Vom Überfluss an Geld, das als Kapital fungieren soll

  • Da reibt man sich die Augen und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus! ;-)
    Apple hat rund 102 Milliarden Dollar außerhalb der USA „geparkt“. Trotzdem besorgt sich das Unternehmen jetzt 17 Milliarden über die Ausgabe von Anleihen.


    „Anleihen sind Schuldpapiere. Apple muss dafür Zinsen berappen und das Geld nach einer vorher festgelegten Zeit zurückzahlen. Für Apple ist es günstiger, Schulden zu machen, statt auf die eigenen Reserven zurückzugreifen. Denn rund 102 Milliarden Dollar und damit zwei Drittel des Kassenbestands sind außerhalb der USA geparkt. Bei der Überweisung in die USA würden hohe Steuern fällig.“
    http://www.fr-online.de/it-bra…le,16489518,22649988.html


    Mit den 17 Milliarden sollen Aktien zurück gekauft werden, um den Preis der inzwischen in ihrem Wert gesunkenen Apple-Aktien zu stabilisieren bzw. durch gesteigerte Nachfrage wieder in die Höhe zu treiben. Die Damen und Herren Investoren hatten das so gewünscht, in Sorge um ihre Anlage in Apple-Aktien.


    Da kann „gesunder“ linker Menschenverstand sich wieder bestätigt sehen:
    „Geld ist genug da! Her damit für den Konsum, für die Ankurbelung der Endnachfrage!“ Das läge nicht nur im Interesse von Lohnabhängigen, sondern sei auch noch „ökonomisch vernünftig“ im Interesse einer funktionierenden kapitalistischen Wirtschaft.


    Ein paar Anmerkungen dazu:
    Lohnabhängige verkaufen ihre Arbeitskraft, um in den Besitz von Geld zu kommen. Sie nutzen das Geld, um sich die Konsumgüter zu kaufen, die sie zum Leben brauchen. Dem entspricht ein Wirtschaftskreislauf von Ware-Geld-Ware oder abgekürzt W-G-W.


    Eigentümer von Kapital legen die Masse ihres Geldes nicht an, um sich Waren für ihren Konsum zu kaufen, sondern um das vorgeschossene Geld selbst zu vermehren. Sie kaufen mit ihrem Geld vor allem Produktionsmittel und Arbeitskraft zur Produktion eines Mehrwertes, der ihnen zufließt, wenn sie die so produzierten Waren erfolgreich verkaufen. Aus ihrer Sicht stellt sich der Wirtschaftskreislauf dar als Geld-Ware-mehr Geld, abgekürzt G-W-G'.


    Der „gesunde“ linke Menschenverstand reproduziert eine ökonomische Logik, die sich aus der Reproduktion der Ware Arbeitskraft im Kapitalismus ergibt. Es ist Lohnarbeitsdenken eben in den Grenzen des Systems der Lohnarbeit. Das scheint aus Sicht der Lohnarbeit „ökonomisch vernünftig“, hat aber einen kleinen Webfehler, weil die Reproduktion der Arbeitskraft als Ware eben abhängig ist von der Reproduktion – also auch der Nachfrage nach Arbeitskraft– des Kapitals. Das G-W-G' des Kapitals bestimmt, in welchem Umfang W-G-W der Lohnabhängigen funktioniert! Nicht umgekehrt! Wachsender Konsum der LohnarbeiterInnen ist weniger Bedingung als vielmehr Schranke für den wachsenden Reichtum der Kapitalbesitzer. Daher „parken“ sie ihr Geld lieber, als es freiwillig für höhere Löhne etc. herzugeben. „UmFairteilen“ ist aus Sicht der Eigentümer von Kapital lächerlich und tatsächlich in der kapitalistischen Produktionsweise „ökonomisch unvernünftig“, weil es den Anreiz zur Investition (Rendite) verringert. Ohne Investition aber keine Nachfrage nach Ware Arbeitskraft. Eine kapitalistische Ökonomie, die durch einen Kreislauf W-Geld-Ware dominiert wird, also das Geld wesentlich Mittel wäre, um private Konsumbedürfnisse zu befriedigen, kann nicht funktionieren und sie wird es auch niemals geben.


