Produktivität der kapitalistischen Kernzone lässt nach

  • „Das zur Produktion einer Ware notwendige Arbeitsquantum wechselt ständig mit dem Wechsel in der Produktivkraft der angewandten Arbeit. Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto mehr Produkt wird in gegebener Arbeitszeit verfertigt...“ K. Marx, Lohn, Preis und Profit, MEW 16, 126.



    Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto mehr nützliche Produkte und Dienstleistungen werden in einer Stunde, in einem Tag oder in einer Woche hergestellt. Durch Steigerung der Arbeitsproduktivität schafft der Kapitalismus die äußeren Bedingungen für ein schöneres Leben mit weniger Arbeit für alle.


    „... Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit bezweckt in der kapitalistischen Produktion ... durchaus nicht Verkürzung des Arbeitstags. Sie bezweckt nur Verkürzung der für Produktion einer bestimmten Warenmenge notwendigen Arbeitszeit. Dass der Arbeiter bei gesteigerter Produktivkraft seiner Arbeit in einer Stunde z. B. 10-mal mehr Ware als früher produziert, also für jedes Stück Ware 10mal weniger Arbeitszeit braucht, verhindert durchaus nicht, ihn nach wie vor 8 Stunden arbeiten und in den 8 Stunden 8.000 statt früher 800 Stück produzieren zu lassen. ... Die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, innerhalb der kapitalistischen Produktion, bezweckt, den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter für sich selbst arbeiten muss, zu verkürzen, um gerade dadurch den anderen Teil des Arbeitstags, den er für den Kapitalisten umsonst arbeiten kann, zu verlängern.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 339f.


    Die rasch steigende Arbeitsproduktivität in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erlaubte den Kapitalisten auch die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter. Nehmen wir an, der durchschnittliche Arbeitstag teilt sich in 60% notwendige, bezahlte Arbeitszeit und 40% unbezahlte Mehrarbeit, dann bekommen die Lohnarbeiter 60% der von ihnen geschaffenen Produkte als Lohn, 40% der geschaffenen Werte entfallen als Mehrwert in die Hände der Kapitalisten.
    Dann steigt die Arbeitsproduktivität durch technologische Modernisierung um 10% auf 110.
    Unter gleichbleibenden Bedingungen erhalten die Lohnarbeiter dann 60% von 110, macht 66. Die Kapitalisten erhalten 40% von 110, macht 44. Mehrwert und Lohn sind gestiegen - ohne Klassenkampf.


    Der "wachsende Kuchen" durch Steigerung der Arbeitsproduktivität ist das Feld der Sozialdemokraten und aller "Verteilungssozialisten". Sie bauen auf eine schrittweise Verbesserung der Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter durch ständige Steigerung der Arbeitsproduktivität. Leider ist diese linke Hoffnung auf Sand gebaut. Innerhalb des Kapitalismus führt die Steigerung der Arbeitsproduktivität unweigerlich zu einem Sinken der durchschnittlichen Profitraten. Das liegt daran, dass die Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Regel nur durch Anwachsen des konstanten Kapitalteils zu schaffen ist. Ohne Investitionen in modernere Technik sind Produktivitätssteigerungen nicht zu haben. Sobald die moderne Technik zum allgemeinen Standard geworden ist, sinkt die allgemeine Profitrate. Die größere Produktionsmenge entspricht nicht mehr einem größeren Wert.


    Mit sinkender Profitrate sinkt dann auch die Investitionsrate in der kapitalistischen Kernzone. Der zu verteilende "Kuchen" wächst langsamer - oder gar nicht. Das entzieht den Kapitalisten und den Verteilungssozialismus jeden Spielraum. Die Linken nennen das "Neoliberalismus" und meinen, sie könnten wachsende Verteilungsspielräume an- und ausknipsen wie einen Lichtschalter.


    „Kein Kapitalist wendet eine neue Produktionsweise, sie mag noch so viel produktiver sein oder um noch so viel die Rate des Mehrwerts vermehren, freiwillig an, sobald sie die Profitrate vermindert. Aber jede solche neue Produktionsweise verbilligt die Waren. Er verkauft sie daher ursprünglich über ihrem Produktionspreis, vielleicht über ihrem Wert. Er steckt die Differenz ein, die zwischen ihren Produktionskosten und dem Marktpreis der übrigen, zu höheren Produktionskosten produzierten Waren besteht. Er kann dies, weil der Durchschnitt der zur Produktion dieser Waren gesellschaftlich nötigen Arbeitszeit größer ist als die mit der neuen Produktionsweise nötige Arbeitszeit. Seine Produktionstechnik steht über dem Durchschnitt der gesellschaftlichen. Aber die Konkurrenz verallgemeinert sie und unterwirft sie dem allgemeinen Gesetz. Dann tritt das Sinken der Profitrate ein ..., das also ganz und gar unabhängig ist vom Willen der Kapitalisten.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 275.


