weil sie mehr für Essen und weniger für hochwertige Geräte ausgeben.

    Gruß Wal

    Hallo renée,

    mitteilen kannst du dich hier. Für solchen Gedankenaustausch ist das Marx-Forum da.

    Ob du dabei Leute findest, die ähnlich denken wie du, das lässt sich nicht vorhersagen. ;)


    Falls du solche Leute findest, gibt es technisch auch die Möglichkeit, dass du hier dein eigenes Unterforum einrichtest, in dem du selbständig die Moderation machst und in dem du entscheidest, wer mitdiskutieren darf und wer nicht.

    Ich muss nur darauf bestehen, dass auch diese Diskussion öffentlich, also auch für Gäste einsehbar ist.


    Gruß Wal

    Hallo renée
    Tut mir leid, wenn dir meine Antwort nicht gefallen hat.

    Ich weiß auch nicht, wo ich dir empfohlen hätte, über das Wetter und andere Belanglosigkeiten zu diskutieren.

    Du sagst: Du sprichst mit Leuten, die "wegen irgend einer Sache 'empört'" sind. Das ist schon mal ein guter Anfang.


    Meine Meinung ist: Die Leute sollen ihre Empörung praktisch machen und das bekämpfen, was sie stört.

    Ich bin der Letzte, der sagen würde: Empörung und Kampf gegen einzelne Misstände würden sich nicht lohnen. Ganz im Gegenteil, der Kampf gegen viele einzelne Kleinigkeiten ist die Form, in der sich die Emanzipation vom Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten fortbewegt hat.

    Irgendwann und irgendwo auf diesem Weg suchen die Leute dann auch nach dem Geheimnis, was den Kapitalismus scheinbar so unüberwindlich macht. Einen "Königsweg" (eine leichte Abkürzung) dorthin sehe ich nicht.


    Gruß Wal

    Hallo Renee,

    die Hauptfrage ist da wohl, was denn als das Grundübel des Kapitalismus angesehen wird.

    - Es gibt Leute, die sehen in der Trennung von Arm und Reich das Grundübel und fordern deshalb "Umverteilung". Falls man die "Umverteilung" in die Tat umsetzen könnte, wäre das Übel weg.

    - Es gibt auch Leute, die sehen im "Imperialismus" (Großkonzerne, Globalisierung, Krieg) das Hauptübel des Kapitalismus und fordern deshalb Kleinunternehmertum, Nationalökonomie und Abrüstung. Falls man das umsetzen könnte, wäre das Übel "Imperialismus" weg.

    - Es gibt Leute, die sehen im "Finanzkapital" das Grundübel des Kapitalismus. Kapitalisten, die ihren Reichtum durch Auspressung der Arbeiter in der Industrie machen, sind diesen "Antikapitalisten" lieber, als Geldhaie, die ihren Reichtum durch bloße Geldgeschäfte machen, ohne Umweg über die Schweißauspressung der Proletarier. Höchst putzig ist dabei der revolutionäre Vorschlag, diese Geldhaie unter die "Kontrolle der Arbeiter" zu stellen.

    - Es gibt Leute, die sehen in den Krisen das Hauptübel des Kapitalismus und fordern deshalb Keynianismus und Modern Money-Theorie (MMT) und ähnliches. In Japan wird das seit Jahrzehnten ohne Erfolg probiert.

    - Es gibt Leute, die sehen in der Umweltzerstörung des Hauptübel des Kapitalismus und fordern deshalb Konsumverzicht und "grüne Investitionen". Falls damit ein "grüner Kapitalismus" erreicht würde, dann wäre dieses Übel weg.

    - Dann gibt es Leute, die sehen alle diese Übel und sehen, dass nichts funktioniert, und entwickeln daraus eine Verschwörungstheorie, dass eine kleine Clique böser Kapitalisten und Imperialisten die Menschheit daran hindert, all die (bisherigen) kapitalistischen Übel zu beseitigen. Diese Leute (Anarchisten, Blanquisten und MLer) setzen auf Pulver und Blei, um den Kapitalismus zu beseitigen, und meinen, um den Kapitalismus zu beseitigen, benötige man nur eine kleine, entschlossene Minderheit ("Avantgarde")


    Die Kritik von Marx am Kapitalismus ist eine andere. Marx (und seine Schüler) sagen: Das Hauptübel am Kapitalismus ist die Trennung der großen Mehrheit von den Produktionsmitteln, was sie dazu zwingt, sich bzw. ihre Arbeitskraft tagaus, tagein an die Produktionsmittelbesitzer zu verkaufen. Kurz: Die Eigentumsverhältnisse sind das Hauptübel des Kapitalismus. Dieses Übel kann nur dadurch beseitigt werden, dass die heutigen (aktiven und passiven) Lohnabhängigen Schritte tun zu einer umwälzenden Veränderung der Eigentumsverhältnisse.

