Was wir von Trump lernen können

  • Trumps Wahlslogan „Make America Great Again“ trifft einen Nerv. Der Nerv heißt: Den US-Amerikanern geht es nicht gut. Jedenfalls geht es den Meisten schlechter als früher. Die Einkommen der sogenannten „Mittelschicht“, das ist der Kernbereich der Lohnarbeiterklasse, stagniert seit mehr als zehn Jahren. Die Einkommen der Armen, des Prekariats, sinken. Die Infrastruktur in Stadt und Land bröckelt. Die außenpolitischen Abenteuer kosten viel Geld, und bringen nichts nach Hause als tote Soldaten in Säcken. Die US-Kapitalisten exportieren weniger als sie importieren und müssen sich deshalb zunehmend im Ausland verschulden.


    Trump rührt in den außenpolitischen Wunden, wenn er sagt: „We’ve spent $ 4 trillion in the Middle East und we’re in far worse shape than we were before.“
    Sein Resümee: „We’re like a thirdworld country“. Das ist ziemlich übertrieben, aber enthält doch einen Kern Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass die Zeiten, in denen die US-Regierung sich gleichzeitig als Weltregierung sehen konnte, unwiderruflich vorbei sind.
    Das hat auch Auswirkungen auf die europäische und deutsche Regierungspolitik. Der amerikanische Kollaps in Nahost und Afghanistan bestärkte regionale und lokale Mächte von Saudi-Arabien über Russland bis zum IS darin, dass sie weder die amerikanische „Schutzmacht“ zu fürchten haben, noch als Verbündeter sich auf sie verlassen können. So führen immer mehr Mächte auf eigene Faust Krieg in Jemen, in Syrien, in Libyen und in der Ukraine.
    In der EU zeigen sich ebenfalls zentrifugale Kräfte. Kaum eine europäische Regierung vertraut mehr und hofft noch auf zentrale, gemeinsame Lösungen.
    Schon längst haben wir eine multipolare Welt, aber eine schönere und einfachere Welt ist das nicht.


    Was die geschwächte globale Rolle der USA angeht, spricht Trump offen aus, was die herrschende Klasse gerne vertuschen würde. Aber nicht nur deshalb macht Trump die Politikerklasse nervös. Nervös machen sie die katastrophalen Rezepte, die Trump anbietet. Er behauptet, er könne trotz Steuersenkungen die 19 Billionen Dollar Staatsschulden in acht Jahren abbezahlen. Er will die dominierende Rolle der USA in der Welt zurückgewinnen, indem er alle Welt stärker in die Pflicht nimmt und für die Interessen der USA zur Kasse bittet.
    So will er eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, von der die Mexikaner jeden einzelnen Stein bezahlen sollen. Trump will den globalen Einfluss des Militärs ausbauen, aber für die Kosten sollen andere aufkommen: Chinesische Importe will er mit 10% Zoll belegen, um China für die Aufrüstung im südchinesischen Meer zu bestrafen. „Let’s say we’re going to have a 10% tax on goods coming in from China. Because they’re not supposed to be building in the South China Sea …”


    „We’re spending massive amounts of money to protect other nations.“ Die Verbündeten der USA sollten “at least” die gesamten Kosten von jedem einzelnen US-Soldaten auf ihrem Boden bezahlen. „I would like to continue defending Japan. I would like to continue to defending South Korea. And I would like do defend Germany and Saudi Arabia and other countries. But they’ve got to pay up.”



    Frei übersetzt heißt das: Die heutige US-Regierung will der Welthegemon bleiben, hat aber nicht mehr die materielle Basis dafür und kann die Lasten der Weltherrschaft nicht mehr tragen. Trump will als US-Präsident die Lasten der US-Herrschaft auf alle Welt verteilen.


    Das ist eine Draufgänger-Politik, die der herrschenden Klasse in den USA Angstschweiß auf die Stirn treibt, weil sie die noch verbliebene Vormachtstellung der USA auf schnellstem Wege untergraben wird. Auf diesem Wege ist das britische Weltreich zusammengebrochen, weil die „Dominions“ und „untertänigen Gebiete“, angefangen mit den Vereinigten Staaten, sich weigerten, an die britische Weltmacht Abgaben zu zahlen, ohne dafür politischen Einfluss zu bekommen.


    In der kapitalistischen Welt herrscht das Geld. Das bedeutet: Wer zahlt, der bestimmt.
    Trump will alle Welt zahlen machen, aber selbst bestimmen. Das kann nicht funktionieren.
    Wal Buchenberg


    Siehe auch:
    Der Niedergang der klassisch-imperialen Mächte


    http://marx-forum.de/Forum/ind…em-Imperialismus-zu-Ende/

  • Wer zahlt bestimmt? Das gilt nicht immer.


    Wer sich einer glaubwuerdigen Erpressung ausgesetzt sieht, der zahlt. Und ist froh am Leben zu bleiben. So wirtschaftet die Mafia und andere Verbrechersyndikate.


    Trumps Spiel - seine erklaerte Unvorhersagbarkeit bei gleichzeitigem Besitz von Nuklearwaffen - kann funktionieren. Eine Weile jedenfalls.


    Mich macht er damit nervoes, und das ist genau da, wo der Herr Trump mich haben will.

  • Wer zahlt bestimmt? Das gilt nicht immer.


    Wer sich einer glaubwuerdigen Erpressung ausgesetzt sieht, der zahlt. Und ist froh am Leben zu bleiben. So wirtschaftet die Mafia und andere Verbrechersyndikate.


    Trumps Spiel - seine erklaerte Unvorhersagbarkeit bei gleichzeitigem Besitz von Nuklearwaffen - kann funktionieren. Eine Weile jedenfalls.

    Hallo Antonio,
    ja, bei Erpressungen bestimmen andere als die, die zahlen.
    Aber welche Erpressung können die USA gegen Mexiko oder gegen Europa einsetzen?
    Kann ein US-Präsident Trump etwa mit dem Einsatz von Nuklearwaffen gegen Verbündete drohen? Nichts könnte die Vorherrschaft der USA schneller untergraben, denn damit verwandelten die USA ihre Verbündete in Gegner und verdoppelte oder verdreifachte die Zahl der Gegner der USA.
    Alles, womit ein Trump drohen könnte, wäre ein Rückzug der USA aus einer Weltregion. Auch das beschleunigte den Abstieg der Weltmacht USA.
    Gruß Wal

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