Türken und Deutsche

  • Ich hätte mir bei der Abstimmung über Erdogans Ermächtigungsverfassung auch ein anderes Ergebnis gewünscht - hier und in der Türkei.
    In Deutschland waren rund 1,4 Millionen Türken bei der Erdogan-Abstimmung wahlberechtigt. Bei den türkischen Parlamentswahlen von 2015 lag die Wahlberechtigung bei gut 40 Prozent. Genaue Zahlen über die Wahlbeteiligung beim Referendum habe ich nicht gefunden.
    Rund 3 Millionen Menschen in Deutschland haben einen türkischen Hintergrund. Den Erdogan hat in jedem Fall nur eine deutliche Minderheit der "deutschen Türken" unterstützt.


    Aber ich habe den Eindruck, dass sich in die deutsche Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis der Türken in Deutschland viel übertriebener Stolz über die deutschen Verhältnisse mischt. Da wird so getan, als lebten die Türken (und wir) in einer Vorzeigedemokratie mit strikter Trennung von Kirche und Staat, einer starken parlamentarischen und außerparlamentarischen Opposition und einer regierungskritischen Presse. Nichts davon gibt es. Trotzdem wird ausgerechnet von den türkischen Mitbürgern erwartet, dass sie die "Demokratie verteidigen", an der sie kaum einen Anteil haben. Die meisten türkischen Immigranten haben kein Wahlrecht. In deutschen Zeitungen und in deutschen Medien werden sie verdächtigt und gemobbt. In den Betrieben machen sie die schlechteste Arbeit für niedrigsten Lohn.
    Wo liegt denn der Nutzen der Demokratie für türkische Immigranten? Ich kann ihn nicht erkennen.


    Und schließlich: Die Wähler dürfen nur Kreuzchen machen. Die Wahlgesetze machen andere. In Ländern, wo die Verfassung den Mächtigen passt, liegt eine verfassungsändernde Mehrheit hoch - bei 75%. In der Türkei, wo die Verfassung dem Erdogan nicht gefällt, sollen 52 % bei dem Referendum zur Änderung der Verfassung genügen. So oder so, diese Abstimmung ist getürkt.


    Gruß Wal

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