    Deshalb betonte Marx: Die Befreiung von Kapital und Lohnarbeit können die Lohnarbeiter nur selber tun.


    Mein Resümee: Leute sind aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen den Kapitalismus. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Lösungsansätze. Mit "Missverständnissen" oder fehlenden Argumenten hat das wenig zu tun.

    Aber für alle halben antikapitalistischen Lösungsansätze gilt, dass sie Eingriffe in das kapitalistische Eigentum verlangen (also die gesamte Kapitalistenklasse samt politischen und sozialem Anhang als Gegner haben), aber sie haben nicht die gesamte Lohnarbeiterklasse als Unterstützer hinter sich, weil sich deren Lebensverhältnisse durch all die halben Sachen nicht oder nur wenig verbessert.


    Das ist dann die Schwierigkeit bei der Marxschen Methode: Entweder machen da (fast) alle Lohnabhängigen mit, oder es wird nicht funktionieren. Leider haben diese Schwierigkeit die wenigsten Linken bisher begriffen.:rolleyes:


    Gruß Wal

    Hallo renée,


    Die Kapitalismuskritik bei Marx bezieht sich vor allem auf den gesellschaftlichen Gesamtkörper oder auf sein Kreislaufsystem (des Geldes).

    Wenn ich dich recht verstehe, willst du eine konkrete Krankheitsdiagnose für jedes einzelne Glied des kapitalistischen Gesamtkörpers. So etwas wurde (systematisch) noch nicht versucht.

    Vielleicht helfen dir diese beiden Übersichten über den kapitalistischen Gesamtkörper einen Schritt weiter:





    Gruß Wal

    Danke für die schnelle Antwort.


    Meine Gedanken gehen aber darüber hinaus. Mir geht es nicht nur darum, dass durch die Produktivitätssteigerungen die (mehr oder weniger) notwendigen Waren weniger Arbeitszeit benötigen. Es geht auch um die Arbeiten, die nur deswegen anfallen, dass das System „floriert“, die in einem entwickelten kommun(al)istischen System größtenteils oder vollständig entfallen würden. Als Stichpunkte fallen mir erst einmal der Finanzsektor, der „Verwaltungswasserkopf“ (welcher meiner Empfindung nach derzeit u.a. durch immer neue Verordnungen immer schneller wächst), die Werbebranche oder auch die dem Kapitalismus geschuldete Verwaltungsarbeit in Betrieben bis hin zur Exekutive der Staatsmacht. Ob sich auch noch solche Auswüchse wie z. B. geplante Obsolenz oder „Unfugproduktion“ im Sinne einsparbarer Arbeitszeit quantifizieren lassen?

    Ernsthafte Frage, gibt es noch andere, die sich in der Richtung Gedanken machen?

    Hallo Renée,

    natürlich gibt es solche Leute, und auch Marx gehörte dazu, der sich im "Kapital" mehrfach Gedanken machte, welche Bereiche des Kapitalismus in einer emanzipierten Gesellschaft wegfallen können und auch wegfallen müssen.
    Ja, dazu gehört erst einmal alles, was mit Geld zu tun hat Banken, Finanzen ect.. Daneben auch große Bereiche der Zirkulation - du weißt auf die Werbebranche hin. Ja, dazu gehören auch viele Managementetagen in Unternehmen und in der Gesellschaft (Staat).

    Du hattest aber nach Daten, nach Quantifizierung gefragt. Die Quantifizierung ist sicherlich möglich, wenn auch nicht einfach. Eine Quantifizierung würde wohl in die Richtung gehen, dass man diese Bereiche genauer abgrenzt (das ist die Schwierigkeit), um dann zu sehen, um wie viel arbeitsfähige Personen dann der kommunististische Arbeitszeitfonds anwächst, sobald diese Leute aus den unnötigen Branchen in den Pool mit einsatzfähigen Personal wechseln (müssen).

