Antifaschismus heute

  • Die russische Regierung und deutsche Linke warnen unisono vor der faschistischen Gefahr in der Ukraine. In dieses Szenario passt es wenig, dass rechtsnationalistische Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl kaum 2 Prozent der Stimmen erhielten.


    "Antifaschismus" diente Putin bei der Annexion der Krim. "Antifaschismus" ist der Schlachtruf der militärischen Banden in der Ostukraine.
    Antifaschismus ist billige Losung geworden, wo immer Einer seine machtpolitischen Ambitionen mit einem moralischen Mäntelchen bedecken will.


    Am 1. Juni trafen Delegationen aus Japan, China und den USA zum regulären "Shangrila-Dialog" in Singapur zusammen.
    Die Vertreter von Japan und den USA hatten der chinesischen Regierung einiges vorzuwerfen:
    - dass China einseitig eine "Air-Defence-Identifikationszone" eingerichtet hat, die in der ostchinesischen See den gesamten internationalen Luftverkehr überwacht;
    - dass China eine ähnliche Zone für Fischerboote im südchinesischen Meer errichtet hat;
    - dass China mit militärischer Eskorte eine Ölplattform in Gewässer verfrachtet hat, die Vietnam beansprucht;
    - dass China eine militärische Landebahn auf einem Eiland errichtet, das von den Philippinen beansprucht wird.


    Was antwortete der Vertreter Chinas auf all diese Vorwürfe?
    Er sagte, dass China niemals erlauben werde, dass "faschistische und militaristische Aggressoren nochmals ihr Haupt erheben werden".


    Die chinesische Regierung versteht sich - wie Russland - als antifaschistische Kraft und alles, was diese Regierungen zu ihrer Machterweiterung tun, verkaufen sie als Antifaschismus,
    meint Wal.

  • Hallo Wal,
    du wirst es nicht glauben. Aber dass China niemals erlauben werde, dass "faschistische und militaristische Aggressoren nochmals ihr Haupt erheben werden", kommt ehrlicherweise immer noch sehr überzeugend an.
    Danke für deinen Beitrag. :thumbup:

  • Hallo Sturzbach,
    danke für deine Antwort.
    Aber ich kann dein antifaschistisches Vertrauen in eine fremde Regierung nicht teilen.
    Ich finde in den Maßnahmen, zu denen die chinesische Regierung in letzter Zeit gegriffen hat, keinen Hinweis, dass es sich hier um Antifaschismus handelt.
    Ist der Streit mit Japan um ein paar unbewohnte Felsen im Meer (Diaoyu-Inseln) eine antifaschistische Maßnahme?
    Ist die militärische durchgesetzte Installation einer Ölplattform innerhalb der 200-Meilen-Zone von Vietnam eine antifaschistische Maßnahme?
    Ist der Bau einer Landebahn in den Gewässern, die von den Philippinen beansprucht werden, eine antifaschistische Maßnahme?
    Ich sehe eher das Gegenteil:
    In Japan wurden durch die Konfrontation mit China rechte Kräfte gestärkt.
    In Vietnam kam es zu faschistoiden, chinafeindlichen Unruhen mit mehreren chinesichstämmigen Toten.


    Auch ein historischer Rückblick auf die Antihitler-Koalition macht mir wenig Hoffnung auf fremde Regierungen.
    Diese Koalition hatte zwar die Kriegsmaschine der Nazis zerschlagen, aber nicht den Faschismus als Ideologie und als politische Strömung aus der Welt geschaffen.
    Die Parallele zu China ergibt sich aus dem Versailler Vertrag: Ohne die harte Haltung der Siegermächte nach dem rsten Weltkrieg wären die Nazis niemals so stark geworden, dass sie die Macht in Deutschland ergreifen konnten.
    Desalb macht mir die neue, aggressive Außenpolitik von China große Sorge, dass sie in Überall in Asien den rechtsnationalistischen Kräften Vorschub leistet.




    Gruß Wal

  • Hallo Wal,


    autsch, der 1. Post und sogleich mißverständlich. Du hattest so klar dargelegt, wie "Antifaschismus" heute geht. Und trotzdem ist die Propaganda des chinesischen Vertreters beinahe bei mir durchgegangen. Von daher habe ich deinen Beitrag als sehr wichtig geschätzt, weil er hilft, sich über eigene Denkblockaden und Einstellungen bewußt zu werden.

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