Was manche Linke mit den Boston-Attentätern gemein haben

  • Die Attentate von Boston gehen scheinbar uns Linke nichts an. Die Staats- und Printmedien waren rund um die Uhr voll mit Berichten und Kommentaren über das Attentat während des Boston-Marathons und der anschließenden Suche nach den Attentätern. In keiner linken Publikation, auf keiner linken Plattform wurde das Attentat auch nur erwähnt. So weit weg dünkt sich die Linke von diesen Attentätern.

    Ich denke, es gibt aber eine klammheimliche Gemeinsamkeit dieser und anderer Attentäter mit gewissen linken Vorstellungen. Welche Gemeinsamkeit ist das?
    Ich rede hier nicht nur von offenen Sympathiebekundungen für die Attentäter wie diese auf "scharf links":
    "
    Die USA sind die Supermacht, die ihre Vormacht rund um den Globus mit grausamsten Mitteln sichert. Wechselwirkungen sind deshalb zwangsläufig. Es ist ganz natürlich, dass sich die staatliche US-Anmaßung gelegentlich auch intern gegen Amerikaner selbst wendet." (scharf links)

    Ich meine etwas Verborgenes, aber Grundlegendes:
    Die Attentäter von Boston töteten und verletzten wahllos Menschen, die sich zu einem Freizeitvergnügen und Sportereignis versammelt hatten. Gezielt war dieses Attentat auf die Machthaber im Land, auf die US-Regierung. Getroffen hat es Menschen wie du und ich: Minderjährige, Machtlose, Lohnabhängige.
    Die Logik dieser Tat ist, dass einfache Menschen mitverantwortlich gemacht werden für die Regierungspolitik eines Landes.
    Das haben diese Terroranschlägen mit gewissen linken Vorstellungen gemeinsam: Der Vorstellung, dass die Menschen „unten“ irgendwie mitverantwortlich und mitbeteiligt sind an den Taten der Leute „da oben“.


    Diese Vorstellung gibt es bei Linken, wenn behauptet wird, die Gewerkschaftsmitglieder "wollten", was Gewerkschaftsführer sagen und entscheiden.
    Diese Vorstellung gibt es bei Linken, wenn die Lohnarbeiter (mit)verantwortlich gemacht werden für Entscheidungen von Managern und Kapitalisten.
    Diese Vorstellung gibt es bei Linken, wenn den Untertanen die Taten der Regierung angelastet werden.


    Solche Vorstellungen fallen weit hinter das allgemeine Rechtsempfinden zurück. Das allgemeine Rechtsempfinden unterscheidet sehr deutlich zwischen denen, die eine Tat planen und ausführen, und denen, die vielleicht Zuschauer oder gar Leidtragende und Opfer sind.
    Attentäter und manche Linke lassen Unterscheidungen zwischen den Planern, den Ausführenden und den Unbeteiligten und Opfern nicht gelten. Von Attentätern und von diesen Linken werden sie alle in einen Topf geworden und im schlimmsten Fall mit einer Topfbombe umgebracht,
    meint Wal Buchenberg

    Zu den Unterschieden zwischen den Unteren und den Oberen vergleiche Karl Marx über Klassen

  • Hi Wal,
    ist ja toll das Du weist wer die "Bostonattentätern" sind. Auch was ihre "Beweggründe" waren. Ich konnte den Fernsehnachrichten entnehmen das dort Reporter wiedergekaut haben was ihn andere gesagt haben.
    Dann hat eine Zeitung gesagt der Gejagte habe sich ergeben, ein Polizeisprecher sagte es habe eine Schießerei gegeben, u.s.w. In der Situation finde ich es schon angebracht den Stift in der Schublade zu lassen um erste einmal zu erfahren was war es denn. Das was ich aus deiner Analyse lese scheint mir doch sehr spekulativ, daraus eine Entlarvung von irgendwelchen unspezifizierten Linken zu ziehen halte ich für abstrus.
    Entgegen deiner Aussage hat "scharf links" (zählen die zu den Linken?) sich ja geäußert.
    Ich bin nicht dafür das Menschen getötet werden, aber der Hype der, vorab schon mal, betrieben wird ist mir sowas von egal. Da ärgert es mich eher das die "normale" Tötung von Menschen in der Versenkung verschwindet.
    Ich meine es zwischen Rechtsempfinden und Recht, gerade in der kapitalistischen Gesellschaft, einen eklatanten Unterschied gibt, der aus dem System entspringt, das als "Messlatte" zu nehmen kann ich nicht nachvollziehen.



    Allemal schwierig finde ich es so einen Vorfall zu "Was?" zu nutzen.


