Waffen für Kurdistan?

  • Sevim Dagdelen, Bundestagsabgeordneter der Partei „Die Linke“, stellt meines Erachtens richtig fest:
    „Die Entscheidung der Regierung Merkel, Waffen in den Irak zu liefern, ist ein Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik. Wie für die USA sind jetzt für Deutschland allein geopolitische und geostrategische Erwägungen entscheidend, wo, wann und an wen Rüstungsgüter geliefert werden. Das ist das Einschwenken in eine offen imperialistische Außenpolitik.“

    Was ergibt sich daraus für uns Linke ohne staatliches Repräsentationsamt?


    1) Dagdelens Urteil, Waffenlieferungen in den akuten irakischen Konflikt seien ein „Einschwenken in eine offen imperialistische Außenpolitik“, halte ich für richtig.
    Damit werden aber auch linke "antiimperialistische" Vorstellungen zurückgewiesen, die immer schon den bundesdeutschen Nachkriegsstaat als besonders aggressiv, militaristisch und imperialistisch hingestellt haben.
    Tatsache ist, dass sich die Bundesrepublik seit 1945 deutlich weniger und deutlich seltener militärisch engagiert hat als Frankreich, England oder gar die USA. Bei allen internationalen Befragungen war bisher das Ansehen der Bundesrepublik in der Bevölkerung des Auslands höher als das anderer kapitalistischer Staaten.
    Das Problem der Linken ist, dass sie Jahr für Jahr und Woche für Woche gegenüber der deutschen Außenpolitik immer nur geschrieen haben: „Der imperialistische Wolf kommt! Der imperialistische Wolf kommt!“ Nun kommt er tatsächlich, aber kaum jemand nimmt das linke Geschrei ernst.


    2) Die Linke hat noch ein zweites Einfallstor, die ihre Kritik an deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete stumpf macht. Ich habe mich als junger Mensch selbst an Geldsammlungen für Waffenlieferungen an nationale Bewegungen in Afrika beteiligt. Bis vor kurzem wurde noch von Linken in Deutschland für Waffenlieferungen an die kurdische PKK oder an eine ihrer Schwesterorganisationen Geld gesammelt.
    Nun liefert – voraussichtlich – auch die Bundesregierung Waffen an eine kurdische Organisation. Ich denke, es gehört Einiges an linker Sophistik dazu, den einen Fall zu unterstützen und den anderen zu kritisieren.

    Ich denke, beide Waffenlieferungen - an die Peschmerga wie an die PKK-Richtung – sitzen dem gleichen Irrtum auf, dass nämlich eine bewaffnete Organisation in einem fernen Land für die eigene Interessen in Deutschland und Europa - oder gar für unsere Emanzipation kämpfen werde oder mindestens die eigenen Interessen hier befördern würde.
    Dieser Irrtum führte zu amerikanischen Waffenlieferungen an die Taliban und an die Vorläufer von Al-Kaida. Dieser Irrtum führte zur Unterstützung der ISIS-Leute gegen den syrischen Diktatur Assad. Dieser Irrtum führte zur westlichen Unterstützung des bisherigen irakischen Präsidenten Al-Maliki. Dieser Irrtum führte auch zur linken Unterstützung von Leuten wie Robert Mugabe oder Pol Pot.


    3) Ich denke nicht, dass wir uns von der Moral-Diskussion in den deutschen Regierungsmedien beeindrucken lassen sollten. Ja, die ISIS-Leute und ihre Ziele sind schlimm. Aber schlimme Menschen gibt es in aller Welt. Und noch niemals hat man erreicht, alle schlimmen Leute umzubringen. Ganz im Gegenteil: der Versuch, alle schlimmen Leute umzubringen, hat immer dazu geführt, dass mehr und neue Leute schlimm und zu Mördern geworden sind.


    Ich denke, wir sollten begreifen, dass dieser deutsche „Schwenk in eine offen imperialistische Außenpolitik“ kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen des imperialen Niedergangs der USA ist.
    Weil die USA immer weniger in der Lage sind, die Geister, die sie in aller Welt rief, unter Kontrolle zu halten, kommt die herrschende Klasse in Deutschland zu dem Schluss, dass sie sich nicht länger hinter dem schmaler werdenden Rücken der „Schutzmacht“ USA verstecken kann.
    Das heißt aber auch, dass die deutsche Regierung die gescheiterte Interventionspolitik der USA aufgreifen und fortsetzen möchte.
    Es gibt keinen Grund, warum Deutschland und Europa als Weltpolizisten erfolgreicher sein sollten als die USA,
    meint Wal Buchenberg


    In diesem Fragenkomplex: "...und tschüss Imperialismus!"


    Aufstieg und Niedergang des westlichen Kapitalismus

  • Gehen wir davon aus, es hätte im 20. Jahrhundert ein sozialistisches/kommunistisches Vorzeigeland gegeben, wäre es dann falsch gewesen wenn dieses sich um dem NS-Terror entgegenzutreten mit den Westmächten und/oder der Sowjetunion verbündet hätte?


