Zum Unglück in Genua

  • „Italien privatisierte seine Autobahnen 1999. Nur 950 von insgesamt 6500 Kilometern blieben im Besitz der staatlichen Straßengesellschaft Anas. Die war in den vergangenen Jahren tief in einem Sumpf aus Korruption und Misswirtschaft versunken. Das Vertrauen in die staatliche Anas war noch geringer als in private Betreiber.“ (sueddeutsche.de, "Sind private Autobahnen unsicherer?" 15.08.18)


    Soweit muss es ein Staatsbetrieb erst einmal bringen, das Vertrauen in diesem sei „noch geringer als in private Betreiber“. Den Vergleich zieht nur jemand, der genau weiß wie diese reichen Herren unserer Klassengesellschaft kalkulieren und sich um das Wohl der Leute scheren.


    „Die italienische Regierung erhebt bereits am Tag nach dem Einsturz schwere Vorwürfe gegen den Betreiber. Von Vertragsbruch und mangelhafter Wartung ist die Rede … Dem Unternehmen Atlantia, das auch in Brasilien, Indien, Chile und Polen Autobahnen betreibt, wurde allerdings immer wieder vorgeworfen, trotz (!) hoher Einnahmen zu wenig in die Infrastruktur zu investieren. Der Betreiber reichte die Kritik unter Verweis auf lange Genehmigungsprozesse der staatlichen Anas weiter.“ (ebd.)


    Der geschulte Bürgerverstand bleibt da bei seinen metaphysischen Dogmen, der Profit entsteht natürlich infolge des unternehmerischen Talents und wächst auf den Bäumen der Fantasie – und nachdem dieser Profit eingestrichen wurde, sind die Kapitalisten gar so geizig ein paar Pfennig für die Wartungskosten aufzubringen. Als wären die Einnahmen nicht gerade deshalb so hoch, weil die privaten Betreiber an den Kosten für Wartung und sonstige Sicherheiten sparen, welche den Gewinn wiederum schmälern würden. Dieses Prinzip jedes kapitalistischen Unternehmens ist allgemein bekannt, weil dies alles Kosten in der Gewinnbilanz der besitzenden Klasse sind, wird daran gespart, was das Zeug hält: Umweltverträglichkeit, Lohn, Arbeitsbedingungen und -sicherheit, Produktqualität wie Gesundheit, Sicherheit oder Nachhaltigkeit der Waren und Dienstleistungen usw. usf.


    „Allerdings wächst der Ärger über die hohen Preise für die Autobahnnutzung.“ (ebd.)


    Da darf sich der Bürger wieder zusätzlich für die Bereicherungsinteressen von Geschäftsleuten ausnehmen lassen, die ihm die Privatisierung in den letzten Sektoren der Volkswirtschaft beschert – wenn man dafür nicht seiner Herrschaft danken soll...


    https://www.sueddeutsche.de/pa…der-mautstation-1.4093409

  • Hallo Pfeilregen,

    wer die Welt erklären will, sollte auch auf solche aktuellen Ereignisse wie der Einsturz der Genua-Brücke eingehen.

    Aber wie lange ist das Unglück her? Vier Wochen? Sechs Wochen? Acht Wochen?


    Das linke Spektrum verfügt fast nur noch über Monatszeitschriften. Da böte es sich an, in Blogs und in Foren wie dieses, auf aktuelle Ereignisse einzugehen.

    Wo immer Linke/Sozialisten/Kommunisten mit wochenlanger Verspätung auf Ereignisse reagieren, demonstrieren sie ihre Schwäche.

    Gruß Wal

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