Arbeitszeitrechnung statt Geld !

  • Hier mal eine kleine Eigenwerbung und zwar für ein Buch, welches wir soeben veröffentlicht haben. In diesem geht es darum zu schildern, wie Geld unter den

    Voraussetzungen assoziierter Produktion durch Arbeitszeitrechnung (Arbeitszeitkonten) überwunden werden könnte.


    Das Marx-Forum scheint uns ein geeigneter Ort für eine Diskussion, denn der Grundsatz „Wir diskutieren im Karl-Marx-Forum für eine bessere Einsicht in die Bedingungen unserer Emanzipation“ spricht uns aus dem Herzen. Auch in unserem Buch orientieren wir uns, zumindest in drei von fünf Kapiteln, ganz stark an Marx.


    In Kapitel zwei fassen wir in eigenen Worten die drei Geldbestimmungen zusammen und erläutern ausserdem die Begriffe Wert und Kapital. Dabei wird klargestellt, dass Arbeit die einzige Substanz von Wert ist. In Kapitel drei gehen wir dann einen Schritt weiter und entwickeln die Forderung, Arbeitszeit direkt zu messen, anstatt den „Umweg“ über Wert und Markt zu gehen. Dies angelehnt an Marx Auseinandersetzung mit den von ihm in

    den „Grundrissen“ gescholtenen „Stundenzettlern“. Wer diese Auseinandersetzung genau liest, dürfte uns darin zustimmen, dass Marx nicht die Idee (Geld/Lohn durch Stundenzettel zu ersetzen) kritisiert, sondern die falschen Voraussetzungen, die die „Stundenzettler“ dieser Idee zu Grunde legten.



    Wir greifen die Idee also positiv auf, klären über die notwendigen Voraussetzungen auf (assoziierte Produktion) und vertreten die These, dass dies ein erster praktischer Schritt für eine soziale Umwälzung ist.



    Im fünften und letzten Kapitel wird die Idee der Stundenzettel (Leistungsprinzip) dann mit den aktuell beliebten Ideen vom vollautomatisiertem Luxuscommunismus (Alles für Alle und zwar umsonst usw.) verglichen, welche angefeuert von Induestrie 4.0 gerade neue Blüten treiben. Dabei argumentieren wir inhaltlich wie Marx in seiner „Kritik des Gotaher Programmentwurfs“, dass von einer höheren und niederen Phase communistischer Gesellschaft ausgegangen werden muss. Erstere ist dabei Voraussetzung der Letzteren...



    Aber aufgepasst: In allen drei genannten Kapiteln geht es zwar um eine Auseinadersetzung mit marxschen Gedanken, wir zitieren ihn aber nicht. Es wird jeweils einmal knapp in einer Fussnote genannt, wo entsprechendes in den blauen Bänden (MEW) zu finden ist, ansonsten aber auf direkte Bezugnahme verzichtet. Uns geht es bei dem Projekt nämlich nicht darum, eine marxologische Debatte anzustossen, sondern wir wollen aus den uns allen so vertrauten Lesekreisdiskussionen heraustreten.



    Nach jahrelangen „Kapitaldiskussionen“ wollten wir einmal mutig sein und eine Quintessenz aus

    den marxschen Gedanken in eigenen Worten und mit modernen Beispielen bringen. Dies kann ein Kapitalstudium nicht ersetzen. Es soll auch nicht bestritten werden, dass Debatten, die für Aussenstehende wohl immer unverständlich bleiben werden, enorm produktiv und notwendig sein können. Aber gerade in politischen Krisenzeiten scheint es uns angebracht, den eigenen Dunstkreis zu überschreiten. Mit Zitateschlachten wird dies vermutlich nicht gelingen, deshalb probieren wir diesen Weg. Alle Formen von Anregungen und Kritik sind uns willkommen. Gerne hier im Forum oder auch über direkten Kontakt buch@goodbye-kapital.de



    Um das Buch so günstig wie möglich zu halten, wird es on-demand gedruckt und kostet deshalb nur 5,99 Euro. Es ist überall im Buchhandel erhältlich, aber am schnellsten und nachhaltigsten geht es direkt beim Hersteller:https://www.bod.de/buchshop/go…ian-hofmann-9783732286539

    Dort kann man auch kostenlos die Einleitung lesen. Wem dies nicht reicht, der kann sich gerne an uns wenden. Dies gilt auch für Wiederverkäufer...

  • Hallo Chris,

    aus dem Urlaub zurück kann ich ein erstes Statement abgeben – auch bevor ich eure Arbeit gelesen habe.

    Inzwischen haben gut 140 Leute eure Buchwerbung hier im Marx-Forum gelesen, das ist schon ein guter Anfang. Und berechtigterweise soll man für eure Buch Werbung machen, denn alles, was über den Kapitalismus hinausdenkt und hinausweist, ist nützlich.:thumbsup:


    Meine Meinung zu eurem Thema:

    Ich habe hier im Forum verschiedentlich darauf hingewiesen, dass individuelle Zeiterfassung sehr aufwändig ist, und „Bezahlung nach Leistung“ kaum "gerechter" ist als Geldlohn. Aber ich halte es für notwendig und sinnvoll, dass im Sozialismus/Kommunismus Vielfalt herrscht und keine Uniformität. So halte ich es für denkbar, dass in verschiedenen Kommunen eines Landes mit verschiedenen Verteilungssystemen experimentiert wird.

    Das als Vorbemerkung, damit meine folgenden Anmerkungen nicht als Verriss, sondern als Gesprächsangebot gesehen werden können.


    1) Nehmen wir an, die Gesellschaft – das heißt eine Kommune oder noch besser: ein Netz von Kommunen – verfügt über alle wichtigen Produktionsmittel. Ihre erste und wichtigste Entscheidung ist dann nicht, welches Verteilungssystem wollen wir, sondern: Welche Produkte wollen wir und welche Produkte können wir?

    Bei diesen Fragen helfen Stundenzettel gar nicht. Diese Fragen müssen entscheiden werden, bevor der erste Stundenzettel aufgefüllt werden kann.


    2) Was wir brauchen und wollen, ist vor allem eine bedarfsgerechte Produktion.

    Nehmen wir an, in einer Gemeinschaft leben 100 Alte, von denen 10 einen Rollstuhl brauchen, 20 brauchen täglich Insulin, 30 brauchen Makromar, 90 benötigen tägliche Pflege und Versorgung. Keiner von diesen 100 Alten arbeitet in der Produktion. Wie können wir ihre konkreten Bedürfnisse befriedigen? Stundenzettel und Arbeitszeitrechnung helfen uns da kein bisschen weiter.


    Gruß Wal


    Siehe auch:

    https://marx-forum.de/Forum/cm…/&highlight=Arbeitszettel


    Werte und Preise im Sozialismus



    Bibelwissenschaft und Wertbegriff

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