Horst Schulz: Geldschöpfung aus dem Nichts? (Doku)

  • Sarah Wagenknecht behauptet, wie viele andere Ökonomen auch:"Geld entsteht aus dem Nichts, einfach dadurch, dass eine Bank einem Kunden Kredit gewährt." (S. Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, 67).


    Horst Schulz weist auf die Fehler hin, die in dieser Meinungstecken, und erklärt mittels der Marxschen Kapitalkritik, warum Geldschöpfungaus dem Nichts, eine kapitalistische Illusion ist.

  • Ich habe gerade Probleme eine Stelle nachzuvollziehen:


    "Weil die Warenproduzenten bei Strafe ihres Untergangs produzieren und verkaufen müssen, was ihr Zeug hergibt, eilt die Produktion der Konsumtion mit aller Macht voraus und das Angebot immer wieder der zahlungsfähigen Nachfrage, und so verkaufen die Produzenten ihre Ware auf Kredit, also gegen ein bloßes Zahlungsversprechen, und sie geben in dieser Art auch den übrigen Beteiligten den Druck zur Geldproduktion weiter, dem sie selber ausgesetzt sind."


    Ich komme noch so weit, dass von Überproduktion die Rede ist. Aber wer nimmt hier den Kredit, um was genau zu bezahlen? Wer sind die "übrigen Beteiligten" und wieso geben sie "den Druck zur Geldproduktion weiter"?

  • Hallo Alet,
    ja, der Text von Horst Schulz ist ein bisschen selbstverliebt und ausschweifend, enthält aber doch die richtigen Kerngedanken der Sache. Diese Kerngedanken sind folgende:


    "Wer die Geldbewegung und also auch den Bildungsprozess des Geldes analysieren will, wird sich daher die kapitalistische Produktion der Waren (...) ansehen müssen."


    Das ist schon mal ein ganz wesentlicher Gesichtpunkt.
    Hierbei konstatiert Horst Schulz, "... dass ein Kredit kein Geld ist, sondern dass er auch das Geld unterstellt. Kreditgeber und Kreditnehmer müssen doch wissen, wie hoch der Kreditbetrag ist und wie er zurückgezahlt werden soll. Ohne Maß und Zahlungsmittel ist ein Zahlungsversprechen kaum zu machen. Der Kredit ist daher auch für die Banken ihre in Geld ausgedrückte und an ihren Kreditnehmer gerichtete Aufforderung zur kapitalistischen Warenproduktion. Der soll ja zwecks Kreditbedienung nicht nur gesellschaftliche Arbeit in Geldform zustande bringen, sondern in Geldform auch unbezahlte Arbeit, Mehrarbeit auch für die Bank. Ohne Zins gibt sie keinen Kredit."


    Der Kernsatz lautet hier: "Der Kredit ist daher auch für die Banken ihre in Geld ausgedrückte und an ihren Kreditnehmer gerichtete Aufforderung zur kapitalistischen Warenproduktion."


    Ein bisschen konkreter formuliert: Der Kredit, den die Banken an Kapitalisten vergeben, ist ein Vorschuss aller "Sparer", also der gesamten Kapitalistenklasse, an einen einzelnen Kapitalisten, der bei Erhalt dieses Vorschusses zusichern muss, dass er das erhaltene Kapital zu einem bestimmten Satz verzinst und in bestimmter Frist zurückzahlt.

    Die Bank verwaltet, sammelt und verteilt und vermehrt so die ungenutzten Sparguthaben aller Kapitalisten - Sparguthaben, die je für sich zu unbedeutend sind, um als (industrielles) Kapital zu wirken.


    Die Bank schafft kein Geld, sondern sammelt und verwaltet fremdes Geld, das im kapitalistischen Produktionsprozess entstanden ist. Nur dieser Produktionsprozess schafft und vermehrt Werte, die teils die Gestalt von Waren und auch die Gestalt von Geld annehmen.
    Könnte eine Bank Geld aus dem Nichts schaffen, dann gäbe es Millionen Banken und jeder von uns würde sich zum Banker erklären.


    Ja, die Bank vergibt mehr Kredite als die Summe Geldes, die sie verwaltet. Aber dieses "mehr" ist keineswegs beliebig. Alle Kredite, die eine Bank vergibt, stehen im bestimmten Verhältnis zu den Geldern, die eine Bank verwaltet. Dieser "Hebel" liegt bei gutgeführten Banken bei 1 : 10, bei Spekulationsbanken bei 1 : 20.
    Dieser "Hebel" errechnet sich aus dem Zufluss der verwalteten Gelder und dem Rückfluss der vergebenen Kredite. Wenn eine Bank "zusätzliches Geld" verleiht, das sie noch gar nicht hat (angebliches "Geld aus dem Nichts"), dann tut sie das im Vorschuss und im Vorgriff auf die ihr in Zukunft voraussichtlich zufließenden Gelder. Kommt das Geld zurückgeflossen, wie vertraglich versprochen, dann bleibt die Bank solvent. Kommt das Geld nicht zurückgeflossen, wie vertraglich zugesichert, dann hat die Bank Probleme und geht schließlich pleite. Hat eine Bank keinen Zugriff auf fremde Gelder, kann sie auch keine Kredite vergeben.