    „Der Widerspruch, ganz allgemein ausgedrückt, besteht darin, dass die kapitalistische Produktionsweise eine Tendenz einschließt nach absoluter Entwicklung der Produktivkräfte, abgesehen vom Wert und dem in ihm eingeschlossenen Mehrwert, auch abgesehen von den gesellschaftlichen Verhältnissen, innerhalb deren die kapitalistische Produktion stattfindet; während sie andererseits die Erhaltung des existierenden Kapitalwerts und seine Verwertung im höchsten Maß (d. h. stets beschleunigten Anwachs dieses Werts) zum Ziel hat. Ihr spezifischer Charakter ist auf den vorhandenen Kapitalwert als Mittel zur größtmöglichen Verwertung dieses Werts gerichtet. Die Methoden, wodurch sie dies erreicht, schließen ein: Abnahme der Profitrate, Entwertung des vorhandenen Kapitals und Entwicklung der Produktivkräfte der Arbeit auf Kosten der schon produzierten Produktivkräfte.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 259.


    „Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Möglichkeit beständiger Erweiterung ihres Reproduktionsprozesses hängt ... nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ihrer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Produktionsbedingungen, worin sie sich vollzieht. Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktions-weisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern, aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 828.


    Gruß Wal Buchenberg

  • Die rasch steigende Arbeitsproduktivität in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erlaubte den Kapitalisten auch die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter. Nehmen wir an, der durchschnittliche Arbeitstag teilt sich in 60% notwendige, bezahlte Arbeitszeit und 40% unbezahlte Mehrarbeit, dann bekommen die Lohnarbeiter 60% der von ihnen geschaffenen Produkte als Lohn, 40% der geschaffenen Werte entfallen als Mehrwert in die Hände der Kapitalisten.
    Dann steigt die Arbeitsproduktivität durch technologische Modernisierung um 10% auf 110.
    Unter gleichbleibenden Bedingungen erhalten die Lohnarbeiter dann 60% von 110, macht 66. Die Kapitalisten erhalten 40% von 110, macht 44. Mehrwert und Lohn sind gestiegen - ohne Klassenkampf.


    Der "wachsende Kuchen" durch Steigerung der Arbeitsproduktivität ist das Feld der Sozialdemokraten und aller "Verteilungssozialisten". Sie bauen auf eine schrittweise Verbesserung der Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter durch ständige Steigerung der Arbeitsproduktivität. Leider ist diese linke Hoffnung auf Sand gebaut. Innerhalb des Kapitalismus führt die Steigerung der Arbeitsproduktivität unweigerlich zu einem Sinken der durchschnittlichen Profitraten. Das liegt daran, dass die Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Regel nur durch Anwachsen des konstanten Kapitalteils zu schaffen ist. Ohne Investitionen in modernere Technik sind Produktivitätssteigerungen nicht zu haben. Sobald die moderne Technik zum allgemeinen Standard geworden ist, sinkt die allgemeine Profitrate. Die größere Produktionsmenge entspricht nicht mehr einem größeren Wert.

    Alles, was ich jetzt anmerke richtet sich nur gegen den letzten Satz!


    Marx sagt über den Zusammenhang zwischen Produktivkraftentwicklung und produzierbarer Wertmasse folgendes:


    „Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt.“ MEW Bd. 23, S. 60, 61


    Steigende Arbeitsproduktivität drückt sich also nicht automatisch in einem gesunkenen Wert der vergrößerten Warenmenge aus!! Dieselbe Arbeitsmenge erzeugt immer den gleichen Wert, unabhängig von der Masse der damit produzierten Ware. Die Wertmenge ist allein abhängig von der Zahl der gleichzeitig beschäftigten LohnarbeiterInnen und der Zeit, die sie arbeiten, täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich. (Auf die Arbeitsintensität geh ich mal nicht ein, weil die Sache da etwas komplizierter scheint, wenn man Marx folgt.) Was sich unmittelbar ändert ist nur die Menge an Waren, in denen sich die Arbeit darstellt.


    Dass die größere Arbeitsproduktivität sich im Fall der Profitrate ausdrückt hat doch lediglich damit zu tun, dass der variable Kapitalteil im Verhältnis zum konstanten sinkt, also der Mehrwert im Verhältnis zur gesamten Wertmasse. So mein Verständnis von Marx. Diese kann aber auch steigen, bei steigender Arbeitsproduktivität, sie muss sogar steigen, wenn die Profitmasse steigen soll und die muss steigen, damit die Akkumulation bei sinkender Profitrate überhaupt dynamisch fortgesetzt werden kann. Wäre es so, wie dein letzter Satz unterstellt, dann dürfte das BIP doch gar nicht mehr wachsen können. Steigende Arbeitsproduktivität im Kapitalismus drück sich also aus in sinkender Profitrate bei wachsender Wertmasse.


