Gestern Rassismus, heute Neurodiversität

  • Die herrschende Klasse bemüht sich allzeit darum, das Proletariat zu spalten. Sie denkt sich neue Konzepte aus, um den vermeintlichen Unterschied zwischen den Menschen hervorzuheben.

    Die prominentesten Beispiele sind Rassismus und Antisemitismus. Doch seit jüngster Zeit geistert eine neue Ideologie der Spaltung herum: Die Neurodiversität.

    So erfand z.B. der faschistische Kinderarzt Hans Asperger das sog. "Asperger-Syndrom". So wie die Rassenlehe der Nazis, so beruft sich auch die Asperger-Ideologie auf ein scheinbar wissenschaftliches Fundament. Die Rassenlehre wurde zum Glück verworfen und aus dem heutigen wissenschaftlichen Diskurs gestrichen. Doch der neurologische Rassismus ist erhalten geblieben. Er wird weiterhin verwendet, um die bestehenden Verhältnisse zu rechtfertigen und um den wahren Ursprung gesellschaftlicher Probleme zu verschleiern. Ich persönlich kann keine Arbeit finden, die mich nicht psychisch zerstört. Woran liegt das? Meine Sozialarbeiterin und mein gesellschaftliches Umfeld sagt, weil ich "Autist" bin (bzw. ein neurologischer Untermensch). Doch ich weiß genau, dass man damit nur das wahre Problem maskieren will. Es ist die kapitalistische Produktionsweise, die den Menschen entfremdet und demütigt. Und genau deswegen bin ich Kommunist und ich werde mich mit meinem Stigma nicht abfinden!

  • Hallo Nikotin,

    Ich frage mich manchmal, was den Unterschied ausmacht, wenn ein mensch Kommunist ist, und wie groß dieser Unterschied ist.

    Klar ist wohl, dass Kommunistsein kein „Neues Menschsein“ bedeutet. Ob du KommunistIN bist oder nicht, das bestimmt dich nicht total und das bestimmt nicht dein gesamtes Dasein und Tun.

    Wer meint, Kommunistsein bedeute ein „Anderer Mensch“ sein, der errichtet eine fiktive chinesische Mauer zwischen Normalmenschen und Kommunistmenschen.

    Je größer einer den Unterschied zwischen Normalmenschen und Kommunisten ansetzt, desto weiter schiebt er den Kommunismus in eine ferne Zukunft.

    Ich schätze den Unterschied zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten auf vielleicht 2% vom ganzen Menschen.


    Ich habe und hatte seit 45 Jahren mit Kommunisten zu tun, und nach meiner Erfahrung sind es keine „besseren“ Menschen. Viele Nichtkommunisten, die ich kennengelernt hatte, sind umgänglichere, einfühlsamere, sozialere und kooperativere Menschen als die überzeugten Kommunisten, die ich kenne.

    Die meisten FreundInnen und Freunde, die ich fand, waren keine Kommunisten. Auch die Frau, die ich liebe, ist keine Kommunistin.

    Da die Kommunisten in Deutschland politisch (und oft auch sozial) sehr isoliert sind, unterscheidet sie wenig von Autisten. Du bist Autist und Kommunist. Da bist nicht allein, sondern in bester Gesellschaft.:thumbup:


    Gruß Wal

  • Hallo Wal,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Auch wenn du dich nicht auf die Kernbotschaft meines Eingangsposts bezogen hast, so hast du trotzdem mein Anliegen um einen weiteren interessanten Aspekt erweitert. (Nur um das klar zu stellen: Damit habe ich kein Problem und ich meine es nicht böse.)

    Viele Nichtkommunisten, die ich kennengelernt hatte, sind umgänglichere,einfühlsamere, sozialere und kooperativere Menschen als die überzeugten Kommunisten, die ich kenne.

    In der Tat, da kann ich dir zustimmen. Es klingt irrational, aber die Menschen die mir wichtig sind und ich liebe, haben leider ein rückständiges Weltbild. Ich schaffe es auch nicht sie zu überzeugen. Sie sind in dieser post-modernen Ideologie gefangen welche besagt, dass es kein richtig und kein falsch gibt. Es ist sehr schwer für mich, diesen Widerspruch unter einen Hut zu bekommen.