    Klar sollte man sich über die politischen Absichten des Westens keine Illusionen machen (war im Fall des Kampfes gegen den NS-Faschimus ja nicht anders), in dem Fall halte ich Waffenlieferungen für die kurdischen Milizen aber für unterstützenswürdig.


    Im Übrigen sehe ich keine Basis für Verhandlungen mit dem "Islamischen Staat". Die haben sich zum Ziel gesetzt jedwede säkulare Ordnung zu bekämpfen und scheuen vor keinem Mittel zurück. Mit denen in Verhandlung zu treten halte ich für genauso falsch als hätte man dem Dritten Reich einen Verhandlungsfrieden angeboten.

  • Die zu unterstützen, die gegen Waffen(-einsatz) auf allen Seiten(!) sind, halte ich dagegen für unterstützens'würdig'. Dann brauchts gleich keine oder weniger. Leidtragende sind nämlich in erster Linie immer Menschen wie Du und ich @Mario.
    Insofern wäre es vielleicht ganz 'vernünftig', wenn die, die hier ihr Brot in Lohnarbeit mit der Herstellung von Waffen verdienen (müssen), eine Alternative hätten. Erst für die Waffenherstellung und dann für Lohnarbeit...

  • Gehen wir davon aus, es hätte im 20. Jahrhundert ein sozialistisches/kommunistisches Vorzeigeland gegeben, wäre es dann falsch gewesen wenn dieses sich um dem NS-Terror entgegenzutreten mit den Westmächten und/oder der Sowjetunion verbündet hätte?


    Das sind Hätte, Wenn und Aber. Aber soweit hast du recht: Sobald eine Sache Staatsform angenommen hat, ist sie sofort von "Feindstaaten" umgeben. Und dennoch sind auch im 2. Weltkrieg nicht alle Staaten für eine Seite in den Krieg gezogen. Einige davon haben den Krieg unbeschadet überlebt, einige nicht.
    Neutrale Staaten im 2. Weltkrieg: Afghanistan, Andorra, Bhutan, Estland, Irland, Jemen, Lettland, Litauen, Monaco, Nepal, Portugal, San Marino, Schweiz, Spanien, Vatikan.


    Klar sollte man sich über die politischen Absichten des Westens keine Illusionen machen (war im Fall des Kampfes gegen den NS-Faschimus ja nicht anders), in dem Fall halte ich Waffenlieferungen für die kurdischen Milizen aber für unterstützenswürdig.


    Hast du denn Waffen, die du an die Kurden liefern kannst?
    Nein, hast du nicht. Allenfalls liefert die Bundesregierung Waffen.
    Hast du denn Einfluss auf die Bedingungen, die die Regierung für die Waffenlieferungen stellt oder auf die Auswahl der Organisationen, an die die Bundesregierung ihre Waffen liefert?
    Nein, hast du nicht.
    Hast du irgendeinen einen Vorteil, wenn die Kurden von der Bundesregierung Waffen bekommen?
    Nein, hast du nicht. Ganz im Gegenteil, du lieferst den IS-Mördern Argumente frei Haus, dass es keinen Unterschied macht, ob sie deutsche/US-Regierungsvertreter oder einfache Bürger abschlachten.


    Im Übrigen sehe ich keine Basis für Verhandlungen mit dem "Islamischen Staat". Die haben sich zum Ziel gesetzt jedwede säkulare Ordnung zu bekämpfen und scheuen vor keinem Mittel zurück. Mit denen in Verhandlung zu treten halte ich für genauso falsch als hätte man dem Dritten Reich einen Verhandlungsfrieden angeboten.


    Gibt es irgendeinen Grund, warum die IS-Leute mit einem Mario Ahner verhandeln sollen? Worüber denn?
    Du hypostasierst dich hier in die Rolle eines deutschen Regierungsvertreters. Was erreichst du, wenn du in das Gewand eines Regierungsvertreters schlüpfst? Sieht das nicht so aus, als würdest du für eine künftige Rolle üben?
    Im Business gibt es die Redewendung: Man ziehe immer die Kleidung an, die zu dem Job passt, den man haben will.
    Gruß Wal

  • Ich gebe zu, die Bedingungen der Lieferungen und welche Organisationen sie erhalten ist seitens der Lohnabhängigen nicht kontrollierbar. Dennoch bleibt die ethische Frage ob es nicht vielmehr darauf ankommt wer Waffen erhält und zu welchem Zweck gekämpft wird und ob es in diesem Falle nicht legitim ist auf einer Linie mit der herrschenden Klasse zu stehen, auch wenn diese mit ihrer militärischen Unterstützung langfristig andere Projekte verfolgen mag.


