Wo waren die "sorglosen Zeiten"?

  • Die Wirtschaftsmeldungen stimmen mies. Die Autoindustrie gerät in den Abwärtssog. Die Umrüstung auf E-Autos wird das noch beschleunigen, weil in den „Stromern“ weniger Wertschöpfung in den Autowerken geschaffen wird und fast 10.000 Euro in den zugekauften Batterien steckt.
    Die Kunststoffindustrie befürchtet eine ähnlich säkulare Depression wg. der „Verteufelung“ von Kunststoffen.
    Auch die Maschinenbauer jammern – teils weil sie als Autozulieferer auf die schiefe Bahn abwärts geraten, teils weil das China-Geschäft nicht mehr so schnell expandiert wie früher.
    Dazu kommen weltweite Handelskonflikte, die – falls überhaupt – nicht rasch beseitigt und gelöst werden können.

    Im Aufwind sind da Beraterfirmen und Dienstleister, die Großanlagen in der Chemie, der Lebensmittelindustrie aber auch bei Stahl und Papier warten und instand setzen. Viele dieser Anlagen sind die (sieben) Jahre gekommen und benötigen eine Generalüberholung. Dafür müssen sie jedoch gestoppt werden.

    Die FAZ titelt: „Sind die fetten Jahre vorbei?“ und fragt: „ob es das war mit den sorglosen Zeiten in Deutschland, in denen die Umsätze, Gewinne und Beschäftigung nur eine Richtung kannten: die nach oben.“

    Sorglose Zeiten? Unsere Löhne werden in dieser Jubelliste nicht aufgeführt. Unsere Löhne und unsere Renten sind weit weniger angestiegen als „Umsätze, Gewinne und Beschäftigung“.

    Wenn jetzt magere Zeiten kommen, haben vor allem die großen Unternehmen haben dicke Polster. Wir Lohnabhängige nicht.


    Neben der „Realwirtschaft“ lauern noch größere Risiken in der Finanzwirtschaft. Die Gesamtverschuldung (Haushalte, Unternehmen plus Staat) beträgt in Deutschland rund das 1,7fache der Jahreswirtschaftsleistung (BSP). In Italien erreicht sie das 2,5fache in Frankreich das 3fache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Diese hohe Verschuldung ist die Folge des „billigen Geldes“, das Resultat extrem niedriger Zinsen.

    Die Notenbanken müssen nun die Zinsen weiter niedrig halten, andernfalls wird ein Großteil der öffentlichen und privaten Schuldner in den Ruin getrieben. Deshalb nehmen die Schulden weiter zu. Damit fallen Zinsen als Marktregulativ gegen allzu risikofreudige Schuldner weitgehend aus.
    Deshalb werden die Regularien und Vorschriften der Bankenaufsicht immer länger und immer komplizierter. Was aber Nichtfinanz-Unternehmen mit ihrem gehorteten Milliarden machen, darauf hat die Bankaufsicht keinen Einfluss.


    Die Probleme im Finanzwesen nehmen zu, aber die Lösungswege werden immer enger und weniger. Niemand glaubt, dass die gegenwärtige Schuldenlast tatsächlich abgetragen werden kann. Niemand glaubt, dass die verliehenen Milliardensummen an die Kreditgeber zurückfließen werden. Aber jeder hofft, dass es andere trifft, dass andere Gläubiger in die Röhre schauen, nicht sie. Das ist Casino, nichts sonst.

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