Der kapitalistische Profit

  • 1. Profit und Profitrate
    „Das eigentliche Produkt des Kapitals ist der Profit.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 707.
    Die Rate des Profits ist daher für jeden Kapitalisten der wichtigste Messwert, der über seinen Erfolg Auskunft gibt.
    „Die Profitrate ist die treibende Macht in der kapitalistischen Produktion, und es wird nur produziert, was und soweit es mit Profit produziert werden kann.“ K. Marx, Kapital III. MEW 25, 269.
    „Wie schon gesagt, ist die Profitrate das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Gesamtkapital....“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 546.



    „Die Profitrate wird also bestimmt durch zwei Hauptfaktoren: die Rate des Mehrwerts und die Wertzusammensetzung des Kapitals.“ MEW 25, 78.



    „Wenn der Mehrwert gegeben ist, kann die Profitrate nur vermehrt werden, durch Verminderung des Werts des zur Warenproduktion nötigen konstanten Kapitals.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 90.
    „Wie das Kapital die Tendenz hat, in der direkten Anwendung der lebendigen Arbeit sie auf notwendige Arbeit zu reduzieren und die zur Herstellung eines Produkts notwendige Arbeit stets abzukürzen ..., also die direkt angewandte lebendige Arbeit möglichst zu ökonomisieren, so hat es auch die Tendenz, diese auf ihre notwendiges Maß reduzierte Arbeit unter den ökonomischsten Bedingungen anzuwenden, d. h. den Wert des angewandten konstanten Kapitals auf sein möglichstes Minimum zu reduzieren.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 97.
    "Denselben Ausbeutungsgrad der Arbeit vorausgesetzt, hat sich gezeigt, dass ... die Profitrate sehr verschieden sein kann, je nachdem der Rohstoff billiger oder minder billig, mit mehr oder minder Sachkenntnis angekauft; je nachdem die angewandte Maschinerie produktiv, zweckmäßig und preiswert; je nachdem die Gesamteinrichtung der verschiedenen Stufen des Produktionsprozesses mehr oder minder vollkommen, die Stoffvergeudung beseitigt, die Leitung und Aufsicht einfach und wirksam ist usw.
    Kurz, den Mehrwert für ein bestimmtes variables Kapital gegeben, so hängt es noch sehr von der individuellen Geschäftstüchtigkeit, sei es des Kapitalisten selbst, sei es seiner Unteraufseher und Manager ab, ob sich dieser selbe Mehrwert in einer größeren oder kleineren Profitrate ausdrückt, und daher, ob er eine größere oder kleinere Profitmasse liefert.“ MEW 25, 147.


    Je tüchtiger so ein Kapitalist ist, desto überzeugter ist er, dass der Profit durch seine eigene Tätigkeit und nicht (allein) durch die Lohnarbeiter produziert wird.


    Soweit ist das den Marxisten mehr oder minder bekannt. Weniger bekannt ist leider, dass in die Berechnung der Profitrate ein Zeitfaktor eingeht. Wie Marx aufzeigt, erfordert ein längere Produktions- oder Einkaufs- und Verkaufsperiode auch zusätzlichen Kapitaleinsatz. Eine kürzere Produktions- und Zirkulationsperiode vermindert den Kapitaleinsatz. Außerdem liefert ein Kapital, das in kürzerer Zeit umschlägt eine größere Masse von Profit als ein gleich großes und gleich zusammengesetztes Kapital, das langsamer umschlägt. Dieser Zeitfaktor wird in der linken Kapitalkritik leider oft vernachlässigt.


    2. Profit und Kapitalumschlag
    „Sobald der gesamte Kapitalwert, den ein individueller Kapitalist in einem beliebigen Produktionszweig anlegt, den Kreislauf seiner Bewegung beschrieben hat, befindet er sich wieder in seiner Anfangsform und kann nun denselben Prozess wiederholen. Er muss ihn wiederholen, soll der Wert sich als Kapitalwert verewigen und verwerten. Der einzelne Kreislauf bildet im Leben des Kapitals nur einen Abschnitt, der sich beständig wiederholt, also ein Periode.“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 156.


    „Für den Kapitalisten ist die Umschlagszeit seines Kapitals die Zeit, während deren er sein Kapital vorschießen muss, um es zu verwerten und in der ursprünglichen Gestalt zurückzuerhalten.“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 157.



