Das ökologische Dogma des "Naturerhalts"

  • Mir ist sowohl in der Wissenschaft ÖKologie als auch in der breiten Öffentlichkeit das ökologische Dogma des "Naturerhalts" aufgefallen. Die Ökologie per se ist die einzige Disziplin der Naturwissenschaften, die ich für ganz und gar falsch halte - sie ist keine korrekte Erklärung der natürlichen Realität.


    Es soll untersucht werden, inwieweit etwas vom Argument Raubbau an der Umwelt zu halten ist und wie sein Gegenstück Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Raubbau meint, dass etwas benutzt und verbraucht wird ohne etwa mögliche Folgeschäden zu beachten oder den Gedanken, was man nun tut, wenn man etwas ganz aufgebraucht hat. Dies ist der Gegenbegriff zur Nachhaltigkeit, welche die möglichst langfristige Benutzung von Naturstoffen beschreibt, wodurch zum einen die Lebensgrundlage der Menschen nicht – etwa durch Nebenwirkungen – geschädigt werden soll und zum anderen sollen keine Stoffe verschwendet werden. Kapitalistische Unternehmer verstehen es wiederum Raubbau an Gesundheit, Lebenszeit und Wohlstand der Lohnabhängigen zu begehen, letzte werden freundlicherweise gleich von der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaft als „Human Ressource“ bezeichnet. Für den Begriff der Nachhaltigkeit ist es notwendig, zwei grundsätzliche Arten von Ressourcen zu unterscheiden, limitierte und regenerative Ressourcen.


    Die begrenzten Ressourcen sind solche Stoffe, die nicht, spätestens innerhalb einiger Jahrzehnte, nachwachsen, sie sind mineralischer und fossiler Natur. Einmal alle erreichbaren erschöpflichen Vorkommen auf der Erde aufgezehrt, war es das mit dem „Raub“ und sie sind versiegelt. Ökologen wollen darin aber nicht ein ganz praktisches Problem sehen, nämlich: wie Abhilfe schaffen, wenn die Vorkommen aufgezehrt sind? Lohnt sich die intensive Suche nach neuen Vorkommen oder sollte man an Ersatzprodukten sowie Alternativen forschen bzw. dementsprechend die Produktion umstellen? Ökologische Systemfanatiker sehen allgemein und vorwiegend in der Naturbenutzung nur eins: Raubbau an und verwerfliche Übergriffe in die schützenswerte Natur, „Zerstörung“ der Umwelt und sowieso Störung der natürlichen Ökosysteme! Begrenzte Metallvorkommen zu benutzen, wenn man Verwendung dafür findet, ist Sünde und Diebstahl an die unbegründet als erhaltenswert und zum Subjekt ernannte Natur, und sowieso eine Schandtat eingedenk zukünftiger Generationen. Mit einer solchen Abstraktion hat man alle konkreten Probleme und Aspekte einer Materialwirtschaft schon über den Kamm geschert.

    Einleuchten mag einem die ökologische Mahnung nicht so leicht. Denn warum Rohmetalle im Boden lassen, wenn man sie genauso gebrauchen könnte? Was soll es nützen, sich für die unbegründete Belassung anorganischer Natur einzusetzen, die das Klima und die Umwelt selber sowieso erodiert und auf die die Tierwelt herumtrampelt und ihr Leben gestaltet, dass es nur so kracht. Der Ökologe behauptet die Existenz von einem Recht eines Stücks Natur, um ihrer selbst wegen bewahrt zu werden. Die unberührte Natur sei ein Wert für sich, ganz ungeachtet der Tatsache, dass Menschen in sie eingreifen müssen, um zu überleben. Die Frage ist aber wie (!) eine Gesellschaft in die Natur eingreift, und nicht dass (!) sie überhaupt eingreift.


    (Auch wenn diese prinzipielle Aussage schon korrekt ist und das ökologische Dogma widerlegt, eine Anmerkung dazu: Es ist gleichgültig wie man etwa Atomenergie anwendet, stets besteht die Gefahr einer Kernschmelze, eines Unfalls, der ganze Landstriche unbewohnbar macht und Lebewesen in der Umwelt vernichtet und ruiniert. Genauso gefährdet stets ein AKW im Betrieb durch radioaktive Strahlung die Lebewesen in der näheren Umgebung. Und auch die Entsorgung von radioaktivem Atommüll kann nicht umgangen werden. Es besteht aber ebenso immer die Gefahr, dass beim Gewinnen von toxischen Metallen die Umwelt belastet wird; oder wenn diese beim Abbau nichttoxischer Metalle, wie Schwermetalle, ebenfalls an die Oberfläche mitgefördert werden.)


    Mit der Frage nach dem Wie müsste man nämlich untersuchen, welche Interessen eine Wirtschaft bestimmen, und ob Atomkraftwerke, giftige Pestizide und andere toxische Chemikalien – anstatt vermehrt biologisch abbaubare Materialien – notwendig zu einer technisch fortschrittlichen Wirtschaft gehören, oder vielmehr speziell Produkt einer kapitalistisch produzierenden Gesellschaft sind. Die Idee des blinden Naturschutzes von jedem Stück Natur blamiert sich an einigen Stellen ganz offensichtlich. Wäre alles in der Natur erhaltenswert, dürfte man zum einen Schädlinge der Landwirtschaft nicht bekämpfen. Zum anderen dürfte man auch nicht dafür sorgen, dass etwa Löwen, Tiger, Bären und Wölfe nicht mehr im Wohnraum, auf Kinderspielplätzen und in den Gärten herumstolzieren. Genauso gehören pathogene Bakterien oder Krebserkrankungen zur Natur, die will aber kein Ökologe schützen. Ebenso wenig aber würde der Verzicht heute etwa von Erzvorkommen den nachkommenden Generationen nützen, wenn man der Überzeugung ist bloß die Natur zu belassen, da diese Generationen genauso verzichten müssten. Der sparsame Umgang mit diesen Stoffen über Generationen hinweg würde nicht dazu führen, dass die begrenzten Rohstoffquellen nicht irgendwann erschöpft sind. Auf der anderen Seite ist die Perspektive der Emissionen und des Abfalls eine andere Frage, die die Natur als Lebensbasis der Menschen immer weiter ruinieren können. In dem Fall muss wieder die Frage der Art der Produktion, der Entsorgung und der Distribution usw. gestellt werden. Natürlich ist es dann ein Unterschied, ob man etwa fossile Energieträger nur in geringem Maß verbrennt und Kohlenstoffdioxid in die Luft lässt, oder ungebremst fossile Energie nutzt ungeachtet der möglichen klimatischen Folgen.