    Du verweist im Falle des Zweiten Weltkriegs auf jene Staaten welche ihre Neutralität erklärten. Nur, können wir hier nicht von unterlassener Hilfeleistung sprechen? Ist es eine noble Position sich einfach rauszuhalten, wenn reaktionäre Militaristen, Diktatoren oder religiöse Fundamentalisten Fuß fassen können, Raum gewinnen und dabei auf die Menschenrechte scheißen? Dabei spreche ich nicht davon dass es sinnig wäre stets militärisch vorzugehen, aber im Falle des Irak-Syrien-Kurdistan-Konflikts ist die Kacke ja bereits am dampfen.


    Nehmen wir das Beispiel des Spanischen Bürgerkriegs 1936/39. War es nicht z.B. von erheblichem Einfluss, dass das Frankreich der "Volksfront" den Revolutionären nicht mit Lieferungen unter die Arme griff und die Sowjetunion ihre stalinistischen Verbände und die Achsenmächte die faschistischen Kräffte inklusive Franco breit unter die Arme griffen?

  • Hallo Mario,
    es gibt eine alte Weisheit, die sagt: Wer mit dem Teufel speist, braucht einen langen Löffel.
    Waffenlieferungen in ein Kampfgebiet ist sicherlich ein Essen mit dem Teufel. Weder hast du, noch wir noch die Emanzipationsbewegung in Deutschland einen langen Löffel.
    Das heißt: Durch Waffenlieferungen in den Irak schieben wir ein Ding an, dessen Auswirkungen wir weder übersehen noch beeinflussen können. Ich halte das für unverantwortlich und mit dieser Meinung bin ich nicht allein.
    Bei anderer Gelegenheit hatten wir hier schon einmal über Ethik und Moral diskutiert. Das moralisch Richtige bemisst sich nicht an guten oder bösen Absichten, sondern allein an dem guten oder schlechten Resultat. Ein kluger Kopf meinte: Alles Schlimme in der Welt begann mit guten Absichten.
    Und Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet sind eine schlimme Sache, die den Krieg anheizt und die Zahl der Toten vermehrt. Das wird nicht durch "gute Absichten" geheiligt. Es mag ja sein, dass Linke in diesem einen Fall Sympathien mit den Kurden haben, an die die Waffen geliefert werden sollen. Für die Bundesregierung ist dieser eine Fall aber der Türöffner in eine offen aggressive Außenpolitik. Durch das Exportverbot von Waffen in Krisengebiete, waren bisher der Bundesregierung die Hände etwas gebunden. Du trägst nun dazu bei, dass die Bundesregierung ihre Hände für eine aggressive Außenpolitik freibekommt. Das ist bedauerlich und traurig.


    Das heißt ja nicht, dass wir und die Linke in Deutschland tatenlos zusehen müssen. Es gibt etliche Forderungen, die wir an unsere Regierung stellen können, und die spürbare Auswirkungen auf die Konfliktregion im Nahen Osten haben:
    Zu diesen Forderungen gehört, das PKK-Verbot in Europa aufzuheben. Die kurdische PKK kämpft unter dem Namen YPG (Volksverteidigungsverband) in Syrien gegen den Islamischen Staat wie die Peschmerga im Irak..
    Zu diesen Forderungen gehört, alle Menschen, die vor den IS-Milizen fliehen, in Europa aufzunehmen.
    Zu diesen Forderungen gehört, die Finanziers und Unterstützer des Islamischen Staats (Katar, ??) zu ächten usw.
    All das sind Forderungen, die die Freiheiten unserer Regierung beschneiden und gleichzeitig den Menschen helfen, die in den Konflikt direkt verwickelt sind,
    Gruß Wal

  • Hallo Mario,


    die Frente Popular war ein Wahlsiegbündnis und das hatte mW die Wahl nach Mehrheitswahlrecht gewonnen. Da versuchte also ein Wahlsieger seine gerade errungene Macht zu verteidigen.
    Verstehe mich bitte nicht falsch, nur kann etwas was tatsächlich von (fast) allen so gewollt würde, nicht mit Waffengewalt dauerhaft niedergerungen werden - sorry, 'glaub' ich nicht. Das gelingt mE nur dann nicht nur kurzfristig, wenn das 'andere' ein ordentliches Fundament hat.
    Eine Wahl 'alleine' scheint mir das nicht zu sein.
    Nun haben/hatten wir zwar gerade in Spanien eine lange Tradition des Anarcho-Syndikalismus, aber der schaffte es wohl nicht, die vielen Änhänger in der (Re-)Produktion untereinander zu koordinieren...
    Ob da viel oder weniger Waffen im 'Spiel' sind, lange Lebensdauer ist da (noch einmal sorry) so oder so nicht beschieden. Es gibt den Rückhalt oder nicht - daran ändern Waffen auf längere Sicht: nichts.
    Schade, aber nach meinem bisherigen Kenntnisstand ist das so.


    Liebe Grüße - Wat.

