Imperialismustheorien

    • Imperialismustheorien

      In mehreren beiträgen zum Thema Imperialismus hier im Forum entsteht der Eintruck, der Imperialismus würde von der Bildfläche verschwinden.

      "Modern Imperialism"
      ... und tschüss Imperialismus!
      Es geht mit dem "Imperialismus" zu Ende

      die dort geposteten grafiken und statistiken, die eine neuverteilung des welthandels zeigen, sollen dies bestätigen.

      man kann sie aber auch ganz anders interpretieren:
      "Die sogenannten BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) und MIST-Länder (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) entwickelten sich zu den wichtigsten neuimperialistischen Ländern.....
      Diese neuimperialistischen Länder haben insgesamt zwischen den Jahren 2000 und 2013 ihren Anteil an der weltweiten industriellen Wertschöpfung von 20 Prozent auf mindestens 40 Prozent verdoppelt.1
      Gleichzeitig gingen die Anteile der USA um 9,4 Prozent-, die der EU um 5,8 Prozent- und die Japans sogar um 10,1 Prozentpunkte massiv zurück.2 Das drückt gewaltige Machtverschiebungen im imperialistischen
      Weltsystem aus."

      als grundlage wird die durch chronisch gewordene Überakkumulation motivierte Investitionstätigkeit der internationalen Monopole angegeben, die "nicht nur in Teil- und Halbfertigprodukte,
      sondern verlagerten zum Teil ihre ganzheitlich produzierenden Industriebetriebe oder Produktionsverbünde in diese Länder. Damit entstand auch dort ein internationales Industrieproletariat..."

      "Ein wesentliches ökonomisches Merkmal für ein imperialistisches Land ist der Drang und die Fähigkeit, ein anderes Land auszubeuten und zu dominieren. Der weltweite Bestand an Direktinvestitionen im Ausland, also der Kapitalexport, erreichte 2015 den höchsten je erreichten Wert mit 25 Billionen USDollar, 39 Prozent mehr als im Vorkrisenjahr 2007 mit 18 Billionen US-Dollar. Im Zeitraum von 2008 bis 2014 stieg der Anteil der neuimperialistischen Länder am jährlich weltweit ins Ausland exportierten Kapitalfluss von zehn Prozent im Jahr 2007 auf ein neues Rekordhoch von circa 30 Prozent."

      Alle wörtlichen Zitate aus der Zeitschrift "Rote Fahne" (hab den Artikel angehängt)

      man könnte also argumentieren, dass ein kapitaistisches Land ab einer bestimmten größe oder Stärke zum Imperialismus tendiert.
      somit hat sich die innerimperialistische verteilung verändert und die konkurrenz verschärft, aber der imperialismus als globales system bleibt bestehen, was aber für den rest der welt wenig ändert.
      aus einer klassenperspektive sind alle kapitalisten, und die imperialistischen staaten, die den kapitalistischen weltmarkt global aufrechterhalten und garantieren, zu bekämpfen.
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    • Raoul wrote:

      In mehreren beiträgen zum Thema Imperialismus hier im Forum entsteht der Eintruck, der Imperialismus würde von der Bildfläche verschwinden. ...


      ... man könnte also argumentieren, dass ein kapitalistisches Land ab einer bestimmten größe oder Stärke zum Imperialismus tendiert.
      somit hat sich die innerimperialistische verteilung verändert und die konkurrenz verschärft, aber der imperialismus als globales system bleibt bestehen, was aber für den rest der welt wenig ändert.
      Hallo Raoul,
      Der amerikanische UN-Beamte Jeffrey Sachs schrieb vor ein paar Tagen im Wiener Standard:
      "Die US-Außenpolitik steht am Scheideweg. Amerika war seit 1789 eine expandierende Macht. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichte es globale Vorherrschaft. Doch nun stößt seine Macht an Grenzen angesichts des Aufstiegs Chinas, der Dynamik Indiens, des steilen Bevölkerungsanstiegs und der wirtschaftlichen Regungen in Afrika, der Weigerung Russlands, sich seinem Willen zu unterwerfen, seiner Unfähigkeit, die Ereignisse im Nahen Osten zu kontrollieren, und der Entschlossenheit Lateinamerikas, sich seiner faktischen Hegemonie zu entledigen."–

      Hier sieht einer wesentliche Änderungen, die eingetreten sind - auch wenn er die wesentliche Ursache des Niedergangs der USA verschweigt oder übersieht: die chronische wirtschaftliche Schwäche der USA, die vom größten Gläubiger der Welt zum größten Schuldner der Welt herabgesunken ist.
      Änderungen und Entwicklungstrend zu sehen, das ist die Sichtweise, die ich favorisiere, - auch wenn mir häufig vorgeworfen wird, ich würde ökonomische Änderungen nicht sehen, weil ich an der Marxschen Kapitalkritik festhalte.