    Das Problem der „Verteilungssozialisten“ liegt denn meiner Meinung nach auch eher darin, dass sie diesen Zusammenhang nicht sehen, einfach auf die steigende Wertmasse schielen, ohne auch nur zu ahnen, dass die sinkende Profitrate ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn sie nämlich wirklich die wachsend Wertmasse zugunsten der LohnarbeiterInnen umverteilen könnten und würden, dann würde die Profitrate noch weiter abschmieren. Auf Seiten des Kapitals entwickelt sich die gegenteilige Forderung, der sich die „Umfairteiler“ auch sofort beugen, wenn sie denn Macht haben … immer im Interesse des Ganzen, also der kapitalistischen Produktionsweise.


    Nur so nebenbei:
    Die „fundamentale Wertkritik“ sich das „historische Verdienst“ erworben, genau diesen Zusammenhang – nämlich, dass die Produktivität der Arbeit unmittelbar nur die konkret nützliche Arbeit betrifft – zu verdunkeln, worauf ihre ganze Theorie der „finalen Krise“ beruht (dass angeblich Wert- und Mehrwertmasse gar nicht mehr steigen können).


    Herzlichen Gruß

  • Hallo Rentner,
    meinen letzten Satz will ich dank deiner wertvollen Kritik nicht weiter verteidigen. Denke dir diesen Satz gestrichen. Aber der Zusammenhang zwischen der Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Lebenslage der Lohnarbeiter scheint mir doch noch tiefere Überlegungen wert.


    Das 20. Kapitel des „Kapitals“ ("Nationale Verschiedenheit der Arbeitslöhne") beginnt Marx mit den Worten:
    „Im fünfzehnten Kapitel (Größenwechsel von Preis der Arbeitskraft und Mehrwert) beschäftigten uns die mannigfachen Kombinationen, welche einen Wechsel in der absoluten oder relativen (d. h. mit dem Mehrwert verglichenen) Wertgröße der Arbeitskraft hervorbringen kann, während andererseits wieder das Quantum von Lebensmitteln, worin der Preis der Arbeitskraft realisiert wird, von dem Wechsel dieses Preises unabhängige oder verschiedene Bewegungen durchlaufen konnte....“ MEW, 23, 583.


    Nach Meinung von Karl Marx sind also in diesem 15. Kapital erschöpfend alle Fälle behandelt, die irgendwelche Veränderungen der Ausbeutungsverhältnisse (v : m) – mit oder ohne Lohnänderung betreffen.


    Eigentlich müsste dieses 15. Kapitel des „Kapitals“ für jeden Lohnkampf und für jede Umverteilungsforderung zu Rate gezogen werden. Leider blieb dieses 15. Kapitel (soweit ich das überblicken kann) bisher in der innerlinken Gewerkschafts-Diskussion völlig unbeachtet.


    Der 1. Fall, den Marx im 15. Kapitel untersucht ist:
    „Größe des Arbeitstages und Intensität der Arbeit konstant, Produktivkraft der Arbeit variabel“. Das ist unser Thema in diesem Thread.


    Marx schreibt dort unter anderem:
    „Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch den Wert eines bestimmten Quantums von Lebensmitteln. Was mit der Produktivkraft der Arbeit wechselt, ist der Wert dieser Lebensmittel, nicht ihre Masse. Die Masse selbst kann, bei steigender Produktivkraft der Arbeit, für Arbeiter und Kapitalist gleichzeitig und in demselben Verhältnis wachsen ohne irgendeinen Größenwechsel zwischen Preis der Arbeitskraft und Mehrwert.“ MEW 23, 545.


    „Der Preis der Arbeitskraft könnte so bei steigender Produktivkraft der Arbeit beständig fallen mit gleichzeitigem, fortwährendem Wachstum der Lebensmittelmasse des Arbeiters. Relativ aber, d. h. verglichen mit dem Mehrwert, sänke der Wert der Arbeitskraft beständig und erweiterte sich also die Kluft zwischen den Lebenslagen von Arbeiter und Kapitalist.“
    MEW 23, 546.


    In meiner Kurzfassung des Kapitals hatte ich das so kommentiert:


    "Da die Produktmenge eines Arbeitstages und das darin verkörperte Wertprodukt sich in verschiedene Richtungen entwickeln können, so auch die Menge der Pro­dukte, die in den Konsum der Arbeiter eingehen, und der Wert der Ware Arbeits­kraft, die sich in dieser Menge verkörpert.
    Die Produktmenge, die in den Konsum der Lohnarbeiter eingeht, bestimmt ihren Le­bensstandard. Der Wert der Ware Arbeitskraft ist davon verschieden und bestimmt die Ausbeutungsrate.
    Der Lebensstandard (= Konsummenge) der Arbeiter kann steigen, fallen oder gleich bleiben, wenn ihre Ausbeutung zunimmt, fällt oder gleich bleibt.