    Neben erschöpflichen Naturstoffen existieren nachwachsende Rohstoffe, deren sich der Mensch bedient und welche überhaupt eine Betrachtung des Raubbaus bzw. Übernutzung verdienen – im Sinne der Aufzehrung. Regenerative Ressourcen sollen organische Stoffe aus der Forst- und Landwirtschaft genannt sein. Die modernen Gesellschaften betreiben Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht, welche als Grundlage der ernährungstechnischen Versorgung der ganzen Gesellschaft dienen. Die Zeiten der Jäger und Sammler sind vorüber, die die vorgefundene wilde Natur, wie die meisten Tiere das tun, zu ihrer Versorgung genutzt haben. Will man diese organischen Rohstoffe in gleichem Ausmaß langfristig nutzen, muss man darauf achten, nicht ihre natürliche Basis zu ruinieren, sodass sie bestenfalls vollständig und regelmäßig wieder nachwachsen. Etwa der Boden muss bestimmte Voraussetzungen innehaben, bspw. ausreichende Bodenfruchtbarkeit usw. Werden jedoch rücksichtslos allerlei Schadstoffe in den Boden gekippt, die Flächen einseitig kultiviert, wird durch schwere Maschinen massiv die Erde verdichtet, womit die aeroben Mikroorganismen im Boden absterben, und wird wegen mangelnder Vegetation durch Bodenerosion die Humusschicht abgetragen – dann kann die natürliche Basis nachhaltig zerstört werden, ganz so als ob „die Gesellschaft“ die Kuh schlachtet, die sie melken will. Und wenn trotz ausführlicher wissenschaftlicher Kenntnis der Bedingungen von Nachhaltigkeit jenem keine große Beachtung geschenkt wird – allenfalls relativiert an anderen Interessen –, dann könnte man auf den Trichter kommen, dass eine solche Wirtschaft andere (!) Interessen verfolgt als eine planvoll zum Wohle der Menschen eingerichtete und damit nachhaltige Versorgung.

    Es ist für die regenerativen Rohstoffe ebenso wenig sinnvoll die Forderung zu stellen, es soll die Natur erhalten werden. Es ist ganz unmöglich eine Gesellschaft zu versorgen, ohne die Natur den Bedürfnissen des Menschen „untertan“ zu machen. Die Natur per se ist nämlich kein Subjekt, sondern ein Objekt, das der Mensch benutzen muss für sein Überleben. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür freie Flächen oder belassenes Stück Natur zu schützen, wenn man es landwirtschaftlich nutzen kann zur Versorgung der Menschen oder sogar nutzen muss. Ebenso lebt und wohnt der Mensch auf der Erde, er braucht ein Dach über dem Kopf usw. Dafür richtet er sich in die Natur ein, genauso wie ein Hase Erdlöcher gräbt, Ameisen einen Haufen auftragen oder Vögel die Bäume bearbeiten und Nester bauen. Vielmehr wäre also die Frage wie eine Wirtschaft die Natur benutzt. Legitim ist aber ebenso sich daneben zu wünschen, Artenvielfalt zu wahren, vom Aussterben bedrohte Lebewesen zu schützen usw. Jedoch zum Zwecke des persönlichen Wunsches nach schöner Natur, der hinter dem Zweck der Versorgung der Menschen stehen sollte. Arten von Lebewesen sind seit jeher ohnehin ausgestorben, haben sich evolutiv entwickelt, sich durch Genmutation verändert, sich gekreuzt usw. Dass gefährliche Raubtiere, schädliche Erreger oder Pflanzenschädlinge aussterben sollen, werden wohl die meisten Leute begrüßen. Umgekehrt gilt es natürlich sich wissenschaftlich klar zu machen, welche Folgen bspw. Bienensterben durch giftige Landwirtschaft für die Pflanzenwelt hat, von der unser Leben abhängt usw. Mit einem "Gleichgewicht" hat das aber schon gar nicht zu tun.


    Grundlage zur Kritik an der Wissenschaft Ökologie: „Kompensatorische Pflege der natürlichen Staatsgrundlagen und reaktionäre Naturphilosophie“, aus Marxistische Streit- und Zeitschrift Heft 87/10; http://dearchiv.de/php/dok2.ph…SCHE&swort2=PFLEGE&swort3

  • pfeilregen


    Grundsätzlich kann ich deinem Beitrag zustimmen. Doch ich würde nicht gleich von einem "Dogma des Naturerhalts" sprechen, nur weil man sich um seine Lebensgrundlage sorgen macht. Ich vermute, dass dein Beitrag eine Antwort auf Wals letzten Thread ist: Der Stoff, aus dem das Leben ist


    Die Biosphäre ist nun mal ein fein abgestimmtes System und selbst die unscheinbarsten Lebensformen sorgen für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts. Selbst kleine Eingriffe, wie die Ausrottung einer einzelnen Art, können schwerwiegende Folgen herbeiführen. Und solange die Menschheit nicht auf einen anderen Planeten ausweichen kann, müssen wir eben mit unserer Erde etwas behutsamer umgehen.

  • nikotin

    Quote

    Doch ich würde nicht gleich von einem "Dogma des Naturerhalts" sprechen, nur weil man sich um seine Lebensgrundlage sorgen macht.

    Das habe ich nicht, ich kritisiere den undifferenzierten Standpunkt, der Erhalt der unbelassenen Natur sei per se ein hoher Wert, der für sich selbst sprechen würde. Das ist nämlich etwas Anderes als konkret zu betrachten, ob der Rückgang von bestimmten Arten, Lebensräumen usw. Probleme

    für den Menschen

    erzeugt.