  • Barbarisch ist ISIS, weil der religiöse Kapitalismus religiöse und andere Barbaren systematisch erzeugt


    Ohne Geld und Waffen würden die Figuren der ISIS belämmerte Blödmänner sein und für immer bleiben. Mit Geld und Waffen sind sie so mächtig und bedrohlich, wie jeder private Blödmann, Privatverein, oder Staat, der über diese Mittel ausreichend verfügt. ISIS konnte erst durch einen von Amerika, Europa und kapitalistisch entwickelten arabischen Staaten angezettelten und betreuten Krieg in Syrien groß und gefährlich werden. Unter verrottenden und verrohenden politischen Verhältnissen hat sich dieser Verein durch seine Teilnahme am Krieg in Syrien Geld und damit (moderne) Waffen in rauen Mengen verschaffen können. Letztere werden fast ausschließlich in den entwickelten kapitalistischen Staaten hergestellt. Also ist dieser Verein gleich zweimal das (unerwünschte) Produkt der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen mächtiger kapitalistischer Staaten und passt, neutral und nüchtern betrachtet wunderbar in deren modern-religiöse Welt.


    Weiters brauchen Krieg führende Staaten Blödmänner als Material in Form von Soldaten und Söldnern etc.. Damit sind sie es, die durch die dabei unvermeidliche Gewalt und Brutalität Blödmänner zu praktizierenden brutalen Barbaren erziehen. Brutalinskis in Form der ISIS sind das folgerichtige Produkt (militärischer) Gewalt kapitalistischer Staaten.


    Gegenwärtig ist dieser Verein der Aufsicht der kompetenten kapitalistischen Staaten entgleist. Jener verfolgt gegenwärtig, die verworrene politische Lage für sich zu nutzend, eigene politischen Interessen, insbesondere die Gründung eines „Islamischen Staates“, die sich gegen die politischen Interessen dieser Staaten richten, weil sie den irakischen Staat und die Kurdenregion angreifen, die für die strategischen Ziele (für jeden auf seine Weise) dieser Staaten vorgesehen sind. Und das können sie nicht mehr dulden.


    Also wird dieser Verein zum Gegner, wird entsprechend aufgebaut und den Lohnarbeitern, deren Mitmachen in funktionierenden Demokratien ja unentbehrlich ist, entsprechend als solcher vermittelt. Einige ausgesuchte, ausgiebig dramatisierte und inszenierte Gräueltaten sollen das westliche, moralisch geschulte Herz mit einer solchen Wucht treffen, dass vom Gegner nur noch Barbarei und Grauen übrig bleibt bis selbst noch der friedlichst gesinnte Mensch seinen Verstand ausschaltete und – in Deutschland derzeit in Form von Waffenlieferungen - das Draufschlagen auf solches Barbarentum fordert. Wir hören, dass kein anderer Weg mehr möglich sein soll, um diese Barbarei zu beenden - auch um uns selbst zu schützen, damit sich deren politisch-religiöses System nicht rasant auf der Welt ausbreiten kann.


    Keiner soll auf den Gedanken kommen, dass die Barbarei der ISIS die logische Konsequenz kapitalistischer Barbarei sein könnte. Keiner soll erkennen, dass solche Blödmänner und Brutalinskis, die jeden rücksichtslos wegputzen, der sich ihren Plänen in den Weg stellt, wegen den politischen Machenschaften der maßgebenden kapitalistischen Staaten auf der Welt rumlaufen.


    Schön wäre es deshalb, wenn die Lohnarbeiter endlich mal nicht auf die offizielle Kriegsmoral und Kriegshetze hereinfallen würden und, wie in diesem Fall, nicht nach Waffenlieferungen des Staates rufen würde. Schön wäre es wenn sie versuchten, die wirklichen politischen und militärischen Interessen des Staates verstehen und nicht als Betroffene mitreden zu wollen. Schön wäre es, statt Waffenlieferungen zu fordern, erst einmal zu erkennen, dass die Waffenherstellung nicht als kapitalistisches Geschäft wie jedes andere von einer an sich harmlosen Rüstungsindustrie für friedliche Zwecke betrieben wird, die vor allem dazu dienen soll, den Menschen Brot und Arbeit zu geben, sondern für zielgerichtetes mörderische Handeln vorgesehen ist und dass deren Produkte der Gewaltlogik folgend letzten Endes immer in den Händen - ob ISIS oder Bundeswehr - von irgendwelchen aggressiven Dummbeuteln und Brutalinskis landen.


    Beste Grüße
    Kim


  • Barbarisch ist ISIS, weil der religiöse Kapitalismus religiöse und andere Barbaren systematisch erzeugt.


    Hallo Kim,
    es freut mich, dass du dich auch mal wieder zu Wort meldest! :thumbup:


    Leider finde ich deine Thesen zum Islamischen Staat nicht überzeugend. Ich halte es vielmehr für ein linkes Vorurteil und für linke Bequemlichkeit an Allem und Jedem dem Kapitalismus im allgemeinen und dem US-Kapitalismus im Besonderen die Schuld zuzuschieben.
    Es hat eroberungssüchtige Religions- und Stammesgruppierungen auch vor dem Kapitalismus gegeben. Der Kapitalismus hat weder den Islam erfunden noch den eroberungssüchtigen Islam.
    Vergleiche dazu:
    "Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist "harby", d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen. In diesem Sinne waren die Seeräuberschiffe der Berberstaaten die heilige Flotte des Islam.“ (Karl Marx, Zur Geschichte der orientalischen Frage, New-York Daily Tribune, 15.04.1854, MEW 10, 170.)


