Wohnungsnot: Bürgerliche Köpfe werden wach

  • Heribert Prantl, einer der Chefredakteure der „Süddeutschen“

    schreibt zur Wohnungsnot in Deutschland:


    „Die Mietpreise sind heute das, was früher die Brotpreise waren. Eine Maurerfamilie in Berlin musste vor zweihundert Jahren mehr als 72 Prozent des Familieneinkommens für Ernährung ausgeben, davon die Hälfte für Brot. ... Nahrungsmittel sind unglaublich billig geworden. Die Wohnungsmiete dagegen ist zum Teil unglaublich teuer geworden. Für Miete gibt ein Durchschnittshaushalt in Deutschland etwa doppelt so viel Geld aus wie für Ernährung, oft noch sehr viel mehr. Die Miete frisst die Familieneinkommen auf. Die Mietpreise werden damit zum Sprengstoff der Gesellschaft. ...

    Die Bodenpreise in Berlin sind in den vergangenen fünf Jahren um 345 Prozent gestiegen, die Verkaufspreise für Neubauwohnungen nur um sechzig Prozent. ...

    Was könnte hier Nachhaltigkeit bedeuten? Erstens: Kommunale und staatliche Grundstücke werden nur noch unter der Vereinbarung bestimmter Nutzung vergeben, unter Auflagen also - zum Beispiel der, dass innerhalb einer bestimmten Zeit auf eine ganz bestimmte Weise gebaut werden muss, ansonsten wird die Vergabe des Grundstücks rückgängig gemacht....

    Zweitens: Grundstücke dürfen von der öffentlichen Hand an privat gar nicht mehr verkauft werden. Grund und Boden soll, aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen, an private Bauherren nur noch per Erbbaurecht vergeben werden. ...

    Viertens: Die Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Kapital- und Arbeitsaufwand entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.“


    Soweit Heribert Prantl.

    Er gesteht ein, dass das private Eigentum an Grund und Boden das Haupthindernis für preiswertes Wohnen in der Stadt ist. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt, aber Grund und Boden kann nicht beliebig vermehrt werden. Prantl stellt das Eigentum am Boden grundsätzlich in Frage, sucht aber nach Wegen, die den Grundeigentümern nichts wirklich wegnehmen.

    Preiswertes Wohnen verlangt die Enteignung und Kommunalisierung allen Grund und Bodens.

    Wal Buchenberg, 20.09.2018


    Siehe auch:




    Kapitalistischer Wohnungsmarkt


    Profite am Wohnungsmarkt



    Doku: Sebastian Gerhardt: Daten zum Berliner Wohnungsmarkt


    H.-D. von Frieling: Städtische Wohnungsnot und Profitlogik


    Zur Miete in Deutschland 1992-2012


    Die Stadt gehört allen!? Aktionswoche gegen Mietwucher


    Verelendung auf dem Wohnungsmarkt


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