    So "grundsätzlich" stimmt du mir doch nicht zu. Die einzelne Kritik an dem konkreten Zeug Ökosystem, ökologisches Gleichgewicht, Stoffkreislauf usw. ist in dem Link zu finden (ab dem 2. Absatz meine ich).

    Interessant ist, dass die Systemphantasmagorie der Ökologie in allen Wissenschaften außer der Biologie selbst völlig irrelevant ist. In den Ingenieurwissenschaften etwa wird höchstens am Rande erwähnt, dass da bspw. Giftstoffe das (gerne mit dem Zusatz: "natürliche") "ökologische Gleichgewicht" von Gewässern durcheinanderbrächte. Was damit gemeint ist, interessiert kaum einem Ingenieur oder sonstige Verantwortliche. Allenfalls verlangt der Staat, dass man doch Grenzwerte festsetzt, wenn die kapitalistische Anwendung der Wirtschaft wirklich die Basis des nationalen Reichtums gefährdet - also Arbeitskraft, Volk und kapitalistisch ausbeutbare natürliche Ressourcen. Jedenfalls wird da sicher nichts im Rahmen der Theorie der Ökosysteme getan, das geht alles ohne diese Naturphilosophiererei. Erst recht nicht, was den "Kohlenstoffkreislauf" anbelangt, wie wir dem ständigen Getue der Staaten auf den Weltklimakonferenzen entnehmen können.

    Es ist eine leere, abstrakt unbestimmte Behauptung, dass "die Biosphäre" ein "fein abgestimmtes System" sei. Deine Formulierung indiziert übrigens genau die Metaphysik der Ökologie - als würden Lebensformen, Steine oder Gewässer für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts "sorgen". Das sind keine Subjekte, sondern allesamt Objekte von physikalischen Gesetzen und Evolution; denen interessiert keineswegs, ob das, was sich Naturphilosophen als Gleichgewicht einbilden, von Natur aus auch weiterhin besteht oder sich dauernd verändert oder sonst etwas.

    Interessant ist auch: Würde in gewissen Gebieten der tropischen Regenwälder ein Hektar abgefackelt, würden vielleicht mit einem Schlag 10.000 seltene Arten ausgerottet - seltene unbekannte Insekten, Blumen, Gräser, die nur dort vorkommen... Jucken würde das niemandem auf dem Globus.


    In deiner Formulierung gefällt mir schon nicht das "wir". Wer ist das? Wer geht da mit der Umwelt um? Wer macht die Wirtschaft? Wer ist da Subjekt? Baue ich Atomkraftwerke oder spritze Gifte in den Boden?

  • Du interpretierst schon wieder irgendeinen Quatsch in meine Aussagen, nur damit du mir widersprechen kannst.

    Wahrscheinlich glaubst du auch bestimmt nicht an den menschengemachten Klimawandel, oder? Wenn du nur ein kleines Bisschen Ahnung von Kybernetik hättest, dann würdest du sehen, wo dein Denkfehler liegt.


    In deiner Formulierung gefällt mir schon nicht das "wir"

    Gott, diese Haarspalterei schon wieder...

  • In den Ingenieurwissenschaften etwa wird höchstens am Rande erwähnt, dass da bspw. Giftstoffe das (gerne mit dem Zusatz: "natürliche") "ökologische Gleichgewicht" von Gewässern durcheinanderbrächte. Was damit gemeint ist, interessiert kaum einem Ingenieur oder sonstige Verantwortliche. Allenfalls verlangt der Staat, dass man doch Grenzwerte festsetzt, wenn die kapitalistische Anwendung der Wirtschaft wirklich die Basis des nationalen Reichtums gefährdet - also Arbeitskraft, Volk und kapitalistisch ausbeutbare natürliche Ressourcen. Jedenfalls wird da sicher nichts im Rahmen der Theorie der Ökosysteme getan, das geht alles ohne diese Naturphilosophiererei. Erst recht nicht, was den "Kohlenstoffkreislauf" anbelangt, wie wir dem ständigen Getue der Staaten auf den Weltklimakonferenzen entnehmen können. ...


    Interessant ist auch: Würde in gewissen Gebieten der tropischen Regenwälder ein Hektar abgefackelt, würden vielleicht mit einem Schlag 10.000 seltene Arten ausgerottet - seltene unbekannte Insekten, Blumen, Gräser, die nur dort vorkommen... Jucken würde das niemandem auf dem Globus.

    Und in den von dir genannten Punkten liegt das Problem.


    Denn Ökophilosophen und -spirituelle beiseite gelassen, sind die Ressourcen - bezogen auf die Geschwindigkeit derer wir uns ihnen momentan bedienen - endlich. Eine nachkapitalistische Gesellschaft wird jedenfalls kaum noch produktiver sein können als der heutige Kapitalismus in den hochindustrialisierten Gesellschaften des "globalen Nordens". Im Gegenteil, es gilt unseren Rohstoffverbrauch und unsere Wegwerfgesellschaft zu hinterfragen und einen Lebensstandard anzuvisieren der fair, also global verallgemeinerbar ist. Insofern kann der Sozialismus/Kommunismus kein Schlaraffenland sein in welchem jeder mit drei Flatscreens nach Hause geht und noch mehr Fleisch in den Kühlregalen und SUVs (auch nicht elektisch betrieben) in den Autohäusern stehen.

  • Mir ist auch hier im Forum das ökologische Dogma des "Naturerhalts" aufgefallen. Die Ökologie per se ist die einzige Disziplin der Naturwissenschaften, die ich für ganz und gar falsch halte - sie ist keine korrekte Erklärung der natürlichen Realität.

    Hallo Pfeilregen,

    ich habe deine (vorgefertigte?) Abhandlung über die allgemeine Kritik an dem Fach "Ökologie" nicht zu Ende gelesen.

    Für eine wissenschaftliche Kritik ist dein Statement zu kurz und zu flach, und für eine Diskussion hier im Forum ist dieses Statement ungeeignet, es sei denn es gäbe hier Leute, die Ökologie als Fach studieren.


    Was mich aber wohl interessiert, ist dein Dogmatismusvorwurf, es würde hier "das ökologische Dogma des Naturerhalts" vertreten.

    Wenn du eine solche Kritik hast, dann beziehe dich bitte auf konkrete Äußerungen hier im Forum, die deine Kritik belegen und nachvollziehbar machen.