    1. Größe des Arbeitstages und Intensität der Arbeit konstant, Produktivität der Arbeit variabel.
    Das war die Situation, die wir zum Beispiel in den 50er- und 60er-Jahren in Deutschland hatten: Die Arbeitszeit wurde nicht verändert, und die Produktivität stieg. Als Ergebnis konnte die Menge der Produkte zunehmen, die in den Konsum der Arbeiter einging, ohne dass damit der Wert der Ware Arbeitskraft stieg, weil die Arbeiter mit gleichem oder geringerem Kraftaufwand in gleicher Zeit eine größere Masse von Produkten produzierten. Ein Teil dieser zusätzlichen Produktmenge ging in den Konsum der Arbeiter ein. Diese zusätzliche Produktmenge repräsentierte aber weniger Wert, als die Arbeitskraft an Wert verloren hatte. Der Mehrwert der Kapitalisten und damit die Ausbeutung stieg." (Seite 108)


    Wie die offiziellen Zahlen der Lohnquote zeigen, ist dieser mein letzter Satz wohl falsch.


    Nochmal: Der Wert der Ware Arbeitskraft kann bei steigender Arbeitsproduktivität fallen, steigen oder gleichbleiben, auch wenn sich die Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter verbessern. - Das war die Lage 1950ff.


    Jetzt haben wir die Lage, dass die Arbeitsproduktivität in Deutschland stagniert. Das muss dazu führen, dass die Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter in Konsumgüter gemessen stagnieren - vorausgesetzt der Wert der Ware Arbeitskraft (und damit die Lohnquote) bleiben gleich. Allerdings deutet auch einiges darauf dass der Wert der Ware Arbeitskraft gegenwärtig sinkt.


    Ich denke, die Lohnquote (von Wikipedia Alex 1011) gibt über den WERT DER WARE ARBEITSKRAFT Auskunft. Die Bewegung der Lohnquote zeigt, dass der Wert der Ware Arbeitskraft ab 1950 gestiegen ist und seit 1975 fällt.



    Die Lohnquote gibt jedoch keine Auskunft darüber, wie groß das Quantum Lebensmittel ist, das in den Konsum der Lohnarbeiter eingeht. Sie gibt keine Auskunft darüber, ob die Lohnarbeiter mehr oder weniger Konsummittel bekommen. Um darüber Auskunft zu erhalten, müssen wir die Lohnquote als Prozentsatz des realen Wirtschaftswachstum berechnen und mit dem Vorjahr vergleichen, ob der absolute Anteil der Lohnarbeiter am BIP gestiegen ist oder nicht.
    In den Goldenen Jahres des Kapitalismus stieg die Lohnquote bezogen auf einen rasch wachsenden "Wirtschaftskuchen". Die Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter hatten sich bedeutend verbessert.
    Seit einigen Jahren SINKT die Lohnquote, das heißt der Wert der Ware Arbeitskraft sinkt. Aber die (durchschnittlichen) Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter SINKEN derzeit NICHT. Sie stagnieren. Das kommt daher, weil bei (noch) steigender Arbeitsproduktivität ein gewisser Teil dieser Zusatzprodukte in den Konsum der Lohnarbeiter eingehen.


    Im Jahr 1980 betrug das BIP 1 Billion Euro, davon bekam die Lohnarbeiterklasse 70% Lohnquote = Waren im Wert von 700 Mio Euro.
    Im Jahr 2000 betrug das BIP 2,1 Billion Euro, davon bekam die Lohnarbeiterklasse 66% Lohnquote = Waren im Wert von 1.320 Mio Euro.
    Im Jahr 2014 betrug das BIP 2,73 Billion Euro, davon bekam die Lohnarbeiterklasse 65% Lohnquote = Waren im Wert von 1.774 Mio Euro.
    (Zu bedenken ist dabei die wechselnde Gesamtgröße der Lohnarbeiterklasse und auch das Problem, dass alle Managergehälter, die überwiegend zum Mehrwert zu rechnen sind, in diese offizielle Lohnsumme eingerechnet sind.)


    Diese Zahlen besagen: Der Wert der Ware Arbeitskraft ist gesunken, die Lebensverhältnisse der Lohnarbeiter (gemessen im Umfang der Lebensmittel) haben sich insgesamt gebessert.


    Ich bilde mir nicht ein, hier die ultimative Erklärung der Wechselverhältnisse zwischen Lohn, Produktivkraft und Mehrwert gegeben zu haben, aber da diese Fragestellung immer noch einen blinden Fleck, eine terra incognita, in der linken Theoriediskussion darstellt, hilft meine jetzige Darstellung vielleicht als Leitersprosse, die anderen zu einer besseren, richtigeren Darstellung dienen kann.