    Der angebliche Zusammenhang zwischen Islam und Kapitalismus wird von dir nur nur behauptet, aber nicht aufgezeigt und noch weniger bewiesen. Kannst du denn diesen Zusammenhang aufzeigen oder gar beweisen?



    Ohne Geld und Waffen würden die Figuren der ISIS belämmerte Blödmänner sein und für immer bleiben. Mit Geld und Waffen sind sie so mächtig und bedrohlich, ...


    Die Frage, auf die ich oben hingewiesen habe, war ja gerade: Wofür brauchen und benutzen die IS-Milizen Geld und Waffen? Offenbar nicht für ihre Religionsausübung.
    Ich behaupte: Die IS-Milizen ist eine Bande von Straßenräubern, die ihre Raub- und Eroberungszüge hinter einem religiösen Nebel verstecken und die sich als mafiöser Clan bzw. als Räuberstaat organisieren.
    Die IS-Milizen sind aktuell nur erfolgreicher als vor ihnen Al-Kaida, die Taliban oder islamistische Gruppierungen in Afrika.


    Im übrigen bringt es nichts, wenn du die IS-Leute und Islamisten als "belämmerte Blödmänner" betitelst. Beschimpfungen tragen zur Aufklärung nichts bei. Ich denke auch nicht, dass diese Leute belämmert oder Blödmänner sind. Ich denke, sie haben durchaus ein rationales Interesse und eine interessengebundene Vernunft. Die islamische Religion ist für ihre Interessen und Ziele nur Mittel zum Zweck. Wir teilen ihre Ziele und Interessen nicht, aber können ihnen nicht jede Vernunft absprechen. Wir sollten vielmehr ihre besondere Interessen und ihre spezielle Vernunft begreifen.


    Vergleiche hierzu die Gedanken des chinesischen Philosophen Zhuangzi:
    `Die Gesellen des Räubers Ji fragten ihn einmal: „Braucht ein Räuber Moral?“ „Aber selbstverständlich“, sagte Ji.
    „Ohne Moral kommt er nicht aus. Intuitiv erkennt er, wo etwas verborgen ist, das ist seine Größe.
    Er muss wissen, ob es geht oder nicht. Das ist seine Weisheit.
    Er muss gleichmäßig verteilen, das ist sein Edelmut.
    Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass ein Mann, der es auch nur an deiner dieser Tugenden fehlen lässt, ein großer Räuber wird.“'

    Nach dem Maßstab des Räubers Ji sind die IS-Milizen tatsächlich größere und edlere Räuber als Al-Kaida, die Taliban oder Boko Haram.



    Keiner soll auf den Gedanken kommen, dass die Barbarei der ISIS die logische Konsequenz kapitalistischer Barbarei sein könnte.


    Auch ich komme nicht auf diesen Gedanken. Ich sehe den islamischen Staat nicht als "logische Konsequenz kapitalistischer Barbarei". Der Kapitalismus hat keineswegs alle vorkapitalistische Barbarei ausgelöscht und ersetzt. Allerdings verschafft der Kapitalismus durch seine entwickelte Waffen- und Kommunikationstechnologie jeder Barbarei zusätzliche Energie und Effektivität. Und außerdem schafft der Kapitalismus durch seine globale Polarisierung in Arm und Reich zusätzliche Reibungs- und Angriffsflächen für alle möglichen Weltverbesserer von ganz Rechts bis ganz Links.




    Schön wäre es deshalb, wenn die Lohnarbeiter endlich mal nicht auf die offizielle Kriegsmoral und Kriegshetze hereinfallen würden und, wie in diesem Fall, nicht nach Waffenlieferungen des Staates rufen würde.


    Wer fällt denn in Deutschland darauf herein? Du wünscht dir da was, was längst Realität ist. Die Mehrzahl der Lohnarbeiter in Deutschland ruft keineswegs nach Waffenlieferungen.


    Schön wäre es wenn sie versuchten, die wirklichen politischen und militärischen Interessen des Staates verstehen und nicht als Betroffene mitreden zu wollen. Schön wäre es, statt Waffenlieferungen zu fordern, erst einmal zu erkennen, dass die Waffenherstellung nicht als kapitalistisches Geschäft wie jedes andere von einer an sich harmlosen Rüstungsindustrie für friedliche Zwecke betrieben wird, die vor allem dazu dienen soll, den Menschen Brot und Arbeit zu geben, sondern für zielgerichtetes mörderische Handeln vorgesehen ist ....


    Hierfür meine volle Zustimmung! Allerdings glaube ich, dass deine Darstellung das Verständnis des Konflikts nicht erleichtert. Deshalb bleiben deine Wünsche ein frommer Appell.


