Selbsttötungen

  • Scheinbar ist jede Selbsttötung eine höchst subjektive, individuelle Tat. Tatsächlich ist alles, was viele Menschen einzeln tun, eine gesellschaftliche Sache, ein soziales Ereignis.

    Überall in der kapitalistischen Kernzone, den OECD-Ländern, fiel seit 2001 die Selbsttötungsrate – mit Ausnahme von Griechenland, Südkorea und den USA.

    Im Jahr 2016 wurden in den USA 45.000 erfolgreiche Suizide gemeldet.




    Die Selbsttötungsrate in den USA unter Männern ist höher als bei Frauen: auf zwei Suizide von Frauen kommen sieben Suizide von Männern.

    Die Selbsttötungsrate unter weißen Frauen und Männern ist dreimal höher als unter Farbigen oder Asiaten.

    Die Selbsttötungsrate in ländlichen Gebieten ist um 78% höher als in den Großstädten.

    Die Selbsttötungsrate unter Konservativen und Rechten ist höher als unter Liberalen und Linken.


    Suizid mit einer Schusswaffe:

    Selbsttötung mit einer Schusswaffe ist in den USA zweimal so häufig wie Morde mit einer Schusswaffe. 2016 wurden in den USA 23.000 Suizide mit Schusswaffen gemeldet. Eine Schusswaffe ist die effektivste Art sich zu Tode zu bringen. 83% der Suizidversuche mit einer Waffe enden mit dem eigenen Tod. Die Schusswaffensuizide haben die höchsten Steigerungsraten. Auch Frauen greifen vermehrt zur Schusswaffe, wenn sie ihr Leben beenden wollen.


    Tod durch Erhängen:

    11.700 Menschen starben 2016, indem sie sich erhängten. In anderen Ländern ist das die häufigste Todesart. Aber die „Erfolgsquote“ liegt da nur bei 61%.


    5.300 Menschen starben 2016 in den USA an einer Überdosis Medikamente. Andere Todesarten spielen nur eine vergleichsweise geringe Rolle.


    Für alle Todesarten gilt jedoch: Von zehn Menschen, die einen Selbsttötungversuch überlebten, wiederholt nur ein einziger diesen Versuch. Es macht also Sinn, Menschen von einem Selbsttötung abzuhalten. Eine erfolgte Selbsttötung ist endgültig, aber die Entscheidung, die dazu geführt hat, ist oft spontan.


    Selbsttötungen sind nach meiner Meinung eine individuelle Überreaktion auf äußere Problemlagen: Arbeitslosigkeit, Trennungen, Erkrankungen, wirtschaftliche Notlagen usw. Selbsttötungen sind eine Mischung aus äußeren, gesellschaftlichen Faktoren und einer inneren, psychischen Krise. Der amerikanische Traum ist ausgeträumt, und immer mehr weiße Männer leiden unter diesem Verlust.



    Dass äußere Notlagen die Selbsttötungsziffern beeinflussen, das ist mehr oder minder deutlich ablesbar, wenn wir nationale Selbsttötungsraten vergleichen. Die osteuropäischen Länder (Namen in Lila) hatten – nach dem Trauma des sowjetischen Zusammenbruchs – mit Abstand die höchsten Selbsttötungsraten in der Welt. Die kapitalistische Kernzone (Namen in Grün und Schwarz) bewegt sich im Mittelfeld. Die kapitalistische Peripherie (Namen in Blau und Rot) hat (noch) die niedrigsten Suizidraten.



    Äußere Notlagen spielen sicherlich auch die Hauptrolle, wenn wir die Selbsttötungsraten von verschiedenen Lebensaltern vergleichen:


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