Angestellte

1. Angestellte übernahmen Tätigkeiten,
die ursprünglich Kapitalisten vorbehalten waren.

"Besäße jeder Kaufmann nur so viel Kapital, als er persönlich fähig ist, durch seine eigene Arbeit umzuschlagen, so fände eine unendliche Zersplitterung des Kaufmannskapitals statt ... Die beschränkte Teilung der Arbeit im kaufmännischen Betrieb, wo der eine Bücher führt, der andere die Kasse, ein dritter korrespondiert, dieser einkauft, jener verkauft, dieser reist etc., erspart Arbeitszeit in ungeheuren Massen, so dass die im Großhandel verwandte Zahl von kaufmännischen Arbeitern in gar keinem Verhältnis steht zu der vergleichsmäßigen Größe des Geschäfts.

Es ist dies der Fall, weil im Handel viel mehr als in der Industrie dieselbe Funktion, ob im Großen oder Kleinen verrichtet, gleich viel Arbeitszeit kostet.

Daher zeigt sich auch die Konzentration im Kaufmannsgeschäft historisch früher als in der industriellen Werkstatt. ...

Dasselbe Kaufmannskapital, wenn auf viele kleine Kaufleute verteilt, würde wegen dieser Zersplitterung viel mehr Arbeiter zur Vermittlung seiner Funktionen nötig machen, und es wäre außerdem größeres Kaufmannskapital nötig, um dasselbe Warenkapital umzuschlagen." K. Marx, Kapital III, MEW 25, 305f.


"Je entwickelter die Produktionsleiter, desto größer, wenn auch keineswegs im Verhältnis, sind die kaufmännischen Operationen des industriellen Kapitals, also auch die Arbeit und die sonstigen Zirkulationskosten für die Realisierung des Werts und Mehrwerts. Es wird dadurch Anwendung kommerzieller Lohnarbeiter nötig, die das eigentliche Kontor bilden.

Die Auslage für dieselben, obgleich in Form von Arbeitslohn gemacht, unterscheidet sich von dem variablen Kapital, das im Ankauf der produktiven Arbeit ausgelegt ist. Es vermehrt die Auslagen des industriellen Kapitalisten ... ohne direkt den Mehrwert zu vermehren. Denn es ist Auslage, bezahlt für Arbeit, die nur in der Realisierung schon geschaffener Werte verwandt wird. Wie jede andere Auslage dieser Art, vermindert auch diese die Rate des Profits, weil das vorgeschossene Kapital wächst, aber nicht der Mehrwert." K. Marx, Kapital III, MEW 25, 310.

"Der industrielle Kapitalist sucht also diese Zirkulationskosten, ganz wie seine Auslagen für konstantes Kapital, auf ihr Minimum zu beschränken.

Das industrielle Kapital verhält sich also nicht in derselben Weise zu seinen kommerziellen wie zu seinen produktiven Lohnarbeitern. Je mehr von diesen letzteren bei sonst gleich bleibenden Umständen angewandt werden, umso massenhafter die Produktion, umso größer der Mehrwert oder Profit. Umgekehrt dagegen (bei seinen kaufmännischen Arbeitern). ...

Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Arbeit, die nur in den vermittelnden Operationen besteht, welche teils mit der Berechnung der Werte, teils mit ihrer Realisierung, teils mit der Wiederverwandlung des realisierten Geldes in Produktionsmittel verbunden sind, deren Umfang also von der Größe der produzierten und zu realisierenden Werte abhängt, dass eine solche Arbeit nicht als Ursache, wie die direkt produktive Arbeit, sondern als Folge der jeweiligen Größen und Massen dieser Werte wirkt. ...

Um viel zu messen, zu wiegen, zu verpacken, zu transportieren, muss viel da sein; die Menge der Pack- und Transportarbeit etc. hängt ab von der Masse der Waren, die Objekte ihrer Tätigkeit sind, nicht umgekehrt." K. Marx, Kapital III, MEW 25, 310f.

"Der Kapitalist vermehrt die Zahl der kaufmännischen Arbeiter, wenn mehr Wert und Profit zu realisieren ist. Die Zunahme dieser Arbeit ist stets Wirkung, nie Ursache der Vermehrung des Mehrwerts." K. Marx, Kapital III, MEW 25, 312.

2. Diese Angestellten sind
"auch wenn sie besser bezahlt werden"
Teil des produktiven Gesamtarbeiters

„Unter ‚Proletarier‘ ist ökonomisch nichts zu verstehen als der Lohnarbeiter, der ‚Kapital‘ produziert und verwertet und aufs Pflaster geworfen wird, sobald er für die Verwertungsbedürfnisse des ‚Monsieur Kapital‘... überflüssig ist.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, S. 642, Anm. 70.