    Gruß Wal

  • Erste Anmerkung: Kim redet vom Können solcher Gruppen, das ihnen ermöglicht wird - Wal von den Zwecken.


    Leider reichen gegenüber Unbewaffneten Gewaltbereitschaft und Knüppel, Messer, Macheten, um Massaker beinah beliebigen Ausmasses zu verüben (Ruanda).
    Der Dorfhandwerker, der im hintersten Hindukusch aus 250 selbst zurechtgeformten Teilen Kalaschnikows baut (Metallschrott gibts genug), ist am Ende findig und kenntnisreich genug, auch noch Patronen dafür zu basteln. Das moderne Mittelalter wird dann doch immer wieder unterschätzt...


    Was die Zwecke (oder Ideologien) angeht... so entstehen sie oft genug gerade NICHT an Ort und Stelle, sind oft gerade NICHT das Werk völlig verbohrter Hinterwäldler oder Steppennomaden (auch die sind heut mit Generator, Fernsehn im Zelt, Satelliten-Handy und flotten Geländewagen unterwegs.).
    Was machen 2-3000 Deutsche, Franzosen, Briten, Belgier, Niederländer (muslimisch, oft konvertiert; mit und ohne Migrationshintergrund) beim IS? Für 300 Euro pro Monat und ein Haus am Wüstenrand?
    Was ist für Saudis in Tschetschenien zu holen? Für Bosnier in Algerien?
    Was für den "jüdischen" New Yorker Broker, der seinen Job aufgibt und sich mit Weib und (möglichst viel) Kind und Seinesgleichen in einer Grenzfestung in "Galiläa und Samaria" verschanzt?
    Warum kämpfen in der Ostukraine Faschisten von überall - und das an ALLEN Fronten?
    Das KANN man analysieren und zu verstehen versuchen, wie so vieles. Hier und anderswo...


    Eins allenfalls dürfte feststehn: Es macht schon einen Unterschied, ob solches Volk mit Messern und Knüppeln ausgestattet ist - oder mit Sprengstoff für Auto- und Selbstmordbomben - oder mit Schnellschusswaffen, modernen Raketenwerfern und mobiler Luft- und Panzerabwehr. Es macht genau den Unterschied, den es braucht, um eine nicht eben optimal ausgerüstete "reguläre" Armee in Schach zu halten und ein Regime (wie das syrische; oh - keine Räuberbande*)?) zu zermürben... Oder auch ALS Regime sich eine letzte Daseinsberechtigung zu verschaffen (wie in Algerien), wenn man alle andern verschlissen hat.


    Und dann ist da ja noch die hohe Geopolitik. Bloss weil die die Mittel hat... bloss weil es dabei "wirklich" um Reichtum (Ausgangsbedingungen seiner Produktion und erfolgreichen Verwertung) und seine zukünftige Verteilung geht... bloss weil da Nationen und wirklich noble Regierungen mit Diplomaten und Planungsstäben und Militär und Geheimdiensten und "think tanks" und Sitzen im Sicherheitsrat am Werk sind - darum sind es keine Räuberbanden*)?


    Natürlich kann man rhetorisch so fragen. Und merkt, wie absurd solches Etikettieren werden kann. Und vielleicht merkt man... dass das, wie Wal sehr richtig bemerkt, nicht unsere Welt ist. Oder, nicht unsere Epoche...


    Und natürlich kann man da analysieren**), und sobald an kein Ende kommen. Schon die Nachrichten und Weltgegenden zu sortieren - schon die Wahrheitsgehalte zu ermitteln in all dem Gerüchte- und Propaganda-Wirrwarr... kostet Ressourcen (..vorneweg das eigne Leben... wenn man nicht mehr so schön "embedded" mitfahren darf wie im Irak..)
    Wer ist denn da überhaupt noch "sachkundig"?
    Wer... ausser Verschwörungstheoretikern?


    Und in all dem dann noch PARTEI ergreifen wollen?
    Das kommt mir, Mario, so vor, als wolle man in einen Streit unter katholischen Theologen eingreifen und nach den Anteilen in den jeweiligen Positionen suchen, die einem noch am ehesten gefallen. Wir sind halt keine Katholiken...
    ((Da gehts bloss um ein paar Worte im Katechismus... und dort um zigtausende Tote? Aber (fragt Wal dich zurecht)... können wir die denn verhindern? Haben wir Einfluss? Welcher Art? Wollen wir den... könnten wir den wollen, wenn wir welchen hätten?)


    Nachtrag 1: Und so für die internationalen Finanzmärkte und ihre staatliche Beaufsichtigung...
    Nachtrag 2: All das sind Beispiele für meine Kategorie: "zu nahe dran..."


    *) ist "Räuberbande" soviel höflicher?
    **) zB so

  • Zustimmung zu franziskas Beitrag


    A. Zum Zusammenhang zwischen Kapitalismus und der Erzeugung von (islamistischer) Barbarei (Versuch)


    1. Der Kapitalismus ist ein politisches und wirtschaftliches System, dem sich heute kein Land auf der Welt entziehen kann. Er ist insofern religiös, weil die Menschen g l a u b e n, dass er ein effizientes System zur Versorgung der Menschen sei. Glaubensfragen indes können nur durch Gewalt gelöst werden. Also ist im Kapitalismus die Gewalt angelegt bzw. beruhen die politischen Lösungen auf der ganzen Welt auf potentieller oder angewendeter Gewalt.