    Herzlichen Gruß zurück!
    Wal Buchenberg

  • Alles, was ich jetzt anmerke richtet sich nur gegen den letzten Satz!
    Marx sagt über den Zusammenhang zwischen Produktivkraftentwicklung und produzierbarer Wertmasse folgendes:


    „Produktivkraft ist natürlich stets Produktivkraft nützlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckmäßiger produktiver Tätigkeit in gegebnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher reichere oder dürftigere Produktenquelle im direkten Verhältnis zum Steigen oder Fallen ihrer Produktivkraft. Dagegen trifft ein Wechsel der Produktivkraft die im Wert dargestellte Arbeit an und für sich gar nicht. Da die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbeit angehört, kann sie natürlich die Arbeit nicht mehr berühren, sobald von ihrer konkreten nützlichen Form abstrahiert wird. Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeiträumen stets dieselbe Wertgröße, wie immer die Produktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitraum verschiedene Quanta Gebrauchswerte, mehr, wenn die Produktivkraft steigt, weniger, wenn sie sinkt.“ MEW Bd. 23, S. 60, 61


    Steigende Arbeitsproduktivität drückt sich also nicht automatisch in einem gesunkenen Wert der vergrößerten Warenmenge aus!! Dieselbe Arbeitsmenge erzeugt immer den gleichen Wert, unabhängig von der Masse der damit produzierten Ware. Die Wertmenge ist allein abhängig von der Zahl der gleichzeitig beschäftigten LohnarbeiterInnen und der Zeit, die sie arbeiten, täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich. (Auf die Arbeitsintensität geh ich mal nicht ein, weil die Sache da etwas komplizierter scheint, wenn man Marx folgt.) Was sich unmittelbar ändert ist nur die Menge an Waren, in denen sich die Arbeit darstellt.


    Hallo,
    ich glaube hier liegt ein Mißverständnis vor. Produktivkraft, Arbeitsproduktivität beziehen sich nicht allein auf das variable Kapital sondern schließen das konstante Kapital mit ein. Die Arbeitsproduktivität fließt aber in die Arbeitsmenge (variables Kapital) ein und hat somit m.E. durchaus einen Einfluß auf die Größe des Werts. Es kommt also beim Wert nicht nur darauf an, wie viel Lohnarbeiter gleichzeitig beschäftigt sind, sondern auf die Art der Arbeit bzw. deren Zusammensetzung (Kopf, Hand) und die angewendete Arbeitsproduktivität an.
    Gruß Jens


    Edit: Hallo Jens, geh bitte nochmal in den Bearbeitungsmodus und klicke links oben im Menü das Viereck "BBCode" an und schau dir die Stuktur des Textes an. NACH dem Zitat und VOR deinem Kommentar muss ein "[/quote]" stehen. Ich hatte das jetzt korrigiert. Gruß w.b.

  • @Jens


    1. Hier geht’s um den Wert der Ware Arbeitskraft, der durch die jeweils notwendigen Reproduktionskosten bestimmt ist, und die Veränderung von diesem, wenn sich die Produktivkraft der Arbeit verändert.


    2. Die Wertgröße des Warenwertes hingegen wird durch die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitszeit gemessen. Die Arbeitsproduktivität geht nicht in die Arbeitsmenge ein, sondern beschreibt das Verhältnis von Arbeitsmenge und Arbeitseinsatz. Ihre Änderung beeinflusst die Wertgröße insoweit, weil dann die g.d.n. Arbeitszeit zur Erzeugung der gleichen Ware steigt oder fällt.


    3. Der Wert ist eine abstrakte Größe. Deshalb „kommt es n i c h t darauf an“ wie viel Lohnarbeiter gleichzeitig beschäftigt sind oder wie die Arbeit zusammengesetzt ist oder wie viel Arbeiter welche konkrete Menge erzeugen sondern wie folgt beschrieben:


    Betrachten wir nun das Residuum der Arbeitsprodukte. Es ist nichts von ihnen übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unerschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte.“ (MEW 23, S. 52)

  • Hallo jialing,
    die Arbeitsmenge, habe ich als Begriff im Zusammenhang mit der Werttheorie nicht gefunden. So verstehe ich sie so, wenn dieser Begriff hier verwendet wird, dem variablem Kapital zugehörig und konsequenterweise muß sie sich im Mehrwert als unbezahlter Arbeitsteil auch wiederfinden.
    Was für Dich, das Verhältnis von Arbeitsmenge und Arbeitseinsatz sein soll, müsstest Du erläutern.
    Mir ist nur bekannt, das die Arbeitsproduktivität (die gegebene Produktivkraft) das Verhältnis (also die Zusammensetzung) von variablem und konstantem Kapital beeinflusst.
    Arbeit ist der einzig wertschaffende Teil innerhalb der Werttheorie. Wenn es da nicht auf die (unterschiedlichen) Bestandteile ankommt, was zählt denn dann?
    Gruß Jens

  • Gut Jens, nochmal zur Arbeitsmenge und zur begrifflichen Klarstellung. Die wird von dir anders verstanden als es von mir gemeint war . Bei dir ist damit die Anzahl der Arbeiter oder die Größe des Arbeitseinsatzes gemeint und ich wollte damit die Menge der hergestellten Waren ausdrücken. Das war hinsichtlich meiner Erklärung blöd und sicher verwirrend. Also noch mal eindeutig: die Arbeitsproduktivität drückt das Verhältnis von eingesetzter Arbeit bzw. Arbeitszeit und dem mit dieser hergestellten Quantum Gebrauchswerte aus.