      Du beharrst darauf, was gleich geblieben ist. Da bist du ganz linke Tradition.
      Ja, wir leben noch im Kapitalismus. Ja, es gibt noch Großmachtpolitik. Aber eine "besondere Epoche" schafft Großmachtpolitik oder Imperialismus nicht,
      meint Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Großmachtpolitk allein nicht. es ist und bleibt ein politökonomischer begriff, deshalb sollten es die ökonomischen kennziffern schon hergeben. , je nachdem welche Imperialismus Definition man zugrunde legt, kann man die kriterien ja konkret untersuchen. nimmt man zB die von lenin, wäre ich sehr skeptisch, dass eines davon, der kapitalexport, im falle der usa noch stattfindet. das ist wiederum im kontext der gesamtentwicklung zu sehen, die ja nicht statisch ist. bei den neueren imperialistischen ländern kann das ganz anders aussehen, so dass die kriterien auf diese zutreffen. sie befinden sich in einem anderen stadium der entwicklung - dem des aufstieges, während die usa die phase ihres niedergangs erreicht haben mögen. politisch ist dem bereits rechnung getragen worden: g20 statt g7.
    • Hallo Raoul,
      mir reicht der "populäre" Begriff "Imperialismus= Großmachtpolitik".
      "Als Imperialismus (von lateinisch imperare „herrschen“; imperium „Weltreich“; ...) bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens bzw. seiner politischen Führung, in anderen Ländern oder bei anderen Völkern wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu erlangen, bis hin zu deren Unterwerfung und zur Eingliederung in den eigenen Machtbereich."
      Diese Definition passt auf das britische Weltreich, auf die USA seit der Monroe-Doktrin und auf das Deutschland der zwei Weltkriege. Nach dieser Definition war auch die Sowjetunion nach 1945 "imperialistisch". Und das heutige Russland ist auf dem besten Wege, imperialistisch zu werden.

      Welchen Begriff du hast, weiß ich nicht.
      Mich interessiert daher, was du zu dem Report "Global Trends" meinst, der ja den Anfang vom Ende des amerikanischen Imperialismus ankündigt.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • zB lenin:
      1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine dermaßen hohe Entwicklung erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben spielen.
      2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf Basis des Finanzkapitals.
      3. Der Kapitalexport gewinnt im Unterschied zum Warenexport besonders an Bedeutung.
      4. und 5. Es bilden sich internationale Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich aufteilen und die territoriale Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten ist beendet.

      W. I. Lenin, Berlin 1962, S. 94f., vgl zur anwendung auf russland: lowerclassmag.com/2015/12/putins-bizeps/

      oder deppe/solty/salomon:
      lmperialismus ist „(...) als dreistelliges Verhältnis von (offener oder latenter, manifester oder struktureller) Gewaltpolitik, Kapitalakkumulation und historischer Räumlichkeit (...) beschreibbar"
      (Deppe/Salomon/Solty 2011, S. 23).

      Als Gewaltpolitik, die ein internes Regime extern absichern soll, können nur Staaten, die auch in der Lage sind, das nötige Gewaltpotential aufzubieten, imperialistische Akteure sein.
      lmperialismus hat stets eine historisch-geographische Dimension:

      wichtig ist dabei:
      ,Imperialismus' ist ein Begriff, der die kapitalistische Logik der Kapitalakkumulation voraussetzt:
      Das interne Regime, das es nach außen abzusichern gilt, ist in erster Linie ein ökonomisches Regime. (…) Dabei ist es ebenfalls eine nur historisch-konkret und empirisch zu
      beantwortende Frage, ob es die Krisenanfälligkeit der Kapitalakkumulation - insbesondere durch Überakkumulation und einen daraus resultierenden Druck entweder zum Kapıtalexport oder zur Kapıtalvernichtung - ist, dıe die kapitalistischen Metropolenstaaten zu imperialistischer Politik, treibt

      Bereits im Kommunistischen Manifest verweisen Marx und Engels auf die ausgreifende räumliche Expansionstendenz der kapitalistischen Ökonomie

      Leit-Frage: Welche konkrete und besondere Form nehmen Geographie und ,Geopolitik' unter den Geltungsbedingungen kapitalistischer Profitökonomie ein?
    • Raoul wrote:

      zB lenin:
      .... oder deppe/solty/salomon:...

      Hallo Raoul,
      mir wäre lieber, du würdest hier deine eigene Imperialismustheorie präsentieren, als mehrere andere "zur Auswahl" hinstellen.
      Die Imperialismustheorie von Lenin habe ich hier schon oft kritisiert. Ich wiederhole mich aber gerne.

      Raoul wrote:

      Lenin:
      1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine dermaßen hohe Entwicklung erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben spielen.
      Das stimmt weder mit der Theorie von Marx, noch mit den Fakten. Die Theorie von Marx sagt, dass Monopol und Konkurrenz sich auseinander entwickeln und sich gegenseitig hervorrufen. Die Theorie von Marx geht zwar von ständig wachsenden Kapitalgrößen aus, die aber nie und nimmer dazu führt, dass die Konkurrenz abnimmt oder gar verschwindet. Der Begriff "Monopolkapitalismus" ist Käse.

      „Die ursprüngliche Bestimmung des Privateigentums ist das Monopol; ... Das vollendete Monopol ist die Konkurrenz.“ K.Marx, Mill, MEW 40, 455.
      „Der Gegensatz der
      Konkurrenz ist das Monopol. ... Es ist leichteinzusehen, dass dieser Gegensatz ... ein durchaus hohler ist. Jeder Konkurrierende muss wünschen, das Monopol zu haben, mag er Arbeiter, Kapitalist oder Grundbesitzer sein. Jede kleinere Gesamtheit von Konkurrenten muss wünschen, das Monopol für sich gegen alle anderen zu haben. Die Konkurrenzberuht auf dem Interesse, und das Interesse erzeugt wieder das Monopol; kurz, die Konkurrenz geht in das Monopol über. ...
      Ja, die Konkurrenz setzt das Monopol schon voraus, nämlich das Monopol des Eigentums ...“ F. Engels, Umrisse, MEW 1,513f.