    Nehmen wir mal an, all diese entfallenden, weil nach dem Kapitalismus unnützen Arbeiten machen 25 Prozent aller Arbeiten aus, dann würden nach deren Arbeitswechsel der kommunistische Arbeitszeitfonds um 25 Prozent größer werden, das bringt für die Gesellschaft eine mögliche Arbeitszeitersparnis von 25 Prozent.

    Das andere wäre, der „Utopie“ zumindest vorläufig in der Vorstellung Leben einzuhauchen und anhand von belastbaren Daten die potenziellen Vorteile aufzuzeigen. Vielen geistert doch noch immer das Gespenst der Sowjetunion im Kopf herum oder aber die Beispiele von „Selbstausbeutung“ in manchen Alternativbetrieben. Bis vor einigen Jahren ging es mir genauso. Warum soll man ein anderes System wollen, wenn man da mindestens genau soviel schuften muss für ein bisschen mehr Gerechtigkeit und Emanzipation. Dann bin ich über das „Zeitgeist-Movement“ gestolpert, die unter einer Menge Mist aber auch einige (Denkanstoß-)Perlen zu bieten hatten. Für mich war ein Augenöffner die Sache mit dem Geld. Seitdem sind alle Ideen von Alternativgeld, Arbeitszeitkonten und Zettelwirtschaft obsolet geworden.


    Etliche Diskussionen drehen sich ja auch darum, was das ganz richtig Richtige wäre, natürlich dann für alle. Finde ich müßig, abgesehen von einigen Grundstandards sollen die Leute doch selbst entscheiden. Wenn sie in Kleinklickersdorf meinen, es geht nicht ohne Arbeitszeitüberwachung – sollen sie es halt machen. Aber nicht den anderen vorschreiben, die müssten das dann auch.


    Sinnvoller erscheint mir, soweit möglich mit Daten unterlegt, die „Utopie“ aus dem Diffusen herauszuholen. Ein bisschen könnte man da ja von den Werbetreibenden abgucken (abgesehen von den Märchen natürlich), mehr das „Zielgruppengerechte“. Jemand aus der Friedensbewegung interessiert sich für andere Aspekte als z.B. ein Umweltschützer, ein Schüler für andere als ein Arbeiter. Die Frage, wie der Weg in ein anderes System aussehen wird/soll/kann bewegt sich jedoch ziemlich im luftleeren Raum, solange sich nur ein paar Leute darum die Köpfe zerbrechen. Propagandaaktionen, wie ich sie noch von den K-Gruppen her kenne, lehne ich aber ab. Interesse wecken sehe ich als angebracht, vor allem da ich weiß, dass viele, vor allem junge Menschen, das bisherige nicht mehr wollen und manche sogar schon verzweifeln. Die immer tolleren Versprechen treffen auf das diffuse Erkennen einer immer bedrohlicher erscheinenden – sowohl individuellen als auch globalen – Zukunft und hinterlässt oft seelische Scherbenhaufen. Die wollen keine bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Konzepte – wie das dann irgendwann „gelebt“ wird, werden die entscheiden, die dann leben – und auch nicht mit den MEW erschlagen werden.

    Was ich in dieser Richtung anbieten kann, ist folgendes:

    1) In der nachkapitalistischen Gesellschaft tragen die Produkte keine Preisschilder, wie die kapitalistischen Waren, aber jedes einzelne Produkt und jede einzelne Dienstleistung trägt (möglichst) die Arbeitszeit mit sich herum, die zu ihrer Herstellung nötig ist. (Genau genommen hat jedes Produkt dann mehrere Herstellungszeiten, je nach dem Herstellungsort und der jeweiligen Zusammensetzung des Arbeitskörpers. Die Gesellschaft kann ihre Arbeitszeit nur sinnvoll planen, wenn sie weiß, wieviel Arbeitszeit dieses oder jenes Produkt, diese oder jene Dienstleistung nötig macht. Das ist nicht einfach, aber mit etwas Erfahrung machbar.

    Natürlich fließen in jedes Produkt und auch in jede Dienstleistung Natur- und Rohstoffe. Ich setze der einfacheren Darstellung zuliebe mal voraus, dass für die Beschaffung dieser Natur- und Rohstoffe gesorgt ist.