    2. Deshalb werden im weltumspannenden kapitalistischen System politische und andere Lösungen nicht durch Wissen und durch Anwendung der Vernunft, sondern letztlich anhand der Gewaltmittel Geld und (entscheidendem) Waffenmonopol herbeigeführt. Die Fähigkeit und damit das Monopol zur Herstellung der modernsten und damit entscheidenden Waffen liegt in Händen der entwickelten kapitalistischen Länder. Auch die sonstige Waffenproduktion findet überwiegend in diesen Ländern statt. Geld und Waffen sind die Gewaltmittel für die Existenz kapitalistischer Staaten.


    3. Staaten verfolgen jeweils eigene Machtinteressen und konkurrieren deshalb untereinander. Die heute stattfindenden Kriege sind von den westlichen kapitalistischen Staaten (Nato) angezettelt und werden von ihnen betreut. Gleichzeitig wird dort aber auch ihre Konkurrenz ausgetragen, wo jeder seine eigenen Interessen durchzusetzen und den eigenen eigenen Machtbereich zu erweitern oder zumindest zu erhalten versucht. Ebenso finden solche Kriege in Konkurrenz zu Nicht-Nato-Staaten statt.


    4. Ohne ausreichendes Geld und Waffen kann kein Staat oder ein (konkurrierender) Verein einen Krieg führen bzw. betreuen.


    5. Die entwickelten kapitalistischen Staaten handeln mit Waffen. Dadurch kommen politische Gruppen, die über genügend Geld verfügen an Waffen heran. Außerdem werden solche Gruppen in den von den kapitalistischen Staaten initiierten Kriegen mit Waffen versorgt.


    6. In solchen Kriegen entstehen Freiräume und neue politisch-militärische Konstellationen aus denen auch unerwünschte politische Vereine herauskommen können. Wird deren Einfluss und Macht zu groß werden ihnen die Quellen abgegraben und werden sie mit den weit überlegenen Waffen wegputzt. Solche Gruppen haben insbesondere null Chance erfolgreich zu sein, solange sich die kapitalistischen Staaten China und Russland zurückhalten.


    7. Es ist dabei egal, welche Religion oder Ideologie diese Gruppen für sich beanspruchen. Entscheidend, ob sie weggeputzt werden oder nicht, ist, ob sie sich mit ihren Machenschaften gegen die Interessen der beteiligten kapitalistischen Staaten stellen oder nicht.


    8. Der Zusammenhang, der zwischen Kapitalismus und Islam besteht, ist der Glaube. Deshalb passt der Islam genau so gut zum Kapitalismus wie das Christentum und andere Religionen. Alle sich islamisch nennenden Staaten sind kapitalistisch. Islam gibt es in allen kapitalistischen Staaten.


    9. Kriege werden, wie gesagt, von den führenden kapitalistischen Statten angezettelt, betreut und geführt, sowie dadurch neue Kriege ermöglicht. Jeder Krieg aber ist Barbarei, jeder Waffengang bewaffneter Gruppen ist Barbarei. Dabei bringt jeder von ihnen seine spezifischen Gräueltaten hervor.



    B. Wal: „Ich behaupte: Die IS-Milizen ist eine Bande von Straßenräubern, die ihre Raub- und Eroberungszüge hinter einem religiösen Nebel verstecken und die sich als mafiöser Clan bzw. als Räuberstaat organisieren.“


    Willst du damit sagen, dass ein echter religiöser Verein, der im Namen von Allah Menschen anders denkende Menschen mordet, im Gegensatz zu Räuberbanden, die den Islam nur vortäuschen, durchaus Respekt verdient?


    C. Wal: „Im übrigen bringt es nichts, wenn du die IS-Leute und Islamisten als "belämmerte Blödmänner" betitelst.“


    Menschen, die sich auf Verse einer dogmatischen Schrift stützen und ihr Handeln daraus ableiten, Menschen, die meinen, durch Töten anderer ihr „Glück“ machen zu können, statt sich der Mühe zu unterziehen, sich Wissen anzueignen, um zu verstehen, wie diese Welt beschaffen sein und wie man sie zum gemeinsamen Vorteil gestalten könnte, sind auf jeden Fall blöd und vielleicht auch belämmert. Vielleicht sind sie intelligent auf ihre Art, aber vernünftig sind sie auf keinen Fall. Deshalb halte ich den Titel Blödmann in diesem Fall für keine Beleidigung, sondern für eine zutreffende Beschreibung.


