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"Krisen-Tarifabschluss" der IGM

verfasst von Daniel Behruzi (jw/Doku), 19.02.2010, 09:05

Alle loben die IG Metall
Daniel Behruzi
So schnell war eine Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie noch nie beendet. Bereits in der zweiten vorgezogenen Verhandlungsrunde unterzeichneten Unternehmer und IG Metall am Donnerstag morgen in Düsseldorf eine Vereinbarung, die neben geringfügigen Einkommensverbesserungen ein »Job-Paket« beinhaltet, das Entlassungen in der Krise vermeiden soll. Gewerkschaftsführer, Unternehmerverbände, Spitzenmanager und Wirtschaftsinstitute zeigten sich unisono begeistert über den Abschluß.

In den elf Monaten zwischen Mai 2010 und März 2011 müssen sich die rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Metallbranche mit zwei Einmalzahlungen von insgesamt 320 Euro begnügen, die nicht in die Entgelttabelle einfließen. Im April 2011 gibt es dauerhaft 2,7 Prozent mehr Geld. Diese Erhöhung kann allerdings auf Betriebsebene um zwei Monate vorgezogen oder nach hinten verschoben werden. Der Vertrag läuft bis Ende März 2012, also 23 Monate.

Im Zentrum der Vereinbarung steht indes ein »Maßnahmenpaket zur Beschäftigungssicherung«, das in Nordrhein-Westfalen den Namen »Zukunft in Arbeit« trägt. Dieses ermöglicht Betrieben, in denen seit mindestens einem Jahr Kurzarbeit läuft, die Wochenarbeitszeit tariflich auf bis zu 28, in Krisenfällen sogar auf 26 Stunden zu verkürzen. Die Betroffenen erhalten einen geringen Teillohnausgleich: Bei einer 28-Stunden-Woche bekommen sie 29,5 Stunden bezahlt. Weiteres Element ist die Möglichkeit, sich für Qualifizierungsmaßnahmen vorübergehend von der Arbeit freistellen zu lassen.

IG-Metall-Verhandlungsführer Oliver Burkhard erklärte: »Mit unserem Modell ist klar: In dieser Krise muß niemand gekündigt werden. Die Unternehmen haben jetzt hervorragende Instrumente, um Arbeitsausfall bis Mitte 2012 abzufedern.« Ähnlich äußerte sich Gewerkschaftschef Berthold Huber, der von einer »fairen Lastenverteilung« zwischen Unternehmern und Belegschaften sprach. Sehr zufrieden präsentierte sich auch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer. »Dieser Abschluß ist ein eindrucksvolles Zeichen gemeinsamen Krisenmanagements. Wir haben gut zwei Monate vor Ablauf der geltenden Tarifverträge eine Einigung auf friedlichem Wege gefunden – das hat es so noch nie gegeben.« Sowohl Gesamtmetall als auch die IG Metall forderten die Bundesregierung auf, die Vereinbarung durch die Freistellung der Kurzarbeit und des Teillohnausgleichs von den Sozialabgaben zu unterstützen. Beide empfahlen ihren Bezirken die Übernahme des NRW-Vertrags. In Baden-Württemberg geschah dies bereits am Donnerstag nachmittag.

Erfreut über die Vereinbarung zeigten sich sowohl das unternehmernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) als auch verschiedene Konzernvertreter. Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach von einem »Abschluß der Vernunft«. Siemens lobte, die Tarifparteien hätten »Augenmaß bewiesen, insbesondere vor dem Hintergrund der Krise«. Der Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, Hannes Hesse, stellte allerdings klar: »Die Vereinbarungen können den einzelnen Unternehmer nicht von seiner Verantwortung entbinden, die jeweils notwendigen personalpolitischen Entscheidungen zu treffen, um sein Unternehmen über die Krise zu retten.«

Ungekürzt aus: Junge Welt

 

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