    Anderswo hatte ich geschrieben: "Geld ist die kapitalistische Form von Macht." Die Kapitalistenklasse als Ganzes kontrolliert und verwaltet alles Geld.
    Die Banken sind nur Dienstleister des Kapitals, keinesfalls die Herren des Kapitals.



    Von jedem Kredit wird erwartet, dass er eine Gewinnbeteiligung abwirft. Der Konsumentenkredit, der an Lohnarbeiter, aber auch an den Staat gegeben wird, ist daher eine eigene Sache.


    Der Gedanke von Horst Schulz, der dir Mühe macht, bezieht sich wohl auf den Konsumentenkredit:


    "Weil die Warenproduzenten bei Strafe ihres Untergangs produzieren und verkaufen müssen, was ihr Zeug hergibt, eilt die Produktion der Konsumtion mit aller Macht voraus und das Angebot immer wieder der zahlungsfähigen Nachfrage, und so verkaufen die Produzenten ihre Ware auf Kredit, also gegen ein bloßes Zahlungsversprechen, und sie geben in dieser Art auch den übrigen Beteiligten den Druck zur Geldproduktion weiter, dem sie selber ausgesetzt sind."

    Der Konsumentenkreditan Staat und Lohnarbeiter ist vom produktiven Kredit abgeleitet und trägt - isoliert betrachtet - nicht zur Klärung der Kreditverhältnisse bei, sondern erschwert eher die Erkenntnis von Zweck und Funktionsweise des Kreditwesens.


    Gruß Wal

  • Die Zinseszinssekten glauben an eine jüdische Weltverschwörung und laufen darauf hin, nur zwischen raffendem und schaffendem Kapital zu unterscheiden. Ob es diese Weltverschwörung tatsächlich gibt, tut deshalb nichts zur Sache, da besonders das erforlgreiche produktive / schaffende Kapital automatisch in spekulative Wett- und Zinsgeschäfte geht, wenn die Nachfrage mangels Geld der Konsumenten fehlt und / oder die Massen einfach nichts mehr haben, weil die Bonzen fast alles Geld von UNTEN abgesaugt haben.
    Interessanterweise hat Marx/ Engels im KAPITAL BAND 3 die Zinsmärchen leicht verständlich ("das znstragende Kapital"" entlarvt. Kurz Ein Kapitalist zahlt gerne 6 Prozent Zinsen, wenn er mit diesem geliehenem Geld / Fremdkapital (BWL-Ausdruck) 10 Prozent Gewinn machen kann.
    Ähnlich siehe auch hier : http://www.marx-forum.de/arbeitswelt/kritik/zinskapital.html


    Als Kleinstsparer möchte ich Zinsen als Entschädigung für meinen Konsumverzicht und evtl. höhere Zinsen, für das evtl. Risiko der Nichtzurückzahlung.
    Zinsen gibt es auch ohne Geld, wenn ich z.B. jemanden das Auto repariere, aber derjenige mir erst vier Jahre später einen Wintermantel schneidert. Für die vier Jahre, die ich friere, wären also noch paar andere Güter als nur der Mantel fällig, zB. etwas Unterwäsche. Wenn nach vier Jahren der Mantel und die Unterwäsche immer noch nicht da sind, wäre auch Entschädigung für die fehlende Unterwäsche in Form von vielleicht von einem Winterschal fällig. Diese Entschädigung also der Schal wäre dann der mystifizierte Zinseszins.
    Zinsen kennt auch jeder Mieter einer Wohnung. Wenn die Jahresmiete (was ist das anderes als Zins) 10 Prozent des Wohnungswertes beträgt, aber der Bankzins nur bei 4 Prozent liegt, ist die Bank doch wesentlich fairer als der Vermieter, und ich kauf die Wohnung auf Kredit und spar die Wuchermiete.
    Klar kenne ich:
    1) zB. meine Eltern in den 60 gern, die durch böse Banken nicht mehr auf die Beine kamen und ich dafür als Kind oft hungern und frieren musste. Meine Eltern waren aber auch die typischen Lumpenproletarier, die mit wenig Arbeit hohen Wohlstand wollten.
    2) die Situation armer Staaten aufgrund der sogenannten Zinsknechtschaft. Denen wurde ABER tatsächlich mit USA GEWALT ein Staatschef vor die Nase gesetzt, der das Land bewusst in die Verschuldung trieb. Die Syrer und ihr Staatschef Bashar Assad, die sich nicht verschulden wollten um westliche Schrottprodukte zu kaufen, werden mal eben mit langjährigen Terror und Krieg überzogen.

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