      „... Die Konkurrenz geht in das Monopol über. Auf der anderen Seite kann das Monopol den Strom der Konkurrenz nicht aufhalten, ja es erzeugt die Konkurrenz selbst, wie z. B. ein Einfuhrverbot oder hohe Zölle die Konkurrenz des Schmuggelns geradezu erzeugen.“ F. Engels, Umrisse, MEW1, 513.
      „In der Praxis des Lebens findet man nicht nur Konkurrenz, Monopol und ihren Widerstreit, sondern auch ihre Synthese, die nicht eine Formel, sondern eine Bewegung ist. Das Monopol erzeugt die Konkurrenz, die Konkurrenz erzeugt das Monopol. Die Monopolisten machen sich Konkurrenz, die Konkurrenten werden Monopolisten. Wenn die Monopolisten die Konkurrenz unter sich durch Aktiengesellschaften und Kartelle einschränken, so wächst die Konkurrenz unter den Arbeitern, und je mehr die Masse der Proletarier gegenüber den Monopolisten einer Nation wächst, umso zügelloser gestaltet sich die Konkurrenz unter den Monopolisten der verschiedenen Nationen. Die Synthese ist derart beschaffen, dass das Monopol sich nur dadurch aufrechterhalten kann, dass es beständig in den Konkurrenzkampf eintritt.“ K. Marx, Elend der Philosophie, MEW 4,163f.


      Die Theorie von Karl Marx stimmt mit den Fakten überein, die Theorie von Lenin und HIlferding nicht.
      Als Faktenbeispiel die Marktanteile der Technologiebranche in den USA:

      m

      Der ehemalige Monopolist IBM hat sein Monopol längst verloren. Der später aufkommende Monopolist Microsoft hat ebenfalls schon sein Monopol verloren. Jetzt konkurrieren eine Vielzahl von Unternehmen darum, eine Monopolstellung zu erwischen, aber jeder neue Technologie vernichtet die alten Monopole.
      Weil der Technologiemarkt sich besonders schnell wandelt, werden hier Entwicklungen sichtbar, die sich genauso auf anderen Märkte bei Autos, der Ölindustrie etc. abspielen, wenn auch mit sehr viel langsamerem Tempo. Im übrigen reicht der nationale Markt nicht mehr, um die kapitalistische Trends zu beschreiben. Auf dem Weltmarkt sind die meisten "nationalen Monopole" nur noch Durchschnittsplayer, die voll in der globalen Konkurrenz stehen.

      Raoul wrote:

      Lenin:
      2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf Basis des Finanzkapitals.
      Dass „Finanzkapital und Industriekapital verschmelzen“, ist fundamentaler Unsinn. Hilferding und Lenin beziehen sich hier auf die Eigentümer: Banken kaufen Aktien von Industrieunternehmen und umgekehrt.
      Das formelle Eigentum oder das gemeinsame Eigentum von Bankern und Unternehmern sagt überhaupt nichts über die besondere Rolle und die speziellen Funktionen, die das Geld-und das Industriekapital im Gesamtprozess der Kapitalverwertung spielen.
      Geldkapital kann niemals mit dem Industriekapital "verschmelzen", einfach deshalb nicht, weil Geld und Geldkapital die Zirkulationssphäre behaust und das Industriekapital die Produktionssphäre.

      Geldkapital und Industriekapital sind bei Marx nicht durch unterschiedliche Eigentümer definiert, sondern durch unterschiedliche Rollen, die Teile des Gesamtkapitals im Kreislauf des Kapitals spielen:
      Ein Geldkapital, das die Bank an Unternehmen verleiht, wird dadurch zum Industriekapital, und neben dem Zins, den die Unternehmer zahlen, wird auch der Profit, den die Unternehmer auf die Bank legen, wieder zu Geldkapital.

      Raoul wrote:

      Lenin:
      4. und 5. Es bilden sich internationale Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich aufteilen und die territoriale Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten ist beendet.
      Auch das ist längst überholt: Die heutigen Kapitalisten konkurrieren längst nicht mehr um "territoriale Aufteilung". Das war so um Zeitalter des Kolonialismus und wurde durch die Antikolonialbewegung gründlich beseitigt.
      Die territoriale Aufteilung (=Kolonien) waren nichts anderes als geografische Monopole, von denen der Kolonialherr fremde Kapitalien ausschloss. Diese territorialen Monopole (Kolonien) sind weg und an ihre Stelle traten mehr oder minder offene Grenzen, also auch offene Konkurrenz der Kapitalien rund um den Erdball.

      Kurz: Der Erkenntniswert dieser Imperialismustheorien geht nicht mehr gegen Null, sondern ist längst im Minusbereich, weil sie die Sicht auf die Veränderungen und Trends im modernen Kapitalismus verstellt.

      Das ist umso bedauernswerter, weil der komplexen und umfangreichen Kapitalismus-Theorie von Marx immer wieder vorgeworfen wird, dass sie die moderne Welt nicht erklären und kritisieren könne, während von der dünnen und einseitigen Leninschen Theorie, behauptet wird, sie hätte heute noch Erklärungswert.


