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verfasst von Wal Buchenberg(R), 31.03.2012, 20:55

Charles Fourier: Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen. Hsrg von Theodor W. Adono. EVA Frankfurt 1966.

„Die Zivilisierten (der heutigen Gesellschaft w.b.) haben meist nur drei bis vier vorherrschende Neigungen. Man wird ihnen also eine große Zahl neuer Bedürfnisse entwickeln müssen und in jedem Einzelnen zehnmal mehr Leidenschaften wecken, als er heute besitzt. Um zu diesem Ziel zu gelangen, müssen wir eine Methode wählen, ... (die) darin besteht, die Arbeit attraktiv zu machen, so dass sie, die heute auf dem Lande und in der Manufaktur nur unter Zwang mit Abscheu geleistet wird, mit Vergnügen ausgeführt würde.“ ...

„.... bei der Arbeit, die in der neuen Gesellschaftsordnung ebenso attraktiv sein wird wie bei uns das Festessen und andere Genüsse. Wenn in einer Gruppe von zwanzig Mitgliedern jeder Einzelne ein Amt hat, so werden Tatenlust und Wetteifer nur um so größer sein, ohne dass ein Pfennig ausgegeben werden müsste, außer für die Abzeichen, durch die sie sich unterscheiden, denn die Serie (das Arbeitsteam, w.b.), das in Leidenschaft für die Aufgabe entbrannt ist, die sie vereint, gibt ihren Offizieren (Chefs, w.b.) keine Entlohnung. Zwei Motive bewegen sie, ihre Leidenschaft, die sie zu der Serie (zur Arbeit im Team, w.b.) treibt, und das Ansehen des Ranges, der sie auszeichnet.“

„Wenn man aber ... einen Kanton mit ungefähr einhundertvierzig Serien (=Arbeitsteams, w.b.) gründet, für Bodenkultur, Manukfakturen, Künste und Wissenschaften, wenn man sie regelrecht gegeneinander ausspielt, kann man so reizvolle Wettkämpfe, so viel Interesse an den verschiedenen Arbeiten entfachen, dass alle diese Serien (=Arbeitsteams, w.b.) unter den Einfluss der allgemeinen Attraktivität geraten, dass sie einander zu wunderbaren Leistungen hinreißen, ohne dass der Gewinn der Anreiz wäre. Nur das Feuer ihrer Leidenschaften, nur eine blinde Vorliebe für ihre Lieblingsbeschäftigungen treibt sie an. Ihre Begeisterung wird so groß sein, dass der Millionär und luxuriöse Weichling von heute, sich vor Tagesanbruch erheben wird, um persönlich die Arbeit des Teams, dem er angehört, zu beleben und mitzuhelfen. Tagsüber wird er sich abmühen wie ein Galereensklave, weil er durch sein Beispiel seine Gruppen und seine Lieblingsteams anfeuert, und wird nach aller Plage darüber klagen, dass man die Länge des Tages nicht verdoppeln kann, um die Mühe zu verdoppeln, die ihn glücklich macht. All seine Mitarbeiter, ob reich, ob arm, werden seine Begeisterung teilen, und darum werden die Arbeitsteams der Leidenschaft wertvolle Ernten von einem Boden einbringen, um den sich die Zivilisierten vergeblich bemühen.“
Aus: Kleine Bibliothek des Wissens und des Fortschritts. Band I. Zweitausendeins, Frankfurt.

Mein Kommentar dazu:
1. Das ist schlechte Psychologie.

2. Das ist eine Herrschafts- und Wachstumgsideologie, die die Arbeitenden mittels angestachelter „Leidenschaften“ manipulieren will, um sie zu maximaler Verausgabung ihrer Arbeitskraft zu bewegen.

3. Das ist schlechte Utopie.

Wer behauptet, dieses Konzept der "attraktiven Arbeit" sei identisch mit der Einsicht in die Notwendigkeit in einer selbstbestimmten Gesellschaft (K. Marx), der kennt weder Karl Marx noch Charles Fourier.


Gruß Wal Buchenberg

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