Eine Kapitalismuskritik löst sich in Rauch auf

  • Für eine Richtung von Kapitalismuskritikern ist die Zigarette Symbol unserer Abhängigkeit im Kapitalismus:
    Große Konzerne verführen uns Verbraucher durch allgegenwärtige und teure Werbung zum Kauf einer Ware, die kurzen Genuss und späte Reue bringt. Geld und Gesundheit der Konsumenten lösen sich in Rauch auf, während die großen Produzenten aus unserer Abhängigkeit Milliarden scheffeln.


    Weil es keinen Ausweg aus der Unfreiheit gibt, steckt in dieser Kritik viel Hilf- und Hoffnungslosigkeit.
    Ich sehe die Entwicklung des Zigarettenkonsum in den USA seit 1900 optimistischer:



    Der Zigarettenkonsum in den USA stieg seit 1900 aus dem Nichts bis zu 12 Zigaretten pro Tag und Person (über 18 Jahre). Die Wende brachte der Luther-Terry-Report 1964. Darin hatten Wissenschaftler an 7.000 Armeeveteranen die Auswirkung des Rauchens auf ihre Sterberate analysiert und sie stellten fest, dass Raucher eine um bis zu fünf Jahre kürzere Lebenserwartung hatten.
    Im Jahr darauf führte der Kongress den Warnhinweis auf Zigarettenpackungen ein. Ab 1972 war Zigarettenwerbung im amerikanischen Fernsehen verboten. In diesem Jahr hörte ich auch mit dem Rauchen auf.
    Schwarzseher können die dargestellte Entwicklung des Zigarettenkonsums als Bestätigung für die Verführungskraft von Werbung lesen. Erst das Verbot von Zigarettenwerbung habe eine Verhaltensänderung gebracht.
    Ich sehe diese Daten als Bestätigung dafür, dass wissenschaftliche Einsicht einen spürbaren und wesentlichen Effekt auf menschliches Verhalten hat. Ich entnehme der Grafik, dass menschliches Verhalten (in Summe und auf lange Sicht) rational ist und keineswegs in dem Umfang, wie es Konsumkritiker meinen, von „geheimen Verführern“ und der eigenen Unvernunft gesteuert ist.
    Gruß Wal

  • Weil es keinen Ausweg aus der Unfreiheit gibt, steckt in dieser Kritik viel Hilf- und Hoffnungslosigkeit.


    Hallo Wal,
    wieso sollte es keinen Ausweg aus der Unfreiheit geben? Ich hab zwar lange gebraucht und ab 1981 viel Trial und Error dabei erlebt, aber ich habe es letztlich im November 2000 geschafft, vom Rauchen wegzukommen.
    Peter

    "So Ihr aber begehrt, ein wahrer Mann der Wissenschaft zu werden und nicht nur ein schäbiger Handlanger und Experimentator, so beherzigt meinen Rat und beschäftigt Euch mit sämtlichen Zweigen der Naturwissenschaft, einschließlich jenes der Mathematik" (Mary W. Shelly: Frankenstein)

  • Hallo Peter,
    ich sehe die Ausweglosigkeit nicht unbedingt beim Rauchen, sondern in dieser Kapitalismuskritik: "Große Konzerne verführen uns Verbraucher durch allgegenwärtige und teure Werbung zum Kauf einer Ware, die kurzen Genuss und späte Reue bringt."
    Wenn wir als Verbraucher nur "Verführte" sind, die von großen Konzernen und ihrer Werbestrategie manipuliert sind, dann gibt es aus dieser Abhängigkeit keinen erkennbaren Ausweg. Das ist vergleichbar der Kapitalismuskritik, die bei den Lohnarbeitern nur "falsches Bewusstsein" entdecken.
    in beiden Fällen existiert kein "Nährboden", auf dem antikapitalistischer Widerstand erwachsen könnte. Leute, die durch raffinierte und geheime Verführer verführt sind, deren Bewusstsein lässt sich nicht durch ein paar trockene linke Argumente "umdrehen".
    Gruß Wal

  • Ah, okay, dann hatte ich dich falsch verstanden.
    Peter

    "So Ihr aber begehrt, ein wahrer Mann der Wissenschaft zu werden und nicht nur ein schäbiger Handlanger und Experimentator, so beherzigt meinen Rat und beschäftigt Euch mit sämtlichen Zweigen der Naturwissenschaft, einschließlich jenes der Mathematik" (Mary W. Shelly: Frankenstein)

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