S. Aigner: Wie werden wir uns ernähren?

  • Unkommentierte, aber gekürzte Fassung des Textes von Sabine Aigner über die Zukunft der Landwirtschaft auf Telepolis.


    Mit unseren derzeitigen Konsumgewohnheiten werden wir die Menschheit nicht langfristig ernähren können ... Bliebe unser derzeitiger Lebensstil weiter unverändert, sei weder die konventionelle noch die ökologische Landwirtschaft dazu in der Lage, alle Menschen satt zu machen.


    Passt sich der Rest der Welt unserem industriellen Lebensstandard an, prognostiziert die Studie einen jährlichen Bedarf von 30 Billionen Kalorien weltweit. Die derzeitigen Ernteerträge liefern aber nur rund zwei Drittel davon. Um alle Menschen zu versorgen, braucht es also mehr Land.


    Für den konventionellen Landbau fehlen schätzungsweise 20 Prozent, für den ökologischen sogar 60 Prozent Ackerfläche. Zusätzliches Ackerland aber wird es ohne Abholzung weiterer Wälder oder den Umbruch von Grasland nicht geben. Die Entwicklung zielt eher auf eine permanente Flächenverbauung.


    In den meisten westlichen Ländern sei die landwirtschaftliche Produktion bereits optimiert worden und alle natürlichen Potentiale zur Produktion von Lebensmitteln ausgereizt ...


    Deutschland produziert das meiste und das billigste Schweinefleisch in Europa - das sind etwa 60 Millionen Schweine im Jahr. Schweinemastregionen wie die Landkreise Vechta und Cloppenburg wissen nicht mehr wohin mit den Unmengen an Gülle, die in den Mastställen anfallen. Für gewöhnlich wird die Gülle auf die Felder geschüttet mit dem Resultat, dass die Nitratwerte im Grundwasser seit Jahren ansteigen.


    Fünf Monate im Jahr im Kastenstand fixiert, muss eine Zuchtsau die ganze Zeit auf derselben Stelle liegen, fressen, schlafen, koten. Zweimal im Jahr wird sie künstlich befruchtet, nach knapp vier Monaten wirft sie bis zu 18 Ferkel. Zuchtziel ist eine immer größere Anzahl von Ferkeln pro Sau. Nach drei Jahren hat eine Sau mehr als 70 Ferkel geworfen.


    Nutzlos geworden für die Schweinezucht, endet ihr Leben nach spätestens drei Jahren im Schlachthof. Drei bis vier Wochen nach der Geburt werden die Ferkel von den Müttern getrennt und in einen separaten Bereich eingestallt - das ist zusätzlicher Stress für die Tiere. Nach vier bis fünf Monaten werden sie im Transporter mit hundert anderen Tieren zum Schlachter gefahren.


    Einzige Gelegenheit für ein Mastschwein, einmal das Tageslicht zu sehen, ist oft die Verladung auf den Transporter. Neben der Tierquälerei bietet die industrielle Fleischproduktion auch den idealen Nährboden für die Entstehung gefährlicher Krankheiten Tierseuchen. So gelten Schweinemastanlagen als Brutstätte für multiresistente Keime (MRSA).


    Tiere sollten, wie in traditioneller Haltung üblich, ausschließlich Gras und Abfallprodukte fressen. Der Schweizer Studie zu Folge müsste man diese Strategie im konventionellen Anbau zu 50 Prozent, im ökologischem Anbau zu 100 Prozent umsetzen, während der Lebensmittelabfall gleichzeitig um die Hälfte reduziert werden müsste.


    Ein kompletter Verzicht auf Fleisch wäre nach Ansicht der Experten allerdings auch keine Lösung, sind doch viele Böden schlicht zu karg oder zu uneben für den Ackerbau. Schon heute wird mehr als die Hälfte des globalen Agrarlandes als Weideland genutzt. Denn Wiederkäuer wie Schafe, Ziegen und Rinder wandeln Gras in Eiweiß um, das dem Menschen in Form von Fleisch, Milch oder Käse zugute kommt.


    Weniger Tiere artgerecht gehalten auf Stroh oder im Freiland - dass bedeutet, für den Einzelnen gibt es weniger Fleisch zu essen. Doch dieses Fleisch wäre von bester Qualität - im Gegensatz zu dem von Tieren aus industriellen Mastanlagen. Abgesehen davon: Ein zu hoher Fleischkonsum schadet nachgewiesenermaßen der Gesundheit.


    Aber einen grenzenlosen Fleischkonsum wird der Planet ohnehin nicht mehr lange verkraften. Wollen wir als Menschheit auf der Erde überleben, müssen wir uns auf jeden Fall eine andere Ernährung angewöhnen.


    Eine einzige Anmerkung dazu:

    Wichtiges Thema, guter Text! Aber eine umweltschonende Landwirtschaft werden wir nicht (allein) durch ein geändertes Konsumverhalten erreichen können. Ohne tiefgreifende Eingriffe in die gegenwärtigen Eigentumsverhältnisse, die den Landwirten erlauben, anzubauen, was und wie sie wollen, werden wir wenig erreichen.


    Siehe auch:


    Dürre Landwirtschaft


    Wohin geht die Landwirtschaft?



    Fleischkost oder vegetarisch - konventionelle oder biologische Landwirtschaft






  • Um alle Menschen zu versorgen, braucht es also mehr Land.

    Es braucht mehr Land und/oder weniger Verbraucher. Nicht nur in Hinblick auf Lebensmittel, auch alle anderen Ressourcen sind knapp bemessen. Deswegen denke ich, dass in einer kommunistischen Gesellschaft im internationalen Maßstab, eine Bevölkerungsplanung unausweichlich ist. Ich meine damit nicht, dass wir bereits existierende Menschen beseitigen sollen. Doch die Geburtenrate muss streng reguliert werden. Es wäre auch sinnvoll, wenn sich nur Personen mit intaktem Genmaterial fortpflanzen würden. So lässt sich die Quantität, aber auch die Qualität der Bevölkerung regulieren.