    Da die Kommunisten in Deutschland politisch (und oft auch sozial) sehr isoliert sind, unterscheidet sie wenig von Autisten. Du bist Autist und Kommunist. Da bist nicht allein, sondern in bester Gesellschaft.

    Das ist ein interessanter Vergleich. Da wird wohl was dran sein:)


    Klar ist wohl, dass Kommunistsein kein „NeuesMenschsein“ bedeutet. Ob du KommunistIN bist oder nicht, das bestimmt dichnicht total und das bestimmt nicht dein gesamtes Dasein und Tun.

    Wer meint, Kommunistsein bedeute ein „AndererMensch“ sein, der errichtet eine fiktive chinesische Mauer zwischen Normalmenschenund Kommunistmenschen.

    Je größer einer den Unterschied zwischenNormalmenschen und Kommunisten ansetzt, desto weiter schiebt er den Kommunismusin eine ferne Zukunft.

    Ich schätze den Unterschied zwischen Kommunistenund Nichtkommunisten auf vielleicht 2% vom ganzen Menschen.

    Hmm, also ich persönlich sehe schon einen größeren Unterschied. Als ich anfing mich mit der marxistischen Lehre auseinanderzusetzen, da habe ich schon den Eindruck gehabt, einen großen Schritt vorwärts in meiner persönlichen Entwicklung gemacht zu haben. Ich sehe die Welt endlich so wie sie ist. Diese Erkenntnis macht sich auch in meinem alltäglichen Handeln bemerkbar. Ich habe z.B ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal zum McDonalds gehe. Ich versuche meinen Konsum so gering wie möglich zu halten, weil ich mit meinem Geld dieses System nicht unterstützen will. Deswegen spende ich einen großen Teil meines Einkommens an linke Organisationen. Oder ich misstraue grundsätzlich allen Ärzten, weil ich weiß, dass sie sich nicht für meine Gesundheit interessieren, sondern nur für ihren eigenen Profit bzw. den Profit der Pharmakonzerne. Genauso misstraue ich auch allen Sozialarbeitern, weil sie Agenten dieser Gesellschaftsordnung sind und mir ihre verlogene Ideologie aufzwingen wollen. Ich gehe nicht ins Kino, schaue grundsätzlich keine Filme, weil es sich sowieso nur um kapitalistische Propaganda handelt. Und das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen.


    Liebe Grüße,


    Michael

  • In die psychologische Rechtfertigung der Hierarchien und Klassen passt wohl auch gut die bürgerliche Theorie der Intelligenz, indem die Bildungs- und Berufshierarchie mit Unterschieden einer angeblichen kognitiven Leistungsfähigkeit legitimiert wird (vgl. zum Beispiel Absatz "Was misst ein Intelligenztest?" in Intelligenztheorie). An sich schon eine ziemliche Selbstvergewaltigung des Verstandes, denn selbst wenn manche Leute in irgendwelchen Fächern von Natur aus langsamer wären - wie auch immer -, das sich als Grund für den Ausschluss weiterführender Bildung und damit hier Verdammung eines Lebens als totaler und billiger Arbeitsdiener einleuchten zu lassen, ist kaum nachvollziehbar - außer als dümmste sozialdarwinistische Affirmation der Gewaltverhältnisse.


    Die Psychologie beschäftigt sich hauptsächlich damit, die Härten der Gesellschaft auf die Problematisierung der einzelnen Person zu übertragen. Wer sich nicht einordnen kann, wer in der Realisierung der schönen Freiheit versagt, der wird von der bourgeoisen Psychologie gleich als gestört, krank oder dysfunktional diagnostiziert - eigentlich ist dies ihr Kriterium für Krankheit. Derjenige, der das Lohnarbeiter-Leben nicht mehr aushält oder tatsächlich unbrauchbar ist für die Zwecke des Kapitals, soll mithilfe des Psychotherapeuten oder Psychiaters wieder funktional für den reibungslosen Gang der bürgerlichen Gesellschaft werden. Angebote für diese Selbsttäuschung bietet diese Psychologie dann zuhauf - aber genauso gut dient da die christliche Seelsorge, die Trost, Kraft und ganz viel Sinn für die Unterwerfung unter schlechte Verhältnisse spendet.

  • Hallo Pfeilregen,


    genau so ist es. Ich kann dir in beiden Punkten vollkommen zustimmen. In Bezug zur Psychiatrie bzw. Psychologie habe ich meine persönlichen Erfahrungen gesammelt und ich kann sagen, dass das was du schreibst auch tatsächlich mit meinen Erlebnissen übereinstimmt. Vielen Dank für deinen Beitrag!


