Krise der türkischen Lira

  • Seit Jahresbeginn hat die türkische Lira fast die Hälfte an Kurswert mit anderen Währungen verloren.

    Darin drückt sich vor allem eine Vertrauenskrise von europäischen Banken und nichttürkischen Investoren aus. Deren Sorge ist, dass türkische Kapitalisten im Bankwesen und in der Industrie ihre relativ hohe Schuldenlast nicht mehr bedienen können. Jeder weitere Kursverfall der einheimischen Währung verschärft die türkischen Probleme nur noch. Die türkische Lira verliert auch innerhalb der Türkei zunehmend an Wert und ausländisches Geld wird knapp. Derzeit liegt die Inflation bei 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


    Der türkische Präsident stellt diese Entwicklung als „ausländische Verschwörung“ hin und erweckt den Eindruck, als könne die Krise durch gemeinsamen Patriotismus überwunden werden. Umgekehrt schiebt die Weltpresse dem „System Erdogan“ die „Schuld“ an den Finanzproblemen in die Schuhe. Beide Seiten weben damit an dem alten Mythos, eine Regierung könne nach Belieben die kapitalistische Wirtschaft im Land lenken und für "mehr Wachstum" sorgen.

    Fakt ist, dass die türkische Wirtschaft seit Jahren von einer hohen ausländischen Kapitalzufuhr und damit einer zunehmenden Verschuldung im Ausland abhängig war.

    Die Beziehungen zwischen Schuldnern und Gläubigern gleichen den Beziehungen zwischen dem Dealer und dem Junkie. Der Dealer liefert den Stoff, mit dem sich der Junkie ruiniert, bis er nicht mehr zahlen kann. Da weigert sich der Dealer weiteren Stoff zu liefern und setzt den Junkie auf kalten Entzug. Freundschaften entstehen dadurch nicht.


    Auslandsschulden beinhalten fixe Termine, an denen bestimmte Teile „bedient“ und zurückgezahlt werden müssen. Allein im laufenden Jahr müssen türkische Schuldner rund 50 Milliarden US-Dollar ans Ausland zurückzahlen. Es ist fraglich, ob diese Schuldner in der Lage und willens sind, alle diese Schulden zu bedienen. Falls sie nicht zahlen können oder wollen, liefern die ausländischen "Dealer" keinen weiteren Stoff.


    so eine Kreditklemme wird nicht ohne Auswirkungen auf das europäische Bankensystem bleiben. Italienische Banken sind mit 20 Mrd. Dollar, französische Banken mit 40 Mrd Dollar und spanische Banken gar mit 80 Mrd. Dollar in der Türkei engagiert. Die beteiligen sich nun alle an dem Bank-Run in der Türkei und versuchen möglichst viel Geld „in Sicherheit“ zu bringen.

    Die Lira-Krise kann zur Euro-Krise werden.

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