Ein Mindestlohn schützt nicht vor Armutslöhnen

  • Hallo Leute,
    Inzwischen fordern alle Bundestagsparteien einen Mindestlohn in Deutschland. So weit so gut. Deutschland ist eines der wenigen kapitalistischen Kernländer ohne gesetzlichen Mindestlohn. Gleichzeitig ist der Niedriglohnsektor in Deutschland mit knapp 23 Prozent der Lohnarbeiter vergleichsweise hoch und weit über dem europäischen Durchschnitt. Das kann miteinander zu tun haben, muss aber nicht. Schweden zum Beispiel kennt keinen Mindestlohn, dort arbeiten aber nur 2,5 Prozent der Lohnarbeiter für Niedriglohn.
    Das gewerkschaftsnahe WSI-Institut hat eine lesenswerte Analyse über den Niedriglohnsektor und die Mindestlöhne in verschiedenen Ländern verfasst. WSI kommt dort zu dem Schluss, dass zu niedrige Mindestlöhne eher eine Sogwirkung nach unten, als eine Absicherung nach unten bewirken.
    Es heißt da: "dass in vielen Ländern der gesetzliche Mindestlohn lediglich einen 'Armutslohn' festschreibt, der in der Regel nur ein sehr bescheidenes Einkommensniveau ermöglicht und in manchen Fällen sogar unterhalb des offiziellen Existensminimus liegt. Aufgrund des oft sehr niedrigen Sicherungsniveaus hat sich trotz gesetzlicher Mindestlöhne in vielen europäischen Ländern ein großer Niedriglohnsektor herausgebildet." - In Deutschland wächst der Niedriglohnsektor auch ohne Mindestlohn.
    Wer vom "Mindestlohn" eine Bekämpfung der Armutslöhne erhofft, der sollte diesen Bericht lesen.
    Der WSI-Bericht ist hier im Dateianhang nachzulesen.


    Gruß Wal

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