Trump und die NATO

    • Trump und die NATO

      US-Präsident Trump macht eine Welle, weil seine Nato-Partner nicht den „fairen Anteil“ zu den gemeinsamen Militärausgaben beitragen. Dieses Klagelied singen US-Präsidenten seit Mitte der 1970er Jahre. Zuletzt hatten auf dem Nato-Gipfel von 2014 alle Mitglieder zugesagt, dass sie bis zum Jahr 2024 ihren Militärhaushalt auf 2% ihres Bruttosozialprodukts steigern wollten.

      Die wichtigere Frage ist nicht, wer wie viel zahlt, sondern wofür gezahlt wird. Die wichtigere Frage ist nicht die Finanzierung, sondern welche Ziele die Nato in der heutigen Zeit verfolgt.

      Die Diskussion um den finanziellen „Beitrag“ ist sehr schnell abgehandelt:



      Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts hatten alle Nato-Mitglieder ihren Militäranteil am BSP gesenkt, am deutlichsten die Türkei.
      Die Türkei, Frankreich, Großbritannien, aber auch Polen und die Balten-Staaten erfüllen die 2-Prozent-Quote. Der Unmut Trumps richtet sich vor allem gegen Deutschland (1,2% Militäranteil), aber auch gegen die südeuropäischen Natomitglieder Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Die Südeuropäer machen so oder so die Suppe nicht fett. Bleibt die Bundesrepublik Deutschland. Im Vergleich zu den Nato-Partnern ist die BRD tatsächlich militärischer Trittbrettfahrer.
      Falls die Bundesregierung die Militärausgaben auf die geforderten 2% anhebt, stiege der absolute Beitrag von 41 Milliarden auf 70 Milliarden.
      Auch dann noch würden die USA den Löwenanteil der Militärausgaben tragen. Jetzt tragem sie über 70 Prozent aller Militärkosten der Nato-Staaten. Nach der Durchsetzung der 2-Prozent-Marke entfielen auf die USA immer noch zwei Drittel von insgesamt 1000 Milliarden Dollar jährlich.
      Wie gesagt: Die spannendere Frage ist: Wofür wird all das Geld ausgegeben?
      Ich vermute, das amerikanische Establishment, die US-Imperialisten, wissen keine Antwort auf diese Frage und ist mit sich selbst uneins und im Unklaren, wohin ihr militärischer Schwerpunkt zu legen sei. Nach dem Zusammenbruch der Warschauer Paktes führten die USA Krieg auf dem Balken, dann im Nahen Osten, dann in Afghanistan, dann wurde Asien zum neuen Schwerpunkt ("Pivot") erklärt. Nach der russischen Annexion der Krim und der russischen Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine wurde wieder Osteuropa zum "Hauptkriegsschauplatz" der Nato erklärt. Kürzlich kam Trump mit der Idee um die Ecke, dass eigentlich der Islam und ISIS der Hauptfeind der USA seien. Dieser strategische Eiertanz ist Ausdruck davon, dass in aller Welt die Probleme und Konfliktzone schneller zunehmen als die militärischen Mittel der USA und von Nato.

      Wal Buchenberg
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,

      irgendwie hat sich bei dir ein Wechsel eingeschlichen. Aus den "Militärausgaben der Nato-Staaten" wird irgendwie ein "Nato-Etat" oder Nato-Militärkosten. Die USA sind natürlich frei, ihre Militärausgaben festzulegen. Ich würde es auch so sehen, dass das Establishment auf die Frage wozu, keine geschlossene Antwort hat. Bzw. scheint Trump da Möglichkeiten zu sehen, Gelder zu streichen, um sie auf die Kerninteressen zu konzentrieren. Wie diese derzeit definiert sind, ist unklar. (Russland, Iran, China).





      Edit Wal: Hi Bke ,
      Du hast recht, die Nato hat kein eigenes Militärbudget. Es handelt sich um die Summe aller Militärausgaben der Nato-Staaten.
    • Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Von dem angeblichen "Friedensbringer Trump", der sogar hier im Marx-Forum als Friedensfürst angepriesen* worden ist, ist nichts mehr übrig.
      "Wir müssen wieder Kriege gewinnen" ist Trumps neuestes Statement.

      Kapitalismus heißt Krieg! Das sind leider keine Fake-News.


      *
      "Trump gibt vor Krieg vermeiden zu wollen, Clinton tut dies nicht."
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,

      dass Trump den Militärhaushalt aufbauscht ist ein besserer Kurs als die von Clinton angekündigte Konfrontation mit Russland. Dass er den Russlandfreundlichen General Flynn als Nationalen Sicherheitsberater gegen den Russlandfeindlichen General McMaster austauschen musste ist hingegen bedenklich. Es bleibt allerdings ein Fakt, dass Trump der bessere Kandidat war und der bessere Präsident ist, als es Clinton hätte sein können. Ob er sich gegen das aggressive "New World Order" Establishmant durchsetzen kann, welches sich seit der Präsidentschaft des ersten Bushs im Sicherheits- und Aussenpolitikapparat der USA festsetzen konnte bleibt abzuwarten.