    2) Die zweite Größe, die von Belang ist, ist der vorhandene Arbeitsfonds, das Arbeitszeitkonto der Gesellschaft Das hängt einmal von der Zahl der arbeitsfähigen Personen und zweitens von ihrer individuellen Bereitschaft ab, einen Teil ihrer Lebenszeit als Arbeitszeit für die Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

    Nehmen wir mal an, eine Kommune hat 25.000 Einwohner. Davon sind 10.000 arbeitsfähig, und die melden im Durchschnitt pro Person 3 Stunden gesellschaftliche Arbeit an. Dann verfügt diese Kommune über ein Arbeitszeitkonto von 30.000 Arbeitsstunden am Tag.

    Das sind die materiellen Voraussetzungen für die Wirtschaftsplanung. Jetzt darf gewünscht werden:


    3) Nun melden die Kommunemitglieder ihre Bedürfnisse und Wünsche an. Sie können quasi beliebig verschiedene und beliebig viele Produkte und Dienstleistungen aus der Liste der produktionsfähigen Güter und Dienstleistungen "bestellen", aber ihre Gesamtbestellung kann und darf die Herstellungszeit von 30.000 Arbeitsstunden am Tag nicht übersteigen. Ist ein gewünschtes Produkt nicht auf der Liste vorhanden, dann muss/kann ein entsprechendes Arbeitszeitkonto für die Neuentwicklung dieses Produkts erstellt werden. Ich gehe dabei immer davon aus, dass die Kommunemitglieder über alle gemeinschaftlichen Fragen auch gemeinschaftlich beraten und entscheiden. Nur der individuelle Arbeitseinsatz ist freiwillig, das heißt, über den Umfang der Mitarbeit entscheiden die Individuen selbst.


    Das ist nach meiner Ansicht das Grundmodell einer nachkapitalistischen Wirtschaft, einer Wirtschaft, die selbstbestimmt ist, und ohne Geld und ohne Lohnarbeit auskommt.

    Eine Einschränkung habe ich allerdings anderswo gemacht: Die Doppelwirtschaft. Heißt: Im Austausch mit dem kapitalistischen Ausland muss eine kommunistische Region noch soviel exportierbare Waren produzieren, wie sie wertmäßig an (Rohstoff)Importen aus dem kommunistischen Ausland benötigt.

    Die Produktion dieser Waren (15%? 20%?) geht dann noch von dem obigen Arbeitszeitkonto ab.

    So, jetzt sind wieder mal die Ideen-Gäule mit mir durchgegangen, aber hier ist es so ruhig, da stört das hoffentlich nicht. Schön, dass es kein Monolog ist, Dialog ist schon ganz gut, eine Diskussion in einer kleinen Gruppe wäre super.


    renée

    PS:

    Hallo Wat, falls du noch hier reinschneist. Sorry dass ich nichts mehr von mir hören ließ, aber mir ging es ziemlich besch..., Tochter mit Depression und weiterer Mist.

    P.S.

    Du kannst dich an Wat. per Email wenden, wenn du in ihren Account gehst.

    Die Bearbeitungszeit habe ich von 30 auf 40 Minuten hochgesetzt.

    Arbeit ist ein Stoffwechsel zwischen Menschen und Natur, mit dem wir Menschen uns Naturstoff in einer für unser Leben brauchbaren Form aneignen. Insofern ist Arbeit eine „ewige Naturnotwendigkeit“ (Marx) „Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 828.


    Für alle Klassengesellschaft ist bezeichnend, dass die freie Zeit der Reichen und Gebildeten durch die Überarbeit derjenigen erkauft wird, die zur Arbeit verdammt sind. Für die Überwindung der heutigen Klassengesellschaft (Kapitalismus) ist eine radikale Verkürzung der allgemeinen Arbeitszeit eine notwendig Vorbedingungen.

    „Intensität und Produktivkraft der Arbeit gegeben, ist der zur materiellen Produktion notwendige Teil des gesellschaftlichen Arbeitstags umso kürzer, der für freie, geistige und gesellschaftliche Betätigung der Individuen eroberte Zeitteil also umso größer, je gleichmäßiger die Arbeit unter alle werkfähigen Glieder der Gesellschaft verteilt ist, je weniger eine Gesellschaftsschicht die Naturnotwendigkeit der Arbeit von sich selbst ab- und einer anderen Schicht zuwälzen kann. Die absolute Grenze für die Verkürzung des Arbeitstags ist nach dieser Seite hin die Allgemeinheit der Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 552.


