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Jahresproduktion

verfasst von Wal Buchenberg(R), 18.01.2010, 11:18

» » Die folgende Grafik gibt Auskunft über die gesamten US-Geld- bzw.
» » Finanzwerte im Verhältnis zu den jährlich produzierten Warenwerten der
» » USA. [/b]
»
» Verständnisfrage:
»
» Was ist mit den Warenwerten, die in den Jahren davor produziert wurden?
» Fallen die weg? Stehen sie als Warenwerte nicht mehr dem Geldwert
» gegenüber?
»
» Grüße
»
» Yuniel

Hallo Yuniel,
Teils, teils.
Natürlich gibt es Warenwerte aus dem Vorjahr, die im Vorjahr nicht verzehrt worden sind. Niemand kann bei Null anfangen.
Marx teilt die gesamten Warenwerte in drei Abteilungen:
- Produktionsmittel - Maschinen, Energie, Rohstoffe etc. = "konstantes Kapital c"
- Konsumtionsmittel der Lohnarbeiter (inclusive "Anhang" wie Renter, HartzIV etc) = "variables Kapital v") und
- Mehrwert (m) (inclusive Staatsapparat).

Wenn von Bruttosozialprodukt (BSP) oder dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Rede ist, dann handelt es sich immer nur um die beiden letzteren Größen v + m. Das ist das Neuprodukt, das jährlich verzehrt werden kann (aber nicht verzehrt werden muss.) Das verbrauchte konstante Kapital wird von den Statistikern als "Vorleistungen" herausgerechnet.
In Werten gerechnet macht das kein großes Problem. In Gebrauchswerten gerechnet ist das etwas komplizierter. Denn es scheint so, als würden jedes Jahr nur Konsumtionsmittel geschaffen (und verzehrt). Woher kommen dann jährlich neue Produktionsmittel?
Tatsächlich müssen im laufenden Jahr die Produktionsmittel geschaffen werden, die im Folgejahr gebraucht werden. An dieser Fragestellung haben etliche bürgerliche Ökonomen vergeblich herumgekaut.

Karl Marx erklärte das so:
Es gibt Kapitalisten, die nur Produktionsmittel produzieren (Abteilung I) und Kapitalisten, die nur Konsumtionsmittel produzieren (Abteilung II). Sie tauschen untereinander ihre Produkte aus.

Ungefähr so:

Abteilung I. Produktionsmittel: 4000 c + 1000 v + 1000 m = 6000.

Abteilung II. Konsumtionsmittel: 2000 c + 500 v + 500 m = 3000.

Das Neuprodukt dieses Jahres beträgt also 1500 v + 1500 m = 3000. Das wird ganz verzehrt.
Der Wert der Produktionsmittel beträgt 4000 Ic + 2000 IIc = 6000.
Dieser Wert wird reproduziert, nicht neu geschaffen. In Natura werden jedoch auch verbrauchte Produktionsmittel ersetzt und reproduziert im Wert von 2000 fürs kommende Jahr.

Das funktioniert so:

Die Kapitalisten und Lohnarbeiter in I brauchen Konsumtionsmittel im Wert von 2000. Sie produzieren aber selber keine Konsumtionsmittel.
Die Kapitalisten in II. brauchen Produktionsmittel im Wert von 2000. Sie produzieren aber selber keine Produktionsmittel.
Durch stückweise Käufe und Verkäufe zwischen den Abteilungen I und II geschieht dieser Austausch.

Die Kapitalisten II. produzieren über diesen Wert 2000 hinaus noch weitere Konsumtionsmittel im Wert von 1000. Dieser Austausch geschieht durch stückweisen Verkauf der Kapitalisten untereinander bzw. durch Kauf der Lohnarbeiter bei den Kapitalisten von II.
Bleiben noch übrig: Produktionsmittel im Wert von 4000c in Abteilung I. Deren Austausch geschieht durch Kauf und Verkauf der Kapitalisten in Abteilung I untereinander.

I (v + m) muss also wertmäßig so groß sein wie II c, sonst kommt es zu einer Krise: Entweder bleiben dann unverkäufliche Produktionsmittel liegen (Falls I v + m) größer ist als IIc) oder unverkäufliche Konsumtionsmittel (falls IIc größer ist als I (v + m).

Karl Marx hat diesen Zusammenhang im Zweiten Band des Kapitals entwickelt:
Dritter Abschnitt. Die Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. (MEW 24, S. 351ff)
In meiner Kapitalkurzfassung nachzulesen: HIER

Kapitalisten und ihre Ökonomen kümmern sich wenig um die Gebrauchswertseite der Produktion. Sie setzen immer voraus, dass die passende Ware in passender Menge vorhanden sei. Wenn nicht, soll dann ein erhöhter Preis die zusätzliche Ware herbeischaffen. Das ist ziemlich blauäugig gedacht.

Die Sache ist jedoch von ziemlicher Wichtigkeit, wenn in einer kommunistischen Gesellschaft nur mit Gebrauchswerten und nicht mit Geld bzw. Warenwerten gerechnet wird. Dann kommt es darauf an, dass die einzelnen Sektoren der Wirtschaft aufeinander abgestimmt sind, so dass zum Beispiel nicht mehr Energie oder Stahl produziert wird, als die anderen Wirtschaftszweige benötigen.

Gruß Wal

 

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