    D. Wal: „Allerdings verschafft der Kapitalismus durch seine entwickelte Waffen- und Kommunikationstechnologie jeder Barbarei zusätzliche Energie und Effektivität.“


    Wie ich oben zu zeigen versucht habe, sind Kriegzüge im Ausmaß der von ISIS unternommenen a l l e i n durch viel Geld und viel moderne Waffen möglich. Mit vorkapitalistischer Barbarei allein wäre dieser Verein durch seine internen Konkurrenten wohl schon längst ausgelöscht worden oder gleich gar nicht entstanden.


    E. Wal: „Wer fällt denn in Deutschland darauf herein? Du wünscht dir da was, was längst Realität ist. Die Mehrzahl der Lohnarbeiter in Deutschland ruft keineswegs nach Waffenlieferungen.“


    Das wäre nach der Ablehnung von Sanktionen gegen Russland dann das zweite Mal, dass sich die Mehrheit der Lohnarbeiter gegen die offizielle Hetze in den Medien richtet. Gut so. Danke für den Hinweis.


    Beste Grüße
    Kim

  • Hallo Kim,
    Okay, jetzt habe ich eine ungefähre Vorstellung, wie du den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und dem Islamischen Staat siehst.
    Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast! ;)


    Du hast da eine andere Sichtweise als ich.
    Du stellst die Mittel (Geld, Waffen, Kommunikationsmittel) ins Zentrum, ich versuche die Zwecke und Ziele einer Bewegung zu verstehen. (Darauf hatte Franziska in ihrem Beitrag richtig hingewiesen.)


    In meiner Sicht schaffen und präjudizieren jedoch die Mittel keine Zwecke. Als historisches Beispiel: Lenin hatte etliche Millionen Mark vom Deutschen Reich erhalten. Trotzdem waren die Bolschewiki keine „deutschen Agenten“ – auch wenn das von ihren Gegnern behauptet wurde.


    Weiterhin habe ich den Eindruck, dass in deiner Analyse der (religiöse) Kapitalismus mächtig, wenn nicht gar übermächtig hingestellt wird.
    In deiner Sicht ist der (religiöse) Kapitalismus eine Suprastruktur oberhalb der handelnden Menschen, in meiner Sicht ist die politische Ebene im globalen Kapitalismus durch viele verschiedene und miteinander konkurrierende Kapitalismen geprägt, die staatlich organisiert sind, und an deren jeweiligen Schaltstellen namhaft zu machende und verantwortlich zu machende Menschen stehen, die „herrschende Klasse“. In meiner Sicht ist der Kapitalismus ein Produkt der Kapitalistenklasse. In deiner Sicht ist der Kapitalismus ein Produkt von allen Menschen.


    In meiner Sicht, entsteht das gegenwärtige Chaos und die aktuelle Unruhe durch eine zunehmende und sichtbar werdende Schwäche des westlichen Kapitalismus. Diese zunehmende Schwäche schafft den Nährboden für immer neue barbarische „Ersatzlösungen“.


    Hier! eine sachbezogene Analyse zur Vorgeschichte des Islamischen Staates.


    Siehe auch: "Die sechs Väter des Islamischen Staates" (Englisch)


    Wir sind uns jedoch in dem entscheidenen Punkt einig und auf einer Linie: :thumbsup:


    Jedes militärische Eingreifen verschlimmert die Situation in der Region und vielleicht in der ganzen Welt. Und natürlich sind alle Waffenlieferungen ein militärisches Eingreifen.


    Gruß Wal

  • hier ist es ja so:



    die bundesregierung liefert waffen an die peschmerga , den bewaffneten arm einer bürgerlichen kurdischen partei im nordirak (seit langem treuer vasall der usa)
    damit hat sie einen fuß im krisengebiet nahost in der tür. denn: mit den waffen schickt sie auch bw ausbilder.



    gleichzeitig wissen wir aber, dass die peschmerga waffen auch an die pkk weitergibt. diese sind zwar ist dem paradigmenwechsel keine MLer mehr,
    stehen aber für demokratie, frauenbefreiung, rätesystem und ökologie, sind im haben osten also eine progressive kraft. die produktionsfrage lassen sie außer acht, weil sie der form nach eine klassische nationale befreiungsbwegung sind, auch wenn sie dem inhalt nach anti-staatlich eingestellt sind, also keinen nationalstaat (als herrschaftsverhältnis egriffen) anstreben.



    die produktionsfrage ist aber eine klassennfrage und die bleibt für kurdistan ungeköst. gut, zuerst müssen sie den krieg gewinnen, aber auch die verfassung in rojava erkennt das privateigentum - auch an an Produktionsmitteln- an.



    die dialektik der linken hierzulande liegt nun darin, einer waffenlieferung zuzustimmen und damit faktisch einem bw auslandseinsatz (und damit die antikriegslinie aufzugeben), zumal ein imperialistisches land niemals ausn humanistischem interesse handelt, zugleich aber mit der verweigerung die dringend benötigten mittel gegen eine reaktionäre kraft verweigert, die man selbst fordert, allerdings in einem konflikt, der längst ein stellvertreterkrieg der imperialistischen haupt- und regionalmächt geworden ist.

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