      Gruß Wanderer
    • Hallo Wanderer,
      es geht Trump und der neuen US-Regierung ausdrücklich nicht um Rüstung zwecks "Abschreckung", sondern um Rüstung zwecks Krieg. Du gibst dich damit zufrieden, wenn kein Krieg gegen Russland geführt wird. Jeder andere Krieg geht dir an der Backe vorbei - mir nicht und den meisten anderen Menschen auch nicht!

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,

      die USA als dominante Großmacht der Erde führt seit dem zweiten Weltkrieg stets irgendwo Krieg und/oder unterstützt ihn/zettelt ihn an. Das ist für eine solche Großmacht wohl unvermeidlich. Wenn die USA anders handeln würde wäre sie nicht mehr lange in dieser Position. Man muss das akzeptieren und kann nur hoffen dass sich der Schaden in Grenzen hält. Ein Krieg gegen Kräfte in der Peripherie ist für die Menschen lokal schlimm. Kein Frage. Ein Krieg gegen Kräfte in der kapitalistischen Kernzone (und die schließt Russland trotz seiner wirtschaftlichen Schwäche mit ein) ist für alle Menschen schlimm. Ein solcher Krieg könnte final sein. Ihn zu verhindern ist von überragender Bedeutung. Mit Trump stehen die Chancen dafür besser, als bei einer Regierung seiner (schein-) linken und (schein-) konservativen Gegner, also muss man seine Regierung vorerst gut heißen.
      Trumps Forderung, dass die USA Kriege wieder gewinnen müssten ist zunächst einmal ein Bruch mit der Heuchelei bisheriger US-Regierungen. Sie ist die logische Fortentwicklung der Parole "Make America Great Again" aus dem Wahlkampf im Kontext der Sicherheitspolitik. Vielleicht bringt sie ihm mehr Einfluss im Sicherheitsapparat, vielleicht ist sie einfach nur Gewohnheit.

      Gruß Wanderer
    • Solange das amerikanische Volk sich nicht Strukturen geschaffen hat, in denen es seinen Willen und Bedürfnisse ausdrücken und formulieren kann, wird es wohl damit leben müssen, dass ihm vorgehalten wird, dass Trump das bessere Übel sei als andere Figuren aus dem Etablishment und dass ihm (von links außen) vorgehalten wird, es müsse diese Regierung für gut, für besser halten.

      :S :S :S
    • Hallo Wal,

      Grundsätzlich:
      wer die Welt verstehen will und sich eine Meinung bilden will wie man sie verändern sollte, muss zunächst einmal akzeptieren wie sie ist und funktioniert. Alles andere ist Phantasterei. In Bezug auf die US-Präsidentenwahl bedeutet dies zu untersuchen/wahrzunehmen wer gewählt werden kann und was er tun kann/wahrscheinlich tun wird wenn man in Betracht zieht wie die US-Politik funktioniert.
      Zur teilweise mörderischen Rolle der USA in der Welt:
      die USA wirkt vielfältig in der Welt. Falls die Zahl von 30 Mio. Opfern der US-Politik stimmt, wäre dies verglichen mit den Opfern der chinesischen, sowjetischen, kambodschanischen Kommunisten und diversen kleineren linken Bewegungen/Regierungen erstaunlich wenig. Im Gegenzug ernährt die kapitalistische Hochleistungslandwirtschaft der USA einen nicht zu unterschätzenden Teil der Menschheit. Ich bin kein Fan der US-Politik, aber ich bin dagegen sie aus Prinzip zu verteufeln. Man sollte die Dinge doch bitte immer im ganzen Kontext betrachten

      Gruß Wanderer.
    • Wanderer wrote:

      Hallo Wal,

      Grundsätzlich:
      wer die Welt verstehen will und sich eine Meinung bilden will wie man sie verändern sollte, muss zunächst einmal akzeptieren wie sie ist und funktioniert. Alles andere ist Phantasterei.
      Einverstanden.

      Wanderer wrote:

      In Bezug auf die US-Präsidentenwahl bedeutet dies zu untersuchen/wahrzunehmen wer gewählt werden kann und was er tun kann/wahrscheinlich tun wird wenn man in Betracht zieht wie die US-Politik funktioniert.
      Du beginnst mit Weltveränderung und kommst im nächsten Schritt zur Auswahl eines US-Präsidenten. Die die Welt im Interesse der Machtlosen/in ihrem Interesse verändern wollen, setzen ihre Hoffnungen zuletzt auf einen US-Präsidenten oder einen anderen Machthaber. Die Mächtigen sind notwendig daran interessiert, dass sie an der Macht bleiben, dass die Welt so bleibt, wie sie ist. Die Mächtigen sind nicht unsere Bündnispartner, sondern unsere Gegner.