    In dem Unterkapitel von Marx geht es ja um den Doppelcharakter der Arbeit und die Herausarbeitung des Unterschiedes zwischen der konkret nützlichen und der abstrakten Arbeit: „Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“ (MEW 23, S.61), so sein Resümee. Und in diesem Zusammenhang will Marx klarmachen, dass ein Wechsel der Produktivkraft bzw. der Arbeitsproduktivität nur den konkret nützlichen Teil der Gebrauchswertproduktion betrifft aber nicht den abstrakten Teil der Wertbildung. D. h. bei der Gebrauchswertproduktion kann es beim Wechsel der Produktivkraft durchaus zu einer anderen Zusammensetzung von v, c, und m kommen, aber die Wertgröße selbst ist davon nicht betroffen. D. h. ferner, die Wertgröße kann nur durch die absolute Veränderung der Arbeit bzw. Arbeitszeit zu oder abnehmen.


    Bsp.:


    a) 10 Arbeiter stellen in 8 Stunden x Gebrauchswerte her, deren Wertgröße ausgedrückt in Geld 1000 € betragen soll.


    b) Wenn sich die Arbeitsproduktivität nun verdoppelt stellen die die 10 Arbeiter in 8 Stunden nun 2 x Gebrauchswerte her. Weil aber die abstrakte Arbeit zur Herstellung des gleichen Gebrauchswertbündels umgekehrt proportional abgenommen, also sich halbiert hat, ist die Wertgröße gleich geblieben. Das gilt hier für jeden Wechsel der Arbeitsproduktivität. Die Wertgröße bleibt innerhalb deselben Verhältnisses bleibt stets 1000€.


    c) Anders, wenn sich gleichzeitig auch die Arbeiterzahl verdoppeln würde, dann würden 20 Arbeiter in 8 Stunden 4x Gebrauchswerte herstellen. Unter Berücksichtigung der Verdopplung der Arbeitsproduktivität würde dann die Wertgröße 2000€ betragen (aber nicht wegen der Zunahme der Arbeitsproduktivität sondern wegen der absoluten Zunahme der Arbeiter und damit der abstrakten Arbeit, die sich verdoppelt hat. Das gleiche gilt im umgekehrten Fall, wenn nur 5 Arbeiter in 8 Stunden x Gebrauchswerte herstellen. Die Wertgröße wäre dann 500€.



    Man muss also oft genau zwischen konkret nützlicher und abstrakter Ebene unterscheiden, wenn man richtige Aussagen über ökonomische Sachverhalte machen will. Wenn du hingegen von der Arbeit als „einzig wertschaffendem Teil“ sprichst, machst du das gerade nicht. Dann unterscheidest du nicht zwischen konkret nützlicher und abstrakter Arbeit. Aber auf letztere kommt es bei der Erklärung des Wertes an und nicht auf v, c oder m (auf die kommt es u. a. bei der Preis- und Profitbildung im 3. Band an). Vom Konkreten muss bei der Erklärung des Wertes bzw. der Wertgröße abgesehen werden. Vielleicht hilft auch das folgende Zitat weiter:


    Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützlicher Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit.“ (MEW 23, S. 52)


    Gruß zurück

  • Hallo jialing,
    es ist richtig, das ein Arbeitsprozess immer ein konkret nützlicher Prozess ist. Die gegebene Produktivkraft (Arbeitsproduktivität) entscheidet dabei über den Produktionsausstoß, Du nennst ihn Warenmenge. Wenn wir von der konkret nützlichen Arbeit reden, dann nenne ich das Produktionsergebnis lieber Gebrauchsgüter oder Dienstleistungen. Mit Warenmenge schlagen wir nämlich gleich die Tür zur Wertproduktion auf und vermengen 2 Sachverhalte.
    Die Produktivkraft gehört natürlich zur konkret nützlichen Arbeit, ich habe mich da auch etwas blöd ausgedrückt.
    Produktion bzw. Produktivkraft werden im Kapitalismus zum Mittel der Kapitalverwertung die in einer faktischen Wertbildung mündet. Die konkrete Produktion, geht in den abstrakten Prozess der Kapitalverwertung ein. Ändert sich die Produktivkraft durch gestiegene Arbeitsproduktivität, ändert sich der Wert mit seinen einzelnen Bestandteilen. Die konkret nützliche Arbeit ist dann nicht mehr dieselbe, das schlägt sich auch in der Kapitalverwertung nieder und der Wert kann unter diesen Umständen wohl kaum der Gleiche sein
    Gruß Jens

  • Jens


    1. Ich habe in meinem letzten Beitrag die Arbeitsproduktivität genau definiert. Also nochmal AP = Quantum der Gebrauchswerte / Quantum an konkret nützlicher Arbeit. Und damit ist nur die konkrete Sphäre der Warenproduktion betroffen und nicht die abstrakte Sphäre der Wertbildung. Da wird nichts vermengt.


