Zum Tarifabschluss der Metallindustrie BaWü

  • Tarifabkommen werden immer nebulöser. Früher galt ein Abschluss ein Jahr. Dieser Abschluss gilt 27 Monate. 4,3 Prozent mehr im Monat sehen zwar viel aus, aber auf die Basis von einem Jahr umgerechnet, bleibt davon nicht viel übrig: 4,3 Prozent geteilt durch 27 mal 12 Monate = 1,9 Prozent.


    Dazu kommt, dass jeder Prozentabschluss die Schere zwischen Niedriglöhnern und Gutverdienern weiter öffnet. In der untersten Entgeltgruppe von Baden-Württemberg verdienen Un- und Angelernte 2.300 Euro im Monat. In der höchsten Entgeltgruppe 17 kassieren gutbezahlte Angestellte knapp 5.800 Euro im Monat.

    Die 4,3 Prozent machen in der Entgeltgruppe 1 knapp 100 Euro mehr. In der EG 17 bringen die 4,3% fast 250 Euro mehr. Die Lohnschere zwischen Unten und Oben öffnet sich also um weitere 150 Euro.

    Daran können wir ablesen, wessen Interessen die IG-Metall-Führung vertritt. Es sind nicht die Interessen der Niedriglöhner. Die Einmalzahlungen von 100 oder 400 Euro für alle ändern daran wenig.


    Auch die Arbeitszeitvereinbarungen sind nebulös. Im Grundsatz wird die Arbeitszeit nicht kürzer, sondern „flexibler“. Heißt: Mehr Lohnarbeiter können und müssen länger arbeiten als bisher.

    Statt dem Anrecht auf (vorübergehend) kürzere Arbeitszeiten zahlen die Metall-Kapitalisten eine 27,5-Prozent-Prämie damit besonders belastete Gruppen (Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder, und Lohnarbeiter mit pflegebedürftigen Eltern) KEINE Arbeitszeitverkürzung nehmen. Wenn sie dennoch die tariflich vereinbarten zusätzlichen acht freien Tage wählen, verlieren sie die 27,5-Prozent-Prämie.


    Stefan Wolf von den Südmetall-Arbeitgebern meinte zu dem Abschluss, seine „Komplexität“ werde „für viele Betriebe schwer zu tragen“ sein.

    Die Tarifkämpfe sind von Seiten der Lohnabhängigen immer weniger zu durchschauen und immer weniger zu bestimmen. Wir dürfen für einen Warnstreik mal vor die Werktore, alles andere entscheiden „die da oben“. Früher gehörten die Gewerkschaftsvertreter zu uns. Da gab es kaum einen Gewerkschafter, der nicht ein paar Jahre mit uns an der Werkbank gestanden hatte. Heute kommen sie direkt von der Uni und sprechen die Sprache der Manager. Heute gehören auch Gewerkschafter zu „denen da oben“.

    Nicht mehr uns bekannte Menschen (Kapitalisten) und von uns beauftragte Vertreter (Gewerkschafter) entscheiden über unser Schicksal, sondern angeblich wissenschaftliche Algorithmen und anonyme Gremien.


    Wal Buchenberg, 6.2.2018


    Lohnkampf-Kalender 2018

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