    Gruß Peter

  • Hallo Peter,
    Wenn in einem Attentat, das offensichtlich gegen eine Regierung gerichtet ist, drei Menschen auf einer öffentlichen Veranstaltung umgebracht und über hundert Leute verletzt werden, ist das für dich ein "Hype", der dich nicht kümmert. Du kümmerst dich um die "normalen", alltäglichen Opfer des Kapitalismus. Okay. Das kann man so sehen.
    Ich sehe das anders und ich glaube, das sehen die meisten Leute anders und die Regierung sieht das erst recht anders.


    Du kritisierst an meinem Text Nebensächlichkeiten. Meinen Grundgedanken, dass es (verborgene) Gemeinsamkeiten gibt zwischen verbreitetem linken Gedankengut und Attentätern, tust du als "Spekulation" ab.


    Wenn dich das Thema nicht interessiert, hättest du vielleicht deinen Stift besser in der Schublade lassen sollen,
    meint Wal

  • Hallo Wal,


    eine gewagte These die du da aufstellst. Du meinst also, die Attentäter von Boston oder anderswo, würden genau so wie die Linken davon ausgehen, dass die lohnabhängige Bevölkerung sich der Mittäterschaft ihrer Regierungen und Unternehmer schuldig gemacht hat. Somit können Attentäter egal wo sie sind, Bomben hinlegen und zünden und immer die richtigen treffen, nämlich die MittäterInnen.
    Meine These dagegen ist, dass Attentäter sich so programmieren müssen, dass sie jegliche andere Menschen, die nicht ihrer Auffassung sind, das Menschsein absprechen und damit menschliche Recht auf Unversehrtheit und Leben. Nur mit einer solchen Ideologie können Menschen andere Menschen foltern oder umbringen.
    Ich halte das für ein gänzlich anderes Menschenbild als das, was in den Linken vorherrscht.


    Viele Grüße
    Irmi

  • Hallo Wal,


    eine gewagte These die du da aufstellst. Du meinst also, die Attentäter von Boston oder anderswo, würden genau so wie die Linken davon ausgehen, dass die lohnabhängige Bevölkerung sich der Mittäterschaft ihrer Regierungen und Unternehmer schuldig gemacht hat. Somit können Attentäter egal wo sie sind, Bomben hinlegen und zünden und immer die richtigen treffen, nämlich die MittäterInnen.



    Hallo Irmi,
    willkommen im Marx-Forum! :)
    Ja, du hast meine These gut verstanden. Genau das meine ich.
    Ich finde diese These schlüssig und mit den uns bekannten Fakten stimmig. (Politische) Attentäter zielen auf die Regierung(spolitik), aber treffen Unbeteiligte. Trotzdem planen Attentäter ihre Taten genau so. Für Attentäter (und für manche Linke) besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen den Herrschenden und den Unterdrückten.
    Anders lässt sich auch die folgende Aussage nicht verstehen: "Die USA sind die Supermacht, die ihre Vormacht rund um den Globus mit grausamsten Mitteln sichert. Wechselwirkungen sind deshalb zwangsläufig. Es ist ganz natürlich, dass sich die staatliche US-Anmaßung gelegentlich auch intern gegen Amerikaner selbst wendet." (scharf links)
    Das ist eine Aussage von einer chilenisches Altkommunistin. Was geht nach deiner Meinung im Kopf dieser Frau vor, die erst die Verbrechen und Untaten der US-Regierung in aller Welt aufführt, und dann sagt: "Es ist ganz natürlich", dass sich der Widerstand gegen die Taten der US-Regierung "auch gegen Amerikaner wendet"?
    Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Kommunisten genau das meint, dass einfache Amerikaner irgendwie mitverantwortlich sind für die Taten ihrer Regierung. Insofern hält sie es für "natürlich", dass einfache Amerikaner zur Zielscheibe von politischen Attentätern werden.


    Bitte beachte: Ich behaupte keine vollständige Identität von solchen Attentätern mit gewissen linken Vorstellungen. Aber ich sehe gewisse Gemeinsamkeiten. Ich sehe da Gemeinsamkeiten, wo keine wesentlichen Unterschiede gemacht werden zwischen Machthabern und Ohnmächtigen, zwischen Tätern und Unbeteiligen. Das haben politische Attentäter, die Unbeteiligte töten, mit gewissen linken Vorstellungen gemein.
    Gruß Wal

  • Hallo zusammen,
    Die „diversen linken Vorstellungen“ kann man auch beim Namen nennen: es sind die linken „revolutionären“ und avantgardistischen Vorstellungen, in denen die Sache, das Ideal, die Ideologie immer über dem Menschentum steht, weil sie ja etwas Höheres verkörpert. Das Ideal, für eine höhere Sache zu kämpfen, ist der Kern der Gemeinsamkeit zwischen linken "Revolutionären" und allgemein politischen oder religiösen Attentätern. Wer unter Linken Vorstellungen pflegt, für eine höhere Sache zu kämpfen, schlägt leicht einen Weg ein, bei der Beurteilung der Gewaltanwendung Oben und Unten nicht mehr eindeutig unterscheiden zu können.


