Sind Elektroautos die Zukunft?

  • Der VW Käfer begann 1948 mit einem Gewicht von 600 kg und erreichte 1978 ein Gewicht von 800 kg. Ein heutiger VW Golf wiegt 1350 kg.

    Hätte der VW-Konzern das Gewicht bei 800 kg belassen, könnte man einen Golf mit heutigem Motor mit rund 3 Liter Benzin oder 2,5 Liter Diesel pro 100 km mit einem CO2-Ausstoß von 76 g bzw. 63 g pro km fahren. Statt die Autos kleiner und leichter zu machen, werden sie immer größer und schwerer.

    Ressourceneffizienz spielt für die Automobilindustrie keine Rolle.

    Ressourceneffizienz spielt schon deshalb keine Rolle, weil zwei Drittel aller Neuwagen in Deutschland gewerblich zugelassen werden. Ein Großteil davon wandert in die „Dienstwagen“ der Firmenflotten. Ein Dienstwagen ist seit langem zum Statussymbol der „Führungskräfte“ geworden. Sie werden üblicherweise für drei Jahre gemietet („geleast“) und dann auf dem Gebrauchtwagenmarkt verscherbelt. Für die Benutzer der Dienstwagenflotte zählt weder der Spritverbrauch, noch der Schadstoffaustoß, noch die Reperaturfreundlichkeit. Das alles wird über die Firmenkosten abgerechnet.

    Erst durch zivilgesellschaftliche Initiativen wurde das Ausmaß der Kumpanei zwischen Regierung und Autokonzernen aufgedeckt. Nun sollen es vollelektrische Autos richten. Die Umstellung auf E-Autos bringt einen weiteren Preissprung nach oben: Einmal durch die Umstellungskosten auf die andere Technologie, dann durch die immer noch niedrigen Fertigungszahlen, zum dritten, weil die Autokonzerne wieder für das obere Preissegment planen: Die gewerblichen Kunden – Firmenflotten und Gewerbetreibende. Für einen Elektroauto muss der Käufer rund 10.000 Euro mehr hinblättern als für das Vergleichsfahrzeug mit Verbrennungsmotor.


    Spitze Zungen machen noch eine weitere Rechnung auf: Bisher wog der Treibstofftank bei herkömmlichen PKWs rund 50 kg. Bei einem E-Auto wiegt der „Tank“ (die Batterie) gut 1000 kg. Bisher konnte man mit einer Tankfüllung rund 600 km weit fahren, mit dem E-Auto sind es vielleicht 300 km. Bisher konnte man in rund 5 Minuten sein Auto volltanken. Mit dem E-Auto benötigt man in der Regel 5 Stunden.

    Allerdings fallen auch schwergewichtige Teile beim E-Auto weg: das gesamte Getriebe und die Auspuffanlage samt Abgasnachbehandlung. Der Motor ist wesentlich leichter und kleiner. Ein Verbrennungsmotor besteht aus über 1000 Einzelteilen, ein Elektromotor hat weniger als 20 Teile.

    In Summe sind E-Autos dennoch schwerer als vergleichbare herkömmliche PKWs.



    In das Thema, ob ein Elektroauto klima- und umweltfreundlicher ist als ein herkömmliches Auto, will ich gar nicht erst einsteigen. Der Individualverkehr ist – gemessen an seiner Personen- und Sachtransportleistung – weder klima- noch umweltfreundlich, ganz egal, welchen Treibstoff er benutzt.


    Als gegenwärtiger Trend wird jedoch sichtbar: Der weltweite Boom für private PKWs geht seinem Ende zu. Ein Neuwagen wird für immer mehr Lohnabhängige unerschwinglich. Immer weniger Gebrauchtwagen lassen sich einfach und preisgünstig reparieren und fahren. Autofahren wird wieder zum Luxus, so wie ein privater PKW zwischen 1900 und 1950 in Deutschland ein Luxus der Reichen gewesen ist. Beschleunigt wird dieser aktuelle Trend weg vom privaten PKW noch durch die Überalterung. Noch gibt es für 80- oder gar 90jährige keinerlei Fahrbeschränkung in Deutschland. Auch das ist ein Skandal. Selbstfahrende Autos für Senioren sind jedoch noch lange nicht serienreif, und wenn sie es einmal sind, werden sie für die meisten von uns unerschwinglich bleiben.

    Der Individualverkehr ist und bleibt eine kapitalistische Sackgasse.









    Siehe auch:


    Auto, Auto, Au, Au


    Wohin geht die US-Autoindustrie?


    US-Autoindustrie 1960 bis 2014

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