Welcher OECD-Staat gerät in die Schuldenfalle?
Die Schuldenfalle
Nehmen wir als Beispiel 200.000 Euro Schulden, die mit 5 Prozent Zinsen, also 10.000 Euro im Jahr, bedient werden müssen. Nehmen wir an, der Schuldner kann die 10.000 Euro pro Jahr aus seinem Einkommen zahlen, dann ist er solvent.
Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Tatsächlich ändert sich diese Situation im Laufe der Zeit. Die Schuldenlast ändert sich nicht, aber das Einkommen des Schuldners kann/wird sich ändern.
Wenn nun das Einkommen des Schuldners steigt, drücken ihn die Schulden weniger.
Wenn sein Einkommen sinkt oder stagniert, dann drückt ihn der Schuldendienst schwerer. Im letzteren Fall muss er Einbußen an seinem Lebensstandard hinnehmen oder er gerät in die Schuldenfalle: Der Prozentsatz seines Schuldendienstes an seinem Einkommen steigt. Die Pleite rückt näher.
Ob ein Schuldner pleite geht, hängt nicht nur von der Höhe seiner Schulden, sondern ebenso von der Höhe seines Einkommens ab.
Auf eine Volkswirtschaft übertragen heißt das:
Wenn das Jahreswirtschaftswachstum (BIP) steigt, kann ein Staat seinen Schuldendienst leichter bedienen, weil er entsprechend mehr Steuern einnimmt. Wenn das Jahreswirtschaftswachstum (BIP) stagniert oder sinkt, dann schneidet der staatliche Schuldendienst tiefer in die Staatsausgaben ein.
Wohlgemerkt: Es geht hier immer nur um den Schuldendienst (Zinszahlungen), nicht um den Abbau der Hauptschuld. Damit rechnet sowieso niemand.
Die folgende Tabelle zeigt das (prognostizierte) Wirtschaftswachstum im Verhältnis zum Schuldendienst des Landes. In der letzten Spalte wird ein Saldo gezogen.
Ist das Saldo negativ, dann werden die Staatsfinanzen (bei dem prognostizierten Wachstum) durch den Schuldendienst stärker beschnitten. Die Regierung muss Ausgaben kürzen und Steuern erhöhen - oder die Schulden erhöhen sich. Ganz am Ende dieses Weges steht der Staatsbankrott.
Ist das Saldo der letzten Spalte positiv, dann hat der Schuldendienst (bei dem prognostizierten Wachstum) keine direkten Auswirkungen auf die Staatsfinanzen. Diese Regierung kann ihre Schulden ohne Einschnitte bei den Ausgaben bzw. ohne Steuererhöhungen finanzieren.
![[image]](http://www.economist.com/sites/default/files/images/blogs/2010w05/Chart1.jpg)
Bei Irland kommt diese Prognose des „Economist“ zu einer Verschlechterung der Staatsfinanzen von 6 Prozent. Für Deutschland wird eine Verschlechterung von 0,8 Prozent errechnet. Um diese 0,8 Prozent des BIP müssten die Steuern erhöht oder die Ausgaben gesenkt werden, damit die Schuldenlast der deutschen Regierung nicht wächst.
Falls ein Schuldenstaat nicht reagiert, dann erhöht sich der Anteil des Schuldendienstes an seinen Ausgaben. Der finanzielle Spielraum des Staates schrumpft.
Falls aber sich die obigen Wachstumszahlen in den kommenden Jahren nicht erreichen lassen (und ich halte sie für überaus optimistisch), dann frisst sich der Schuldendienst noch schneller und noch tiefer in die Staatsausgaben hinein.
Siehe auch im Karl-Marx-Lexikon: Staatsschuld
Gruß
Wal Buchenberg
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- Lukas Zeise: Staatspleiten - Wal Buchenberg
, 02.02.2010, 10:24- Welcher OECD-Staat gerät in die Schuldenfalle? - Wal Buchenberg
, 02.02.2010, 15:15- So what ? - Matthias Lovenberg, 03.02.2010, 15:36
- Klärungsversuch - Wal Buchenberg
, 03.02.2010, 16:31- Griechenland vor dem Bankrott - G. Höhler (Anmerkungen von w.b.), 08.02.2010, 15:36
- Deutschland - Griechenland - eine schmierige Geschichte - Bernd, 16.03.2010, 09:58
- Griechenland vor dem Bankrott - G. Höhler (Anmerkungen von w.b.), 08.02.2010, 15:36
- Klärungsversuch - Wal Buchenberg
- So what ? - Matthias Lovenberg, 03.02.2010, 15:36
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