    Texte und Diskussionen zum Thema findest du hier:


    http://marx-forum.de/Forum/cms…lt/27895/&highlight=Natur


    http://marx-forum.de/Forum/cms…&highlight=Landwirtschaft


    Gruß Wal

  • nikotin

    "Du interpretierst schon wieder irgendeinen Quatsch in meine Aussagen, nur damit du mir widersprechen kannst."

    Falls ich deine Aussagen falsch verstehe, kannst du ja einfach an der Stelle darauf hinweisen, bspw. den Gedanken näher erläutern usw. Ich versichere dir, dass ich nichts vom Rechthaben halte, sondern an der Richtigkeit von Erklärungen interessiert bin (Warum, und warum auch an Diskussionen usw., habe ich bereits in diesem bloß Kritik vs. praktische Alternative dargelegt). Merkwürdig, dass du mir mitteilst, ich würde deine Aussagen falsch deuten, und dann einfach behauptest, dass ich das absichtlich tue, um einen Strohmann zu widerlegen. Im obigen Fall habe ich sogar darauf verwiesen, dass ich Gedanken der Ökologie aufgreife, zumindest hätte ich dann nicht "irgendeinen Quatsch" in deine Aussagen hineininterpretiert, sondern Kritik an einer akademischen Disziplin geübt.


    "Wahrscheinlich glaubst du auch bestimmt nicht an den menschengemachten Klimawandel, oder?"

    Ich "glaube" nichts, dass der beschleunigte Klimawandel - soweit sich die Naturwissenschaft da einig ist - aber "menschengemacht", "anthropogen" usw. sei, ist eine Abstraktion, die dem Bürgerverstand zur Verschleierung der kapitalistischen Ordnung dient. Und hier wären wir schon wieder beim "wir", dass dir als Haarspalterei vorkommt. Der Klimawandel ist das Ergebnis kapitalistischer Wirtschaftsweise - den nicht allzu grundverschiedenen staatlichen Geldsozialismus eingedenk.

    Ich behaupte gar nicht, dass du diese Formulierung als Verschleierung meinst; ich weise nur darauf hin, weil ich meine, dass diese Gedanken weit verbreitet sind, mit denen Bürger eben die herrschenden Verhältnisse verklären, und ich die Hinweise für gute Kritik an diese Gedanken befinde. In diesem Sinne verstehe ich nicht, warum du dich genervt oder angegriffen fühlst - falls das zutrifft? -, ich für meinen Teile würde solche "Haarspalterei" lehrreich finden, zumindest Anlass zur Nachdenken.

    "Wenn du nur ein kleines Bisschen Ahnung von Kybernetik hättest, dann würdest du sehen, wo dein Denkfehler liegt."

    Eine komische Argumentation, wo es doch nur ein wenig Ahnung bräuchte, um deinen Standpunkt zu verstehen, und es bei einer Behauptung zu belassen, dass deine Widerlegung schon einsichtig wäre. Ich wäre interessiert, wie deine Kritik an meinem Denkfehler lautet - den du nicht genannt hast: meinst du meine Kritik am ökologischen Gleichgewicht?

    Wahrscheinlich wirfst du mir wieder vor, ich würde irgendeinen Quatsch in deine Aussagen hineininterpretieren: Du bietest mir - bisher - tatsächlich nur einen Formalismus an, den ich als Vorurteil auf den zu erklärenden Gegenstand anwenden soll, und "dann würde ich schon meinen Denkfehler sehen", ganz logisch. Ich halte es für falsch, bevor man sich mit einem Sachgegenstand beschäftigt, formale Systemtheorie o. Ä. (Kybernetik, mathematische Formeln usw.) als Voraussetzung zu behaupten, mit der man die Sache zu verstehen hat.

    Im Übrigen bin ich mitunter im Rahmen meines Studiums sowohl bspw. mit der EMSR-Technik und Prozess- und Automatisationstechnik (wohl die technische Kybernetik) als auch bspw. mit der Wissenschaft der Biologie, Zytologie, und nicht zuletzt der Ökologie reichlich vertraut gemacht. Jedenfalls ergeben sich mir die behaupteten Theorien von Ökosystemen nicht einfach aus dem Wissen über "Kybernetik".

  • Mario Ahner


    Ich habe doch bereits argumentiert, dass es ein falsches Urteil ist, sich über Ressourcen Sorgen zu machen, weil (!) sie "endlich" sind. Im Übrigen dauert es noch eine Weile bis die momentanen Reserven von vielen Metallen, geschweige denn Ressourcen verbraucht sind (zur Differenzierung der Begriffe und Nachweis der Behauptung vgl. Die neuen Grenzen des Wachstums, Dr. Anette Schlemm, S. 25 ff.; im Übrigen verweist Schlemm darauf, dass die Werte im berühmten Buch "Die Grenzen des Wachstums" bereits äußerst niedrig eingeschätzt wurden)


    Quote

    Denn Ökophilosophen und -spirituelle beiseite gelassen, sind die Ressourcen - bezogen auf die Geschwindigkeit derer wir uns ihnen momentan bedienen - endlich. "Eine nachkapitalistische Gesellschaft wird jedenfalls kaum noch produktiver sein können als der heutige Kapitalismus in den hochindustrialisierten Gesellschaften des "globalen Nordens".

    Warum schließt du aus, dass eine rationale Wirtschaft niemals produktiver sein könnte als der heutige Kapitalismus in den Industrieländern? Produktivität im Marx'schen Sinne bedeutet (normale) Arbeitszeit pro Produkt, also "materielle" Produktivität - statt Kapitalproduktivität. Steigt die Produktivkraft der Arbeit, dann ergibt sich mit etwa gleicher Arbeitsmüh - bei technischer Entwicklung ändert sich die Art der Arbeit, deshalb "etwa" - mehr Arbeitsprodukt. Die Landwirtschaft per se in den "entwickelten Ländern" weist bspw. ziemlich hohe Produktivität auf, weil sie Methoden anwendet, die die Lebensgrundlagen der Leute gefährden und sogar die Fruchtbarkeit/die Wirtlichkeit des eigenen Ackers usw. Es ist doch aber nicht auszuschließen, dass in ferner Zukunft die Technologie landwirtschaftlicher Maschinen dermaßen fortgeschritten ist, dass die Agrarproduktion auch als "biologische Landwirtschaft" produktiver ist als die konventionelle von heute? Vielleicht sind dann vollautomatisierte landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge entwickelt, androiden-artige Roboter, die eine Menge menschlicher Arbeit abnehmen.