    Am Beispiel Apple wird auch deutlich, dass die Verwertung von Wert, die Erzielung eines Mehrwertes, auch den Erhalt des vorhandenen Kapitalwertes erfordert. Dieser ist nicht nur bedroht durch den technischen Fortschritt (Erhöhung der Arbeitsproduktivität), den sich die industriellen Einzelkapitale in ihrer Konkurrenz wechselseitig aufzwingen, sondern auch durch Preisverfall fiktiven Kapitals (hier Aktien). Rückkauf von Aktien erhöht die Nachfrage nach diesem Wertpapier und trägt zum Erhalt ihres Wertes bei. Hätte Apple das im Ausland „geparkte“ Geld zum Rückkauf von Aktien genutzt, dann wäre diese Wertsumme durch die Besteuerung seitens des amerikanischen Staates geschrumpft. Also nimmt Apple am Finanzmarkt lieber Geld zu Zinsen auf, die geringer sind, als die zu zahlenden Steuern, um den eigenen Verlust möglichst gering zu halten und trotzdem den Wert der Aktien zu stützen. Der eigene Wertverlust hält sich in Grenzen, die Anleger geraten nicht in Panik und laufen nicht scharenweise davon. Das nämlich hätte verheerende Konsequenzen für die Apple-Aktie, deren Wert in den Keller rutschte. Es hätte damit auch verheerende Konsequenzen für die künftige Refinanzierung von Apple auf „den Märkten“ und somit auch Konsequenzen für die LohnarbeiterInnen bei Apple.


    Je geringer das Wachstum des Kapitals – im Einzelnen wie im Ganzen – desto größer die Sorge um den vorhandenen Kapitalwert, die Angst vor Entwertung. Je geringer die Aussicht auf Rendite, desto größer die Masse des in der Zirkulation „ausgeschwitzten“ und „geparkten“ Geldes. Die „Not“ der Eigentümer von Kapital, ihre Angst vor Entwertung, vor Wertverlust, macht sie bestimmt nicht großzügiger. Wer also in einer solchen Situation überhaupt meint, es gebe etwas von oben nach unten umzuverteilen, höhere Löhne und Renten etc. durchsetzen will, der sollte vor allem mit dem energischsten Widerstand der Eigentümer von Kapital rechnen. Die Auseinandersetzungen würden in jedem Fall sehr „unfair“. Es ginge allein um Macht und nicht um „Fairness“! Und wer meint, am Ende käme die „Wohlfahrt für alle“ in einer „wahrhaft sozialen Marktwirtschaft“ dabei heraus, es würde das Reich der Solidarität inmitten der allgemeinen Konkurrenz ausbrechen, der ist nicht von dieser Welt!


    Robert

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Comments 3

  • Hallo Mars...,
    aus meiner Sicht ist Kaufen und Verkaufen nichts anderes als eine bestimmte soziale Form der Verteilung; eine Form der Verteilung, die zu einer bestimmten Form der sozialen Produktion, der Warenproduktion gehört. Es wird nicht direkt und bewusst durch die Gemeinschaft frei assoziierter Individuen verteilt, sondern eben vermittelt über den Markt, auf dem sich die verschiedenen Warenbesitzer begegnen. Die Verteilung funktioniert in einer entwickelten Waren produzierenden Gesellschaft über private Aneignung mit Hilfe eines allgemeinen Äquivalents.
    Grüße
    Robert
  • Im Kapitalismus wird eigentlich nichts verteilt, es wird gekauft und verkauft. Der Staat ist der Einzige der verteilt, nämlich die Steuereinnahmen auf seine einzelnen Ressorts.
    mars