      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • Ich denke mann muss die leninsche definition diskutieren und kreativ anwenden. Natürlich entstand sie vor eine anderen zeitgeschichtlichen hintergrund. Aber so einfach, wörtlich nehmen und damit beiseite schieben, ist es doch nicht. Denn es geht bei lenin eben nicht um unveränderliche „merkmale“, sondern die damaligen besonderheiten.

      1. frage der aufteilung
      Wie ich in dem anderen diskussionsstrang geschrieben hatte:
      „die natürlichen reichtümer sind begrenzt (...). umso blutiger wird der Inner-imperialistische konkurrenzkampf um die letzten ressourcen, einflussphären, rohstoffe, absatzmärkte usw. … künftig auch wieder innerimperialistische Großkriege“

      es geht also heute und immer wieder um die aufteilung der welt, gerade in der jetzigen phase.

      2. den aspekt des kapitalexports würde ich zumindest im falle der usa hinterfragen, die geldkapital aus aller welt seit der niedrigzinspolitik von 1979 angezogen haben. Wir dürfen das eben nicht statisch sehen, sondern müssen die entwicklung erklären.

      3. verschmelzung / Monopol
      verschmelzung würde ich nicht wörtlich verstehen.

      Zur frage des monopols würde ich dir widersprechen, weil ich denke, dass dein monopolbegriff auf einem mißverständnis beruht (monopol als ausschaltung der konkurrenz wie in der VWL)
      der marxistischen monopoltheorie hingegen haben sich viele marxistische theoretiker im 20. jahrhundert gewidmet, lenin, baran, sweezy, varga, mandel, stamokap usw um nur einige zu nennen). Marx selbst hat immer vonkonzentrations und zentralisationstendenzen gesprochen. (vgl. marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_k/konzentration.html)
      Ein monopol ist nicht gleichzusetzen mit einem einzelnen unternehmen, sondern kann als verband, trust, kartell, kooperation usw verstanden werden. Vielmehr noch geht es heute um beteiligungen und verflechtungen der unternehmen untereinander. Gleichzeitig verstärkt die monoplisierungstendenz die konkurrenz.

      „Typisch für den heutigen Kapi-talismus ist nicht mehr der kleine Betrieb, der einen geringen Bruchteil des Aus-stoßes gleichartiger Produkte für einen anonymen Markt herstellt, sondern das Großunternehmen, das an der Erzeugung einer ganzen Industrie oder sogar meh-rerer Industrien einen bedeutenden Anteil hat und in der Lage ist, seine Preise, den Umfang seiner Produktion sowie Art und Höhe seiner Investitionen zu bestimmen. Das typische Wirtschaftsunternehmen von heute besitzt also alle Eigenschaften, die einst nur den Monopolen zugesprochen wurden. Darum ist es verkehrt, das Monopol unbeachtet zu lassen, wenn wir an die Ausarbeitung unse-res Wirtschaftsmodells gehen, und die Konkurrenz dabei weiterhin als den Nor-malfall zu behandeln. Wenn wir uns über den Kapitalismus auf der Stufe desMonopols Aufschluß verschaffen wollen, können wir nicht vom Monopol absehen oder es als einen bloßen Modifikationsfaktor einschieben; vielmehr haben wir es gerade zum Zentrum unserer analytischen Bemühung zu machen.
      (Paul A. Baran/Paul M. Sweezy, Monopolkapital. Ein Essay über die amerikanische Wirtschafts und Gesellschaftsordnung, 1967: 15-16)

      Beispiele:

      einige hundert große multis beherrschen den welthandel. es gibt in deutschland vier große konzerne im lebensmitteleinzelhandel. Die sind so mächtig, dass sie qua marktmacht den produzenten die preise diktieren können. Egal, welchen bereich wir uns anschauen, medien, energie, telekommunikation, pharma, brauereien, IT, banken usw (microsoft de facto im bereich des betriebssystems). in jedem bereich haben wir 3- 10 marktbeherrschende konzerne.

      Wal: „Geldkapital kann niemals mit dem Industriekapital "verschmelzen", einfach einfach deshalb nicht, weil Geld und Geldkapital die Zirkulationssphäre behaust und das Industriekapital die Produktionssphäre."

      Das ist natürlich schon deshalb nicht richtig, denn jedes große Industrieunternehmen hat heutzutage quasi eine Hausbank (VW Bank, BMW Bank usw). Was hingegen zurückzuweisen ist, ist die einfache verschmelzung solcher „monopole“ mit dem staat. Eher ist bei transnatioanlen unternemen von einer tendenziellen verselbständigung auszugehen

      „Der Ausbau des beteiligungssystems durch industrie- und bankmonopole – eines der hauptinstrumente finanzkapitalistischer herrschaft – bedeutet die durchsetzung eines prinzips, mit einem relativ geringen eigenkapital über einen wesentlich größeren anteil des gesellschaftlichen kapitals zu bestimmen“ imsf: staat und finanzkapital ffm 1981 (!): 281

      Marx hatte davon schon so viel sehen können:“ Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise inner-halb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er repro-duziert eine neue Finanzaristokratie (...)" MEW 25: 454

      Sowie, was zu selbst von Marx zitierst: „In der Praxis des Lebens findet man nicht nur Konkurrenz, Monopol und ihren Widerstreit, sondern auch ihre Synthese, die nicht eine Formel, sondern eine Bewegung ist. Das Monopol erzeugt die Konkurrenz, die Konkurrenz erzeugt das Monopol. Die Monopolisten machen sich Konkurrenz, die Konkurrenten werden Monopolisten Hier kann also weder von einem einfachen gegensatz noch von einer zeitlichen abfolge ausgegangen werden.