    2. Du kommst jetzt mit der Kapitalverwertung an (an der ich, nebenbei, nichts abstraktes feststelle). Ich schließe daraus lediglich, dass dir die Sache mit der Wertbildung immer noch nicht klar ist. Solange du die Wertbildung aber nicht verstanden hast, ist jede weitere Diskussion zum Thema vergeblich Müh'.


    3. Was willst du eigentlich mit deinem Einwand erreichen? Marx hat sich in dem von rentner zitierten Text klar und verständlich ausgedrückt: Wenn die Produktivkraft wechselt, wechselt unter sonst gleichen Bedingungen nicht die Wertgröße. Und warum? das erfährt man, wenn man sich die Mühe macht, das gesamte Unterkapitel („Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit“) zu lesen, zu dem dieses Zitat gehört. Dann erfährt man nämlich, dass bei einer Zunahme/Abnahme der zur Herstellung einer Ware notwendigen Arbeit um x der Wert umgekehrt proportional um 1/x fällt. Wenn also ceteris paribus wegen höherer Produktivkraft doppelt soviel Waren erzeugt werden, bleibt die Wertgröße gleich, weil der Wert der Ware um die Hälfte gefallen ist. Falls du an dieser Aussage tatsächlich was zu bemängeln haben solltest, dann tue es mit den dabei verwendeten Begriffen, aber fasele bitte nicht von etwas, was mit dem hier Besprochenen ganz und gar nichts zu tun hat.


    Gruß - j.

  • Hallo jialing


    Deine erste Antwort an mich, 1. Satz.
    Hier geht´s um den Wert der Ware Arbeitskraft, der durch die jeweiligen Produktionskosten bestimmt ist, und die Veränderung von diesem, wenn sich die Produktivkraft der Arbeit ändert.


    weiter Zitat j:
    Und in diesem Zusammenhang will Marx klarmachen, das ein Wechsel der Produktivkraft bzw. Arbeitsproduktivität nur den konkret nützlichen Teil der Gebrauchtwertproduktion betrifft aber nicht den abstrakten Teil der Wertbildung.


    War das ein Test, ob ich es bemerke oder faselst Du auch nur irgendwas?


    Arbeit ist nicht der wertschaffende Teil?


    An der Kapitalverwertung gibt es nichts Abstraktes festzustellen?


    Die Bestandteile der Abstrakten Arbeit, bestehen nicht aus konkreter Arbeit?



    Das Du Dich in Ungereimtheiten verzettelst, wäre kein Problem, das kann passieren. Oberlehrerhaftes Getue und Pöbelei muß sich niemand antun.
    Tschüss

  • Jens,


    wenn du verstanden hättest, wie sich der Wert bildet, durch was seine Größe bestimmt ist, was seine Substanz ist, würdest du auch verstehen, dass die beiden Zitate sich nicht widersprechen, dass Arbeit kein wertschaffender Teil ist, dass die Bestandteile der abstrakten Arbeit Herz, Hirn, Muskel, Nerv bzw. pure Mühe und Anstrengung sind und gewiss nicht die konkrete Arbeit. Also alles falsch bei dir ist - und ich nenne das Faselei: über etwas daherreden, von dem man nichts genaues weiß. Das zu erwähnen ist keine Pöbelei, sondern ein Hinweis darauf, sich entweder mit der Sache einmal ernsthaft auseinanderzusetzen statt trotzig zu reagieren.


    Marx geht es in dem Unterkapitel zum Doppelcharakter der Arbeit darum, klar zumachen, das der „Springpunkt“ zum Verständnis der kapitalistischen Reproduktionsweise, das Verständnis des Doppelcharakters der Arbeit ist, weil sich hieraus a) das gesellschaftliche Verhältnis als ein Verhältnis im Rahmen oder auf der Grundlage der abstrakten Arbeit und b) sich die kapitalistische Produktionsweise als eine dem Zweck der abstrakten Reichtumsvermehrung dienende Produktionsweise erklären lässt. Wobei dies aber stets auf dem Boden der konkret nützlichen Arbeit abläuft, weil eben auch kapitalistisches Produzieren dazu zwingt, konkret nützliche Güter herzustellen, auch wenn das nicht der Zweck der Sache und eigentlich nur lästig ist.


    Die Kapitalisten treten ja ursprünglich als Besitzer des abstrakten Reichtums, des Geldes, auf. Allein den wollen sie vermehren, wenn sie sich über den Umweg der Produktion Produktionsmittel anschaffen. Ihnen kann es also nur darum gehen, aus dem abstrakten Teil der Arbeit, der reinen Mühe und Anstrengung, soviel wie möglich herauszuholen, wobei die konkret nützliche Arbeit so organisiert sein muss, damit dies gelingt, was insbesondere heißt, das die Menschen als doppelt freie Arbeiter gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft als Potential und ausbeutbare Quelle für Mühe und Anstrengung zu verdienen, weshalb sie vor allem nicht Eigentümer der Produktionsmittel werden dürfen.


