Gibt es kapitalistische Krisengewinnler?

  • Eine abstruse Verschwörungstheorie meint, kapitalistische Krisen seien bewusst von Kapitalisten herbeigeführt oder gar nur vorgetäuscht, um das lohnabhängige Volk unter Druck zu setzen und durch allerlei Folterinstrumente bis hin zur Machtergreifung von Faschisten zu quälen.


    Tatsache ist, dass – mindestens in Deutschland – die kapitalistischen Profite in der Krise 2008/2009 viel stärker eingebrochen sind als die Lohneinkommen.


    Im Vorkrisenjahr machten alle Kapitalgesellschaften in Deutschland (AGs, GmbHs und Kommanditgesellschaften) einen Gesamtgewinn von knapp 206 Milliarden Euro. Dieser Gewinn schrumpfte um mehr als 40% bis auf gut 120 Milliarden Euro im zweiten Krisenjahr 2009.
    Krisen tun Kapitalisten wirklich weh, und wenn sie könnten, würden sie nur zu gern jede Krise verhindern.


    In der folgenden Grafik werden die Unternehmensgewinne in Deutschland von 2006 bis 2011 getrennt nach Branchen aufgelistet:





    Es zeigt sich: Die Krise traf alle Branchen, aber nicht alle Branchen im gleichen Umfang.


    - Am stärksten betroffen waren die Profite in der Industrie (rote Linie).


    - Der Handel, der vor allem die Reproduktion der Lohnarbeiter abbildet, war von der Krise kaum betroffen.


    - auch alle anderen Branchen kamen ebenfalls mit leichteren Gewinneinbußen durch die Krise.


    Banken gehören mit in die Kategorie „Industrie-Dienstleister“. Diese Dienstleister streichen (2011) rund 14% des Gesamtprofits ein. Auch daraus lässt sich wohl keine „Vorherrschaft der Banken“ ableiten. Siehe dazu das Thema: „Sind Banker die herrschende Klasse?“


    Der kapitalistische Gesamtprofit in Deutschland hatte 2011 mit knapp 190 Milliarden Euro das Vorkrisenniveau immer noch nicht erreicht.


    Gruß Wal Buchenberg

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