    Zudem sei hier anzumerken, mit höherer Produktivität der Arbeit kann man natürlich weniger (!) Produkte absolut (!) gesehen herstellen - relativ hat man pro Arbeitszeit mehr produziert als vorher.


    Ich will wieder "haarspalterisch" werden und darauf hinweisen, dass "unser Rohstoffverbrauch" und "unsere Wegwerfgesellschaft" eine differenzierte Sache in einer Klassengesellschaft ist.

    Bevor du dir diese Gesellschaft denkst mit der schädlichen Anwendung der Gewinnwirtschaft und dann Sparsamkeit der Leute als Notwendigkeit einfach messianisch behauptest, um die natürliche Lebensgrundlage der Menschen zu bewahren - stattdessen könnte man sich erst einmal erklären, warum mit der kap. Wirtschaftsweise so viel ruiniert und verschwendet wird. Einige Ansätze:

    Materiell könnte man längst die Weltbevölkerung zweifach ernähren, und doch hungert eine Milliarde und verhungern zig Millionen jedes Jahr. Daneben gehe laut FAO ein Drittel der Lebensmittel weltweit verloren oder werden vernichtet, und zwar hauptsächlich wegen der Marktwirtschaft. Gründe dafür kann ich auf Nachfrage einige nennen, ein interessanter davon: In der Landwirtschaft gibt es etwas, das man "unterpflügen" nennt. Wenn Produkte dort keinen ausreichenden Marktpreis erlangen, dann werden die mal gerne lieber zerstört als dass sie zu billig verscherbelt werden, oder gar umsonst an Bedürftige verteilt - das wäre ja abscheulicher Kommunismus!

    Ich meine zudem, dass die geplante Obsoleszenz ein gewichtiger Faktor für die "Wegwerfgesellschaft" ist, und damit will ich nicht unbedingt nur konkret vorsätzliche Manipulation der Haltbarkeit der Produkte bezeichnen, sondern auch die natürliche Rechnungsweise von Unternehmen: Der Rohstoff, die Produktbestandteile usw. sollen meist möglichst billig sein, dass diese dann auch zumeist ziemlich kurz haltbar sind wegen schlechter qualitativer Eigenschaften, sollte relativ logisch sein - übrigens hat die kap. dieses Phänomen mit der simulierten Gewinnwirtschaft des ehemaligen Staatssozialismus ("ökonomische Hebel" usw.) gemein.


    Zustimmen mag ich dir jedoch in einem konkreten Fall für meinen Geschmack: Die Fleischproduktion ist extrem energieintensiv im Gegensatz zur Agrarpflanzenherstellung:


    Quote
    Die Haltung von Tieren ist äußerst ineffizient. Für eine Kalorie Fleisch wird ein Vielfaches an pflanzlichen Kalorien benötigt. Die sogenannten Veredelungsverluste unterscheiden sich je nach Tierart. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden bis zu 16 Kilogramm Getreide benötigt. Im Durchschnitt geht man von einer Umrechnung von 1 zu 10 aus, d. h. es werden 90 Prozent der pflanzlichen Kalorien verschwendet. Bei Fischen in Aquakulturen verhält es sich ähnlich, da den gehaltenen Fischen Fischmehl verfüttert wird, das aus Meeresfischen hergestellt wird. Für die „Produktion“ von 1 Kilogramm Fisch aus der Aquakultur werden zuvor 22 Kilogramm Fisch gefangen und zu Fischmehl verarbeitet. Dieses Vorgehen ist höchst ineffizient. Neben der Bereitstellung von Futtermitteln und Wasser werden zudem weitere Ressourcen für den Transport und die Erzeugung von Strom benötigt. Veredelung ist ein Umweg, bei dem Ressourcen und Energie verschwendet werden, anstatt direkt auf pflanzliche Produkte zurückzugreifen. (PETA)

    Noch mehr verschwenden wäre ein bisschen wahnsinnig.

    Oder umgekehrt gesagt: Würden die Menschen heute weniger konsumieren, würde gar nicht die Schädigung der Umwelt durch die kap. Wirtschaft verhindert. Ich wollte jedenfalls nur andeuten, dass man es sich einfach macht, wenn man von vornherein behauptet, nur mit Verzicht könne man umweltverträglich (im Sinne von Erhalt der Natur als Lebensgrundlage für den Menschen) Leben.

    Und klar sollte, in der Hoffnung einer Art Weltkommunismus, auf der ganzen Welt die beste Technik angewendet werden und jedem Bewohner der Welt das gleiche angemessene Lebensniveau ermöglicht werden (angemessen nach Bedarf, bspw. Kranke und Alte brauchen oft sehr viel mehr, Kinder weniger Nahrung usw.) - der globale Kapitalismus ist natürlich das absolute Gegenteil davon.

  • Wal Buchenberg

    Der gepostete Text ist fürwahr "vorgefertigt", aber keine Kritik "der Ökologie", erst recht keine "allgemeine Kritik" der Disziplin - wie kommst du denn darauf? -, sondern wie erklärt - und in der Überschrift insinuiert - eine Kritik an dem Standpunkt, dass der Erhalt der Natur ein Wert für sich sei - was man so auch in Abhandlungen von Ökofritzen vorfindet. Dieser undifferenzierte Standpunkt ist aber so besehen nicht "die große Theorie" der Ökologie, sondern viel wichtiger: unter interessierten Bürgern und sogar unter Sozialisten weit verbreitet. Was daran falsch, unbrauchbar und sogar ideologisch ist, wollte ich mit dem Post erklären.


    Quote

    Für eine wissenschaftliche Kritik ist dein Statement zu kurz und zu flach [...]