„Es fragt sich jetzt: Wie verhält es sich mit den kaufmännischen Lohnarbeitern, die der kaufmännische Kapitalist, hier der Warenhändler, beschäftigt?

Nach einer Seite hin ist ein solcher kaufmännischer Arbeiter Lohnarbeiter wie ein anderer. Erstens, insofern die Arbeit gekauft wird vom variablen Kapital des Kaufmanns, nicht von dem als Revenue (für Lebensunterhalt) verausgabten Geld, und daher auch nur gekauft wird nicht für Privatbedienung, sondern zum Zweck der Selbstverwertung des darin vorgeschossenen Kapitals. (Unproduktive Arbeiter werden dagegen für privaten oder öffentlichen Konsum genutzt, nicht zur Vermehrung oder Verwertung von Kapital.)

Zweitens, sofern der Wert seiner Arbeitskraft und daher sein Arbeitslohn bestimmt ist, wie bei allen anderen Lohnarbeitern, durch die Produktions- und Reproduktionskosten seiner spezifischen Arbeitskraft, nicht durch das Produkt seiner Arbeit.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 303f.

„Dem industriellen Kapital erscheinen und sind die Zirkulationskosten Unkosten.

Dem Kaufmann erscheinen sie als Quelle seines Profits, der – die allgemeine Profitrate vorausgesetzt – im Verhältnis zur Größe seines Kaufmannskapitals steht. Die in diesen Zirkulationskosten zu machende Auslage ist daher für das kaufmännische Kapital eine produktive Anlage. Also ist auch die kommerzielle Arbeit, die es kauft, für es unmittelbar produktiv.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 313.

„Aber es muss zwischen ihm und den direkt vom industriellen Kapital beschäftigten Arbeiter derselbe Unterschied stattfinden, der zwischen dem industriellen Kapital und dem Handelskapital und daher zwischen dem industriellen Kapitalisten und dem Kaufmann stattfindet.

Da der Kaufmann als bloßer Zirkulationsagent weder Wert noch Mehrwert produziert ..., so können auch die von ihm in denselben Funktionen beschäftigten kaufmännischen Arbeiter unmöglich unmittelbar Mehrwert für ihn schaffen.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 304.

„Was Schwierigkeiten macht mit Bezug auf die kaufmännischen Lohnarbeiter, ist keineswegs, zu erklären, wie sie direkt für ihren Beschäftiger Profit produzieren, obgleich sie nicht direkt Mehrwert ... produzieren.

Diese Frage ist in der Tat schon gelöst durch die allgemeine Analyse des kaufmännischen Profits. Ganz wie das industrielle Kapital dadurch Profit macht, dass es in den Waren steckende und realisierte Arbeit verkauft, für die es kein Äquivalent (keinen Gegenwert) bezahlt hat, so das kaufmännische Kapital dadurch, dass es dem produktiven Kapital die unbezahlte Arbeit, die in der Ware steckt (...) nicht ganz zahlt, dagegen beim Verkauf der Waren diesen noch in den Waren steckenden und von ihm unbezahlten Teil sich zahlen lässt.

Das Verhältnis des Kaufmannskapitals zum Mehrwert ist ein anderes als das des industriellen Kapitals. Das letztere produziert den Mehrwert durch direkte Aneignung unbezahlter fremder Arbeit. Das erstere eignet sich einen Teil dieses Mehrwerts an, indem es diesen Teil vom industriellen Kapital auf sich übertragen lässt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 304.

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„Wie die unbezahlte Arbeit des Arbeiters dem produktiven Kapital direkt Mehrwert schafft, schafft die unbezahlte Arbeit der kommerziellen Lohnarbeiter dem Handelskapital einen Anteil an jenem Mehrwert.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 305.

„Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten bestimmt, während die Ausübung dieser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftäußerung und Abnutzung, wie bei jedem anderen Lohnarbeiter, keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft.

Was er dem Kapitalisten kostet, und was er ihm einbringt, sind verschiedene Größen. Er bringt ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert schafft, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, soweit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 311.

Da Zirkulationsarbeiter unbezahlte Arbeit verrichten, werden sie vom Kapital ausgebeutet. Als vom Kapital Ausgebeutete zählen sie zur Lohnarbeiterklasse, auch wenn sie dort eine eigene Abteilung bilden: die Zirkulationsarbeiter.

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„Das Kaufmannskapital geht also ein in die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit, obgleich nicht in die Produktion dieses Mehrwerts. Daher enthält die allgemeine Profitrate bereits ... einen Abzug vom Profit des industriellen Kapitals. Es folgt aus dem Bisherigen: ...