    „Wir haben gesehen, dass die fixen und flüssigen Bestandteile des produktiven Kapitals verschiedenartig und zu verschiedenen Perioden umschlagen, ebenso dass die verschiedenen Bestandteile des fixen Kapitals in demselben Geschäft je nach ihrer verschiedenen Lebens-, daher Reproduktionszeit, wieder verschiedene Umschlagsperioden haben. K. Marx, Kapital II, MEW 24, 183.


    1. Der Gesamtumschlag des vorgeschossenen Kapitals ist der Durchschnittsumschlag seiner verschiedenen Bestandteile, ... K. Marx, Kapital II, MEW 24, 183.
    2. ... Es ist daher nötig, die Sonderumschläge der verschiedenen Teile des fixen Kapitals auf gleichartige Form des Umschlags zu reduzieren, so dass sie nur noch quantitativ, der Umschlagdauer nach, verschieden sind. ... Bei der Berechnung des Gesamtumschlags des vorgeschossenen produktiven Kapitals fixieren wir daher alle seine Elemente in der Geldform, so dass die Rückkehr zur Geldform den Umschlag schließt. ... So können wir dann den Durchschnitt ziehen. K. Marx, Kapital II, MEW 24, 184.
    3. Es folgt, dass selbst wenn der bei weitem größere Teil des vorgeschossenen produktiven Kapitals aus fixem Kapital besteht, dessen Reproduktions-, also auch Umschlagszeit, einen vieljährigen Zyklus umfasst, dennoch der während des Jahres umgeschlagene Kapitalwert infolge der wiederholten Umschläge des flüssigen Kapitals während des Jahres größer sein kann als der Gesamtwert des vorgeschossenen Kapitals. K. Marx, Kapital II, MEW 24, 184.
    „Der Wertumschlag des vorgeschossenen Kapitals trennt sich also von seiner wirklichen Reproduktionszeit oder der realen Umschlagszeit seiner Bestandteile.“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 184.


    3. Einfluss der Umschlagszeit auf den Profit und die Profitrate
    „Wir ... gesehen, dass bei gleicher Zusammensetzung der Kapitale und bei sonst gleichen Umständen die Profitraten sich umgekehrt verhalten wie die Umschlagszeiten, und ebenso, dass dasselbe variable Kapital, wenn es in verschiedenen Zeiträumen umschlägt, ungleiche Massen von jährlichem Mehrwert zuwege bringt.
    Die Verschiedenheit der Umschlagszeiten ist also ein anderer Grund, warum gleich große Kapitale in verschiedenen Produktionssphären nicht gleich große Profite in gleichen Zeiträumen produzieren und warum daher die Profitraten in diesen verschiedenen Sphären verschieden sind.“ : Marx, Kapital III, MEW 25, 160.


    „Es ist bereits im zweiten Buch im Einzelnen entwickelt, wie die Verkürzung der Umschlagszeit oder eines ihrer beiden Abschnitte, der Produktionszeit und der Zirkulationszeit, die Masse des produzierten Mehrwerts steigert. Da aber die Profitrate nur das Verhältnis der produzierten Masse von Mehrwert zu dem in ihrer Produktion angewandten Gesamtkapital ausdrückt, so ist es augenscheinlich, dass jede solche Verkürzung die Profitrate steigert. Was vorher im zweiten Abschnitt des zweiten Buchs mit Bezug auf den Mehrwert entwickelt, gilt ebenso sehr für den Profit und die Profitrate ....“ Karl Marx, Kapital III MEW 25, 80.



    „Man hat in Buch II gesehen, dass die reinen Funktionen des Kapitals in der Zirkulation – ... also die Akte des Verkaufens und Kaufens – weder Wert noch Mehrwert erzeugen. Umgekehrt zeigte es sich, dass die Zeit, die hierfür nötig ist, objektiv mit Bezug auf die Waren und subjektiv mit Bezug auf den Kapitalisten, Grenzen erzeugt für die Bildung von Wert und Mehrwert.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 292.

    „Im Übrigen muss angenommen werden, dass mit der Teilung zwischen kaufmännischem und industriellem Kapital Zentralisation der Handelskosten und daher Verringerung derselben verbunden ist.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 303.


    „Insofern das Kaufmannsgeschäft und noch mehr das eigentliche Geldgeschäft diese toten Kosten vermindern, fügen sie der Produktion zu, nicht dadurch, dass sie Wert schaffen, sondern die Negation der geschaffenen Werte vermindern. ... Befähigen sie die Produzenten mehr Werte zu schaffen, als sie ohne diese Teilung der Arbeit könnten, und zwar so viel mehr, dass ein Mehr bleibt nach Bezahlung dieser Funktion, so haben sie faktisch die Produktion vermehrt. Die Werte sind dann aber vermehrt, nicht weil die Zirkulationsoperationen Wert geschaffen, sondern weil sie weniger Wert absorbiert haben, als sie im anderen Fall getan hätten.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 526f.