      „So kontrollieren nach dieser Studie heute 147 Konzerne (75% dieser transnationalen Konzerne sind Finanzinstitutionen) 40% des weltweiten monetären
      Umsatzes über »ein kompliziertes Netz an Eigentümerverhältnissen«, wobei sie die Mehrheit der Anteile voneinander halten. … Diese netzwerkartigen Gewebe
      aus Mutterkonzernen, Tochtergesellschaften, Aktienbeteiligungen und Beteiligungen an Beteiligungen zeigen ungefähr das an, was Bichler/Nitzan als dominante Kapital-Macht
      bezeichnen, bei der es eben nicht nur auf die Größe und Profitabilität der Unternehmen, sondern auch auf die Relationen und die Verlinkung zwischen den Unternehmen
      ankommt, dem Grad ihrer Vernetzung. (A. Szepanski: Non Marxismus, 2016)

      Die Frage der Konkurrenz, die Baran/Sweezy 1967 so nicht sehen konnten, und die der neoliberalismus universalisiert hat, ist auf einer anderen Ebene zu suchen. jedes team und jede Abteilung gegeneinander (auch innerhalb eines Monopols), Staaten, Städte, Arbeitskräfte usw. alles und jedes wird in konkurrenz zueinander gesetzt, was heutzutage gerade durch die rentabilitätserwartungen und kapitalisierungsfaktoren der finanzmärkte seinen ökonomischen ausdruck findet

      und weil du grafiken so liebst, drei passende aus dem konzernatlas vom 11.1.2017)
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    • Kapitalismus als Puzzle?

      Nein, so kommen wir uns nicht inhaltlich näher.
      Dass Unternehmen und Kapitalien (zusammen)wachsen, das hat ja Marx nie bestritten. Das mindert den Konkurrenzdruck keineswegs.
      Dass in jedem Kapitalwachstum auch der Keim seines Untergangs durch Fall der Profitrate liegt, davon haben die Monopoltheoretiker keine Ahnung.
      Und noch einmal: Die Frage des individuellen Eigentums, ob eine Bank oder ein sonstiges Unternehmen kollektives ("verschmolzenes") Eigentum oder persönliches Eigentum ist, oder ob es dem Staat oder eine Kommune gehört, ist von ganz untergeordnetem Interesse und hat keinen Einfluss darauf, wie und wo sich Geld- ("Finanz")kapital und Industriekapital sich verwerten und betätigen.

      Die Monopoltheorie ist populär, aber weit entfernt von der Marxschen Kapitalismusanalyse.

      Jede Kapitalkritik, die den Kapitalismus als Puzzle ansieht, hat wenig bis nichts vom Kapitalismus verstanden – egal ob die Leute Lenin heißen oder Baran/Sweezy.
      Solche Puzzletheorien gibt es mehrere:
      Monopolkapitalismus neben Konkurrenzkapitalismus, Finanzkapitalismus neben Industriekapitalismus, Dienstleistungskapitalismus neben Produktionskapitalismus, Staatskapitalismus neben Privatkapitalismus, Raubtierkapitalismus neben Sozialer Marktwirtschaft.
      Auf die Frage, was das „Finanzkapital“ sei, kann „nurgeantwortet werden durch eine kritische Analyse der ‚politischen Ökonomie‘, diedas Ganze jener Eigentumsverhältnisse m nicht in ihrem juristischen Ausdruckals Willensverhältnisse, sondern in ihrer realen Gestalt, das heißt alsProduktionsverhältnisse, umfasste.“ K. Mar über Proudhon, MEW 16, 26f.
      Alle "Puzzletheorien" suchen nicht nach dem Zusammenhang und der realen Gestalt der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, sondern unterscheiden zwischen scheinbar nützlichen und scheinbar schädlichen Bestandteilen des Kapitalismus.


      Alle diese Theorien laufen praktisch darauf hinaus, das „Ungesunde“ im Kapitalismus zu bekämpfen, um das „Gute im Kapitalismus“ zu retten und zu behalten. Alle diese Theorien laufen praktisch darauf hinaus, die Lohnarbeit als ökonomische Abhängigkeit der großen Masse von einer alles bestimmenden Manager-Minderheit zu erhalten und allenfalls das Los der Lohnabhängigen erträglicher zu machen. Und dann wundern sich Linke, dass ihre Parolen von den Rechten gekapert werden können!