      Und selbst wenn: Wie du, der du kein Amerikaner bist, einen Mächtigen unterstützen kann, der mit „Amerika first“ ausspricht, dass er deine Interessen auf keinen Fall unterstützen will, das bleibt ein Rätsel.


      Wanderer wrote:

      Zur teilweise mörderischen Rolle der USA in der Welt:
      die USA wirkt vielfältig in der Welt. Falls die Zahl von 30 Mio. Opfern der US-Politik stimmt, wäre dies verglichen mit den Opfern der chinesischen, sowjetischen, kambodschanischen Kommunisten und diversen kleineren linken Bewegungen/Regierungen erstaunlich wenig.

      Die Geschichte der Menschheit ist bis heute ein Schlachthaus. Das ist leider wahr. Da wollen wir nicht die deutschen Militaristen und Faschisten vergessen, die rund 80 Millionen Menschenleben auf ihrem Kerbholz haben. Im übrigen halte ich es mit der Feststellung: Der Krieg "der Geknechteten gegen ihre Unterdrücker (ist der) einzig rechtmäßige Krieg in der Geschichte..." (Karl Marx, Bürgerkrieg in Frankreich, MEW 17, 358)


      Wanderer wrote:

      Im Gegenzug ernährt die kapitalistische Hochleistungslandwirtschaft der USA einen nicht zu unterschätzenden Teil der Menschheit. Ich bin kein Fan der US-Politik, aber ich bin dagegen sie aus Prinzip zu verteufeln. Man sollte die Dinge doch bitte immer im ganzen Kontext betrachten
      Im Kontext betrachtet ernährt der Kapitalismus uns Lohnabhängige wie ein Milchbauer seine Kühe ernährt: Um sie melken zu können.
      Und es ist keineswegs so, dass ein Milchbauer, der 1000 Kühe im Stall hat, seine Kühe mehr liebt und besser behandelt als ein Bauer, der 20 Kühe hat.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Hallo Wal,

      zu Weltveränderung und Unterstützung der Mächtigen: Wie gesagt, es geht mir im Kontext auf Dinge die ich nicht beeinflussen kann, darum mir eine Meinung zu bilden wie man sie verändern sollte/könnte. Im Bezug zur US-Wahl bedeutet dies, sich in die Lage der US-Amerikaner meiner Klassenlage zu versetzen und danach die Wahl zu analysieren. Ich stimme Dir zu, dass die Mächtigen wie so ziemlich alle Menschen in erster Linie für sich selbst handeln, d.h. ihre Machtgrundlage zu erhalten oder zu vergrößern suchen. Die Frage ist, was die Machtlosen tun können. Im Fall einer repräsentativ demokratischen Wahl ist dies die Stimmenabgabe. Auch wenn die Mächtigen, die an den wichtigen Schaltern sitzen, nicht die Bündnispartner der Machtlosen sind, muss man sich fragen welche Schalter man als Machtloser drücken kann. Da wir in Deutschland dieses Jahr eine Wahl haben, sollten auch die deutschen Machtlosen sich diese Frage stellen.

      zur Welt als Schlachthaus: Das siehst Du ganz richtig. Ich muss hinzufügen, dass man auch den Schlachthauscharakter der Welt verstehen muss um sich in ihr zu orientieren. Also muss man auch in Betracht ziehen, welche mörderischen Aktionen für eine Großmacht wie die USA in diesem Schlachthaus nötig sind.

      zum Kerbholz der „deutschen Militaristen“: Ohne die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit der deutschen militärischen Führungsschicht der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts schmälern zu wollen, halte ich es für verfehlt ihnen alle Toten des letzten Weltkrieges zuzuschreiben. Da Deutschland nie Großmacht in Friedenszeiten wahr und keine ernsthafte Revolution durchgemacht hat, ist die Opferzahl der „deutschen Militaristen“ in Friedenszeiten im Gegensatz zu den genannten Beispielen und Großmächten wie USA und zuvor das Britische Empire übrigens äußerst gering.

      zur Analogie von Kapitalisten und Milchbauern: Die Kapitalisten lieben die Menschen, die von ihren Entscheidungen profitieren gewiss nicht. Aber so wie ein Großteil der Milchkühe ohne den Bauern nicht überleben könnte, würde ein Großteil der menschlichen Bevölkerung ein plötzliches Verschwinden speziell der US-Agrar-Kapitalisten nicht gut überstehen. Bei der Meinungsbildung über Wege zur Verbesserung der Welt/Lage sollte man dies mit einbeziehen, also auch bei einer Bewertung der USA, bzw. der „US-Imperialisten“.

      Gruß Wanderer