    Es ist also notwendig zu verstehen, dass die konkret nützliche und die abstrakte Arbeit einerseits eine Einheit bilden, sie aber bei der Analyse der kapitalistischen Reproduktion - auch hinsichtlich der Produktivkraftentwicklung - immer schön auseinanderzuhalten zu halten sind, wenn man nicht zu falschen Schlüssen kommen will. So haben die Ökonomen diesen Unterschied gleich gar nicht kapiert und finden es toll, dass es „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ gibt, die traditionelle Arbeiterbewegung hat nur das Wert schaffende der Arbeit gesehen, dabei den Wert mit Substanz verwechselt und so den Lohnarbeiter zum Helden und fortschrittlichen Subjekt der Geschichte stilisiert, und die Wertkritiker haben nur noch das Abstrakte sehen wollen und daraus einen Verblendungspopanz gemacht, unter dem die Lohnarbeiter vor sich hin duseln, wobei sie glauben, dass die Produktivkraftentwicklung von alleine, also ohne ein revolutionäres Subjekt, dafür sorgt, dass die notwendige Arbeit sich bis zur Bedeutungslosigkeit verringert und damit auch die allgemeine Wertgröße (zumindest relativ zur Gesamtwarenmenge), womit irgendwann auch der ganze abstrakte Popanz sein Ende finden würde. Dass dieser Automatismus nicht funktionieren muss, das hat rentner u. a. klar gemacht.

  • Hallo jialing,
    offensichtlich hast Du nicht gelernt, wie man eine Diskussion führt. Auf Anderen herumzutreten, sie zu beleidigen oder auf sie herabzusehen, ist ein Stil, den ich und sicher jeder Andere hier sich nicht antun werden.
    Du bist hier nicht im Parteilehrjahr und es gibt hier keine Einheitsmeinung. Meinungsverschiedenheiten können hier auch nicht der Anlaß für Ausfälle sein, wie Du sie praktizierst.


    Ich glaube, das es nicht viel Sinn macht, trotzdem reiche ich dieses Zitat nach:


    Der Arbeiter setzt dem Arbeitsgegenstand neuen Wert zu durch Zusatz einer bestimmten Menge Arbeit, abgesehen vom bestimmten Inhalt, Zweck und technischen Charakter seiner Arbeit. MEW 23, 214


    Tschüß

  • Ich glaube, das es nicht viel Sinn macht, trotzdem reiche ich dieses Zitat nach:


    "Der Arbeiter setzt dem Arbeitsgegenstand neuen Wert zu durch Zusatz einer bestimmten Menge Arbeit, abgesehen vom bestimmten Inhalt, Zweck und technischen Charakter seiner Arbeit." MEW 23, 214


    Oh doch, es macht Sinn, denn da steht nämlich das, was ich dir mit viel Mühe versuche, klar zu machen. Es geht eben nicht um die Arbeit an sich, sondern um die, bei der von einem „bestimmten Inhalt, Zweck und technischen Charakter seiner Arbeit“ abgesehen wird, also alleine um die abstrakte Seite der Arbeit. Und das ist etwas ganz anderes als wenn man nur Arbeit sagt. Dann sieht man nämlich nur das Gute der Arbeit, wie die Gewerkschaftler, die vom guten Lohn für gute Arbeit reden und nicht das pur Negative, die Anstrengung und Mühe für den Dienst an denen, die die Produktionsmittel besitzen. So, Nachdem du nun selbst ein erklärendes Zitat angeführt hast, ist die Sache für mich vom Tisch.


    Aber noch eines zu Diskussionsstil. Ja man kann Meinungen austauschen, um Neues zu erfahren, um zu wissen was einen verbindet, ob man Ziele gemeinsam erreichen kann usw. . Aber du hast einen wissenschaftlichen Begriff von Marx, den Wert bzw. seine Bildung von meinem Verständnis her falsch dargestellt. Das habe ich kritisiert und begründet, weil ich meine, dass man deine verkehrte Auffassung von der Wertbildung im Interesse der Mitlesenden nicht einfach stehen lassen kann.


    Aber ich weiß auch, wie schwierig die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Mentalitäten im Allgemeinen ist. Darauf hatte ja unsere gute franziska immer hingewiesen und soviel ich weiß, befasst sie sich gerade ausgiebig damit. Also sei mir nicht bös. Aber wenn's um Wissenschaftlichkeit geht, kann's kein wenn und aber geben, dann geht es nur um den wissenschaftlichen Gegenstand und da zählen nur gute Argumente und gute Begründungen bis einem die Sache einleuchtet oder zumindest plausibel ist. Aber persönlich sollten wir die Sache auf keinen Fall nehmen.


    Alles Gute
    jialing