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"Krisen-Tarifabschluss" der IGM

verfasst von Wal Buchenberg(R), 19.02.2010, 09:39

Mit ihrer Vorgehensweise nach Gutsherrenmanier hatte die IGM-Führung Kopf und Kragen riskiert. Frühzeitig hatte Huber verkündet, auf Lohnforderungen verzichten zu wollen. Die Diskussion darüber wurde in den Betrieben abgeblockt. Die Verhandlungen mit den Kapitalisten wurden absichtlich in die Zeit vorgezogen, wo der alte Tarif noch galt, also Friedenspflicht bestand.
Damit machte die IGM-Führung deutlich: Wir wollen in der Krise keinen Arbeitskampf.
Das sieht nach vollständiger Unterwerfung aus, ist aber dennoch ein strategisches Kalkül: Indem die Gewerkschaftsführung sich aller ihrer Truppen entledigt und unbewaffnet ins feindliche Hauptquartier marschiert, gibt sie sich zwar ganz in die Hände der Kapitalisten, aber dahinter steckt doch eine Drohung:
Falls die Gewerkschaftsführung mit ihrem von der Gewerkschaftssatzung nicht gedeckten Vorgehen scheiterte und mit leeren Händen zurückkehrte, dann wäre die Empörung riesig und ihre Tage im Amt gezählt. Es kämen kämpferischere Leute an die Spitze der Gewerkschaft.
Huber & Co. hatten ihr persönliches Schicksal mit diesem Abschluss verknüpft.

Tatsächlich sind Huber & Co. nicht mit leeren Händen zurückgekehrt.
Unter den Kollegen wird niemand über den Abschluss jubeln, aber sie werden nicht glauben, dass mit ein paar Warnstreiks viel mehr erreicht worden wäre.
Nach jetziger Datenlage wurde beim Lohn mit zwei Einmalzahlungen und einer späteren Prozenterhöhung ein Inflationsausgleich mindestes für die unteren Lohngruppen erreicht.

Bemerkenswert ist, dass die IGM mit der Zahlung von 320 Euro für alle erstmals einen Festgeldabschluss vereinbart hat, der vor allem den unteren Lohngruppen zugute kommt. Leider geht diese Festgelderhöhung nicht in den Tarif ein. Immerhin ist mit diesem Abschluss ein Präzedenzfall geschaffen. Seit Jahrzehnten fordern Gewerkschaftslinke im Interesse der unteren Lohngruppen Festgeld-Erhöhungen, was die Gewerkschaftsführung boykottierte und damit der Lohnspreizung und der Ausweitung des Niedriglohnsektors Vorschub leistete.

Die tarifliche Absicherung von betrieblicher Kurzarbeit ist als Kriseninstrument schon lange in der Bauindustrie üblich. Ich kenne mich aber mit den Details zuwenig aus, um beurteilen zu können, ob der jetzige Metall-Deal die üblichen Standards der Bauindustrie einhält oder nicht. Es ist jedenfalls nicht verkehrt, so ein betriebliches Instrument zu haben.

Was die Versprechen, auf Kündigungen weitgehend zu verzichten, wert sind, wird sich noch zeigen. Für die Kapitalisten sind solche Versprechen billig und wenig wert. Für die Lohnarbeiter haben sie doch einen Wert. Die Empörung wird umso größer sein, wenn einzelne Kapitalisten meinten, sie könnten sich aus diesem Versprechen davonstehlen.

Mit einem Wort: Die Lohnarbeiterklasse wurde zwar von der Gewerkschaftsführung und den Kapitalisten von den Verhandlungen bewusst ausgeschlossen, aber sie saß dennoch - als Streikgespenst - mit am Tisch.
Und noch eins: Diesmal konnte die Gewerkschaftsführung die eigenen Mitglieder vollständig und die Kapitalseite mindestens zum Teil überrumpeln. Wiederholbar ist das nicht. Der Arbeitskampf ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Wal Buchenberg, 19.02.2010.

 

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