Über das innereuropäische Lohngefälle

  • Eine ARD-Reportage, die manches erhellt und manches nicht.


    http://mediathek.daserste.de/s…utschland-miese-jobs-fuer


    Ein paar Fussnoten:


    1. Allgemeine Anmerkung: Die Massenproduktion und -distribution von Fleisch hat die Besonderheit, dass
    lange Transporte teuer sind (Verderblichkeit, Kühlung). Fleischproduzenten müssen billige Arbeit importieren. Produzenten von
    Unterhaltungselektronik können im Gegensatz dazu Produktionsmittel dorthin exportieren, wo die Arbeit billig ist (China).


    2.
    Die Reportage dokumentiert eindrucksvoll die entwürdigenden Umstände,
    die die betroffenen Lohnsklaven erleiden müssen. Das ist verdienstvoll.
    Punkt.


    3. Die Macher der Reportage sind nicht völlig frei von Illusionen
    über staatliche Behörden als unparteischer Garant von Gerechtigkeit. Geschenkt.


    4.
    Die Reportage dokumentiert, dass die Ausbeuter sich Mühe geben, um
    Kontakte zwischen Lohnsklaven und Aussenwelt zu unterbinden. Die Ursache
    dieser Anstrengung wird nicht explizit beleuchtet. Meine (vorläufige)
    Deutung: Man versucht damit, (a) sicherlich die Behörden nicht in
    Verlegenheit zu bringen, und (b) vielleicht auch die Unwissenheit über
    die hiesigen Arbeitnehmerrechte instand zu halten.


    5. Die
    Reportage zeigt auch eine Demonstration ortsansässiger Gewerkschaftler
    gegen Lohnsklaverei. Wenn ich mich nicht täusche, wird die Tatsache,
    dass keine rumänischen oder bulgarischen ArbeiterInnen mitlaufen,
    gedeutet als ein Erfolg der Repression durch die Ausbeuter. Das ist aber
    m.E. nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte besteht darin, dass
    durchschnittliche Monatslöhne in Rumänien bei 150,- Euro liegen (was in
    der Reportage eher beiläufig erwähnt wird), die Monatsgehälter der
    Lohnsklaven bei den Schlachtbetrieben können aber selbst unter
    ungünstigsten Bedingungen immer noch das vierfache betragen. Dies ist
    das Zuckerbrot, das die Peitsche erträglich macht. Jede seriöse
    Diskussion über dieses Thema muss diesen Zusammenhang berücksichtigen.

  • Hallo Antonio,
    die Vorteile des Arbeitskräfteimports für deutsche Kapitalisten liegen auf der Hand. Allerdings beginnt für bürgerliche Journalisten die kapitalistische Ausbeutung erst unterhalb des Niedriglohnniveaus. Das ist verkehrt. Auch Lohnarbeiter mit hohen Löhnen werden ausgebeutet, eventuell ist die Ausbeutungsrate bei ihnen noch höher als bei Niedriglöhnern.
    Zur Ausbeutung der Importarbeiter kommt, dass diese Leute deutsche Löhne unterbieten, und damit Druck machen auf hiesige Niedriglöhner. Das ist dann der Ansatzpunkt für rechte Agitation, die behaupten, dass die importierten Arbeiter "uns Deutschen" die Arbeitsplätze stehlen.
    Für den gesamten Niedriglohnsektor und vor allem gegen Billigimport von Arbeitern ist die Forderung nach einem angemessenen Mindestlohn die passende Antwort.
    Auch die Forderung "Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit" zielt gegen solche Praktiken.


    Gruß Wal

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