Die ganz Armen oder sogenannte "Unterschicht"

  • 1,21 Millionen Haushalte in Deutschland erhielten im Jahr 2011 HartzIV, wie die Bundesagentur für Arbeit meldete. Insgesamt flossen an diese Haushalte 10,7 Milliarden Euro. Das macht pro Monat und Haushalt knapp 737 Euro.
    Viele dieser Haushalte waren „Aufstocker“ mit Minijobs, Teilzeitbeschäftigung oder Selbständigkeit ohne ausreichendes Einkommen. Rund weitere 3 bis 5 Millionen Menschen leben unter der Armutsgrenze ohne ihren rechtlichen Anspruch auf HartzIV(-Zuschuss) geltend zu machen. Die damit verbundene behördliche Bevormundung und Überwachung sind ihnen die paar Euro nicht wert,
    meint Wal


    Siehe auch das jw-Interview mit M. Behrsing vom Erwerbslosenforum

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Comments 10

  • Rechtsbeistand in HartzIV-Fällen:

    vielleicht hilft das weiter:
    dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=288562

    Gruß Wal
  • Hallo,
    Stellen die deutschen Gewerschaften ihren Mitgliedern (k)einen Anwalt in arbeitsrechtlichen und Sozialfragen?
    mars
  • Hallo renee,
    ich denke, in dem einen oder anderen Fall können wir hier im Marx-Forum zu Spenden für Prozesskosten aufrufen.
    150 Euro werden wir da schon zusammen bekommen.
    Gruß Wal
  • "Man sollte als Betroffener also immer einen Rechtsanwalt aufsuchen..."

    Das mit dem "Rechtsanwalt aufsuchen" ist so eine Sache. Einerseits ist das nicht kostenlos, auch die Prozesskostenbeihilfe kriegt man nicht so im Vorübergehen.
    Außerdem ist es bei vielen Menschen nicht so stark im "Verhaltensrepertoire" verankert - selbst die Idee, sich überhaupt zu wehren.

    Es fehlt bei vielen nicht so sehr am Willen, sondern oft schon an der Idee - sich wehren, solidarisieren etc. Vielleicht kommt es ja noch, was ich bisher leider zu oft bemerke sind ängstliche, verunsicherte Menschen, welche, statt aufzustehen, sich noch tiefer ducken.

    Du solltest den psycholologischen Effekt nicht unterschätzen, dass den Leuten ständig von allen Seiten eingehämmert wird, sie seien selber schuld. Viel zu viele glauben das dann auch und verhalten sich entsprechend.

    cu
    renée
  • Hallo renee,
    ein Großteil des Widerstandes gegen HartzIV geschieht ja auf dem Gerichtsweg und die Erfahrungen zeigen, dass die Gerichte meist den Antragstellern recht geben. Man sollte als Betroffener also immer einen Rechtsanwalt aufsuchen, um sich gegen Schikanen zur Wehr zu setzen.
    Gruß Wal
  • "P.S. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nach meiner Meinung ein schöner Traum von einer Staatsverwaltung, die nicht voreingenommen, nicht herrisch und nicht profitorientiert ist. Das ist so leicht zu haben, wie Eis, das nicht kalt, und Feuer, das nicht heiß ist."
    Nun ja, da ist ja auch die Forderung nach z. B. einer "friedfertigen" Polizei illusorisch - eigentlich alle Forderungen, wo man nicht in der Lage ist, diesen auch "Nachdruck" zu verleihen.
    Allerdings erscheint mir die nach dem BGE - obwohl illusorisch - trotzdem herausragend, da sie nicht dem Verwertungsdenken entspricht.

    Was das "seit Jahrhunderten" angeht, zu Marxens Zeiten durften sich Kinder hier - z. T. im Bergbau - frühzeitig zu Tode schuften, wie es in vielen Teilen der Welt noch immer üblich ist. Was mich u. a. ziemlich nervt ist das Bild, das durch die Berichterstattung allgemein entsteht, dass es den "faulen Hartzern" doch noch viel zu gut geht. Ja, bis zum glatten Verhungern geht da noch was.

    cu
    renée
  • @Antonio: Was ist realistischer, als es zu versuchen ;)

    Allerdings haben dann die Kapitalisten mE genau (nur) zwei Möglichkeiten - sie sind keine Kapitalisten mehr, weil ihnen ihre Rendite selbst nicht mehr zum (Über-)Leben als Kapitalisten reicht oder sie sind wenigstens keine Kapitalisten in Deutschland mehr, weil ihnen hier ihre Rendite nicht zum eigenen (Über-)Leben als solche reicht.

    Btw. Denn letztendlich ist alle Aufstockerei, alle Arbeitsplatzförderung durch den Staat nur verdeckte Betriebssubvention resp. Kapitalistensubvention.
  • "P.S. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nach meiner Meinung ein schöner Traum von einer Staatsverwaltung, die nicht voreingenommen, nicht herrisch und nicht profitorientiert ist. Das ist so leicht zu haben, wie Eis, das nicht kalt, und Feuer, das nicht heiß ist."

    Ich habe diese Anmerkung erst nicht verstanden. Das kann anderen auch so gehen. Darum der Hinweis auf eine alte Diskussion:

    marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=2313

    Mein "schöner Traum": Minijobber entwickeln die Parole "Scheiss auf HartzIV! Wir holen uns die Knete direkt vom Kapitalisten."

    Aber ob das realistisch ist?

    fragt sich
    Antonio
  • Hallo renee,
    gezieltes Mobbing erspart den "Fallmanagern" Mühe und dem Staat Geld.
    Mobbing, Psychoterror und Entmündigung sind seit Jahrhunderten in der Armenversorgung systemisch und systematisch.
    Würde allen HartzIV-Berechtigten das ihnen zustehende Geld ausgezahlt, dann müsste der Staat nicht 10 Mrd für HartzIV pro Jahr ausgeben, sondern 20 oder 30 Mrd.
    presseportal.de/pm/2790/250407…e-verzichtet-auf-hartz-iv
    Gruß Wal
    P.S. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nach meiner Meinung ein schöner Traum von einer Staatsverwaltung, die nicht voreingenommen, nicht herrisch und nicht profitorientiert ist. Das ist so leicht zu haben, wie Eis, das nicht kalt, und Feuer, das nicht heiß ist.
  • "Die damit verbundene behördliche Bevormundung und Überwachung ..."

    Das allein war die Ursache, die mir persönlich die Idee eines BEDINGUNGSLOSEN Grundeinkommens auf den ersten Blick sympatisch gemacht hat. Allerdings drücken die Begriffe Bevormundung und Überwachung die mittlerweile herrschenden Zustände nicht mehr treffend aus. Das geht schon mehr in Richtung Psychoterror, Erpressung und Entmündigung. Die - oft nur "angelernten" - Fallmanager stehen unter dem Druck, die euphemistisch "Kunden" genannten anspruchsberechtigten(!) "Bittsteller" möglichst aus der Statistik herauszuhalten und weiterhin die Anzahl der Sanktionen zu erhöhen.

    Psychiatrisierung der Kritiker ist der neueste Chic.

    cu
    renée