SPD-Jubiläum - 150 Jahre Verrat?

  • Die SPD feiert ihren 150. Gründungstag. Im Mai 1863 hatte Ferdinand Lassalle seinen Deutschen Arbeiterverein gegründet. Mindestens seit diesem Datum wird Lassalle und der SPD „Verrat“ vorgeworfen. Es wird ihnen Verrat an linken Vorstellungen vorgeworfen, die sich weder Lassalle noch die spätere SPD-Führung je zu eigen gemacht hatten. Lassalle und die SPD kämpften für das Bürgerrecht der Arbeiterklasse, für die „Gleichberechtigung“ der Lohnarbeiter. Das haben sie erreicht und das bleibt ihr Verdienst. Die Sozialdemokraten als „Verräter“ zu brandmarken, heißt nur, dass die Sozialdemokraten nie das taten, was sich radikale Linke wünschten. 150 Jahre SPD sind 150 Jahre Illusionen, die sich radikale Linke machten.


    Was ist nun das größere Trauerspiel? Die Rolle der SPD im deutschen Staat oder die Illusionen, die sich Linke machen?
    fragt sich Wal

    P.S. Übrigens beziehen sich linke Illusionen heute weniger auf die SPD, als auf die Partei "Die Linke". Auch diese Partei wird - wie die alte SPD - von etlichen Linken nicht nach ihren Taten, sondern nach ihren Worten (Programmen) beurteilt. Über kurz oder lang schlägt solche Kurzsichtigkeit notwendig in Verrats-Geschrei um.


    Siehe auch: Arbeiterforderungen von 1848

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Comments 2

  • Hallo Robert,
    ich denke, der Revisionismusstreit in der SPD war nur ein Streit um Worte. Eine revolutionäre Praxis gab es nicht. Da machte es wenig Unterschied, ob man in Worten auf Revolution verzichten wollte oder nicht.
    Soweit noch kürzer
    Und Grüße zurück
    Wal
    de.wikipedia.org/wiki/Geschich…eutschen_Sozialdemokratie
  • Hallo Wal,
    mit deinem kurzen Statement blendest du allerdings jede Entwicklung, die heftigen Auseinandersetzungen in der Sozialdemokratie aus. Diese Entwicklung, diese Auseinandersetzungen führten auch zu Veränderungen in der Programmatik. Zwischen Erfurt und Godesberg etwa liegt nicht nur eine Veränderung der Programmatik, sondern auch eine Veränderung der Praxis. Die Sozialdemokratie von 1891 kämpfte nicht nur um "Gleichberechtigung", um das Bürgerrecht der Arbeiterklasse. Der Revisionismusstreit um die Wende zum 20. Jahrhundert bringt die Gegensätze der damaligen Sozialdemokratie wohl am deutlichsten zum Ausdruck. Auf jeden Fall hat sich die Sozialdemokratie im Laufe ihrer Geschichte recht gründlich verändert. Den Vorwurf des "Verrats" konnten mit einigem Sinn nur die linksradikalen Kräfte in der Sozialdemokratie erheben, unter Bezugnahme etwa auf das Erfurter Programm, von dem man sich verabschiedete ... in Theorie und Praxis. Wenn Linksradikale heute der SPD Verrat vorwerfen ist das ziemlich lächerlich.
    Soweit ganz kurz
    Viele Grüße
    Robert