Waffenkult in den USA



  • 1) Wer besitzt Schusswaffen?

    30 Prozent der US-Bürger besitzen mindestens eine Schusswaffe. Von diesen Waffenbesitzern haben rund ein Drittel 2-4 Waffen, ein weiteres Drittel 5 oder mehr Schusswaffen.

    57 Prozent der US-Bürger besitzen keine eigene Schusswaffe, aber rund ein Drittel davon überlegen, ob sie sich nicht eine Waffe kaufen sollten.


    2) Wie verteilen sich die privaten Schusswaffen auf die USA?

    Der Besitz von Schusswaffen ist ziemlich gleichmäßig in allen Altersgruppen und allen Bildungsgraden verteilt.

    Männer besitzen fast doppelt so oft Waffen wie Frauen. Und Weiße fast doppelt so oft wie andere ethnische Gruppen. Knapp die Hälfte der privaten Schusswaffen befinden sich in ländlichen Gebieten.


    3) Gründe für Waffenbesitz

    38% der Waffenbesitzer gehen auf die Jagd und 30% betreiben Sportschießen. Aber zwei Drittel geben an, sie benötigten die Waffen zum eigenen „Schutz“ – obwohl nur ein geringer Prozentsatz (7%) ihre Waffe schon einmal für diesen Zweck (4) benutzt haben.


    5) Persönliche Bedrohung durch Schusswaffen

    Viele US-Bürger kennen Menschen persönlich, auf die schon einmal geschossen worden ist. Am meisten gefährdet sind dabei Afroamerikaner (6 + 57%). Afroamerikaner besitzen jedoch prozentual viel weniger Schusswaffen als Weiße. Die Häufigkeit des Waffenbesitzes korrespondiert nicht mit der eigenen Gefährdung. Auch dass zwei Drittel der Waffenbesitzer zwei oder mehr Schusswaffen haben, hat wenig mit „Verteidigung“ zu tun. All das lässt vermuten, dass der „Schutz durch Schusswaffen“ meist ein vorgeschobener, weil naheliegender Grund ist.


    6) Gründe für Waffengewalt

    In der linken/reformerischen Diskussion über Schulmassaker und Waffengewalt in den USA spielen staatliche Verbote und Kontrollen eine dominierende Rolle. In der US-Diskussion wird jedoch die Unkontrolliertheit des Waffenerwerbs nur als eine von mehreren der Ursachen angesehen.


    7) Was erreichen staatliche Kontrollen und Verbote?

    Die Meinungen, ob stärkere Kontrollen des Waffenerwerbs einen Einfluss auf Schulmassaker und andere Massenmorde hätten, sind daher in den USA geteilt.


    Mein Kommentar:

    Ich denke, der Waffenbesitz ist in der amerikanischen Gegenwartskultur ebenso tief verankert wie der privaten Autobesitz in den Deutschland. Die Schusswaffe in der Tasche verleiht eine ähnliche scheinbare Überlegenheit und „Sicherheit“ wie die Minipanzer (SUVs), mit denen Mütter mit Kind durch unsere Innenstädte steuern.

    Viele Deutsche sehen durch Fahrverbote oder Fahrbeschränkungen und Tempolimits „ihre Freiheit“ ebenso bedroht wie viele US-Amerikaner durch Beschränkungen des Waffenerwerbs. Die Zahl der Toten durch Schusswaffen (16.000 pro Jahr in den USA) oder durch Autoverkehr (25.000 pro Jahr in Europa) wird hier wie dort dabei ignoriert.

    In der linken/reformerischen Diskussion über Waffenbesitz steht die angebliche Macht der Waffenlobby im Mittelpunkt. Die National Rifle Association hat jedoch in den USA nicht mehr und nicht weniger Macht als der ADAC in Deutschland. Beide verteidigen als Sprachrohr ihrer Mitglieder und als Meinungsverstärker die jetzigen Zustände, aber sie „manipulieren“ weder ihre Mitglieder noch die Regierung.


    Wer eine Änderung der Einstellung und des Verhaltens erreichen will, der braucht eher positive Anreize als staatliche Verbote.

    Ein positiver Anreiz gegen privaten Autobesitz ist zum Beispiel ein Nahverkehr zum Nulltarif.

    Ein positiver Anreiz gegen privaten Waffenbesitz ist zum Beispiel eine Abrüstung der Polizei und der Verzicht der Streifenpolizisten auf Schusswaffen.

    Ein Anreiz gegen privaten Waffenbesitz wäre auch die wachsende Erfahrung, dass die eigene Sicherheit in größerem Maße durch gemeinsames, solidarisches Handeln als durch individuelle Ausrüstung erreicht wird.

    Ich verweise da auf Erfahrungen in Israel, wo die Bürger in viel höherem Maße durch gewaltsame Angriffe bedroht sind als die US-Bürger, aber keine Waffen tragen. Wenn es zu einem gewalttätigen Angriff kommt, eilen die Mitbürger trotzdem hinzu und kommen einem Opfer zu Hilfe.


    Wal Buchenberg, 2. März 2018

  • @Wal, du schreibst: " Ein positiver Anreiz gegen privaten Autobesitz ist zum Beispiel ein Nahverkehr zum Nulltarif. Ein positiver Anreiz gegen privaten Waffenbesitz ist zum Beispiel eine Abrüstung der Polizei und der Verzicht der Streifenpolizisten auf Schusswaffen."


    Ich weiß nicht ob das ein Vergleich irgendwie hinkt. Ebenso könnte der gemeine US-Amerikaner denken: "Wenn die Polizei abrüstet, muss ich mich erst recht selbst um meine eigene Sicherheit kümmern". Meinst du, dass die meisten US-Amerikaner sich eine Waffe zulegen, weil sie sich gegen die Exekutive schützen wollen? Einige argumentieren ja so. In den Vereinigten Staaten ist die Skepsis gegenüber dem Zentralstaat jedenfalls nicht ungewöhnlich.


    Wäre interessant, wenn du deine Forderung nach einer schusswaffenfreien Polizei und den Zusammenhang zur Eigenbewaffnung der Bürger näher erläutern könntest.

  • In der Physik gibt es die Gesetzmäßigkeit von actio - reactio. In der Politik und in der Kriminalität gibt es die Gesetzmäßigkeit des Wettrüstens: Gewalt ruft mehr Gewalt hervor.

    Das Jahr 2018 ist gerade mal zwei Monate alt. Wie viele Tote in den USA gehen 2018 auf das Konto der Polizei?

    Die Zahl steht hier: police shootings.

    Wer Gewalt in einer Gesellschaft vermindern will, muss/soll bei der "offiziellen" Gewalt anfangen.

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