Geld fürs Elend

  • Das dauernde Elend des Lohnabhängigen besteht in der länger als sein halbes Leben währenden Lohnarbeit. Diesem Elend könnte er im Kapitalismus nur ein Ende setzen, wenn er nach heutigem Wert rund 2 Millionen Euro auf Gehaltskonto oder sonst wie hoher Kante hätte. Das wäre Geld für 50 Jahre mit 40.000 Euro pro Lebensjahr. Wenn er dann noch etwas hinzu verdienen wollte, statt ein finanziell unabhängiges Leben vorzuziehen, wäre er zu bedauern oder auch nicht. Das derzeit von vielen herbeigesehnte Unbedingte Grundeinkommen übertrifft jedenfalls noch nicht den Status materiellen Elends. Deswegen hat der Einsatz dafür unter den gegebenen Umständen auch gewisse Erfolgsaussichten. Für entscheidend mehr hat viel zu viel Geld in den Kapitalverwertungsprozess zu fließen. Eine Billion für notleidende Banken sind dagegen kein Finanzierungsproblem. Was das BGE betrifft, ist der Etikettenschwindel schon so gut wie ausgemacht. Es wird auf ca. 1000 Euro zu liegen kommen, und z. B. Krankenversicherungsbeiträge gehen davon noch ab. So hat man dann Sozialhilfe bzw. Hartz IV in neuem Gewand.

  • Das dauernde Elend des Lohnabhängigen besteht in der länger als sein halbes Leben währenden Lohnarbeit.

    Einverstanden. Obwohl das Lohnarbeiterleben VOR der Lohnarbeit (Schule, Ausbildung) und NACH der Lohnarbeit (Arbeitsunfähigkeit, Altersrente) auch kein Zuckerschlecken ist.


    Diesem Elend könnte er im Kapitalismus nur ein Ende setzen, wenn er nach heutigem Wert rund 2 Millionen Euro auf Gehaltskonto oder sonst wie hoher Kante hätte. Das wäre Geld für 50 Jahre mit 40.000 Euro pro Lebensjahr.

    Damit wären 50 Lebensjahre abgedeckt. Und wer zahlt für Ausbildung? Wer zahlt für Rente? Deine Rechnung reicht hinten und vorne nicht.


    Du schreibst: "Der Lohnarbeiter könnte dem Elend ein Ende setzen, wenn..." wenn was? Du sagst, das Lohnelend hätte ein Ende, wenn wir keine Lohnarbeiter, sondern Kapitalisten wären.

    In Einzelfällen ist das sogar möglich - durch einen großen Raub, durch einen Lottogewinn. Für die Lohnarbeiter insgesamt ist das ein bloßer Traum. Und aus dem Traum würde schnell ein Albtraum. Was wäre denn, wenn es keine (Lohn)Arbeiter mehr gäbe und alle wären wir Kapitalisten und jeder von uns hätte 5 Millionen Euro auf dem Konto? Wir wären nach 14 Tagen alle verhungert, denn es gäbe schnell für unser Geld nichts mehr zu beißen und nichts mehr zu kaufen.


    Das derzeit von vielen herbeigesehnte Unbedingte Grundeinkommen übertrifft jedenfalls noch nicht den Status materiellen Elends. Deswegen hat der Einsatz dafür unter den gegebenen Umständen auch gewisse Erfolgsaussichten. ... Was das BGE betrifft, ist der Etikettenschwindel schon so gut wie ausgemacht. Es wird auf ca. 1000 Euro zu liegen kommen, und z. B. Krankenversicherungsbeiträge gehen davon noch ab. So hat man dann Sozialhilfe bzw. Hartz IV in neuem Gewand.

    Das sehe ich ganz so wie du.


    Gruß Wal

  • Danke für Deine Antwort.


    Ich bin vom Fall eines Lohnarbeiters ausgegangen, dessen berufliche Laufbahn begonnen hat. Was müsste passieren, dass er aus dieser misslichen Lage möglichst schnell herauskommt und er noch (mindestens) 50 Jahre finanziell weitgehend sorgenfrei leben kann, statt Monat für Monat zu erleben, dass sein Lohn für das Nötigste aufgebraucht wird und er sich fortwährend Lebenszeit und -kraft rauben lassen muss, um sein Leben zu erhalten. Ich habe einmal annehmen wollen, dass er als Kind und Jugendlicher immerhin nicht stärker in Schule und Ausbildung eingespannt war als die Sprösslinge von Wohlhabenderen. Und als kargender Rentner würde er wenigstens aus der "Mühle" heraus sein.


    An zwei Möglichkeiten habe ich nun gedacht, die für seinesgleichen – gewiss selten genug – vorkommen:

    (1) Er legt eine derartige Profi-Karriere hin, dass er mit ca. 30 für sein restliches Leben ausgesorgt hat.

    (2) Er zieht das gleichwertige Glückslos eines Lottogewinns oder überraschend üppigen Erbes.

    Einbezogen habe ich auch die Option der beruflichen Selbstständigkeit, die ja bis auf Ausnahmen nicht mehr einbringt als das Angestelltendasein. Die meisten "Kapitalisten", also alle Kleinunternehmer, sind nicht mehr als Selbstausbeuter.


    Natürlich geht meine Rechnung nur dergestalt auf, wie es gängige kapitalistische Praxis ist: in verschwindend wenigen, wenngleich an große Glocken gehängten Fällen, die viel zu viele Elendsgestalten bei der Laune halten, es irgendwie und irgendwann ebenfalls "schaffen" zu können. Entsprechend unaufgeschlossen sind sie für Kapitalismuskritik.

  • Das dauernde Elend des Lohnabhängigen besteht in der länger als sein halbes Leben währenden Lohnarbeit. Diesem Elend könnte er im Kapitalismus nur ein Ende setzen, ...

    Er/ sie/ wir könnten auch schauen, ob es einen Weg gibt, außerhalb von Lohnarbeit das Leben erträglicher zu machen.


    Ich meine damit nicht ausgedehnte Bäder in der Sonne sondern, daß wir durch solidarisches Handeln untereinander, der vermeintlichen Alternativlosigkeit etwas entgegen setzen.


    Ich finde z.B. solche Ansätze wie mit dem "Mietshäuser Syndikat" interessant.


    Das ist Handlungsmöglichkeit innerhalb des jetzigen Systems und dennoch so ganz 'anders'.


    Liebe Grüße - Wat.

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