      Die Monopoltheorie hat noch die Besonderheit, dass ihre Anhänger naiv davon ausgehen, dass die Kapitalisten mit dem Anwachsen ihres Kapitals immer mächtiger werden. Schlagzeile von heute, Montag: „Acht Männer sind reicher als die halbe Welt!“

      Tatsächlich nimmt die persönliche Macht des Kapitalisten mit der Größe seines Unternehmens ab. Er muss immer mehr Funktionen und Entscheidungen an angestellte Manager übertragen. Darauf hat Marx längst hingewiesen.
      Der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts ist anonym.
      Zum zweiten hängt das Schicksal und die Dauer eines Unternehmens nicht von seiner Größe ab – wie Krethi und Plethi meinen, sondern von seiner Profitrate. Mit dem Anwachsen eines Einzelkapitals wird es aber immer schwieriger, eine hohe Profitrate zu erzielen oder die Profitrate zu halten. Hier liegt der Grund für die Stagnation und den schließlichen Untergang großer Unternehmen. Auch darauf hat Marx längst hingewiesen. Der Fall der Profitrate bei angehäuftem Kapital ist auch der tiefere Grund für die chronische Stagnation der kapitalistischen "monopolistischen" Kernzone.

      Gruß Wal

      Als Anhang: Karl Marx über Banken und Geldkapital:
      „Die rein technischen Bewegungen, die das Geld durchmacht im Zirkulationsprozess des industriellen Kapitals und ... des Warenhandlungskapitals ... – diese Bewegungen, verselbständigt zur Funktion eines besonderen Kapitals, das sie, und nur sie, als ihm eigentümliche Operationen ausübt, verwandeln dies Kapital in Geldhandlungskapital. ... Von dem Gesamtkapital sondert sich nun ab und verselbständigt sich ein bestimmter Teil in Form von Geldkapital, dessen kapitalistische Funktion ausschließlich darin besteht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen Kapitalisten diese Operationen auszuführen.
      Wie beim Warenhandlungskapital trennt sich ein Teil des im Zirkulationsprozess in der Gestalt von Geldkapital vorhandenen industriellen Kapitals ab und verrichtet diese Operationen des Reproduktionsprozesses für das gesamte übrige Kapital.
      Die Bewegungen dieses Geldkapitals sind also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teils des in seinem Reproduktionsprozess begriffenen industriellen Kapitals.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 327.


      In den vielentausend Seiten Kapitalismusanalyse und Kapitalkritik des Karl Marx wird vielüber die Kapitalisten geschrieben und enthüllt, aber nie auch nur ein einzigerKapitalist namentlich genannt. Ganz im Gegenteil:
      Zu Beginn seinesKapitals (Band I, Seite 99) schrieb Marx:
      „Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, dass die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.“ K. Marx, KapitalI, MEW 23, 99.

      Ich denke, dass Marx damit sagen will: Im Kapitalismus entscheiden nicht die Personen, und es entscheidet nicht ein bestimmter Teil über das Ganze ("politisch-militärischer Komplex", "Finanzkapital", "Kommandohöhen"), sondern das Zusammenwirken der ökonomischen Verhältnisse entscheidet. Deshalb macht es keinen Sinn, hinter und in den kapitalistischen Verhältnissen nach bösen "Drahtziehern" zu suchen.
      Der Kapitalismus schafft für alle Akteure einen Wirtschaftszusammenhang, der gleichsam einen eingebauten Kompass und eingebaute Pfade enthält.
      Die Kapitalisten handeln nach freien Stücken, aber sie sind dennoch gezwungen, nach bestem Wissen und Gewissen, aber bei Strafe des Untergangs, kapitalistische Prinzipien einzuhalten und ihnen zu folgen. Diese Zwänge erwachsen aus den Funktionen, die diese Leute innehaben. Sie tun dann, was sie ihnen die Verhältnisse einflüstern. Sie sind nur ausführendes Organ der kapitalistischen Verhältnisse.
      Gegen Ende seines Monumentalwerkes schrieb Marx im 3. Band des Kapitals: "Der Einzelne wirkt hier nur als Teil einer gesellschaftlichen Macht, als Atom der Masse, und es ist in dieser Form, dass die Konkurrenz den gesellschaftlichen Charakter der Produktion und Konsumtion geltend macht." K. Marx, Kapital III, MEW 25, 203.
      Wer den Kapitalismusverstehen will, muss die Funktionsweise des Kapitalismus studieren.
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • wal, du wirst doch zugestehen, dass die kapitalistischen produktionsweise unterschiedlichen historischen formen sowie nationalen, politischen, geographischen und anderen
      ausprägungen unterliegt. es gibt eigentlich nicht den kapitalismus. oder was sind die kriterien dafür, über alle zeiten, formen und kontinente hinweg? ich würde sagen der widerspruch zwischen arbeit und kapital und der akkumulationszwang. ebentuell noch das privateigentum, doch ist auch staatskapitalismus vorstellbar, denn eigentumsverhältnisse sind nicht gleich produktionsverhältnisse. alles andere erscheint mir variant. kapitalismus heute kann mit der inwertsetzung von sklavenarbeit in der peripherien ebenso gut leben wir mit dem drücken der reproduktions- und damit lohnkosten, indem er arbeiter ausbeutet, die zugleich subsistenz betreiben. kapitalistischen wirtschaften kann ebenso mit einer faschistischen einparteienherrschaft d'accord gehen wie mit autoritärem staat oder liberalem markt. also geht es darum die historisch-konkrete form des gegenwärtigen gesellschaftsformation zu bestimmen, um sie verstehen zu können. dazu gehören die produktionsverhältnisse ebenso wie die politische regulation. und da sind einzelne tendenzen, wie überakumulation, die zum imperialismus und zum aufblähung der finanzmärkte führen, ein notwendiger teil des ganzen.