Je größer das Kaufmannskapital im Verhältnis zum industriellen Kapital, desto kleiner die Rate des industriellen Profits und umgekehrt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 297f.



Also gilt im gesellschaftlichen Maßstab: Die Zirkulationsarbeiter vergrößern den gesellschaftlichen Mehrwert, indem sie durch möglichst hohe Effizienz ihrer Arbeit und möglichst viel unbezahlte Arbeit die gesellschaftlichen Zirkulationskosten für die gesamte Kapitalistenklasse senken.

„Der eigentlich kaufmännische Arbeiter (= Angestellte) gehört zu der besser bezahlten Klasse von Lohnarbeitern, zu denen, deren Arbeit geschickte Arbeit ist, die über der Durchschnittsarbeit steht.

Indes hat der Lohn die Tendenz zu fallen, selbst im Verhältnis zur Durchschnittsarbeit, im Fortschritt der kapitalistischen Produktionsweise. Teils durch Teilung der Arbeit innerhalb des Kontors; ... Zweitens, weil die Vorbildung, Handels- und Sprachkenntnisse usw. mit dem Fortschritt der Wissenschaft und Volksbildung immer rascher, leichter, allgemeiner, billiger reproduziert werden, ...

Die Verallgemeinerung des Volksunterrichts erlaubt, diese Sorte aus Klassen zu rekrutieren, die früher davon ausgeschlossen, an schlechtere Lebensweise gewöhnt waren. Dazu vermehrt sie den Zudrang und damit die Konkurrenz.

Mit einigen Ausnahmen entwertet sich daher im Fortgang der kapitalistischen Produktion die Arbeitskraft dieser Leute; ihr Lohn sinkt, während ihre Arbeitsfähigkeit zunimmt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 311f.

Anmerkung

Es gab und gibt unter Marxisten eine unfruchtbare Diskussion darüber, ob die Lohnarbeiter des Handels-, Banken- und Versicherungskapitals zum produktiven Gesamtarbeiter („Proletariat“ bzw. Lohnarbeiterklasse) gehören oder nicht.

Es mutet etwas seltsam an, dass diese Marxisten die Bank-, Versicherungs- und Handelskapitalisten fraglos zur Kapitalistenklasse zählen, aber deren Lohnarbeiter nicht zur Arbeiterklasse gehören sollen.

Nirgends hat Karl Marx die Lohnarbeiter im Handel, bei Banken und Versicherungen als „unproduktive Arbeiter“ bezeichnet. Er unterschied aber zwischen „direkt produktiver“ und „indirekt produktiverArbeit. Die eine schafft unmittelbar Mehrwert, die andere vermehrt (= verwertet) indirekt das gesamtgesellschaftliche Kapital durch Beschleunigung des Kapitalumschlags und durch Senkung der allgemeinen Zirkulationskosten wie es anhand des kaufmännischen Kapitals im dritten Teil des „Kapitals“ (MEW 25, 291) erklärt ist.

Und zum produktiven Gesamtarbeiter ("Proletariat") zählte Marx ausdrücklich jeden Lohnarbeiter, der " Kapital produziert und verwertet"(Kapital I, MEW 23, 642, Anm. 70). Kapital wird produziert durch Produktion von Mehrwert, Kapital wird verwertet (vermehrt) durch Effektivierung und Ökonomisierung des Gesamtumschlags des Kapitals. Für beides leisten die Lohnarbeiter unbezahlte Arbeit.

Unproduktive Arbeiter dagegen sind für Karl Marx wie für Adam Smith nur solche, die für private oder staatliche Dienstleistungen bezahlt werden.

Siehe auch:

Produktive und unproduktive Arbeit

Zirkulationsarbeit

Zur Zitierweise:

Wo es dem Verständnis dient, wurden veraltete Fremdwörter, alte Maßeinheiten und teilweise auch Zahlenbeispiele zum Beispiel in Arbeitszeitberechnungen modernisiert und der Euro als Währungseinheit verwendet. Dass es Karl Marx in Beispielrechnungen weder auf absolute Größen noch auf Währungseinheiten ankam, darauf hatte er selbst hingewiesen: Die Zahlen mögen Millionen Mark, Franken oder Pfund Sterling bedeuten. Kapital II, MEW 24, 396.

Alle modernisierten Begriffe und Zahlen sowie erklärende Textteile, die nicht wörtlich von Karl Marx stammen, stehen in kursiver Schrift. Auslassungen im laufenden Text sind durch drei Auslassungspunkte kenntlich gemacht. Hervorhebungen von Karl Marx sind normal fett gedruckt. Die Rechtschreibung folgt der Dudenausgabe 2000. Quellenangaben verweisen auf die Marx-Engels-Werke, (MEW), Berlin 1956ff.

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