    „Sofern das Kaufmanns- und Bankkapital zur Abkürzung der Zirkulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen Kapitalisten produzierten Mehrwert vermehren helfen.
    Soweit es den Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen den Kapitalisten vermittelt, also das gesellschaftliche Kapital befähigt, auf größerer Stufenleiter zu arbeiten, befördert seine Funktion die Produktivität des industriellen Kapitals und dessen Akkumulation.
    Soweit es die Umlaufszeit abkürzt, erhöht es das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Kapital, also die Profitrate.
    Soweit es einen geringeren Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkulationssphäre einbannt, vermehrt es den direkt in der Produktion angewandten Teil des Kapitals.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 291.


    „Das Kreditwesen ... wie das Handelskapital, modifiziert den Umschlag für den einzelnen Kapitalisten. Auf gesellschaftlicher Stufenleiter modifiziert es ihn nur, soweit es nicht nur die Produktion, sondern auch die Konsumtion beschleunigt.“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 188.


    Was hier Marx vom Kaufmanns- und Bankkapital sagte, gilt in noch erhöhten Maße von den Zirkulationsarbeitern, deren Arbeitstag sich ebenfalls in bezahlte und unbezahlte Arbeitszeit teilt:
    „Sofern die Zirkulationsarbeit zur Abkürzung der Zirkulationszeit beiträgt, kann sie indirekt den vom industriellen Kapitalisten produzierten Mehrwert vermehren helfen.
    Soweit sie den Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen den Kapitalisten vermittelt, also das gesellschaftliche Kapital befähigt, auf größerer Stufenleiter zu arbeiten, befördert ihre Funktion die Produktivität des industriellen Kapitals und dessen Akkumulation.
    Soweit sie die Umlaufszeit abkürzt, erhöht sie das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Kapital, also die Profitrate.
    Soweit sie einen geringeren Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkulationssphäre einbannt, vermehrt sie den direkt in der Produktion angewandten Teil des Kapitals.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 291.




    Hinweis:
    Die Darstellung dieser nicht ganz einfachen, aber für das Verständnis des Kapitalismus wichtigen Zusammenhänge erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen. Fehler, Mängel und Irrtümer kann ich dennoch nicht ausschließen. Ich bin daher für Fehlerhinweise und Verbesserungsvorschläge dankbar.

    Mit Gruß Wal Buchenberg

  • Hallo,
    Ein Forum-Leser hat mich per Email darauf aufmerksam gemacht, dass meine Darstellung der Profitrate zunächst und vor allem auf die Unterschiedlichkeit individueller Profite und Profitraten abzielt.


    Karl Marx hatte jedoch auch darauf hingewiesen, dass diese Unterschiedlichkeit der Profitraten dem Funktionieren des Kapitalismus widerspricht:
    „Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, dass in der Wirklichkeit, von unwesentlichen, zufälligen und sich ausgleichenden Unterschieden abgesehen, die Verschiedenheit der durchschnittlichen Profitraten für die verschiedenen Industriezweige nicht existiert und nicht existieren könnte, ohne das ganze System der kapitalistischen Produktion aufzuheben.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 162.

    Eine mehr oder minder einheitliche Profitrate für alle Kapitalien ist empirisch feststellbar und die Annahme einer mehr oder minder einheitlichen Profitrate durchzieht alle Kalkulationen der kapitalistischen Akteure im Finanz- und Steuerwesen.


    „Es scheint also, dass die Werttheorie hier unvereinbar ist mit der wirklichen Be­wegung, unvereinbar mit den tatsächlichen Erscheinungen der Produktion und dass daher überhaupt darauf verzichtet werden muss, die letzteren zu begreifen.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 162.

    Wie eine Durchschnittsprofitrate sich sowohl aus der Konkurrenz der individuellen Profitraten sich entwickelt und andererseits neben den individuellen Profitraten besteht, so dass die Durchschnittsprofitrate den Wert der jeweiligen Warensorten bestimmt, die individuelle Profitraten aber als Abweichung vom „Normalprofit“ weiterbestehen und so entweder Extraprofite schaffen oder zum Bankrott führen, diese Entwicklung ist im Karl-Marx-Begriffslexikon nachzulesen:


    Bildung der Durchschnittsprofitrate


    Wie entsteht Extraprofit?

    Gruß Wal Buchenberg

  • Newly created posts will remain inaccessible for others until approved by a moderator.