    Deshalb habe ich für jene, die an einer weiterführenden Begründung meiner angedeuteten Position interessiert sind, eine ausführliche Kritik an den Grundlagen der ökologischen Theorie verlinkt. Wie soll denn überhaupt eine bloße Behauptung eine "wissenschaftliche Kritik" sein?

  • meinst du meine Kritik am ökologischen Gleichgewicht?

    Ganz genau und das hat nichts mit "Metaphysik" zu tun. Es hat millionen von Jahren gedauert bis sich auf diesem Planeten ein ökologisches Gleichgewicht eingependelt hat. Du sagst, wir müssen uns nicht über das Aussterben der Arten sorgen machen, weil sie keinen direkten Nutzen für uns haben.

    Doch das stimmt nicht, hier ein konkretes Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausrottung_der_vier_Plagen

  • Insofern kann der Sozialismus/Kommunismus kein Schlaraffenland sein in welchem jeder mit drei Flatscreens nach Hause geht und noch mehr Fleisch in den Kühlregalen und SUVs (auch nicht elektisch betrieben) in den Autohäusern stehen.

    Deswegen denke ich, dass man unter global kommunistischen Verhältnissen, schrittweise die Weltbevölkerung reduzieren müsste. Ich sage nicht, dass man wahllos Leute umbringen soll, sondern dass die Geburtenrate geplant werden muss. Je weniger Menschen, desto weniger Bedürfnisse und damit umso weniger Verbrauch an Rohstoffen.

  • Mir ist auch hier im Forum das ökologische Dogma des "Naturerhalts" aufgefallen.

    Hallo Pfeilregen,

    nochmals meine Nachfrage: Kannst du diese Behauptung bitte belegen?

    Wenn nicht, dann ist diese Behauptung verleumderisch. In diesem Fall verlange ich, dass du diese Behauptung löschst.


    Und nochmals die Foren-Texte mit den Stichworten "Natur" und "Landwirtschaft":


    http://marx-forum.de/Forum/cms…lt/27922/&highlight=Natur


    http://marx-forum.de/Forum/cms…&highlight=Landwirtschaft

  • @nicotin


    Es müssen keine Geburtenraten geplant werden, das schaffen Menschen schon immer selbst viel besser.

    Abgesehen davon, wer bitte sollte das tun (dürfen)?


    Schau Dir bitte die Geburtenraten an. Also mir fällt da immer wieder auf, daß dort wo viele Kinder nicht mehr die Altersversicherung sind, und Frauen selbst über ihren Körper bestimmen dürfen, viel weniger Kinder geboren werden.


    Liebe Grüße - Wat.

  • Wal Buchenberg

    Hallo Wal,

    ich habe eigentlich keine Lust, das Forum nochmal danach durchzustöbern. Die Links funktionieren im Übrigen nicht bei mir. Ich weiß gar nicht, warum dir das so wichtig ist? "Verleumderisch" scheint mir doch ein bisschen übertrieben zu sein, falls ich tatsächlich einen Beitrag fehlinterpretiert hätte und behaupten würde, irgendein User hätte in diesem Forum einen theoretischen Standpunkt vertreten, der erst einmal gar nichts implizieren muss.

    Aber gerne entferne ich die Behauptung, um niemandem eine solch dermaßen grauenhafte Position zu unterstellen. ;D

    Gruß

  • Du sagst, wir müssen uns nicht über das Aussterben der Arten sorgen machen, weil sie keinen direkten Nutzen für uns haben.

    Doch das stimmt nicht, hier ein konkretes Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausrottung_der_vier_Plagen

    Nikotin, kannst du nachweisen, dass ich das irgendwo behauptet hätte? Ich habe jetzt schon mehrfach versucht zu erklären, dass ich das abstrakte Vorurteil, größte oder die bestehende Artenvielfalt sei ein schützenswürdiger Wert für sich, kritisiere. Du formulierst es übrigens genau so, "das Aussterben der Arten", anstatt konkret von Pflanzenschädlingen usw. Dass bestimmte Arten Dinge tun - von mir aus auch alle -, die für uns nützlich oder schädlich sind, habe ich nie geleugnet.



    Ganz genau und das hat nichts mit "Metaphysik" zu tun. Es hat millionen von Jahren gedauert bis sich auf diesem Planeten ein ökologisches Gleichgewicht eingependelt hat.


    Ganz genau und das hat nichts mit "Metaphysik" zu tun. Es hat millionen von Jahren gedauert bis sich auf diesem Planeten ein ökologisches Gleichgewicht eingependelt hat.

    Das ist bloß eine Behauptung der abstraktesten Sorte, jetzt könnte ich einfach das Gegenteil postulieren und niemand wäre irgendwie schlauer. Jedenfalls wollte ich sowieso nicht weiter auf die Theorien der Ökologie eingehen in dem Thread, das eingeführte Thema erscheint mir umfangreich genug wie Wal schon angedeutet hat. Ansonsten müsste man einen neuen Thread eröffnen.

  • Mario Ahner und nikotin


    Um das Ganze noch einmal anders auszudrücken:

    Es ist ein willkürliches Vorurteil, einfach zu behaupten, in einer umweltverträglichen Wirtschaft müssten die Leute der Ersten Welt aber ganz schön an Lebensstandard einstecken. Überhaupt ist es nicht einfach so, dass Menschen einen Rohstoff verbrauchen, der bei nachhaltiger Wirtschaft weniger Ertrag abwerfen würde und damit zum Verzicht zwingt. In welcher Form überhaupt gewisse Produkte stark reduziert werden müssten, kann man nur am konkreten Fall aufzeigen. Dabei müssen zusätzlich noch die Fragen gestellt werden: Lohnt sich die intensive Suche nach neuen Vorkommen? Wie entwickeln sich die technischen Möglichkeiten des Recyclings? Können mit neuer Technik künftig mehr Ressourcen erschlossen werden? Oder sollte man an Ersatzprodukten sowie Alternativen forschen bzw. dementsprechend die Produktion umstellen? Von dem allem will jemand völlig abstrahieren, der behauptet, Verzicht der konsumgeilen Bürger sei von vornherein notwendig für eine umweltverträgliche Wirtschaft. Ich verweise bspw. noch einmal auf die Tatsache, dass man technisch längst die Weltbevölkerung zweifach ernähren kann, und doch hungert eine Milliarde und verhungern zig Millionen jedes Jahr. Hiermit zeigt sich, dass es Unsinn ist, etwa ein Schrumpfen der Weltbevölkerung zu fordern, denn die Armut von Leuten rührt gerade nicht von einem materiellen Mangel. So wird das Ammenmärchen der VWL vertreten, alle Ressourcen und Güter seien zu knapp, um die unermesslichen Bedürfnisse des Gierschlunds Mensch zu erfüllen. Die Umwelt als Lebensgrundlage wird aber durch die Wirtschaftsweise ruiniert und nicht durch die Größe einer Wirtschaft, die erst einmal nur die gegebenen Naturverhältnisse zur Produktion von Gütern benutzt. Die kapitalistische Produktionsweise durch das herrschende Prfoitinteresse der Besitzenden verschmutzt und zerstört die Naturbasis auch in einer kleineren Gesellschaft, eine rationale Wirtschaft muss dies gar nicht, weil kein Interesse an solch einer Selbstschädigung besteht.

