Neuer Kalter Krieg?

  • Habe eben die Lektüre von John Charmley: „Der Untergang des Britischen Empires“ (Graz 2005) beendet.
    Charmley gibt sich kaum mit historischen Ereignissen ab und will vor allem Hintergrundinformationen liefern. Dieser Blick in Autobiografien und diplomatischer Depeschen hat Charmley unter konservativen Briten den Vorwurf des „Antiamerikanismus“ eingetragen. Tatsächlich ist Charmley ein britischer Imperialist, der meint,
    ein „unabhängigerer“ Kurs gegenüber den USA, wie ihn der Brite Eden und der Franzose de Gaulle nach 1945 einschlugen, hätte der Erhaltung der britischen Weltmacht nach 1945 mehr geholfen als das blinde Vertrauen, das Churchill und die meisten Briten in die USA setzten.


    Für sehr treffend halte ich das Urteil von Charmley über den Kalten Krieg: „Man könnte ihn als den Krieg um die britische Nachfolge bezeichnen. Welche Mächte würden in den Regionen der Welt an Macht und Einfluss gewinnen, wo Großbritannien diese einst ausgeübt hatte.“ (Charmley 413).


    Im Kalten Krieg ging es nicht um Ideologien (Kommunismus oder Antikommunismus), auch nicht um eine Rivalität der Wirtschaftssysteme (Marktwirtschaft versus Zentrale Planwirtschaft). Im Kalten Krieg ging es wie in den meisten anderen Kriegen auf beiden Seiten um Machtausübung über die eigenen Staatsgrenzen hinaus. Es ging auf beiden Seiten um imperiale Interessen.


    Jetzt reden Einige von einer Neuauflage des Kalten Krieges. Daran kann etwas Wahres dran sein. Aber bei der heutigen Neuauflage des Kalten Krieges kann es noch weniger um Ideologie oder um "Systemkonkurrenz" gehen. Bei der heutigen Neuauflage des Kalten Krieges ist offensichtlich, dass es auf beiden Seiten darum geht, welche Mächte an Macht und Einfluss gewinnen" - und das in einer Welt, in der der Einfluss der USA langsam schwindet.


    Die neuen Machthaber in der (West)Ukraine haben also nach dem letzten Strohhalm gegriffen, um sich aus dem Einfluss Russlands zu befreien. Russland dagegen hat nach der erstbesten Möglichkeiten gegriffen, sich die Krim wieder einzuverleiben,
    meint Wal Buchenberg

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