Überfluss an kapitalistischem Reichtum

  • Letzte Woche verkaufte die Saudi-arabische Regierung Staatsschuldscheine im Wert von 17,5 Mrd. Dollar an internationale Investoren und Banken. Die Bonds waren fast vierfach überzeichnet, das heißt Saudi-Arabien hätte auf einen Schlag auch Schuldscheine im Wert von 67 Mrd. Dollar verkaufen können.
    Bonds mit einer Laufzeit von 5 Jahren muss Saudi-Arabien mit gut 2,5 % und Bonds mit 10 Jahren Laufzeit mit 3,4 % verzinsen. Finanzleute sagen, dieses Zinsniveau sei das niedrigste in 500 Jahren kapitalistischer Geschichte.


    Das zeigt zweierlei:
    Erstens gibt es weltweit einen Überfluss an Geldkapital, das keine profitable Anlage findet. Dieser Kapitalüberfluss hat ein Ausmaß erreicht, das noch niemals vorher in 500 Jahren kapitalistischer Geschichte erreicht wurde. Ein Finanzmann bezeichnete diesen Kapitalüberhang als eine „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.


    Zweitens zeigen die aktuellen saudischen Zinsraten wie stark die westlichen Notenbanken mit ihrer Geldflut den Bondsmarkt manipulieren.
    Für deutsche und schweizerische Bonds, die ein ähnlich gutes Rating haben wie Saudi-Arabien, müssen Anleger negative Zinsraten in Kauf nehmen. Da beträgt der manipulative Einfluss der Notenbanken also rund 4 Prozent.
    Ein armes EU-Land wie Bulgarien zahlt nur 1,9% Zinsen für 10-jähriges Staatsanleihen. Das hoch verschuldete Portugal zahlt keine höheren Zinsen für Staatsbonds als das reiche Saudi-Arabien.



    Kurz: Die expansive Geldpolitik der EU-Notenbank, die angeblich nur „übergangsweise“ ausgeübt werden sollte, ist längst für alle hoch verschuldeten Euro-Staaten zur Überlebensfrage geworden. Auf einem nicht manipulierten Geldmarkt müssten Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien 5% oder mehr Jahreszinsen für ihre Schuldscheine bezahlen, das würde ihre Schuldenlast schnell in japanisch-astronomische Höhen treiben.


    Die Schuldenlast der Staaten wird durch die Geldschwemme der Notenbanken künstlich niedrig gehalten. Die Notenbanken kaufen billig die Papiere, die sonst teuer an private Großanleger verkauft werden müssten. Diese Papiere türmen sich als Aktiva in den Bilanzen der Notenbanken. Die Aktiva der fünf Notenbanken von Japan, USA, Schweiz, EU und China sind seit 2002 um 15 Billionen von 3 auf 18 Billionen Dollar im Jahr 2016 angeschwollen. Zum Vergleich: das sind gut 50 Jahre des aktuellen deutschen Bundeshaushalt von 317 Milliarden Euro. Scheinbar handelt es sich hier um einen riesigen Schatz. Tatsächlich sind die Wertpapiere wegen ihrer schieren Menge und ihrer niedrigen Verzinsung schwer oder gar nicht verkäuflich. Die Notenbanken wirken hier wie riesige Wertpapierschredder.



    Der Bond-Markt zeigt das Dilemma, in dem der globale Kapitalismus steckt:
    Bleiben die Zinsen für Staatsanleihen länger niedrig, dann rutschen reihenweise große Banken und Versicherungen in den Bankrott. Steigen die Zinsen jedoch und retten die Geldanleger, dann werden die Schulden für die Regierungen und Staaten unbezahlbar. Im schlimmsten Fall treffen Staats- und Privatpleiten zusammen. Dann explodiert die Supernova.


    Wal Buchenberg, 22. Oktober 2016

  • Der Abschnitt über die Notenbanken enthielt eine fehlerhafte Darstellung. Die Aktiva der Notenbanken wurden dort als Verbindlichkeiten (Schulden) bezeichnet. Das ist verkehrt. Meine überarbeitete Fassung heißt nun:


    Die Schuldenlast der Staaten wird durch die Geldschwemme der Notenbanken künstlich niedrig gehalten. Die Notenbanken kaufen billig die Papiere, die sonst teuer, das heißt mit höheren Zinsen, an private Großanleger verkauft werden müssten. Diese Billig-Papiere türmen sich als Aktiva in den Bilanzen der Notenbanken. Die Aktiva der fünf Notenbanken von Japan, USA, Schweiz, EU und China sind seit 2002 um 15 Billionen von 3 auf 18 Billionen Dollar im Jahr 2016 angeschwollen. Zum Vergleich: das sind gut 50 Jahre des aktuellen deutschen Bundeshaushalt von 317 Milliarden Euro. Scheinbar handelt es sich hier um einen riesigen Schatz. Tatsächlich sind die Wertpapiere wegen ihrer schieren Menge und ihrer niedrigen Verzinsung schwer oder gar nicht verkäuflich. Die Notenbanken wirken hier wie riesige Wertpapierschredder.

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