    Für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte Marx eine Halbierung der damaligen Arbeitszeit von 12 Stunden:

    „Wenn alle arbeiten müssen, der Gegensatz von Überarbeiteten und Müßiggängern wegfällt – und dies wäre jedenfalls die Konsequenz davon, dass das Kapital aufhörte zu existieren, ... – und außerdem die Entwicklung der Produktivkräfte, wie das Kapital sie hervorgebracht hat, in Betracht gezogen wird, so wird die Gesellschaft den nötigen Überfluss in 6 Stunden produzieren, mehr als jetzt in 12, und zugleich werden alle 6 Stunden ‚Freizeit‘, den wahren Reichtum haben; Zeit, die nicht durch unmittelbar produktive Arbeit absorbiert wird, sondern zum Genuss, zur Muße, so dass sie zur freien Tätigkeit und Entwicklung Raum gibt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert III. MEW 26.3, 252.


    Renée hatte nun im Blogthema Klimastreik angefragt: „Außerdem habe ich letztens wieder gelesen, dass 2 Stunden Arbeit am Tag ausreichen würden, leider finde ich keine handfeste Begründung dafür (Zahlen etc.), aber es deckt sich mit meiner bauchgefühlten Einschätzung. Harte Fakten wären mir aber lieber, weißt du was darüber? Das würde evtl. das Thema Kommu(nal)ismus viel interessanter machen, dass man 3/4 seiner Arbeitszeit dafür aufwenden soll, ein dysfunktionales und schädliches System aufrecht zu erhalten.“


    Ja es gibt solche Berechnungen und sie stützen sich alle auf die Entwicklung der Arbeitsproduktivität.


    Im Kapitalismus wird die Arbeitsproduktivität berechnet als produzierte Wertsumme pro Kopf (am Tag oder im Jahr) oder als Wertsumme pro Arbeitsstunde. Die kapitalistische Wertsumme repräsentiert jedoch auch eine bestimmte Menge an Waren und Dienstleistungen. Steigt die Arbeitsproduktivität, dann steigt die Anzahl der Waren und Dienstleistungen je Zeiteinheit (Stunde oder Jahr).


    Die gelbe Linie zeigt den allgemeinen Produktivitätszuwachs in Deutschland seit 1991:


    b01-abb01_teaserbild.jpg?__blob=normal&v=6


    Quelle: Bundesfinanzministerium 2017


    Wenn wir hier die gelbe Linie verfolgen, so steigt sie seit 1991 von 100 auf ca. 125.

    Was heißt: In einer Arbeitsstunde wurden im Jahr 2015 25% mehr Güter und Dienstleistungen produziert als 1991.

    Umgekehrt heißt das aber auch: Die Summe der Güter und Dienstleistungen des Jahres 1991 könnten heute in drei Viertel der Zeit hergestellt werden.

    In Zahlen: Die Güter und Dienstleistungen des Jahres 1991 wurden damals von der Gesellschaft in einem 8stündigen Arbeitstag erarbeitet, heute könnte man diese Güter und Dienstleistungen des Jahres 1991 in einem 6stündigen Arbeitstag geschaffen werden (bei gleichbleibender Zahl der Arbeitenden).


    Diese Rechnung kann man noch weiter rückwärts führen. Die Güter und Dienstleistungen von 1947 (in den USA) sind durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität um 300% heute in einem Drittel der Zeit herstellbar, also in einem 3stündigen Arbeitstag statt der 9 Stunden.


    Das ist eine nützliche, aber auch sehr grobe Rechnung. Zu beachten ist nämlich, dass die Arbeitsproduktivität in der Industrie viel schneller steigt als im Bereich Dienstleistungen. Wenn wir (was wahrscheinlich und vernünftig ist) in der nachkapitalistischen Gesellschaft auf einen Teil der großindustriellen Produktion verzichten, dann ergeben sich notwendig geringere Produktivitätszuwächse. Das machen die verschiedenen Linien in der obigen Grafik deutlich. Verzicht auf Großindustrie zugunsten von mehr und besseren Dienstleistungen würde also unsere notwendige Arbeitszeit verlängern.


    Gruß Wal


    Siehe auch:

    Buch "5 Stunden sind genug" von Darwin Dante empfehlenswert oder Alternativvorschläge?


    Lebenszeit ist (Lohn)Arbeitszeit


    Warum Marx?