Kriminalität und Klassengesellschaft

  • Wer ein bisschen Lebenserfahrung hat, der weiß, dass ein Großteil der Kriminalität aus Armut und Perspektivlosigkeit erwächst. Es ist also keine Überraschung, wenn Gallup bei einer Befragung von knapp 150.000 Menschen in 142 Ländern herausgefunden hat, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Einkommensunterschieden und Kriminalität gibt: Je höher die Einkommensunterschiede, desto höher die personenbezogene Kriminalität.




    Diese Daten verbergen aber noch eine zweite Botschaft.

    Die Botschaft, dass die entwickelten kapitalistischen Länder ein besseres (und sichereres) Leben bieten als die rückständigen Gesellschaften. So sagen zum Beispiel 80 Prozent der Befragten in Venezuela, dass sie sich nicht sicher fühlen, wenn sie abends alleine nach Hause gehen müssen. Dagegen antworteten 95 Prozent der NorwegerInnen, dass sie sich am Abend unterwegs keine Sorgen über persönliche Gefährdung machen.


    Die Grafik zeigt, dass sowohl die Einkommensunterschiede – gemessen mit dem Gini-Koeffizienten – wie auch die zwischenmenschliche Kriminalität in Afrika deutlich höher sind als in Europa und Nordamerika.

    Menschen in rückständige Gesellschaften werden nicht nur durch kapitalistische Übel gequält, sondern auch durch traditionelle Missstände.

    „Neben den modernen Notständen drückt (die rückständigen Gesellschaften, w.b.) eine ganze Reihe vererbter Notstände, entspringend aus der Fortvegetation altertümlicher, überlebter Produktionsweisen, mit ihrem Gefolg von zeitwidrigen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen“ (Karl Marx, Kapital I, MEW 23, 14f).

    Im Vergleich zu diesen rückständigen Verhältnissen erscheint unsere moderne kapitalistische Gesellschaft fast immer als kleineres Übel. Und aus diesem Vergleich zieht der Kapitalismus seine gesamte Überzeugungskraft und Legitimation.

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