Arme Deutsche Bank!

  • Die Eigentümer der Deutschen Bank sind unzufrieden mit dem Aktienkurs und mit den niedrigen Dividendenzahlungen der Bank.

    Per Frankfurter Allgemeine Zeitung beschweren sie sich, dass sie als Kapitaleigner an der Deutschen Bank weniger verdienen als die lohnabhängigen Geldhändler, die mit fremdem Geld spekulieren und damit hohe Bonuszahlungen einstreichen. Fast 9 Milliarden Euro machen die jährlichen Gehälter und Boni für die knapp 100.000 lohnabhängigen Mitarbeiter der Bank. Das sind im Durchschnitt gerechnet – vom Vorstandsvorsitzenden bis zu den Pförtnern – 90.000 Euro pro Kopf im Jahr.

    An die eigentlichen Kapitalisten, die Aktionäre der Bank, werden jetzt „nur“ rund 227 Millionen Euro Dividende ausgeschüttet.


    Seit es Aktiengesellschaften gibt, existiert dieser Streit zwischen den Kapitaleigner, die nichts tun und dafür Dividende einstreichen, und den Lohnabhängigen, die immerhin die Geschäfte führen und sich selber hohe Gehälter auszahlen. Dieser Streit in der Deutschen Bank wird lauter, weil es mit dem Institut abwärts geht.


    Die früheren großen Namen der Bank, Alfred Herrhausen, Hilmar Kopper und Rolf-Ernst Breuer wollten die Deutsche Bank „in die Weltspitze“ führen. Für dieses Ziel wurden „Superstars“ der Finanzwelt mit teurem Geld von anderen Instituten abgeworben. Dann kam mit der Krise von 2008 die Ernüchterung: Die gefeierten Milliardengewinne waren „zum Gutteil“ auf Betrug aufgebaut. „In vielen Fällen“ wurden die Kunden der Deutschen Bank getäuscht.

    Ob mit Betrug am Kunden oder ohne – die Geschäfte mit undurchsichtigen Finanzprodukten hatten in der Vergangenheit rund zwei Drittel zum Gewinn der Bank beigesteuert. In den vier Geschäftsjahren vor der Finanzkrise – von 2004 bis 2007 – summierten sich die Gewinne auf rund 15 Milliarden Euro. Von diesem Geldsegen ist nach der Krise nicht viel geblieben.

    Die Deutsche Bank musste bisher fast 15 Milliarden Euro an Straf- und Vergleichszahlungen blechen. Einer ihrer „Superstars“, Christian Bittar, hat sich vor Gericht schuldig bekannt, an der Manipulation des internationalen Libor-Indexes beteiligt gewesen zu sein, nach dem sich die Zinssätze in internationalen Finanzgeschäften richten. Zur Zeit wartet er in Untersuchungshaft auf seine Verurteilung.

    Zu den 15 Milliarden Euro Strafzahlungen der Deutschen Bank kommen noch rund 20 Milliarden Euro Verluste, die in den Nachkrisenjahren durch die Rückabwicklung betrügerischer oder undurchsichtiger Geschäfte der Bank abgeschrieben werden mussten.

    Der Geldsegen, der scheinbar Kapital vermehrte, ohne fremde Lohnarbeit auszusaugen, hat sich als Illusion herausgestellt. Dass Kapital sich im Kapitalismus ohne Lohnarbeit und ohne Ausbeutung vermehren und akkumulieren ließe, ist eine Illusion, die Geldkapitalisten allerdings mit einigen Linken teilen.


    Wal Buchenberg, 28.03.2018


    „Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste Form. Wir haben hier G – G', Geld, das mehr Geld erzeugt ... ohne den Prozess, der die beiden Extreme vermittelt.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 404.


    Der Zins erscheint „als ein Mehrwert, den das Kapital an und für sich abwirft, und den es daher auch abwerfen würde ohne produktive Anwendung. Für den einzelnen Kapitalisten ist dies praktisch richtig. ...

    Allgemein gefasst, d. h. auf das ganze Gesellschaftskapital angewendet, ... ist dies natürlich verrückt. Die Verwandlung des sämtlichen Kapitals in Geldkapital, oh­ne dass Leute da sind, die die Produktionsmittel kaufen und verwerten ..., – dies ist natürlich Unsinn.

    Es steckt der noch größere Unsinn darin, dass auf Basis der kapitalistischen Pro­duktionsweise das Kapital Zins abwerfen würde, ohne als produktives Kapital zu fungieren, d. h. ohne Mehrwert zu schaffen, ...

    Wollte ein ungebührlich großer Teil der Kapitalisten sein Kapital in Geldkapital verwandeln, so wäre die Folge ungeheure Entwertung des Geldkapitals und ungeheurer Fall des Zinsfußes; viele würden sofort in die Unmöglichkeit versetzt, von ihren Zinsen zu leben ...“. K. Marx, Kapital III, MEW 25, 390f.


    Karl Marx über zinstragendes Kapital

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