China und die USA

  • Warenexport und Kapitalexport sind die Waffen, mit denen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ausgetragen wird.
    Preiswertere Waren sind die Granaten, mit denen ein entwickeltes kapitalistisches Land fremde Länder und Regionen attackiert. Soweit die fremden Waren dort Fuß fassen, zerstören sie die einheimische Industrie.
    Der Kapitalexport (FDI), mit dem Anteile oder ganze Produktionsanlagen im fremden Land erworben werden, sind gleichsam Soldaten, die im fremden Land Produktionsstätten besetzen. Für die Kapitalisten der Empfängernation vermindert sich dadurch die Mehrwertmasse, die sie im Land ernten, um den Profit, der dann ins Ausland wandert.



    Solange die amerikanische Industrie überlegen war, produzierte sie preisgünstiger als die ausländische Konkurrenz und konnte nach 1945 den Weltmarkt mit ihren Waren überschwemmen. Zuerst holten Europa und Japan den Produktivitätsvorsprung der USA ein und machten ihr auf dem eigenen Feld Konkurrenz. China folgte diesen beiden Regionen und exportiert jetzt viel mehr in die USA als die USA nach China. Siehe Grafik oberes Bild.
    Chinesische Waren fließen in die USA und amerikanisches Geld nach China. Wie die Handelsbilanz beider Länder zeigt, flossen allein im Jahr 2016 Waren im Wert von 350 Mrd. Dollar mehr in die USA als nach China. Die USA wurden dadurch zum Schuldner Chinas. China ist neben Japan der größte ausländische Gläubiger der USA.



    Die für die USA negative Bilanz lässt sich oberflächlich ausgleichen, indem China außer Waren auch Kapital in die USA exportiert. Das vergrößert noch die amerikanische Abhängigkeit von China.
    Die Profit-Ausbeute von den Lohnarbeitern, die unter ausländischem Kommando stehen, wandert in ausländische Kapitalistenhände. Siehe Grafik unteres Bild.
    Bis ins Jahr 2005 exportierten die USA Kapital nach China, ohne dass China neben Waren auch Kapital exportierte. Seit dem Jahr 2010 stieg der chinesische Kapitalexport in die USA deutlich an. Im Jahr 2015 übertraf der chinesische Kapitalexport in die USA den amerikanischen Kapitalexport nach China deutlich.
    Wal Buchenberg, 6. April 2017


    Siehe auch:


    Stahlindustrie und Weltmarkt


    Sahen wir den "Profit-Peak"?


    Dollarimperialismus


    Der Niedergang der klassisch-imperialen Mächte


    Kapitalismus und Energie


    Deutschland - Europas zögerliche Vormacht

  • Ein interessanter Beitrag mit einer guten Verdeutlichung/Metapher, was Warenexport und Kapitalexport darstellt. - Vielen Dank.
    Ich denke, dass im vorletzten Abschnitt ein Fehler / Verdreher ist: "Wie die Handelsbilanz beider Länder zeigt, flossen allein im Jahr 2016 Waren im Wert von 350 Mrd. Dollar mehr nach China als in die USA."
    M.E. muss es heißen: "weniger".

  • Hallo basal,
    die erste Metapher, dass billige Warenpreise Kanonen seien, mit denen Konkurrenten ruiniert werden, stammt von Marx. Leider habe ich die Stelle nicht wieder gefunden.


    Danke für den Fehler-Hinweis. Ich habe das oben in meinem Text korrigiert.


    Gruß Wal

  • "Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt." (MEW 4, 466)

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