    Beste Grüße


    Kim

  • Hallo,
    Unter dem Stichwort „Attentat“ heißt es bei Wikipedia:
    „Ziel des Attentats ist meist, eine hochrangige Person zu töten oder zu verletzen; die Aktion erfolgt durch einen Einzelnen oder eine kleine Gruppe und wendet sich meist demonstrativ gegen die herrschende Macht.“
    Dass es Ziel eines Attentats sei, „eine hochrangige Person zu töten oder zu verletzen“, trifft (fast) nur zu auf Attentate im 19. und 20. Jahrhundert.


    Siehe die Wikipedia-Liste bekannter Attentate:


    Attentate im 21. Jahrhundert sind (meist) anders. Es gibt zwar immer noch Attentate auf einzelne Machthaber (in Indien, Pakistan etc), aber die Mehrzahl der Attentate im 21. Jahrhundert - vor allem in den Kernzonen des Kapitalismus - wenden sich zwar „demonstrativ gegen die herrschende Macht“, aber sie greifen nicht die Personen der Staatsmacht direkt an, sondern unbeteiligte Menschen. Das trifft vor allem zu auf das Attentat vom 9.11. 2001 (World-Trade-Tower) und alle Attentate auf Flugzeuge, die uns die nervigen Kontrollen beim Einchecken in einen Flieger eingebracht haben, sowie auf alle Bombenattentate, die irgendwo an belebten Plätzen in einer Stadt explodierten.
    Diese Attentäter zielen zwar auf die Regierung, treffen aber die Untertanen. Dass hierin Gemeinsamkeiten mit verbreitetem linken Gedankengut vorhanden sind, darauf wollte ich in diesem Thema hingewiesen haben.




    Vergleiche auch: Karl-Marx-Lexikon: Attentate


    P.S. Die NSU-Morde waren in diesem Sinne keine Attentate, sondern rassistische Morde. Bei den NSU-Morden waren „Zielperson“ und die attackierte Personen identisch. Die NSU-Morde richteten sich nicht gegen die deutsche Staatsmacht, (das war der Hauptgrund, warum die Staatsmacht sich nicht um diese Morde kümmerte). Die Morde richteten sich gegen die (halbwegs) erfolgreich eingebürgten Menschen mit ausländischem Hintergrund - da sollten Einzelne liquidiert werden, um die anderen einzuschüchtern und zu vertreiben. Die NSU-Morde haben viel Ähnlichkeit mit Terror-Morden an ethnischen oder religiösen Minderheiten in aller Welt.


    Gruß Wal

  • Es ist sicher nichts dagegen zu sagen wenn Attentate und deren Ursache betrachtet werden.
    Nur ging es hier darum das irgendwelche Leute Bomben gebaut haben und die zur Explosion gebracht haben.
    Da wurde dann konstruiert und auf einen Hinweis darauf, der Einwand verdreht. Jetzt geht es schon nicht mehr darum sondern nur noch um Attentate.
    Ganz wichtig dabei das so etwas auch Linke machen Klammheimlich. Was soll jetzt die Erkenntnis sein?

  • Was soll jetzt die Erkenntnis sein?

    Soll?


    Ich kann Dir sagen, welche ich habe:


    • Daß nichts konstruiert wurde.
    • Daß nichts verdreht wurde.
    • Daß, wenn irgendwelche Leute Bomben legen, das Attentate sind.
    • Daß diese "irgendwelchen" Leute, egal wie und als was sie sich selbst betrachten, Attentäter sind.


    ... die sich einen Deibel wirklich für andere Menschen interessieren sondern ausschließlich um sich 'nabeln'.
    ... und die Parallelen zwischen den Bostonern und einigen Linken liegen für mich auf der Hand.


    Btw. Wer andere Menschen für grundsätzlich zu blöd hält, daß sie richtig handeln und darum unbedingt für sie oder statt ihrer handeln muß, ist selbst das, was er zu bekämpfen müssen meint.

  • Hallo,


    Die beiden Attentäter von Boston haben sich, aus welchem Grund auch immer, zu einem hofflungslos unterlegenen Privatkrieg gegen die USA entschlossen. Sie gehen dabei genau so rücksichtslos vor, wie der Gegner, den sie bekämpfen wollen. Die Opfer in der Zivilbevölkerung sind einkalkuliert, nicht etwa unbeabsichtigte "Kollateralschäden". In den Opfern ihres Blutbads wollen sie den zum Feind erkorenen Staat treffen.
    ---
    Hätten sie allerdings das gleiche Blutbad in Syrien gegen Assad angerichtet, würden sie wahrscheinlich als Freiheitskämpfer durchgehen.


    Beste Grüße,


    mars

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