    Liebe Grüße,


    nikotin

  • Hallo nikotin.


    Mir fällt dazu gerade noch spontan die Sache mit dem AD(H)S ein. Schüler, die einfach kein Interesse am Unterricht haben - lieber Sport machen würden bspw. - oder sowas nicht mehr aushalten, stören oder vor lauter Langeweile dauernd mit den Gedanken abschweifen, die bekommen eine klinische Diagnose gestellt. Pädagogen kommt nie in den Sinn, dass ja Schüler einfach nur desinteressiert sind, das würde den guten Zweck der Schulpflicht infrage stellen. Deshalb erfindet man eine Krankheit für Kinder, die den Betrieb der Lernkonkurrenz stören, und pumpt sie so gerechtfertigt mit Ritalin und anderen Betäubungsmedikamenten zu - die obendrein noch ihre Nebenwirkungen zeigen.

  • Heutzutage holt sich die gesamte Elite Rat bei den Psychologen.

    Die Politiker um geschickt verhandeln zu können.

    Die Führungskräfte um ihre "Mitarbeiter" möglichst effizient einzusetzen.

    Die Marketingstrategen um den Umsatz zu erhöhen.

  • Die Führungskräfte um ihre "Mitarbeiter" möglichst effizient einzusetzen.


    In der Tat. Ich kannte mal persönlich einen Psychologie-Professor der damit sein Geld gemacht hat. Lernen wie man ein professioneller Sklaventreiber wird, auch bekannt als "Coaching". <X

  • Zum Thema "Coaching, Mediation und Supervision" habe ich letztens noch einen schönen Vortrag gehört, der die Sache sehr gut trifft: Die totale Therapie

    Der Referent Magnus Klaue scheint neben ein paar vernünftigen Standpunkten marxistischer Kapitalismuskritik relativ viel in die idealistische Ecke zu tendieren, was sich bekanntlich dann gern "Kritische Theorie" nennt.

    Unter dem Video habe ich den Inhalt, wie ich ihn verstanden habe, zusammengefasst:


    Quote

    Ich habe die Essenz des Vortrags so verstanden: Mit der sog. Allparteilichkeit der Mediation usw. wird sie zum Parteigänger der Mächtigen. Es ist gerade die Gleichgültigkeit gegenüber dem Inhalt des Konflikts, die die Mediation zum Instrument der Herrschaftslegitimation macht. Indem die Geknechteten (Lohnarbeiter, Schüler/Studenten, Gefangene, Privatbürger usw.) die Perspektive ihrer Herrschenden (Kapitalist, Kindersortierer/Lehrer, Gefängnisdirektor, Staatsgewalt usw.) einnehmen sollen, wird ihnen das konstruktive Denken gelehrt, dann verschleiern sie die gesellschaftlichen Interessengegensätze, die Gewaltverhältnisse der freien Konkurrenz - da sie viel "Verständnis" für "Bedürfnisse" der Herren, Funktionäre und Ausbeuter entwickeln. Zu allem Überfluss wird der Unsinn noch mit Psychologisierung und Emotionalisierung gepfeffert: Man soll "reflektionsfähig" und "selbstkritisch" werden, also seine eigenen Ansprüche herunterschrauben - alle "Bedürfnisse" sollen zur Geltung kommen - und sich selbst als Person problematisieren, wo es sich um soziale Konflikte handelt. Und man soll eine emotionale Verbindung zum Konkurrenten und zur Autorität entwickeln, eine persönliche "zwischenmenschliche" Beziehung aufbauen, die durch das Psychoverfahren allzu lächerlich konstruiert ist - da seien falsche Worte schlimmer als reale Gewalt. Doch die Wertschätzung von Feinden und Mächtigen ist Sklavenmoral. Die Erkenntnis und das Aufheben gesellschaftlicher Widersprüche wird mit Strategien konstruktiver "Konfliktlösung" nie verfolgt, sondern stattdessen deren Stabilisierung durch Verschleierung und bloßer Affirmation.


    Die weitere Diskussion mit dem Kommentator liefert auch ein paar Erklärungen zur Sache, nur will ich den Thread damit jetzt nicht überfüllen.

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