  • pfeilregen .


    Wann "peak everything", also der Höchstverbrauch aller Rohstoffe bis es dann bergab geht, erreicht ist, darüber gibt es unterschiedliche Schätzungen anhand wiederum unterschiedlicher Datenerhebungen. Einige meinen in 30 Jahren, andere gehen vom Ende des Jahrhunderts aus. Aus Sicht der momentanen Technologie und deren Effizienz gesehen.


    Sicherlich ist es zu simpel allgemeinen Verzicht zu predigen, da genau geschaut werden muss in welchen Wirtschaftssektoren ein weiteres Wachstum unnötig und gesundheits- wie umweltschädlich wäre, in welchen es mehr Forschung und Wachstum bedürfte, und welche Sektoren sogar schrumpfen oder völlig abgeschafft werden müssten. Dass die Logik der kapitalistischen Produktionsweise sowie Obdoleszenz mit reinspielen, das kann ich alles unterschreiben.


    Weiter oben schreibst du: "Es ist doch aber nicht auszuschließen, dass in ferner Zukunft die Technologie landwirtschaftlicher Maschinen dermaßen fortgeschritten ist, dass die Agrarproduktion auch als "biologische Landwirtschaft" produktiver ist als die konventionelle von heute? Vielleicht sind dann vollautomatisierte landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge entwickelt, androiden-artige Roboter, die eine Menge menschlicher Arbeit abnehmen."


    Die knüpft an Vorstellungen an die davon ausgehen, irgendwann gäbe es sicherlich eine Technologie die derart effizient ist, dass sie die ökologischen Effekte des Rohstoff- und Energieverbrauchs einholt. Ich halte das nicht nur für theoretisch illusionär, sondern es gibt auch empirisch dafür bisher keine Beweise. Im Gegenteil tritt oftmals ein Rebound-Effekt ein, bei dem bei erhöhter Effizienz woanders wiederum mehr Energie verbraucht wird und die Ökobilanz sogar schlechter als vor der technologischen Neuerung ausfallen kann. Denn auch Vollautomatisierung durch Techniken wie Vertical Farming bedürfen immenser Energie. Ich spreche mich damit nicht gegen die Entwicklung dieser Techniken aus, möchte nur meine Skepsis anmelden was weit verbreitete Effizienz-Perspektiven angeht.


    Wenn ich sage, dass eine nachkapitalistische Ökonomie nicht produktiver sein kann als der Kapitalismus, dann meine ich damit den Güterausstoß. Abgesehen vom ökologischen Argument sehe ich keinen Grund darin weshalb eine nachkapitalistische Wirtschaftsweise den Kapitalismus darin überflügeln sollte, wenn der Fokus auf andere lebensqualitative Kriterien gelegt wird. Die übrigens durchaus mit Hochtechnologien vereinbar sein können. Wo und wie diese ökologisch und menschlich sinnvoll anwendbar sind, das muss dann eben nach Umstand konkret diskutiert und herausgefunden werden.


    Schließlich verweist du noch auf die Möglichkeit mit den bereits heute bestehenden Mitteln alle Menschen, und sogar noch mehr, ernähren zu können. Das mag hinhauen. Die Frage wäre jedoch auf welchem Niveau. Außerdem ist damit noch nichts darüber ausgesagt ob eine Weltbevölkerung von über 7 Milliarden Menschen lebensqualitativ wünschenswert ist, wenn man sich z.B. die Entwicklung der Megacities anschaut. Die Kritik an einer zu hohen Weltbevölkerung als Malthusianismus abzutun greift m.E. zu kurz. Es spricht nach meinem Dafürhalten wenig gegen aber viel für eine kleinere Weltbevölkerung. Der beste Garant dafür dies zu erreichen ist die Bildung und Arbeitstätigkeit der Frauen, die Verbreitung von Verhütungsmitteln und die Erosion bis Auflösung patriarchaler Clanstrukturen.

  • Mario Ahner


    Abgesehen von der Tatsache, dass "Peak Everything" erstens nur endliche Rohstoffe einschließt, und zweitens unter bürgerlichen Wissenschaftlern nicht "Ressourcen" einbezieht - im Gegensatz zu Reserven -, solange sie nicht kapitalistisch verwertbar sind, obgleich technisch zugänglich. Wobei man natürlich untersuchen müsste, ob die Extraktion tatsächlich mehr Energie benötigen würde als gewonnen würde.


    "Im Gegenteil tritt oftmals ein Rebound-Effekt ein, bei dem bei erhöhter Effizienz woanders wiederum mehr Energie verbraucht wird und die Ökobilanz sogar schlechter als vor der technologischen Neuerung ausfallen kann."

    Der sog. "Renound"-Effekt ist eine Kategorie der VWL und allenfalls auf die Marktwirtschaft anzuwenden, in einer Planwirtschaft erscheint er mir merkwürdig. Du behauptest einfach "bei erhöhter Effizienz [würde eher/könnte] woanders wieder mehr Energie verbraucht" werden. In einer rationellen Planwirtschaft ist es ein unsinniger Gedanken, weil man bei festgestelltem Bedarf durch die erhöhte Energieeffizienz logischerweise wegen dieser Energie gespart hat. Wollen die Leute mehr konsumieren, dann ist das eine neue gesellschaftliche Entscheidung und der festgelegte Bedarf erhöht worden.


