Eure Meinung zu öffentlich-rechtlichen Medien bzw. Rundfunkbeitrag

  • Den Rundfunkbeitrag abzuschaffen wird ja hauptsächlich von Rechten gefordert. Sie behaupten, dass die öffentlich-rechtlichen Medien

    Propagandawerkzeuge der gegenwärtigen Regierung seien. In dieser Hinsicht, muss ich ihnen zustimmen und ich denke, dass auch jeder Linke weiß, dass

    die öffentlich-rechtlichen Medien die Funktion haben, den Status quo aufrechtzuerhalten.

    Ich persönlich sehe nicht fern und höre auch kein Radio, deswegen würde ich es begrüßen, wenn man den Rundfunkbeitrag abschaffen würde.

    Doch warum habe ich diese Forderung noch nie von linker Seite gehört? Besteht da eine Gefahr, die ich bisher übersehen habe? Über eure Antworten würde ich mich sehr freuen!

  • Hallo Nikotin,


    in der Zeit vor dem Internet waren Radio und TV die effektivsten Massenmedien. Sie sind extrem teuer und somit für Nichtkapitalisten weitestgehend ausser Reichweite. Der Öffentliche Rundfunk bot linken Organisationen und Personen über seine Kontrollgremien, die ihnen zumindest tendentiell zugänglich waren, einen Zugriff auf diese damals effektivsten Massenmedien. Somit machte der öffentliche Rundfunk bis in die 1990er aus linker Sicht definitiv Sinn. Wie das heute im Zeitalter des Internets ist kann ich nicht entscheiden.


    Gruß Wanderer

  • Hallo Nikotin,

    es ist fast unmöglich Gründe zu finden für etwas, was die anderen Menschen NICHT tun - ohne sie fragen zu können.


    Meine Spekulation dazu:

    Ich vermute, dass Staatslinke eine grundsätzlich positive Meinung zu den Staatsmedien haben. Im Grunde erwarten sie von Staatsmedien "Aufklärung". Selbst wenn sie die aktuellen Programmmacher nicht mögen, so stellen sie sich doch vor, eines Tages beherrschen sie diese Medien. Sie wollen die Staatsmedien nicht abschaffen, sondern "erobern".

    (Das meint wohl auch Wanderer in seiner Antwort ).

    Die Staatslinke war deshalb auch komplett überrascht, als die Parole "Lügenmedien" populär wurde.


    Für linke Intellektuelle bieten Rundfunk und Fernsehen eine Masse gut bezahlter (wenn auch nicht mehr dauerhafte) Jobs. Derzeit gibt es rund 25.000 feste Mitarbeiter bei den Staatsmedien. Dazu kommen noch viele Tausend "freie" Mitarbeiter, die für Zeilengeld schreiben. Alle diese Leute wollen sich nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen.


    Von den radikalen Linken ist mir nicht bekannt, dass sie irgendwo Forderungen aufstellen, die ins soweit ins Detail gehen (rund 20 Euro/Monat), und alle Lohnabhängigen betreffen (die ärmeren aber viel stärker!).

    Die meisten Linken betreiben nur Klientelpolitik (Flüchtlinge, Jugendliche), keine Politik für die Lohnarbeiter insgesamt.


    Ich denke, die Forderung nach Abschaffung des Rundfunkbeitrages bleibt "Eigentum" der Rechten.

    Gruß Wal

  • Ich kann nur zustimmen, dass der Staat die öffentlichen Medien natürlich nutzt, um seine Propaganda, seine Legitimation und Ideologie ans Volk zu bringen. Die Nachrichten müssen natürlich mit dem richtigen moralischen Filter aufbereitet werden. Aber umgekehrt ist es ja auch nicht so, dass die Journalisten in den freien Medien nicht auch in Schule und ihren eigenen Reihen die üblichen nationalistischen und prokapitalistischen Ideologien richtig "verstanden" haben und nun für die Masse reproduzieren.

    Es erscheint mir zudem eher noch dumm für den Staat, dass er den Beitrag nicht gleich über Steuern bei seinen Bürgern einkassiert; hat ja seinen Grund, warum er die Steuern selbst direkt "an der Quelle" der besitzlosen Masse abkassiert. Man könnte aber auch fast denken, es wäre eine Schwäche - im Sinne seiner Legitimation - des Staates, dass er der ideologischen Stütze der freien Medien nicht vollständig traut; die sich ohnehin aus der Elite seiner Bürger rekrutiert, die die richtige Ideologie mehr als ausführlich im Studium gelernt haben sollten.

    Sich darüber Gedanken zu machen, ob einem der Rundfunkbeitrag passt oder nicht, fällt mir nicht ein. Was sollte das nützen? Wenn Linke sowas auf ihr Programm schreiben, dann kann ich nur mangelte Herrschafts- oder Kapitalismuskritik vermuten, dann sind es wohl bürgerliche Parteien und Einstellungen.

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