Wo sind die Industriearbeitsplätze hin?

  • zwischen 1990 und 2014 sind in Italien 22 Prozent aller Industriearbeitsplätze verschwunden, in Deutschland 25 %, in den USA und in Frankreich 31 % und in Großbritannien verschwanden fast 50 % aller Industriearbeitsplätze.


    Wo sind die Industriearbeitsplätze hin?
    Diese Frage beschäftigt die Linke, seit sie das Industrieproletariat als „Befreier der Menschheit“ vermisst.
    Wo sind die Industriearbeitsplätze hin?
    Diese Frage beschäftigt auch die Rechte, seit Donald Trump das erfolgreich zu seinem Wahlkampfthema gemacht hat.


    Die Antwort ist zweigeteilt:
    Ein Teil der Arbeitsplätze ist aus den Kernzonen des Kapitalismus durch Kapitalexport in die Peripherie gewandert. Es ist eine kapitalistische Gesetzmäßigkeit, dass das Kapital aus entwickelten Ländern mit hoher Kapitalzusammensetzung (= sinkenden Profitraten) in Niedriglohnländer exportiert wird. Arbeitsplätze wandern so durch Kapitalexport aus den Kernzonen in die Peripherie.
    Von 1990 bis 2016 ist die Zahl der Lohnarbeiter in der Peripherie um rund 50 % gestiegen.



    Eine noch grundlegendere kapitalistische Gesetzmäßigkeit ist die durch Konkurrenz erzwungene ständige Steigerung der Produktivität, die automatisch zum Verlust von Arbeitsplätzen führt.
    Wie die folgende Grafik über die Industriearbeitsplätze in den USA zeigt, wirkt diese Gesetzmäßigkeit ständig. Der Verlust von Industriearbeitsplätzen ist also keineswegs NUR dem Kapitalexport geschuldet:



    1945 betrug der Anteil der Industriearbeiterschaft gut 30 Prozent aller Lohnabhängigen. Im Jahr 2016 sind es weniger als 10 Prozent. Die Industriearbeiterschaft ist (relativ zur Gesamtzahl der Lohnarbeiterschaft) um zwei Drittel geschrumpft.


    Wie Karl Marx ausführte, ist der Schwund der produktiven Lohnarbeiter ein notwendiges Entwicklungsmerkmal des Kapitalismus:
    „Ein Land ist umso reicher, je geringer seine produktive Bevölkerung verhältnismäßig zum Gesamtprodukt ist; ganz wie für den einzelnen Kapitalisten, je weniger Arbeiter er braucht, um denselben Mehrwert zu erzeugen, umso besser für ihn.
    Das Land ist umso reicher, je geringer die produktive Bevölkerung im Verhältnis zur unproduktiven, bei derselben Quantität von Produkten. Denn die verhältnismäßige Geringheit der produktiven Bevölkerung wäre ja nur ein anderer Ausdruck für den verhältnismäßigen Grad der Produktivität der Arbeit.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 199.

    Die Entwicklung des Reichtums im Kapitalismus führt notwendig auch zu mehr Arbeitslosigkeit und mehr Armut.

    Wal Buchenberg, 11.12.2016

  • Newly created posts will remain inaccessible for others until approved by a moderator.