      nochmal zu den monoplen.
      natürlich handelt es sich um oligopole. diese tendenz der konzentration ist nicht zu leugnen. chemie, elektrik, energie, automobil, einzelhandel, rüstung, IT, pharna, medien, alle segmente sind durch oligopolisierung von wenigen großen konzernen gekennzeichnet. eindeutig konzentriert sich dort kapital. es handelt sich aber präzise genommen um eine konzentration ohne zentrallisation. denn zugleich gibt es prozesse des outsourcings, der flexiblen produktion und der innovation kleiner und mittlerer unternehmen, die quasi für das große kapital forschen.
      außerdem ist nicht mehr der gesamte produktionsprozess vertikal integriert, die technische integration nimmt ab. das direkte kommando weicht uU den mechanismen des marktes (oder des netzes), die wiederum von den großkonzernen beeinflusst werden. wir erleben also einen formwandel der kapitalkonzentration. sie ist eine direkte antwort von staat und kapital auf den rückgang der industriellen profite in den 1970er jahren.

      nochmal zum finanzkapital
      diese antwort auf die verwertungskrise der 70er jahre umfasst den neoimperiialismus, die fragmentierung der produktionsketten und die finanzialisierung.
      finanzialisierung beinhaltet:
      1. die zunahme des kapitalanteils der in finanzielle aktivitäten involviert ist.
      general electric und general motors erhielten vor der krise einen höheren teil ihrer profite aus spekulation und konsumentenkredit als aus dem erlös ihrer produkte. beide gehören zum industriekapital. verschmelzung? das erklärt wohl auch deine statistik der höheren profite der industrieunternehmen ggü der finanzindustrie.
      2. wichtiger ist aber noch die umwandlung von eigentum und unternehmenszweck
      anstelle des kriteriums des industriellen profits ist eben nun die erweiterung/wachstum des werts der börsenkapitalisierung getreten. zwar geht es freilich weiterhin um maximale kapitalverwertung, aber diese muss nicht mehr (allein) durch steigerung der produktivität angestrebt werden (auf der ebene des einzelnen unternehmens)
      das geschieht durch übernahmen und zusammenschlüsse wie auch durch investoren (fonds), die das eigentum der unternehmen aufkaufen, weil das eigenkapital für investition allein nicht mehr ausrteicht.
      die größten anteilseigner sind deshalb die finanzkonzerne geworden, die sehr an kurzfristigen hohen renditen orientiert sind - eben 15-25% statt 5 bis 10% prozent für industrieunternehmen. die kurzfristig angelegt finanzpolitik eines unternehmens gewinnt so die oberhand über die langfrostige produktionsplanung. die strukturänderung der unternehmen selbst bedingt also die finanzialisierung - und umgekehrt.

      deshalb kann selbst bei strikt produktivistischem charakter keine absolute trennung zwischen finanz und realkapital mehr vorgenommen werden!!

      Marx Vergesellschaftungsthese des aktienkapitals (samt trennung in eigentüber und funktionär) ist heute dahingehend zu modifizieren, dass der einfluss kleiner sparer ggü den großen finanzunternehmen irrelevant wird. diese investieren auch in das technische management und verzerren es zugunsten der finanzlogik. es findet als eine rekonzentration von eigentum statt (in den finanzunternehmen) und die finanzstrategen dieser eigetümrt übernehmen über den shaholder value zunehmend die kontrolle, da ihren erwartungen die technische leitung der produktion untergeordnet wird (und die bezahlung solcher manager findet wiederum oft durch weitere aktienoptionen statt)
    • Hallo Raoul,
      an deinem Denkansatz finde ich gut und richtig, dass du die Analyse und Erklärung unserer Gesellschaft in der ökonomischen Struktur suchst.
      „Daß in der Bewegung des Privateigentums, eben der Ökonomie, die ganze revolutionäre Bewegung sowohl ihre empirische als theoretische Basis findet, davon ist die Notwendigkeit leicht einzusehn.“ K.Marx, Pariser Manuskripte, MEW 40, 536.
      Das wird leider von viel zu wenig Linken so gesehen.

      Mit deinen Erklärungen im Einzelnen gehe ich nicht immer konform. Aber ich nehme sie für mich als Denkanstoß und als Herausforderung, um meine Erklärungen zu überprüfen und notfalls zu korrigieren.

      Mein Ansatz im Marx-Forum besteht allerdings nicht darin, eine neue, abstrakte Theorie hier vorzustellen (da finde ich an der Marxschen Theorie nichts zu verbessern), sondern am konkreten Einzelfall, so wie mir konkrete Daten und Ereignisse begegnen, das aufzuzeigen, was mir daran wichtig und richtig erscheint. Jedenfalls bin ich immer bemüht, die Wahrheit in den Tatsachen zu suchen.
      Es gehört daher in bisschen Geduld dazu, wenn man im Marx-Forum mitreden will. Man kann nicht alle Fragen auf einen Schlag beantworten und nicht alle Probleme auf einen Schlag lösen.

      Wenn du eher an grundsätzlichen Theoriefragen interessiert bist, dann empfehle ich dir die Arbeiten von Robert Schlosser, der hier einige Zeit im Forum mitdiskutiert und mitgearbeitet hatte. Er arbeitet an einem Buchprojekt, das sich mit der Bestimmung des Finanzkapitals befasst.
      Roberts Thesen zum Finanzkapital werden im Wesentlichen von mir geteilt.

