Bürgerkrieg und bewaffneter Kampf 1946 - 2012

  • Das Friedensforschungsinstitut in Oslo zählt 63 „klassische“, zwischenstaatliche Kriege und 21 (Anti)Kolonialkriege seit 1946, aber 332 Bürgerkriege und interne bewaffnete Kämpfe. Bürgerkriege und innerstaatliche bewaffnete Konflikte sind globaler Alltag. Durchschnittlich beginnt jedes Jahr in einem Staat der Erde ein neuer bewaffneter Konflikt.
    Dass eine Staatsmacht Frieden garantiert, ist ein Märchen. Staaten garantieren allenfalls einen kürzeren oder längeren Waffenstillstand. Und selbst der Waffenstillstand fühlt sich durch allgegenwärtige staatliche Überwachung und Kontrolle immer stärker wie ein Krieg an.



    Äußere Einmischung in interne Konflikte ist die Regel und verkomplizieren sie. Besonders in der Periode zwischen 1945 und 1990 schürte die Rivalität der beiden Supermächte USA und UdSSR Konflikte und Bürgerkriege in aller Welt. Nach 1990 ging die Zahl innerstaatlicher Konflikte zurück, sie waren weniger umfangreich und ihre Dauer verkürzte sich um ein Jahr von durchschnittlich 4,6 Jahre auf 3,7 Jahre.
    Durch die Rivalität der Supermächte führte der Waffeneinsatz jedoch häufiger zu klaren Siegern und Verlierer. Vor 1989 endeten 58 % der internen Konflikte mit dem Sieg einer Seite und nur 10 % wurden durch eine Schlichtung der Konfliktparteien beendet.
    Nach 1989 endeten Bürgerkriege und interne Konflikte nur noch in rund 13% der Fälle mit einem einseitigen Sieg und die Mehrzahl der Konflikte (40 %) wurden durch Verhandlungen der Beteiligten beigelegt.


    Was verursacht Bürgerkriege? Der „Economist“ zitiert den Bostoner Prof Roy Licklider mit den Worten: „Der sicherste Indikator für den Ausbruch eines Bürgerkrieges ist ein Bürgerkrieg im Nachbarstaat.“
    Ein Bürgerkrieg im Nachbarstaat bietet Schlupfwinkel, Ausbildungsstätten und Trainingsgrund für jugendliche Heißsporne. Und wer nach Gründen für bewaffnete Konflikte sucht, findet sie auch. Ungleichheit, Unfreiheit und Grausamkeit gibt es überall in unserer Welt.
    Allerdings ist nicht zu sehen, dass sich das durch Adrenalin und bewaffneten Kampf ändern ließe. Adrenalin und bewaffneter Kampf erringen vielleicht staatliche Unabhängigkeit, aber sind keine Emanzipationsmittel für soziale, ethnische und Gender-Konflikte. Was sich durch Adrenalin und bewaffneten Kampf allenfalls ändert, sind die jeweiligen Täter- und Opfergruppen. Adrenalin und Waffen sind erst recht keine Mittel zur Befriedung unseres Verhältnisses zur Natur,
    meint Wal Buchenberg


    (Daten aus: The Economist 09.11.2013)

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