    Bei dir fällt mir auf, dass du stark Begriffe der VWL anwendest, was m. E. zu lauter idealistischen Abschweifungen führt. Was meinst du z. B. mit "Effizienz"? Meinst du damit Produktivkraft der Arbeit, die Arbeitsproduktivität? Oder Ressourceneffizienz?


    "Denn auch Vollautomatisierung durch Techniken wie Vertical Farming bedürfen immenser Energie."

    Ja wenn eine verbesserte Automatisierung im Endeffekt mehr Energie(träger) bedürfe als vorher (halbautomatisiert oder sonst was), dann ist nicht von einer Steigerung der Arbeitsproduktivität zu sprechen - das war keine Kritik an dich, sondern eine Anmerkung dazu.


    "Ich spreche mich damit nicht gegen die Entwicklung dieser Techniken aus, möchte nur meine Skepsis anmelden was weit verbreitete Effizienz-Perspektiven angeht."


    Jetzt hast du deine Aussage schon relativiert. In dem Zitat bin ich auf deine Aussage: "Eine nachkapitalistische Gesellschaft wird jedenfalls kaum noch produktiver sein können als der heutige Kapitalismus in den hochindustrialisierten Gesellschaften des "globalen Nordens"." eingegangen, wollte bloß behauptet haben, dass es eine steile These ist. Spekulieren kannst du oder können andere Wissenschaftler von mir aus darüber, was noch alles in Jahrzehnten oder Jahrhunderten erfunden wird. Wie du auch zugibst, ist eine stetige Steigerung der Arbeitsproduktivität im Kapitalismus - oder hoffentlich im Kommunismus - absehbar. Richtig ist dein Einwand, dass die Beschaffung der Energie wohl ein Problem wird, denn die fossilen Energieträger gehen irgendwann aus und momentan sehen die Alternativen dürftig aus. Aber was soll man jetzt groß spekulieren?


    "Wenn ich sage, dass eine nachkapitalistische Ökonomie nicht produktiver sein kann als der Kapitalismus, dann meine ich damit den Güterausstoß."


    Okay, dann gab es ein Missverständnis zwischen uns. Die absolute Menge des Güterausstoßes ist aber nicht mit einer Produktivität beschrieben? Du hast also einen verfehlten Begriff gewählt und ich deshalb nicht das kritisiert, was du meinstest.


    "Abgesehen vom ökologischen Argument sehe ich keinen Grund darin weshalb eine nachkapitalistische Wirtschaftsweise den Kapitalismus darin überflügeln sollte, wenn der Fokus auf andere lebensqualitative Kriterien gelegt wird. Die übrigens durchaus mit Hochtechnologien vereinbar sein können. Wo und wie diese ökologisch und menschlich sinnvoll anwendbar sind, das muss dann eben nach Umstand konkret diskutiert und herausgefunden werden."


    Ja, das ist ja die übliche Diskussion. In einer rationalen Planwirtschaft kann man eben absprechen, ob man für mehr Konsumgüter auch mehr arbeiten will oder lieber weniger konsumiert, dafür mehr Freizeit genießen kann usw. Oder inwiefern man meint, ein erhöhtes Ressourcenwachstum der Wirtschaft sei umweltschädlich usw. In dieser Gesellschaft jedenfalls herrschen bekanntlich ganz andere "Kriterien" als die Lebensqualität und Wünsche der Leute.


    "Die übrigens durchaus mit Hochtechnologien vereinbar sein können."


    Fortgeschrittene Technologie ist in einer rationellen Wirtschaft eben deshalb anzuwenden - wesentlich nur deshalb -, weil sie die Arbeitsproduktivität steigert und man deshalb weniger Arbeit für dieselbe Menge Produkt aufbringen muss. Im Kommunismus würde die Produkivkraft gesteigert, um Arbeitszeit zu sparen, damit man die Freizeit - und mitunter die Früchte der Arbeit überhaupt - genießen kann. Marx zum "Reich der Freiheit und der Notwendigkeit":


    " Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer in Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann." (MEW 3, 828)


    Hier deutet Marx übrigens das an, was du dir vielleicht beim Rebound gedacht hast. Die Bedürfnisse der Leute werden vwohl größer und vielfältiger, wenn die Technologie immer weiter voranschreitet. Das gilt es natürlich zu bedenken.


    "Schließlich verweist du noch auf die Möglichkeit mit den bereits heute bestehenden Mitteln alle Menschen, und sogar noch mehr, ernähren zu können. Das mag hinhauen. Die Frage wäre jedoch auf welchem Niveau."

    Was soll "Niveau" schon heißen? Die Mäuler kriegt man jedenfalls mehr als allemal satt! Da die "bestehenden Mittel" kapitalistisch sind, also weder für möglichst angenehme Arbeit noch für Umweltverträglichkeit eingerichtet sind, und zudem nicht weltweit die modernste Technik verteilt ist, stelle ich mir nicht die überflüssige Frage, ob die Lebensmittelprodukte der kapitalistischen Weltwirtschaft alle Menschen auf hohem Niveau bei einer erdachten menschengerechten Distribution versorgen könnte oder nicht.


    "Die Kritik an einer zu hohen Weltbevölkerung als Malthusianismus abzutun greift m.E. zu kurz."

    Da stimmte ich dir zu. Falls ich das getan habe, kannst du mir das ankreiden. Ich meine jedoch, dass ich nicht jede Kritik an einer hohen Weltbevölkerung abgetan habe, sondern eben eine besondere, womöglich eine, die diese Kritik als feststehend behauptet - im Gegensatz zu spekulativ -, und somit auf Glaubenssätzen beruhen muss, die etwa die technische Entwicklung in Jahrzehnten oder -hunderten voraussehen könnte.


    "Der beste Garant dafür dies zu erreichen ist die Bildung und Arbeitstätigkeit der Frauen, die Verbreitung von Verhütungsmitteln und die Erosion bis Auflösung patriarchaler Clanstrukturen."

    Die Eigentumsverhältnisse sind dir da nicht interssant oder gar ausschlaggebend?

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