      Gruß Wal
      Glücklich, wer sich vom Feuer der Jugend die Glut noch bewahrt.
    • das muss ich mir mal bei Gelegenheit in ruhe ansehen. hab das manuskript kurz überflogen.nur ganz kurz noch, die ausführungen, auf die du verweist, widersprechen meinen argumenten nicht, im gegenteil:

      zu den monopolen schreibt er:
      <<„Die weltweiten Operationen der TNKs (transnationale Konzerne) umfassen einen geschätzten Anteil von zwei Dritteln am Welthandel. Ungefähr die Hälfte entfällt auf den konzerninternen Handel zwischen Mutter- und Tochterfirmen. Dabei tragen zum Umsatz der 200 größten TNKs allein fünf Wirtschaftsbereiche mit mehr als der Hälfte bei: Handel, Automobile, Bankwesen, Einzelhandel und Elektronik. Bei Autos kommt auf die fünf größten Firmen fast 60 Prozent des weltweiten Umsatzes. Ebenfalls fünf Firmen teilen sich über die Hälfte des Weltumsatzes bei der Elektronik. Unter den 100 umsatzstärksten Staaten (Haushalte) und Firmengruppen befinden sich derzeit 51 TNKs und 49 Staaten.Die Konzerne General Electric, BP oder DaimlerChrysler erzielen jeweils einen größeren Erlös als die Nationaleinkommen aller Länder zwischen der Sahara und Südafrika zusammen. Insgesamt sind Anzahl, Größe, Operationsvolumen und komplexe Vernetzung von Finanzierung, Fertigung, Zulieferung und Vertrieb international tätiger Konzerne ein eindeutiges Charakteristikum der heutigen Globalisierung (UNCTAD 1997; Anderson/ Cavanagh 2000; Altvater/ Mahnkopf 2004; Deutsche Welthungerhilfe 2006)
      ...
      Das Ausmaß der internationalen Arbeitsteilung, vor allem in Gestalt der Arbeitsteilung innerhalb der Konzerne, rechtfertigt es aus meiner Sicht, von einer neuen Qualität zu sprechen und die Marxsche Darstellung vom Gesamtarbeit, Gesamtkapital und der Verteilung des Mehrwertes auf die Einzelkapitale zu hinterfragen. Gesamtarbeit, über die eine Gesellschaft verfügt, Gesamtmehrarbeit und Gesamtmehrwert müssen neu buchstabiert werden. Dieser konzerninterne Handel entzieht große Teile des Handels der Konkurrenz selbständiger Kapitale. Das bedeutet nicht, dass die Konkurrenz zwischen diesen Ablegern der Konzerne aufhört, aber sie unterliegt sozusagen der Kontrolle des Mutterkonzerns, der unmittelbar Einfluss nehmen kann auf Preisgestaltung und somit auf die Verteilung des Profits zwischen den einzelnen Gesellschaften
      ...
      Meine These lautet also: Je stärker die internationale Arbeitsteilung, je größer der Anteil importierter Waren an den Vorleistungen, desto fragwürdiger werden die Ergebnisse des BIP über die „Wertschöpfung“ im Inland. Jedenfalls dann, wenn man von der Arbeitswerttheorie ausgeht>>

      das bedeutet: 1. er stützt die these von der kapitalkonzentration 2. er gibt an, dass es nicht zur zentralisation kommt 3. er spricht von der teilweisen aufhebung der konkurrenz (das belegt er, indem er zeigt, wie die produktionskette der großkonzerne verlagert und die vorarbeit weitgehend an die vielen zulieferer und tochterfirmen delegiert wird)

      was das finanzkapital angeht geht es auch in der von mir gedachten richtung, verfehlt aber noch dessen spezifität (mE eben den unterschied zwischen kredit und geldkapitalware, so die verdopplung des kapitals nicht sehen kann ) sowie die machtdynamik unterschätzt wird ;)
      Zitate:
      "Erst wenn der Markwert der Unternehmen, ausgedrückt im Aktienkurs, sich von dieser Orientierung an den tatsächlichen Profiten, - auf künftige Gewinne spekulierend - entfernt,
      ist die Aktie nicht mehr durch Wert- und Mehrwertproduktion gedeckt. Eine solche Entwicklung setzte zweifellos in der 1990er Jahren ein..."


      "Soweit das Finanzkapital gerade oder nur auf künftige Wert- und Mehrwertproduktion spekuliert, betreibt es „Blasenbildung“ ...."


      "Sofern das Geld über den Finanzmarkt angelegt wird, treibt also der Finanzmarkt die Kapitalakkumulation, ..."


      "Die wirklichen qualitativen Verän-derungen, die wachsende Bedeutung des Kreditgeldes, beruhen auf der „Emanzipation“ des Geldes von der Geldware und der Möglichkeit der Verbriefung von Krediten."

      "Im Personal des Top-Managements verschmelzen Leitungsfunktion im Unternehmen und Kapitalbesitz wieder, wenn auch nicht unbedingt bezogen das jeweilige Unternehmen. Top-Manager bedienen sich aus dem vom Unternehmen erzielten Pro-fit und legen den nicht zuletzt in Aktien an.... Selbstverständlich kaufen sie davon „Wertpapiere“ und akkumulieren so einen Teil ihres Einkommens"

      [Quelle für alles kursive ist dein link, dessen inhalte du ja weitgehend teilst wie du sagst)