Identitätspolitik

  • Viele Kommunisten lehnen Identitätspolitik grundsätzlich ab. Sie sind zwar der Ansicht, dass Sexismus, Homophobie, Rassismus usw. ein Problem darstellen, jedoch sind diese Anliegen dem Klassenkampf untergeordnet. Identitätspolitik spaltet die Arbeiterklasse und lenkt sie von der tatsächlichen Ursache jener Probleme ab, nämlich der kapitalistischen Gesellschaftsordnung.

    Wie seht ihr das?

  • Wo liegt denn für dich der Vorteil, eine Identität zu haben?

    Ich glaube, die meisten Menschen wollen gar keine "Identität".

    In der Regel stellt die Polizei jemandes Identität fest, und das bedeutet für den Betroffenen selten etwas Gutes. Er ist dann entweder tot oder landet bald im Knast.^^


    Was macht denn die "Identitätspolitik"?

  • Hallo Wal,


    Identitätspolitik ist ein verbreitetes und wirkmächtiges Phänomen. Im Versuch Privilegien für bestimmte Gruppen zu erlangen wird politisch viel erreicht. Die Feministische Bewegung und die Bewegungen für ethnische/völkische/rassische Gruppen sind und waren sehr erfolgreich. Das Thema ist wichtig genug um einen Wikipediaeintrag zu haben wo du alles findest was Identitätspolitik so macht.


    Gruß Wanderer

  • Hallo Wanderer,

    danke für den Hinweis!

    Ich werfe also Pflaumen mit Kernen, Tomaten mit Stielen und angefaulte Birnen in einen Topf, rühre alles mit dem Stabmixer durch und verkünde dann: Das ist ein Identitätstopf!

    Tolle Wissenschaft, tolle Begrifflichkeit, tolle Politik.

  • Anscheinend ist der Begriff Identitätspolitik (Idpol) im englischsprachigen Raum weiter verbreitet. Die Diskussion zu diesem Thema wurde hauptsächlich aus dem Grund entfacht, weil im Zeitraum der letzten Präsidentschaftswahl der USA die Arbeiterklasse (systematisch?) mit Idpol gespalten wurde um von Klassenfragen abzulenken. Ein Beispiel wäre z.B. der Appell an Frauen, Hilary Clinton zu wählen, weil sie ja auch eine Frau ist.

  • Hallo Wal,


    um politisch Erfolg zu haben braucht man eine große Gruppe die möglichst homogen auftritt und koordiniert handelt. Die Menschen sind in der Realität sehr verschieden, weshalb es schwierig ist ein solche große Gruppe zu bilden. Identitätspolitik hat es seit den 1960ern geschafft solche Gruppen zu bilden, also "Pflaumen, Tomaten und Birnen" zu verbinden. Das macht ihren Reiz aus. Sie ist damit eine Alternative zum Klassenkampf und wurde in den angelsächsischen Ländern von der Linken speziell in den USA erfolgreich verwendet.


    Gruß Wanderer

  • Bagehot vom Economist hat im linken "Labour Party Rulebook" von 2017 in dem knapp 100seitigen Dokument der britischen Labourparty nachgezählt, welche "Identitäten" dort angesprochen werden:

    - 26mal Gender

    - 41mal BAME (black, asian, minority ethnic)

    - 43mal Etnie

    - 11mal Rasse,

    Aber nur zweimal "Klasse".

    Ich verstehe das als Beleg dafür, dass "Identitätspolitik" das Gegenteil von Klassenpolitik ist und von "Identitätspolitikern" als Alternative zur Klassenpolitik eingesetzt wird.


    Der keineswegs linke Bagehot kommt noch auf eine andere, bedenkenswerte Schlussfolgerung.

    Er sagt, je mehr die Linken sich auf Minderheiten fokussieren, desto erfolgreicher sind Trump&Co mit Nationalismus und Chauvinismus.


    Gruß Wal

  • Newly created posts will remain inaccessible for others until approved by a moderator.